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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Wurmser-Zhuber, Band 59
Seite - 341 -
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Zerkow ih 341 Zerkowitz sie außergewöhnlich flink und fleißig war. Dabei führte sie noch Tag und Nacht die Aufsicht über ihren jün> geren Bruder Johann, denn um ein Dienst», geschweige ein Kindermädchen zu halten, reichten die Einnahmen nicht hin. So entwickelte sich in Sidonie in frühester Jugend der heiße Wunsch und Vorsatz, durch eigenen Erwerb ihre Eltern aus deren Drangsalen zu be» freien und ihnen eine behagliche Existenz zu sichern. Dieser Gedanke beherrschte sie auch durch ihr künftiges Leben und ist somit die Quelle der mitunter widrigen Geschicke, von denen sie betroffen wurde. Zwölf Jahre alt, besuchte sie die Bürger» schule in Holleschau mit vorzüglichem Erfolge. Ein Jahr später ging sie nach Wien, um dort die französische Sprache zu erlernen, und fand bei Verwandten eine nothdürftige Unterkunft. Wieder nach einem Jahre kehrte sie nach Holleschau zu ihren Eltern zurück und gab nun Privatunterricht im Französischen und in anderen Fächern; dabei bildete sie sich selbst weiter fort, erlernte Italienisch, Üechisch, Clavier und erwarb sich in kurzer Zeit nach öffentlich abgelegter Prüfung Zeugniß und Befugniß einer Lehrerin der französischen Sprache. Nun begab sie sich zunächst als Erzieherin nach Ungarn, wo sie wieder autodidaktisch nebst der englischen die magyarische Sprache erlernte und sich durch Selbst- unterricht für die Prüfung als Lehrerin für öffentliche Schulen- in Ungarn vor» bereitete. Nach anderthalbjährigem Auf« enthalt in Ungarn legte sie die Prüfungen ab, wurde aber durch ihre gewinnende äußere Erscheinung und ihre Selbst« standigkeit bald Gegenstand großen In- teresses der Pesther Schriftsteller- und Ge. lehrtenkreise; insbesondere erweckte die Leichtigkeit, mit welcher sie sich die magyarische Sprache angeeignet hatte, Verwunderung, denn sie legte zuerst die Volksschul- und bald darauf die Bürger- schullehrerinenprüfung an der königlich ungarischen Staatspraparandie in magya» rischer Sprache mündlich und schriftlich mit glänzendem Erfolge ab; schrieb lyrische Gedichte, Essays, pädagogische Artikel in magyarischer Sprache in den ersten Tagesblättern Budapesths und wurde bald in den wissenschaftlichen und Schriftftellerkreisen so bekannt, daß sich die Aufmerksamkeit des Unterrichts» Ministers Trefort auf die junge Lehr» amtscandidatin richtete, der in den von ihr veröffentlichten pädagogischen Artikeln manche beherzigenswerthe Ansicht fand, welche dann bei den Reformen des da> mals noch im Argen liegenden Unter« richts in Ungarn zum Ausdruck kam. I n der That erhielt Sidonie, die damals erst 13 Jahre alt war, die aber Jeder ihrer Größe und äußeren Erscheinung nach mindestens für 20 Jahre hielt, bald eine Sielle als Lehrerin an einer städti« schen Schule in Ofen. Aber nicht nur ihre Gestalt trug wesentlich dazu bei, sie überhaupt für älter anzusehen, sondern auch die geistige Weise, die sie im persön« liehen Verkehre, sowie in ihrem ent- schieden ausgedrückten Denken bekundete. Daß sie bei ihrem Ehrgeize, ihrem Stre» ben, den armen Eltern eine ausgiebige Hilfe zu leisten, und bei ihrer nicht ge« wohnlichen durch eigenen Fleiß erwor« benen Bildung innerlich mit dem Lehrerin« berufe ganz und gar nickt befriedigt war, begreift sich leicht. Der Dichter Coloman Töth hatte eine tiefe glühende bis an sein Ende währende Neigung für sie ge« faßt und trug ihr Herz und Hand an, sie lehnte aber diesen Antrag ab. Auch im Publicum bildete sich immer mehr die Ansicht aus, daß sie doch nicht auf
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Wurmser-Zhuber, Band 59
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Wurmser-Zhuber
Band
59
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1890
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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