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Zdekauer von Treukoru, Friedrich 2ZZ Zdekauer tion Treukorn^ Friedrich
betheiligt war, und die gefährlichen
Handelskrisen, von welchen der euro
paische Markt in den letzten Decennien
wiederholt heimgesucht wurde, vermoch>
ten nicht die Grundvesten dieses Bank
Haufes zu erschüttern, ja dasselbe ging
aus allen denselben vielmehr mit er
höhtem Glänze hervor. Die zahlreichen
Bahnen, welche heute das Königreich
Böhmen nach den verschiedensten Rich-
tungen durchziehen, die Dampfschifffahrt,
welche den Handel mit vaterländischen
Erzeugnissen nach dem Norden vermit»
telt, sie führen ihr Gedeihen vielfach auf
die Anregungen und die hervorragende
Thätigkeit Friedrich Zdekauer 's
zurück. Da er in Finanzkreisen als einer
der gediegensten und erprobtesten Fach»
manner galt, so wurde bei den wichtig-
sten Finanzoperationen des Staates
immer sein Rath eingeholt, oder er um
die Erstattung seines Gutachtens ange-
gangen und zu allen seit 4833 in finan»
ciellen und volkswirthschaftlichen Fragen
angestellten Enqueten beigezogen. Wenn
es sich um Gründung neuer oder Um»
gestaltung bereits bestehender Anstalten
handelte, waren sein Rath, seine An-
sichten ausschlaggebend. Seit Jahren
stand er bei mehreren der bedeutendsten
volkswirthschaftlichen Anstalten Böh-
mens in leitender Stellung: seit 1843
wirkte er als Director der böhmischen
Sparkasse, seit 4868 als Directions-
Präsident der Prager Bankfiliale, welcher
er vom Beginne ihrer Gründung als
Directionsmitglied angehörte, seit 4873
als Präsident des Prager Kettenbrücken-
Actienvereines, in dessen Direction er
schon 4848 gewählt worden; ferner war
er Präsident der Aussig.Teplitzer Eisen-
bahn, Vicepräsident der Buschtiehrader
Eisenbahn, Präses « Stellvertreter der
Prager Handelskammer, Mitglied der wechselseitigen Brandschaden - Versicke»
rungsgesellschaft. Aber aucb die gemein-
nützigen und Wohlthätigkeitsanstalten
Prags zählten ihn zu ihren werkthätig'
sten Mitgliedern, und wohl gab es kein
Institut in der Hauptstadt, dem er nicht
als Mitglied angehört hatte. Wenn es
Linderung öffentlicher Bedrängnisse galt,
leistete er die ausgiebigste Mithilfe, so in
der UeberschwemmungSnoth der Jahre
1862 und 1872, in der Kriegsnoth 183l>,
in welchem Jahre er überdies für die
Ausrüstung eines böhmischen freiwilligeil
Corps bedeutende Summen widmete.
Eine nicht minder große Thätigkeit ent-
wickelte er in den Hilfscomites, welcde
sich zur Pflege und Unterstützung der auf
den Schlachtfeldern verwundeten öster-
reichischen Krieger gebildet hatten, und
wirkte vorbereitend auf eine Organi-
sation nach den Grundsätzen der Genfer
Convention. So lebt heute noch, nacb
nahezu zwei Decennien, in der Geschickte
des volkswirthschaftlichen Aufschwungs
der Neuzeit Böhmens und der Förderung
aller Wohlthätigkeits- und gemeinnützigen
Anstalten Prags sein Andenken fort.
Diese vielseitigen Verdienste fanden aber
auch mehrfache Würdigung: so wurde er
4834 in den österreichischen Adelstand mit
dem Prädicate Edler von Treu körn
erhoben, 4863 folgte die Verleihung des
Ordens der eisernen Krone dritter Classe
und den Statuten desselben gemäß der
Ritterftand und im Mai 1872 der
Frei Herren stand. Auch von fremden
Regierungen hatte er Auszeichnungen
erhalten. Die Thermenstadt Karlsbad
ernannte ihn zu ihrem Ehrenbürger, das
Prager bürgerliche Schützencorps zum
Major. Aus seiner Ehe mit seiner früh»
verstorbenen Gattin A ntonie geborenen
Edlen von Muth hinterließ er nur eine
Tochter Gabriele, die seit 13. August
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Wurmser-Zhuber, Band 59
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Wurmser-Zhuber
- Band
- 59
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1890
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon