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Zedlitz, Joseph Christian 286 Zed!iH, Joseph Christian
durch alle Wälder und Schluchten singt und
klingt. Zedlitz ist als Dramatiker durch
weg wenig originell, als Traumdeuter aber
ist er es. hier erschlieĂźt sich ihm das ganze
Wesen der Poesie, und es liegt ausgebreitet
wie ein krystallheller Weiher, in dem man
die Steine bis auf den Grund sehen kam.
^n dem man gern im ernsten Nacksinnen
siĂźen mag. um sich von dem rauschcnden
3chilftohr und von den lispelnden im
Tonnenstrahl zitternden Wellen Ammensaqen
erzählen zu lasstn. Zumeist aber ist bei der
Irttten Dichtung die frische Iugendkraft bei
den vorgerĂĽckten Jahren des Dichters (dieser
zählte damals bereits 56 Jahre) zu bewun«
h^n." — Wir schließen mit Nachweisen
über andere kritische Stimmen. — Zur Kritik.
Bohemia (polit. und belletristisches Prager
Blatt). Redig, von F. Klutschak. 22. Jahr»
gaug. 16. October 1849. Nr. 217: „Zeit.
roelen". ^- Fran kl (Ludw. Aug.). Sonn«
tagsblätter (Wien. 8".) I I . Jahrg.. S. 1162:
„Ein Franzose (Tai l landier) über deutsche
Poesie. Fre i l igrath. Heine. Zedlitz.
Lenau". Von Heinrich Landes mann
(Französisches Gewäsch). — Gottschall
(Rudolf). Die deutsche Nationalliteratur in
der ersten Hälfte des neunzehnten Jahr«
Hunderts. Literarhistorisch» kritisch dargestellt
(Vreslau 1861. Trewendt. 3".) 2. verm. und
verb. Auflage. Vd. I I I , S. 82 u. f. —
Laube (Heinrich). Geschichte der deutschen
Literatur (Stuttgart 1840. Hallberger. gr. 8°.)
Bd. IV, S. 134 u. f. — Lorm (Hierony.
mus). Wiens poetische Schwingen und
Federn (Leipzig 1847. Grunow. 12".) S. 14!
u. f. ssorm schlieĂźt seinen Essai ĂĽber Zed>
litz mit den Worten: „Mit seiner politischen
Zeder aber hat er sich die Todtenkränze
seines Ruhmes geschrieben". Nicht so ganz,
das Immergrün der Tootenkränze kann nicht
verblassen, wenn auch der Samum des Ser«
viliLmus darüber streift. Schön bleibt schön
unier allen Umständen.) — Menzel (Wolf»
gang). Die deutsche Literatur. Zweite verm.
Auflage (Stuttgart 1336. Hallberger. 8".)
Theil IV, S. 227 und 347. — Seidl i tz
(Julius Dr.). Die Poesie und die Poeten in
Oesterreich im Jahre 1836 (Grimma 1837.
,-.",) Bo. I , S. 196 u. f. — lK ehrein
m seinem Lexikon katholischer Dichter gibt
am SchlĂĽsse der biographischen Skizze von
Zedlitz eine reiche Auswahl von Quellen
tntischer Stimmen aller bedeutenden deut»
schen Literaturhistoriker.) — Ein Deitrag 1«r Geschichte literarischer Umtriebe, Zedlitz
betreffend. E i tt" F r e u n d e r z ä h l t e
m i r : In einer Gesellschaft literarischer
Freunde, welche sich von Zeit zu Zeit in
einem Wiener CafĂĽ zu versammeln liebte
und in einer traulichen abgelegenen Ecke die
neuesten Erscheinungen der Literatur besprach
und auch manchmal die älieren Poeten vor
ihr Forum nĂĽchternster Beurtheilung zog,
bemerkte Einer aus der Gesellschaft: „Es ist
doch auffallend, wie man dem armen Zedlitz
seine publicistische Thätigkeit unter Metier»
nich so schwer anrechnet, da sie wrdcr etwas
AnrĂĽchiges, noch sonst Unlauteres an sich hat,
denn er vertrat Staatsanfichten, wie sie auch
heute vertreten werden, und wenn er auch
selbst nicht mit dem Sch.Darm der Freiheits»
jodler dahinraste, kann man ihn doch nicht
einer unehrenhaften Gesinnung oder sonst
unedlen Handlung zeihen. Es ist aber gewiĂź,
daß. wie man ihn einst als Sänger der
„Todtenkränze" vielleicht überschwänalich pries
— womit ich aber nicht im geringsten diese
wunderbaren Canzonen in ihrem wirklichen
Werthe schmälem will — man ihn heute
ebenso entweder verlästert oder aber geradezu
todtschweigt, ohne daĂź er das Eine oder das
Andere verdient." Man stimmte dieser in
voller Ruhe und ohne Voreingenommenheit
ausgesprochenen Ansicht allgemein bei. als
Einer aus der Gesellschaft, der sich sonst
meist schweigend, überhaupt mehr passiv ver»
dielt, rief: Ich kenie oder glaube zu kennen
die Ursache dieses auffallenden Vorganges,
sie rĂĽhrt von der unstillbaren Rache eines
Poeten her. der Gedichte macht und nicht
dichtet. Dieser Versemacher, so erzählte mir
Zedlitz selbst den Vorgang, und ich halte
ihn für wahr. da er dem Sänger der
„Todtenkränze". der selbst M e t t e r n i c h
gegenĂĽber kein Blatt vor den Mund zu
nehmen pflegte, ganz ähnlich sieht, dieser Verse»
macher (Vogl?). fuhr Zedlitz fort. kesuchte
mich eines Tages und im Laufe des Gesprächs .
das er auf seine Dichtungen zu lenken ge»
wußt hatte, legte er eine unsagbare Selbst«
Überschätzung an den Tag. Ich entgegnete
ihm. über diese lächerliche Dichtereitelkeit s
geradezu empört, mit jener Offerheit. die ich
nun einmal nicht los werden kann: Mein
Freund, Sie dichten ja nicht, Sie machen
Gedichte. Sie winden und binden, sie kleben
und weben, Sie reimen und leimen Worte
und Verse zusammen, wie die herumziehenden
slovakischen Drahtpinocr gesammelte Scherben
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Wurmser-Zhuber, Band 59
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Wurmser-Zhuber
- Band
- 59
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1890
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon