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wandten schickte, bei dem er das Bader-
gesckäft erlernen sollte. Dazu zeigte aber
der Knabe nicht die geringste Lust. Er
kehrte nach Mondsee zurück und trat bei
dem dortigen Thurnermeister in die Lehre,
bei dem er einige Tänze auf der Violine
praktisch herabstreichen lernte, während
ihn die Gesellen in mehreren Blas»
Instrumenten unterwiesen, was ihm in
der Folge sehr zu Statten kam. Auch
fand er Gelegenheit, bei dem Organisten,
in dessen Hause er wohnte, etwas Clavier
zu spielen. Als er aber im dortigen Be-
nedictinerstifte einige Tonstücke von
Hasse, Graun, Händel , Bach und
dann mehrere Haydn'sche Symphonien
zu Gehör bekam, ging ihm denn doch
Wesen und Bedeutung der Tonkunst auf,
und er wurde inne, daß er nun erst an
fangen müsse zu lernen, obgleich er schon
damals sich in der Komposition von
Tänzen, wie Menuets, Marschen, Ter>
zettten u. s. w. versuchte. So mit einigen
praktischen Kenntnissen in der Musik aus»
gerüstet, ging er, 18 Jahre alt, auf Wan-
derung, spielte da und dort um gewöhn»
lichen Lohn, bis er 4780 nach Stockerau
kam, wo sich ein Geistlicher des jungen
Musikers annahm und ihm einigen Un-
terricht — darunter im Latein — er,»
theilte. 1784 ging er nach Wien, erhielt
eine Hofmeisterstelle, in welcher er sich
in jeder Hinsicht gut befand und Andere
bildend, sich selbst bildete. Als aber die
Familie, in der er lehrte, Alles verlor,
stand er selbst wieder brodlos da. Dies
geschah 1789. Darauf wendete sich Zapf
an den Siadtthurnermeister und zugleich
Theaterdirector Glöggl in Linz, bei
dem er in der Oper am Clavier Befchäf»
tigung fand. Während zweier Jahre
lernte er so alle Opern aus der Partitur
accompagniren. Dadurch bereicherte e.r
seine eigenen Ideen, gewann eine mufi- calische Vielseitigkeit und wagte sich selbst
an die Composition einer Oper. Als er
diese dem berühmten Abbä Städter
zeigte und ihm derselbe begreiflich machte,
daß ihm ja alle Kenntniß des General»
basses mangle, machte er sich sofort an
das Studium der besten Contrapunctisteii
und drang in die Arbeiten Kirnber-
ger's, Albrechtsberger's, Kocb's
und anderer Meister des Kontrapunkts
ein. So ausgerüstet, schrieb er eine
zweite Oper, „Die Geifterseherin", na cd
einem Text von Richter, die ungeachtet
des mißlungenen Textes doch allgemein
gefiel. Nun bearbeitete ihm ein Mitglied
des Linzer Theaters, Namens Braun,
einen Text aus „Tausend und eine
Nacht", betitelt „Schecheristani". Au.b
diese Oper gefiel sehr, aber der Brand,
von welchem Linz heimgesucht wurde,
traf auch das Theater, so daß Zapf
einem Rufe nach Brunn als Capell-
meister der dortigen Bühne folgte. Die
für dieselbe geschriebene mit bedeutenden
Musikkraften aufgeführte Cantate „Die
Gewalt der Musik" erfreute sich wie die
vorgenannte Oper, die er auch darstellen
ließ, großen Beifalls. Aber diese ein»
zelnen doch von der Laune de5 Publi»
cums abhängigen Erfolge sicherten ihm
nicht den Lebensunterhalt für sich und
seine Familie, und so begab er sich 1806
nach Wien und lebte daselbst von Musik«
unterricht, in welcher Thätigkeit er noch
1820 sich befand. Seine Compositionen,
welche theils gedruckt, theils aber Manu»
script gebieben sind, folgen hier.
Uebersicht der gedruckten und in Sandschrist
hinterlajstnen Compositwüen des I. N. «Zapf.
„Variationen für das Pianoforte in 2)A".
— „Variationen für das Pianoforte in F«
auf das bekannte 3ied: Hs /^üc -^i lilt^c/i cii'<^"
(180l). — „Variationen für das Pianoforte
in DA über die Galopade". — „Sonate
Nr. i für das Pianoforte in QA". — „So-
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Wurmser-Zhuber, Band 59
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Wurmser-Zhuber
- Band
- 59
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1890
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon