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Zanardelli 135 <Zanchi, Alexander
einem ganz anderen Felde erfüllen sollten.
Auf einer ihrer Wanderungen, wie solche
die Schauspielertruppen von einem Ort
zum andern ausführen, wurde der Wa
gen, in welchem Elisa mit ihren Eltern
sich befand, auf der Strecke zwischen
Fiume und Trieft von Wegelagerern
überfallen und ausgeraubt. Im Schreck,
den die damals Zehnjährige darüber
ausgestanden, begann sich die Neigung
zum Somnambulismus zu entwickeln,
und die aller Subsistenzmittel beraubten
Eltern beschlossen autz dem Zustande der
Tochter, der sich zur vollkommenen Hell»
seherei gestaltete, Nutzen zu ziehen. Am
18. September 1847 trat Elise zum
ersten Male in Padua als Hellseherin
auf mit einem Erfolge, welcher alle Er»
Wartungen übertraf. Das hellsehende
Mädchen zog nun die Aufmerksamkeit
der Aerzte und Naturforscher auf sich,
trat in Modena, Bologna, Florenz,
Turin, Triest, Mailand, Trient und den
vielen anderen Städten Italiens auf,
und das Aufsehen, das sie mit ihren Vor>
stellungen erregte, war so groß, daß die
Einnahme einer solchen oft die Summe
von 2000 Lire überstieg. Fachgelehrte
ließen sie sich in ihren Wohnungen vor-
stellen, und Alexander Manzoni beschied
sie dreimal in sein Haus, um diesen merk-
würdigen Zustand zu studiren. Bis zu
Beginn der Sechziger'Iahre hielt sie die
Gemüther in Aufregung und erst unter
den politischen Ereignissen, die sich spater
abspielten, trat sie in den Hintergrund.
Die berühmtesten Aerzte Italiens ver»
hehlten nicht ihr Staunen über die merk»
würdige Erscheinung; wir finden unter
ihnen die Namen eines Asson und Be»
raldi in Venedig, Formiggini in
Triest, Mar in i und Raimondi in
Görz, Erbele, Dalla Rosa und
Salvat t i in Trient, Poiana in Pa» dua, Tomal, Fusinato in Treviso
und viele Andere.
<32226tta <li Verona l858, Nr. 63 im .^p-
(?aäova l858, 3r. 8".) p. 284.
Porträt. Unterschrift: D!i82. Aknai-ciolli
äiveräO tüm^ro I I^H kör ^udlimo o ^ncirä.
l2mo2<l 8LIN I^-L. j ^.l.'!)i!lo I^ruIIi cli». I^ ir.
Ii,il>2lQQnti Oarpano (Venoxia, Lettümdr/
Zanchi, Alexander (Schriftsteller,
geb. in Venedig 14. August 1739, gest.
daselbst 24. December 1838). Er be-
suchte die Schulen in Venedig, und un«
günstige Familienverhaltnifse unterbra»
chen 1779 das Studium der Rechte, dem
er an der Universität in Padua oblag.
Er trat nun bei verschiedenen Magi»
straten Venedigs in Dienst und fand in
demselben sowie in dem bei Rechts»
anwalten Gelegenheit, seine Rechtsstudien
fortzusetzen. Unter den wechselnden poli»
tischen Verhältnissen in verschiedener
Verwendung, ward er, als er 1802
plötzlich dienstlos geworden, von meh-
reren venetianischen Familien mit der
Aufgabe betraut, ihre Archive zu ordnen,
welcher er sich mit großem Geschick unter»
zog. Und so ordnete er unter andern
die Archive der berühmten venetianischen
Familien Appostoli, Arr igoni, Bar»
barigo, Colonna, Contarini,Fos»
colo, Girardin i , Grimani, Pi-
ani, Pr iu l i , Ruzzi, Valmarana,
Zeno und das des Hospitals von
Mestre. Endlich erhielt er wieder eine
Anstellung, und zwar bei dem Criminal»
gerichte in Venedig, in welcher er auch
unter der österreichischen Regierung ver«
blieb. Neben diesem wechselnden Berufe
betrat er mit günstigem Erfolge das Ge-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Wurmser-Zhuber, Band 59
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Wurmser-Zhuber
- Band
- 59
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1890
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon