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Zerboni di Sposetti, Julius 332 Zerboni di Spofettig Julius
zwar nach Wien übersiedelte, ist nicht be-
kannl, aber schon 184l erscheint er als
Mitglied der k. k. Landwirthschaftsgesell-
schaft daselbst. Auch kamen genannten
Jahres in Druck heraus seine „3.'qri5chen
Blätter" (Wien, Strauß' Witwe), eine
Sammlung von Gedichten, von denen
jedoch die Literaturgeschichte keine Notiz
nahm. In den Vordergrund trat er erst
im Bewegungsjahre l848, in welchem er
der überhandnehmenden Revolutions«
partei muthig und entschieden, aber
erfolglos entgegenwirkte. I n der ersten
Zeit zahlte er noch gar nicht zu den
spater in Acht und Bann gelegten söge-
nannten „Schwarzgelben". Erschien doch
von ihm in der damals von Ferdinand
Luib redigirten „Wiener allgemeinen
Musik-Zeitung" das Gedicht „Oesterreich
hoch!", Nationalhymne nach der Melodie
des Volksliedes, und heißt es in der
zweiten Strophe dieses Gedichtes: Oest»
reich hoch! zu Boden nieder j Alle, die
das Land bedroh'n, j Schnarr euch treu
und muthig, Brüder, > Um des Kaisers
heil'gen Thron! > Nieder die, die
ihn im Leben j Hielten in der
Knechtschaft Band!! u. s. w. Als
die Erhebung aus ihrem normalen Ge>
leise trat und Einissäre aus allen Herren
Ländern die Aufregung nährten, die
radicalen Blätter wie Pilze aus der
Erde wuchsen, sich Parteien bildeten und
diese zu Vereinen sich krystallisirten, da
war es Ju l ius von Zerboni, der im
Mai einen vom l3. dieses Monats da-
tirten „Zuruf an alle Völker des freien
Oesterreichs" im Namen eines Vereines
wahrer Vaterlandsfreuride (4^., ohne
Druckort und Jahr, 8 S.) mit der Lo-
sung „Das Vaterland ist in Gefahr"
erscheinen ließ und dann in Gemeinschaft
mit dem Arzte Dr. Rudolf von Vive»
not j^Bd. 1^1, S. 9l u. f.^> den consti- tut ionel len monarchischen Ver«
ein bildete, dessen Mitglieder, im Gegen-
satze zu der Partei der Revolution oder
der Radicalen, den Namen „Schwarz»
gelbe" in Anspielung auf die alten
österreichischen Farben erhielten. Zur
Vermeidung von Wiederholungen ver»
weisen wir auf den Artikel Vivenot in
unserem Werke. Zugleich war Zerbon
Nationalgarde der 2. Compagnie des
Schottenviertels und hatte schon in
einem Artikel vom !9. Mai in der „All>
gemeinen Theater-Zeitung" zu einer
Adresse an Seine Majestät aufgefordert,
welche die Bitte aussprach, daß'die am
io. Mai festgesetzte Bestimmung „daß
die Linientruppen nur auf Verlangen der
! Nationalgarde ausrücken dürfen" auf«
> gehoben werde. Auch stellte er am
! 2. August im Verwaltungsrath der
! Nationalgarde den Antrag der Wid«
^ mung eines Ehrensabels für den Mar-
^ schall Radetzky als Repräsentanten der
! österreichischen Armee in Italien zum
^ Wahrzeichen der Anerkennung ihrer be>
wiesenen Ausdauer und Tapferkeit und
^ daß dieser Antrag bei sämmtlichen Com»
pagnien der Garde in Anregung gebracht
! werde. Ueberhaupt entwickelte er als
^ einer der Hauptrepräsentanten der Ord»
! nungspartei, wie ich selbst Gelegenheit
" genug hatte, es wahrzunehmen, eine
geradezu aufreibende Thätigkeit, die viel«
leicht nicht immer der entsprechenden
Mittel sich bediente, im Uebereifer die
^ Partei der Gutgesinnten oft in Verlegen»
heit setzte und ihm selbst genug Spott
und Herabsetzung von Seite der Revo«
lutionspartei in der radicalen Presse ein»
brachte. Auch über das Weichbild der
schon in vollster Aufregung begriffenen
Stadt Wien erstreckte er seine Wirksam«
keit, wie es aus einem in Znaim erschie»
nenen Aufrufe an die Mahrer erhellt, in
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Wurmser-Zhuber, Band 59
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Wurmser-Zhuber
- Band
- 59
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1890
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon