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Zerboni di Sposetti, Julius Zgz Zerboni di Spofttti, Bernard
welchem er sie auffordert, treu zu ihrem
constitutionellen Kaiser zu halten und
sich durch die in Wien erneut ausgebro»
chene Revolution nicht irre machen zu
lassen. Nach Bewältigung der Wiener
Erhebung finden wir ihn bei der von
Zang ins Leben gerufenen /Presse"
thätig, und als dann' dieses mit den
Negierungsmaßnahmen nicht einverstan«
dene Blatt zur Opposition überging,
welche endlich einen solchen Charakter
annahm, daß in den damaligen Tagen
des Belagerungszustandes dasselbe unter«
drückt wurde, folgte er, als es nach
Brunn übersiedelte, dahin, und aus
amtlichen Schreiben erfahren wir, daß er
einen „mäßigenden und mildernden
Einfluß" auf das Blatt ausgeübt habe,
der jedoch in Anbetracht des Charakters
des Hauptredacteurs wohl mehr in Zei>
boni's eigener Meinung als in Wirk<
lichkeit bestanden haben mochte. I n der
Folge zog er sich von aller publizistischen
und politischen Thätigkeit zurück und
lebte nur noch als Privatmann. Ju l ius
von Zerboni, seiner äußeren Erschei»
nung nach eine Hünengestalt, gehörte zu
den typischen Gestalten der Ordnungs-
Partei im Jahre l848. Ueberall im
Vordergrunde verfehlte er durch sein
impetuoses Auftreten umsMehr seine
Zwecke, als bei der damals leider durch
feiges Verhalten der Gutgesinnten in
ungeheuerlicher Zunahme begriffenen Re<
volutionspactei alH Vortheile des Gelin-
gens lagen und der einzelne „Himmels-
stürmer" mehr komisch erschien, als sich
wirksam erweisen konnte. Leute dieser
Art haben der Aufrechterhaltung der
Ordnung, die ja ohnehin aus Rand und
Band war, nicht geschadet, aber auch
nichts weniger als genützt.
Helfert (Freiherr von). Die Wiener Iour«
nalistik im Jahre lt>48 (Wen 1877. Manz. ' 8".) S. 183 u. f. — Tas Jahr ls48. Ge«
schichte der Wiener Revolution. Von Resch.
auer begonnen, von Moriz Smets beendet.
Illustrirr von V. Katzler. F. Kriehuber
u. A. (Wien l872. Waldheim. 4«.) Bd. I I ,
3. 238 und 466. — Wiener Katzen»
musik (Spottblatt von Willi Beck und
Siegmund Engländer. 4".) 6. Juli 1848.
Nr. 16: „Neueiie Rede des Herr-.. Julius
Zerboni di Sposrtti". mit Zerboni's iZa»
ricaturbildniß. — Helfert (Freiherr von).
Der Wiener Parnaß im Jahre 1848 (Wien
1882. Manz. gr. 8") 2 . XXI I , S. 62.
Nr. 372; T. 65. Nr. 387.
Zur Genealogie und Familiengeschichte der
Zerboni di Sposetti. Ueber den Ursprung der
Familie, die ihrem Namen nach als eine ita«
lienische elscheint, fehlen alle zuverlässigen
Angaben. Sie könnte, da sie aus Preußen
kommt und in Churbrandenburg im Stern»
berger Gebiet ein Ort Zerbo liegt, von dort»
her stammen. Die Endsilbe (ni) will bei der
Willkür in der Ramensgestaltung nicht viel
bedeuten. Die Familie taucht zuerst in Preußen
auf, wo ein Joseph von Zerooni als
Oberpräsident der Provinz Posen eine Thä>
tigkeit entfaltete, welche in Vrockhau's „Con»
versations'Lerikon" <», Aufl. (Leipzig 1824)
im X. Bande eine ausführlichere Würdigung
findet. Der Adel der Familie wurde als ein
alter und bekannter ebensowohl preußischer»
seit« I8l6 bezüglich deü Oberpräsidenten, als
österreichischerseils bezüglich de'' Rittmeisters
Nernard mit Diplom dclo. 14. November
181U anerkannt. Verschiedene Sprossen dieser
Familie sind erwähnenswert!): 1. Vernard
(geb. 8, April 1769, i). ein Bruder des
preußischen Oberpräsidenten Joseph. Der«
selbe zeichnete sich als Oberlieutenant bei
Fürst Lodkowitz'Uhlanen Nr. 8 im Feldzuge
1795. in welchem dieses Regiment in der
Gegend uon Schwetzingen. Heidelberg. Mann»
heim u. a. O. viele Kämpfe zu bestehen
' hatte, in den Gefechten vom 7. bis 11. Sep»
tember bei Edisheim aus. wo er fünf unge°
stüme Angriffe des Feindes mit kaltblütiger
Entschlossenheit zurückwies und dreißig gefan.
gene österreichische Infanteristen befreite. Im
Feldzuge 17W, inzwischen zum Rittmeister -
im Regimente befördert, wurde er am
16. Mai bei Marengo bei einer der esca«
dronsweise ausgeführten Attaque verwundet.
Er ging bald darauf in Pension und wio»
mete sich der Landwirchschaft. Ta er teine
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Wurmser-Zhuber, Band 59
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Wurmser-Zhuber
- Band
- 59
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1890
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon