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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Wurmser-Zhuber, Band 59
Seite - 345 -
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Seite - 345 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Wurmser-Zhuber, Band 59

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Zerr 343 Zerr 188l). Ihr Vater, Organist und Musik^ lehrer in Baden «Baden, ertheilte ihr selbst den ersten muficalischen Unter» richt, welcher dann, als sie zur Erziehung in ein Kloster kam, in demselben fort» gesetzt wurde. Sie gewann dem Kloster« leben so großen Reiz ab, daß sie die Ab» ficht hatte, den Schleier zu nehmen. Der Vater aber ließ es nicht zu, und als sie nach Hause zurückkehrte, mußte sie ihn im Unterrichtertheilen unterstützen. Nun aber kam ihr der Gedanke, zur Bühne zu gehen, doch auch da trat der Vater hin» dernd dazwischen. Als indeß die Sän- gerin und Gesanglehrerin Elena Vi- gano die junge Anna zufallig singen hörte, fiel ihr die herrliche Stimme sofort auf, und sie erklärte sich bereit, ihr unent» geltlich Unterricht im Gesänge zu er» theilen und sie für die Bühne vorzu» bereiten. Dieser Antrag wurde ange- nommcn, und Anna reiste mit ihrer Lehrerin nach Paris. Dort erkrankte sie, und nach ihrer Genesung zeigte es sich, daß sie die Stimme verloren hatte. Aber schon nach drei Monaten erhielt sie die« selbe zurück, und nun klang sie noch schöner denn zuvor. Aus den Händen der Vigan6 kam Anna zu dem be> rühmten Musiklehrer Bordogni in Paris, dessen Unterricht sie zwei Jahre genoß, und nun wurde 4840 die acht- zehnjährige vollständig geschulte Kunst» lerin als erste Sängerin an der Hof« bühne in Karlsruhe engagirt. Dort sang sie neben der berühmten Beatrix Fischer-Schwarzböck ^Band IV, S. 233^ und gewann alsbald die Gunst deS Publicums und des Hofes. Mehrere Gastspiele, welche sie inzwischen an anderen Orten gab, verbreiteten ihren Ruf als Gesangskünstlerin und hatten mehrere vortheilhafte Anträge zur Folge, von denen sie jenen der Wiener Hofoper am Karntherthortheater 1846 annahm. Daselbst gefiel sie so sehr, daß ihr die Auszeichnung zur k. k. Kammersängerin, ernannt zu werden, zutheil wurde. Auch von Wien aus unternahm sie Gastspiel» reisen, darunter eine im Jahre 1849 nach London. Da sang sie in einem Con» cert zum Besten der dort unter Palmer» ston's Schutze sich sammelnden ungari» Rebellen. Wegen dieser Tactlosigkeit wurde sie des Kammersangerintitels ver» lustiq und durfte auch nicht wieder an die kaiserliche Hofbühne zurückkehren. Von da an nahm sie kein festes Engage» ment mehr an, sondern reiste nur auf Gastrollen, segelte, von den Vortheil» haftesten Antragen gelockt, über den Ocean nach Amerika, wo sie die größten Triumphe feierte und auch ansehnliche materielle Vortheile erzielte. Nach ihrer Rückkehr zog sie sich 1837 von der Bühne zurück und verheiratete sich mit einem badischen Milität, von dem sie sich jedoch wieder scheiden ließ. Seit Jahren lebte sie ganz zurückgezogen auf ihrer Be> sitzung in Winterbach^ wo sie im Alter von 39 Jahren der Tod ereilte. Sie besaß eine geradezu phänomenale Stimme, welche sie durch treffliche Schulung zu außerordentlichen Leistungen zu steigern verstand, damit verband sie eine Dar- stellungsgabe, welche in solcher Voll- endung und künstlerischen Durchbil- dung nur wenig Sangerinen ezgen. So kam es denn, daß man sie wegen ihrer wunderbaren Leistungen in der Stimme den „weiblichen Paganini des Gesanges", wegen ihres meisterhaften Spieles „Die Rachel der Oper" zu nennen liebte. Ihre glockenreine Stimme, mit welcher sie das Bruftregister mit den Kopftönen natürlich und reizend zu verbinden verstand, um- faßte mehr als drei Octaven, vom zweige- strichenen ^ unter der Linie bis zum vierge-
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Wurmser-Zhuber, Band 59
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Wurmser-Zhuber
Band
59
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1890
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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