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Zannovich, Stephan 170 Zannovich, Stephan
Peter I I I . aus. Da er dort, obwohl
man sein Czarenthum nicht anzweifelte,
nickt den erwünschten Anhang fand, so
ging er zunächst nach Italien, wo er in
Florenz es gleich feinem Vater im Spiel
versuchte, einen jungen englischen Lord
in diesem um ansehnliche Summen be.
trog, dadurch aber auch die Aufmerksam-
feit der Behörden auf sich lenkte, so
daß er im December 177 l auf Befehl
des Großherzogs das Land verlassen
mußte. Nun wendete er sich nach Polen,
wo er den Namen Warta annahm, im
vertrauten Verkehr aber mit den leicht»
glaubigen Edelleuten, die sich durch seine
gefälligen Manieren bestechen ließen, das
Märchen zum Besten gab, er sei Prinz
Castriota, ein Nachkomme des be-
rühmten Scanderbeg, habe in Alba>
nien großen Anhang und erwarte nur
gewisse Summen, um dann öffentlich
und mit seinem wahren Namen handelnd
aufzutreten. Er fand mit diesem Märchen
glaubige Anhänger und nicht unbeträcht»
licbe Geldhilfen, mit denen er nach
Deutschland reiste und an verschiedenen
kleineren und größeren Höfen eine Rolle
spielte, wobei es ihm durch seine man-
nigfaltigen Kenntnisse und sein höfisches
Benehmen gelang, in den vornehmsten
Kreisen Aufnahme zu finden und mit
bedeutenden Männern der Kunst und
Wissenschaft zu verkehren, so daß sich in
seinem umfassenden Briefwechsel, den er
mit Personen aus aller Herren Ländern
unterhielt, Namen wie Gluck, Meta-
stasio, Vol ta i re, Rousseau und
andere finden. Auch mit gekrönten- Häup»
tern, so mit dem Kaiser von Rußland,
dem Kronprinzen von Preußen (späteren
Friedrich II.), dem Kurfürsten von
Sachsen stand er im Verkehre. Doch als
die in Polen erschwindelten Summen
allmalig zusammenschmolzen, ging er, nach Berlin, von dort nach Wien, wo er
aber bei Schwindeleien ertappt und 1778
von der Polizei verhaftet wurde. Als er
dann auf Befehl des Kaisers Joseph I I .
freigegeben wurde, erschien ihm Deutsch-
land nicht mehr für seine Unternehmun»
gen als günstiger Boden, er verwandelte
sich nun in einen Geistlichen und mit
dem schon in Polen geführten Namen
Warta begab er sich nach Rom unter
dem Vorwande, ein Gelübde zu erfüllen.
Daselbst gelang es ihm durch sein ein-
schmeichelndes Wesen und seine begei-
sterten Briefe das Interesse der Herzogin
von Kingston zu gewinnen; aber auch
mit diesem Schwindel nahm es ein klag«
liches Ende, er wurde aus dem Lande
gejagt, reiste unter dem falschen Namen
eines I>. Zeratubladas durch Deutsch«
land nach Holland, wo er längere Zeit
zu Amsterdam unbeachtet, wahrscheinlich
auf neue Ränke sich vorbereitend, zu»
brachte. Von da begab er sich nach
Brüssel, wo er die Rolle eines Prinzen
von Albanien annahm, sich in die politi>
schen Angelegenheiten mengte und unter
Andern auch den liebenswürdigen Prin»
zen De Ligne für sich zu gewinnen
wußte. Als damals zwischen den Nieder»
landen und Kaiser Joseph I I . eine
Spannung eintrat, welche demnächst
einen vollständigen Bruch erwarten ließ,
bot er den Generalftaaten ein Armee-
corps von 10.000 bis 20.000 Montene-
grinern an. Die Generalftaaten gaben
ihm kein Geld, wie er solches gefordert,
nahmen aber (23. December 1784) sein
Anerbieten in einem Schreiben an, in
welchem sie seinen Einftuß auf seine
Nation nicht genug preisen konnten.
Dieses Schreiben aber befestigte so den
Credit des waghalsigen Schwindlers,
daß er bei den dortigen Banquiers be»
deutende Summen erhob. Dieser letzt
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Wurmser-Zhuber, Band 59
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Wurmser-Zhuber
- Band
- 59
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1890
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon