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Zay von ) Karl 221 Zan von Csömör, Karl
parlamentarischen Documents alle Jene,
welche über den Stand der siebenbür-
gischen Ungelegenheiten in der Gegen-
wart zuverlässig und gründlich unter-
ricdtet sein wollen, auf die „Außer»
ordentliche Beilage zur Allgemeinen
Zeitung", München 4. April 1883,
Nr. 94, welche die wörtliche deutsche
Uebersehung der in magyarischer Sprache
gehaltenen Rede mittheilt.
Gartenlaube, begründet von Ernst Keil
(Leipzig, gr. 4°.) Jahrg. 1883, S. 644 u. f.:
„Der Kampf ums Recht. Ein Zeitbild aus
Siebenbürgen".
Porträt. Gemeinschaftlich mit Karl Wol ff
und Joseph Gu l l nach Zeichnung von
Adolf Neu mann in Holz geschnitten in der
oben genannten „Gartenlaube".
Zay von Csömör, Karl Graf
(Staatsmann, geb. in Ungarn am
12. Februar 1797, gest. daselbst am
8. October 1871). Eine jener merk-
würdigen Gestallen des alten ungari»
schen Adels, die täglich seltener werden,
vielleicht gerade mit ihm ausgestorben
sind. Er ist der Sohn des Grafen Em-
m er ich aus dessen Ehe mit Mar ia
Eleonore Freiin von Calisch (Cali>
sius), welcher merkwürdigen Frau wir
eine besondere Lebensskizze widmen.
Ueber das Geschlecht, dem er entstammt,
eines von den wenigen, die ihren Adel
und Besitz nicht Donationen, sondern
der Arpä.d'schen Eroberung Ungarns
verdanken und bereits seit Iahrhunder-
ten im Besitze des erblichen ungarischen
Reichsbaronates sich befinden, berichten
dieQuellenS. 224. Graf Karl genoß eine
sorgfältige Erziehung im Elternhause
und auf Unterrichtsanstalten seiner Hei-
mat und richtete schon im Vormärz sein entwickelten und Manches zu wünschen
übrig ließen. Der einzige evange»
lisch'lutherische Graf in Ungarn —
reformirte gibt es mehrere — wurde er
schon 1840 zum Generalinspector der
evangelischen Kirchen und Schulen Augs-
burger Confession im Königreich Ungarn
aus freier Wahl erhoben. Er war der
Erste, der es wagte, die Forderung der
gesetzlichen Gleichstellung der Protestan-
ten mit den Katholiken öffentlich aus-
zusprechen, sowie auch die Aufforderung
zur Union der beiden evangelischen Con>
fessionen ergehen zu lassen. Dabei aber
machte er Regierung und Nation auf
die panslavistischen Umtriebe im Lande
aufmerksam. I n seinem voll» und selbst-
bewußten Magyarenthum witterte er
aber auch in jeder harmlosen Regung
des slavischen Nationalbewußtseins —
das ja den Slaven ebenso gut zukommt
wie den Ungarn ihr magyarisches —
gleich das Schreckbild eines Einverftänd-
nisses mit Nußland oder des Abfalls von
der nationalen Sache und brachte sich
als Generalinspector den meisten slavi»
schen Gemeinden gegenüber bald in eine
falsche Stellung, gelangte aber auf diese
Weise zu dem nicht eben sehr schmeichel»
haften Rufe eines Märtyrers der Sprach-
einheit. Dieses Auftreten gegen das
Slaventhum machte ihn dann auch umso
weniger beliebt, als sein Vater Emme»
rich — namentlich durch Verbreitung
slavischer Bibeln — sich um seine slo-
vakischen Glaubensgenossen vielfache Ver-
dienste erworben hatte, so daß dessen An-
denken heute noch bei ihnen in großer
Verehrung steht. Durch sein schroffes
Verhalten gegen den Slavismus hat
aber der Graf demselben mehr genützt als
Augenmerk auf die politischen und con- geschadet. Mit diesem erwähnten Fehler
fessionellen Zustände seines Vaterlandes, > verband er einen zweiten, bei weitem
welche nicht immer verfassungsmäßig sich ' schlimmeren, nämlich daß er Magya-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Wurmser-Zhuber, Band 59
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Wurmser-Zhuber
- Band
- 59
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1890
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon