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Zatka, Johann 198 Iatka, Heinrich
vcn vielen Dingen eine von der bis»
herigen ganz abweichende Anschauung.
So kam das Jahr l848 heran, und man
begann mit dem alten Schlendrian im
Unterrichtswesen allmalig aufzuräumen;
dabei gewahrte man, daß es an geeig»
neien Unterrichtsbüchern fehlte. Auf den
Rath seines Präfecten Hudeä, sich in
der Verfassung von Schulbüchern zu ver-
suchen, schrieb und gab er heraus:
^o/<a öo«/^o", d. i. Biblische Geschichten
des alten und neuen Testamentes,
2 Theile (Neuhaus l849, 8".), worin
cr in der Behandlung dieses heiklichen
Gegenstandes für die Schule von der
bisherigen Schablone abwich. Bald ent>
deckte man, daß der Verfasser darin,
wenn er auch nichts dem katholischen
Glauben Gegentheiliges vorbrachte, einer
Anschauung huldigte, die mit der streng
orthodoxen Richtung der katholischen
Kirche, die unverrückbar auf ihrem Felsen
steht, sich nicht vereinbaren ließ und in
die Gemüther der Kinder einen Samen
legte, den die Kirche groß zu ziehen Be>
denken trug. Das Budweiser bischöfliche
Consiftoiium beanständete nicht weniger
denn 2t) Sätze darin und verlangte von
« Zatka, daß er dieselben öffentllich
widerrufe, widrigenfalls er Suspension
von Altar und Amt zu gewärtigen habe.
I n dieser Bedrängniß vertheidigte er
sein Buch und wies nach, daß nichts
gegt>n den katholischen Glauben darin
widerstreite. Nichtsdestoweniger aber gab
das Consistorium bekannt, daß Zatka
widerrufen habe. Die Schrift aber
ckH's" kam aü^s den römischen
lidroi-uin prodibitoruin, und
wurde ihr Gebrauch verbaten. Von nun
ab galt er als im Glauoen verdächtig,
behielt aber trotzdem sein Lehramt, bis
die bischöfliche Gewalt einen Ausweg fand, ihn von demselben zu entfernen,
was im Jahre l839 erfolgte. Nun zog
er sich nach Budweis in Ruhe zurück, wo
er noch 1873, damals bereits 81 Jahre
alt, am Leben war. Von anderen Ar-
beiten Zatka's sind noch zu nennen:
„^/aZoi' sve/H. <kv xatt ?r«i». Ginez unk
Il!r5« Mag 1863, 16".), in welcher mit
seinen Initialen ,7. 15. 2. erschienenen
Arbeit er Spinozistischen Anschauungen
huldigt; dann erschien im Programm
des Neuhauser Gymnasiums am Schluß
des Studienjahres 4838 die Abhand-
lung in öechischer Sprache: „Ueber die
Vorzüge des Menschen gegenüber den
anderen Erdbewohnern", und auch seine
Festrede anläßlich der fünfzigjährigen
Jubelfeier des Neuhauser Gymnasiums
im Jahre 1837 wurde gedruckt.
ratur? 6s5ko-8i(>V2.u3ke. Vnk novsH»5, d. i.
Geschichte der äechoslavifchcn Sprache und
Literatur. Neuere Ieit (Nien l868. gr. 8".)
S. 308.
Eine vorübergehende und doch maßgebende Er<
scheinung im öffentlichen Leben ist Hein«
rich Zatka (geb. zu Welloschin in Böhmen
1808). Nachdem er in Budweis das Gym«
nasium und die philosophischen Studien
zurückgelegt hatte, trat er infolge Verarmung
seiner Familie, welche Salz» und Gypsbandel
betrieb, in den Grenzwachdienft und diente
22 Jahre als Kanzlift bei der t. k. Finanz»
bezirksuerwaltung in Budweis. j848 kam er
nach Wien und gründete, ein eifriger Oeche,
daselbst einen Filialverein der äiovauek»
I.192, dessen Obmann er wurde. Als nach
Aufhebung der Verfassung im Jahre l8öl
die Beamten zur Eidesleistung verhalten
wurden, verzichtete er auf sein Amt aus
freien Stücken. Nun verlegte er sich auf den
Salz« und Gypshandel. den er schwunghaft
betrieb, und. begann bald darauf auch den
Betrieb der Sch-fffa^rt auf der Moldau. So
wuchs sein Ansehen, und er wurde zum
Stadtrath in Budweis, I86l als solcher in
den böhmischen Landtag und von diesem in
den nach Aufhebung der Verfassung ersten
verfassungsmäßigen österreichischen Reichsrath
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Wurmser-Zhuber, Band 59
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Wurmser-Zhuber
- Band
- 59
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1890
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon