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Jehden 270 Zehdcn
wurde er l869 in dem damals unter
der Leitung des tüchtigen Alexander
Gig l gestandenen Archiv des k. k. Mini«
steriums des Innern angestellt und
arbeitete daselbst drei Jahre, eben zu der
Zeit, als eine 'Reorganisation dieses
reichen Archivs stattfand. Da ihn aber
innere Neigung am meisten dem Studium
der Geographie zutrieb, welches durch
R i t t e r's geniale Auffassung dieses
Wissenszweiges einen vollständigen Um-
schwung und eine großartige Bedeutung
gewonnen hatte, so widmete er sich mit
allem Eifer demselben und erlangte l87l
die Stelle des Lehrers der Geographie
und Statistik an der Wiener Handels
akademie als Nachfolger Vinc. Klun's.
Durch ausgedehnt* Reisen in allen
Staaten Europas, im Oriente nnd in
Nordamerika suchte er feinem theoreti-
schen Wissen die unentbehrliche Basis der
Anschauung zu geben. Die tausendfachen
Berührungen, in welche er auf seinen
Reisen und bald auch in Wien mit der
Wirklichkeit trat, ließen ihn immer mehr
den praktischen Werth der wirthschaft«
lichen Geographie, d. i. jener geo»
graphischen Darstellung erkennen, welche
die rein geographischen Erscheinungen
mit den Cultur-, Productions- und Ver-
kehrsverhältnissen der Staaten und
Völker in Zusammenhang bringt. Die
meisten seiner Arbeiten zielen darauf ab,
dieser Idee Bahn zu brechen, so daß er
^ini''olnehr als Vorkämpfer für die Aner»
kennung und Ausbreitung der sogenann»
ten Handels- und Verkehrsgeographie
in Oesterreich betrachtet werden muß,
als er in seiner Eigenschaft als Lehrer
von vielen Tausenden "junger Leute,
welche dem Handelsverkehrsdienste sich
widmeten, im wahrsten Sinne des
Wortes Schule machte. Oft zogen ihn
kaufmännische Vereine und industrielle Unternehmungen als geographischen Be>
rather heran; 1882 wurde er in den
Ausschuß der k. k. geographischen Gesell-
schaft in Wien gewählt, im nämlichen
Jahre als Professor für Verkehr
geograpie und Statistik an die üeu>
gegründete Fortbildungsschule für Eisen»
bahnbeamte in Wien berufen; 4884 von
Seite des k. k. Unterrichtsministeriums
zum Mitgliede der Prüfungscommission
für commercielle Fächer und 1888 zum
Inspector aller Handelsschulen mit deut-
scher und italienischer Unterrichtssprache
in Oesterreich ernannt. Seine Leistungen
auf vorgenannten Gebieten fanden aller<
höchste Würdigung im Jahre 1874 durch
Verleihung der großen goldenen Medaille
für Kunst und Wissenschaft und 4889
durch das Ritterkreuz des Franz Joseph-
Ordens. Seit l876 ist Zehden mit
Maria Mül ler , einer Rheinländerin
wallonischer Abkunft, verheiratet. Von
seinen durch den Druck veröffentlichten
theils selbständig erschienenen, theils in
periodischen Schriften seines Faches cknt«
haltenen Arbeiten sind uns bekannt:
„Hllüdel5grügrllphit ant Grundlage der neuesten
Fllrchnngen" (Wien 4871, 6. Aufl. 1890,
8^.), in mehrere Sprachen übersetzt' —
,Nie Verkehrswege zu Wasser und zn Allnd"
(ebd. 1879); — „(5ülitcirnirn nun Oinst nnd
Ächt" (1880)'. — „Mrmegen" (l882); —
„Oesterreichs Zlnttreten ant drm australischen
Nelwarkie" (Wien 1882, Holder, 8".).
— „Nie Glllllnill!au55tellnng in Amsterdam"
(l884, Ed. Hölzel); — „Msnien ^nb die
HercepMina" (1887, ebd.); — in den
Mit the i lungen der k. k. geogra-
phischen Gesellschaft in Wien:
„3ake Tahre in der Sierra Nevada vo.n
Amerika" (1877); — „Die Goldsucher
Californ'ens" (1877); — „Californien
unter spanischer Herrschaft" (1878); —
„Die tausend Inseln im Loren;o"
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Wurmser-Zhuber, Band 59
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Wurmser-Zhuber
- Band
- 59
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1890
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon