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Zay von Csömor, Marie E. H. 228 Zay von Esömör, Marie E. H.
Jahre, und Marias Gatte, wie ihr noch
unmĂĽndiger Sohn Karl tgeb. 1797)
waren die letzten Sprossen ihres Ge»
schlechtes, sonach fiel die Herrschaft Zay
Ugr<>cz im Trencsener Comitate Un>
garns Ersterem als Erbschaft zu. Nun
lebte sie mit ihrem Gatten abwechselnd
in Zay>Ugr6cz, Bucsä.n, Oedenburg, wo
sich ĂĽberall um das edle Gattenpaar ein
Kreis auserlesener Menschen versammelte.
Wir nennen aus demselben den Ober»
sten von Steigen tesch, Baron Med-
niansky, Grafen Sa lm, Baron Ocs>
kay, Grafen Majlä.th. Unter solchen
Umständen erwachte Mariens Schaf»
fenstrieb, und es entstanden kleine Lust-
spiele, Erzählungen u. d. m., wobei sie
aber nie an eine Veröffentlichung der«
selben dachte. Später gesellten sich diesem
Kreise noch General Ietzer M . X,
S. 173^> und Gri l lparzer zu. Ein
brieflicher Verkehr mit dem k. k. Appel-
lationspräsidenten Grafen von Enzen-
berg, durch einen Aufsatz des Letzteren
ĂĽber Viehzucht eingeleitet, vervollstan-
digte die geistigen GenĂĽsse der geistvollen,
aber immer etwas kränkelnden Dame.
Dabei fĂĽhrte sie den Zeichenstift mit
groĂźer Gewandtheit und erwies sich als
Gutsfrau in einer Zeit, wo die Aerzte
auf dem Lande noch dĂĽnn gesaet waren,
wie eine hilfreiche Fee in den Wohnungen
ihrer Unterthanen. Um aber wirklich
helfen zu können, las sie mit allem Eifer
auch Medicinisches, und Magnetismus
wie Homöopathie waren Gebiete, auf
denen sie sich werkthatig zeigte. I n der
Vorhalle auf dem Ugräczer Schlöffe und
in ihrem Vorzimmer in Bucsan ging es
zu, wie in den Vorzimmern der gefeier»
testen Aerzte der Gegenwart, es wim«
melte von Kranken und Hilfesuchenden,
aber auch von Armen und DĂĽrftigen,
fĂĽr welche sie immer Spenden bereit hielt. Von ihrer schriftstellerischen Be-
schäftigung — die immer nur sprung-
weise und nie mit der Absicht, etwas
drucken zu lassen, geübt wurde — spra-
chen wir bereits. Ihre ersten Arbeiten
reichen bis t8l3 zurĂĽck, dann entstanden
mehrere in den Jahren 1815 und 1816'
im Druck erschienen aber die ersten 1818
im „Sammler" und in der Schikh'schen
Wiener „Modezeitung", zuletzt gesammelt
in 3 Bandchen und unter dem Pseudo»
nym ihres einfachen Taufnamens Maria,
erst auf dem dritten nannte sie sich mit
ihrem ganzen Namen. Die Titel dieser
Schriften sind: „Heierstanden. I. bis Z. Niind-
chen" (Brunn 1820 — 1823, Traßler,
gr. 8^.) 1. Bändchen: Erzählungen,
1. Theil: ,Die Prise Tabak"; — «Iwan
und Ilena"; — «Opfer und Lohn"; —
„Die Seereise"; — 2. Bandchen:
Lustspiele: „Die drolligen Wirthe"; —
„Der. Schooshund"; — „Die geheilte
Eifersucht"; — „Das Bild"; — „Der
unsichtbare Liebhaber auf der Probe";
— 3. Bündchen: Erzählungen, 2. Theil:
„Wie die Saat, so die Ernte"; — „Ver-
gehen und Sühne"; — „Die Grabes-
braut"; — „Das große Loos". Dann
folgten noch ein 4. und 3. Bändchen
unter dem Titel: „Neue Erzählungen",
1. und 2. Theil. Von anderen in Zeit-
schriften erschienenen Arbeiten aus ihrer
Feder ist mir nur noch bekannt: „Die
Bergfahrt". Seit vielen Jahren leidend,
nach dem Tode ihres Gatten allmalig
allen Verkehr einschränkend, zog sie sick,
nachdem sie ihrem Sohne die Güter über«
geben, nach Oedenburg zurĂĽck, verlebte
aber die Sommermonate mit ihren Kin»
dern und Enkeln auf dem Lande. Dabei
aber machte ihr Brustleiden immer wei<
tere Fortschritte, bis sie ein sanfter Tod
von demselben erlöste. Frau Karolme
Pichler gibt ein anziehendes Bild der
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Wurmser-Zhuber, Band 59
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Wurmser-Zhuber
- Band
- 59
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1890
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon