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338 Zergoüern, Joseph vrn
nett i , Bauer, Ste in ih gab er da»
mals den Ton an, der die Gemüther er»
hihte und die Bewegung nährte, welche
dann so viel Elend über das Land
brachte. Zerff i stand auch 1848 als
Hauptmann und Adjutant Schwel-
gel'S in der Honvvdarmee. Nach Nieder-
wörfung der Rebellion flüchtete er 1849
zunäcbst nack Belgrad, wo er in den
Dienst des französischen Consuls trat.
Im Jahre l830 übersetzte er für die
vom Verlagscomptoir zu Würzen heraus-
gegebene „Europaische Bibliothek der
neuen belletristischen Literatur" die ge-
sammelten Werke Kossuth's Md. 322,
347, 349^ > ins Deutsche. 1832 begab er
sich nach Paris, 1853 nach London,
wurde dort Mitglied des Ro^al msäioki
aoile^e — denn es war damals in Eng»
land Mode unter Palmerfton's Re>
gime, der eine Oesterreich feindliche Po-
litik einschlug, alle Revolutionare aus
Ungarn, Polen und Deutschland zu
feiern und zu ehren — dann Secretär
des deutschen Nationalvereines, deffen
Präsident Gottfried Kinkel war. Diese
Stelle mußte er aber infolge von Ein-
hüllungen, welche seinen Charakter in
höchst bedenklichem Lichte erscheinen
ließen, niederlegen. Aus einer anläßlich
eines Ehrenbeleidigungsprocefses einge-
reichten Denkschrift erhellt, daß Zerff i ,
der l848 eingefleischter Magyar war, in
Bukarest unier dem Namen vi-. Fausti
gegen Ungarn geharnischte Briefe für die
„Allgemeine Zeitung" lieferte. Es wider-
strebt uns, die Wandlungen dieser catili-
narischen Existenz ihrem Detail nach zu
verfolgen. Er schrieb unter den verschie.
densten Namen und Chiffern für Iour»
nale, die, sobald sie seinen wahren Namen
erfuhren, alle Verbindung mit ihm ab-
brachen. 1863 befand er sich noch in
London; in welche Dienste als geheimer Agent und Spion er später trat, ist uns
nicht bekannt.
Piesse, 1863. Nr. 333. im Feuilleton. —
Die Geißel (Wien. 4".) 3. Juli l849.
Nr. !55: „Veitrag zur Charakteristik des be»
rüchtigten Aufruhrpredigers... Gust. Zerssi
u. s. w.".
Zergollern, Joseph v. (k. k. Haupt-
mann im Ruhestande, geb. zu Bründl
in der Karlstadter Militärgrenze 3. De-
cember 1816). Der Sproß einer kraini»
schen Adelsfamilie, über w»lche Adels-
werke und Schematismen keine Nach»
richten bringen, trat er in das Infan-
terieregiment Kaiser Nr. 1, in welchem
bereits sein Vater Anton als Haupt-
mann gedient hatte. 1843 zum Unter«
lieutenant befördert, stand er 1848 als
Oberlieutenant mit dem Negimente in
Italien. Dasselbe focht auf das glän-
zendfte im Straßenkampfe und bei der
Erstürmung der Barricaden in der im
vollen Aufruhr begriffenen Stadt Mai-
land. Daselbst wurde er am 22. Mai
1848 bei Erstürmung einer Barricade
durch einen Flintenschuß in die linke
Hand und in den rechten Unterschenkel
verwundet und erhielt in Anerkennung
seiner Tapferkeit noch im nämlichen Jahre
das Ritterkreuz des Leopoldordens. 1849
rückte er zum Hauptmann zweiter, 1852
zum Hauptmann erster Classe vor und
machte als solcher noch den Feldzug
1839 in Italien mit. Nachdem er im
Jänner 1860 zu Baumgarten-Infanterie
Nr. 76 übersetzt worden, trat er im
October des folgenden Jahres in den
Ruhestand. Während des Feldzuges
1866 stand er vom 1. Juli bis 30. Sep-
tember bei dem Infanterie > Regimente
Großherzog von Hessen Nr. 14 zu
Depotdiensten in Verwendung. Haupt»
mann Zergollern muß wohl schon ge-
storben sein. da er in allen Militär- und
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Wurmser-Zhuber, Band 59
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Wurmser-Zhuber
- Band
- 59
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1890
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon