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Zdekauer, Moriz 233 Idekauer, Karl Amadelis
umfassende linguistische Kenntnisse und hat
namentlich einige bemerkenswerthe Ueber«
setzungen aus dem Sanskrit geliefert. —
tO. M-oriz Zdekaurr (geb. in Prag
3. Jänner 177U. gest. zu Prag 7. Juli
ts4ä). Von Jugend auf dem sinanciellen
Gebiete zugewendet, bewährte er sich bald
als eine seltene Capacität, gründete l303 in
Prag das seinen Namen führende Groß«
handlungshaus. welches noch heute seine ein»
fiußreiche Stellung und seinen ehrenvollen
Ruf behauptet. Bald gelangte er in Ge-
schäftskreisen zu einer maßgebenden Stellung,
so daß sich die Blicke der österreichischen Re.
gierung auf den tüchtigen Finanzniann rich«
teten und diese in der schweren Zeit der
napoleonischen Kriege seinen Rath und seine
erfolgreiche Vermittlung in Anspruch nahm.
insbesondere bei Einlösung der Aerarial»
und Domesticalobligationen der einzelnen
Provinzen des Kaiserstaates gegen Hinaus»
gäbe neuer Stäatsschuldoerschreibungen (KI6-
talii^ns»), bei Gewährung von Darlehen
in Conuentionsmünze an Vesitzer von land»
löslichen Gütern behufs Rückzahlung der in
Wiener Währung haftenden Hyothekarschulden
und bei anderen wichtigen Gelegenheiten.
So wuchsen sein Ruf und sein Ansehen, die
ersten Adelsfamilien und viele Großgrund»
desitzer betrauten ihn mit ihren Geschäften,
und vom Geiste der Humanität beseelt, för<
derte er auch reich und willig alle Acte der
Wohlthätigkeit. I n Gemeinschaft mit wenigen
Gleichgesinnten gründete er 1823 die höh«
mische Sparcasse. welche zu einem der blü'
hendsten Geldinstitute Oesterreichs gediehen
ist. Auch widmete er eine nahmhafte Summe,
deren Interessen zum Ankaufe von Prämien»
büchern zu verwenden sind. mit denen ausge«
zeichnete Schüler der von Kaiser Joseph I I .
im Jahre i782 gegründeten deutschen Haupt»
schule für die israelitische Jugend Prags be>
theilt werden. Durch Kauf gelangte er in
den Besitz eines der größten Gärten Prags,
welcher, bis dahin dem Grafen Canal ge»
hörig, nach ihm der „Zdekauer'sche Garten"
benannt wurde. Derselbe ward von ihm frei»
willig der Benützung der Prager Bevölkerung
gewidmet und bildet noch zur Stunde einen
beliebten Erholungsort derselben. Moriz
Zoetauer hinterließ aus seiner Ehe mit
Aaroline FranKl eine zahlreiche Familie,
darunter die Söhne Eduard, Friedrich.
Kar l und Adolf, üoer welche Näheres
mitgetheilt wird. ! I I I . Wappen, Rother Schild in seiner unteren
Hälfte von einer goldenen schwär; aus>
gefugten Maurr mit vier Zinnen quer aus<
gefüllt, von denen die beiden äußeren dem
Sckildesrande angeschoben sind; in der Mitte
liegt eine goldene Laubkrone, aus welcher
der behalste Kopf eines silbernen Windhundes
mit goldenem Halsband hervorgeht. Auf dem
Schilde ruhen zwei Turnierhelme. Aus de^
Krone des rechten erschwingen sich fünf
Straußfedern, und zwar ,;wei goldene wech»
selnd mit drei rothen; die Krone des linke,i
trägt einen offenen rechts von Noth über
Silber, links abgewechselt quer ^lelheilttn
Adlerfiug. Helm decken beiderseits roth. d^ e
rechte mit Gold. die linke mit Silber unter
legt. Devise: Nnter dem Wappen auf
rothem Bande mir goldener Lapidarschrifc
Zdekauer, Karl Amadeus Ritter von
(Finanzmann, geb. zu Prag 23. Oc°
tober 1849). Ein Sohn Karl Constau
tins aus dessen Ehe mit Anna gebo
renen Artus und Bruder Konrads,
erhielt er im Elternhause eine sorgfältige
Erziehung und entwickelte sich unter
dem Beispiele seines Vaters und seiner
Oheime mit überraschendem Erfolge im
kaufmännischen Berufe, zu welchem m
dem Erziehungsinstitute zu Keilhau w
Schwarzburg-Rudolstadt und in der be-
rühmten Handelsschule in Nürnberg der
Grund gelegt wurde. Nach beendeten
Studien trat er sofort in das Bank«
geschäft seines Vaters, wurde aber von
diesem zur Erweiterung seines Gesichts»
kreises und zur Erprobung seiner Selb»
standigkeit zuerst in ein renommirtes
Leipziger Creditinstitut und dann in ein
Brüsseler Bankhaus gesendet, von wo er
ins väterliche Geschäft zurückkehrte, in
welchem er bald Gelegenheit fand, seilt
umfassendes mercantilisches Wissen und
seine energische Strebsamkeit zu bethä'
tigen. Kaum 24 Jahre alt, ward er
durch den plötzlichen Tod seines Vaters
(!873) zur Uebernahme des Bankhauses
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Wurmser-Zhuber, Band 59
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Wurmser-Zhuber
- Band
- 59
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1890
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon