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Zukriegt 303 Jukriegl
in den Ruhestand trat. Dr. S. Brun«
ner in den unten genannten „Denk-
Pfennigen" klärt uns über Zu krieg l's
Verlassen der Wiener Universität auf.
Es war im Jahre der Bewegung 1848,
in welchem auch die niederösterreichische
Geistlichkeit unter den allgemeinen bereits
die Kirche bedrohenden Vorgängen Stel<
lung zu nehmen suchte. Mehr als hundert
Priester hatten sich zu einer Berathung
zusammengefunden, die ganz ordnungs»
maßig verlief, als mit einem Male der
Dechant von Probstdorf warnend und
den Wiener Clerus verdächtigend, seine
Stimme erhob, was zur Folge hatte, daß
der Erzbischof von Wien die ferneren Ver-
sammlungen des niederösterreichischen
Clerus verbot. Da trat Dr. Sebastian
Brunner in der von ihm redigirten
„Kirchenzeitung" gegen den Probstdorfer
Dechanten entschieden auf, wies die
denunciatorischen Beschuldigungen des«
selben zurück und brach für den nieder-
österreichischen Clerus eine Lanze. I n
dieser Philippika und in dieser Replik
Dr. Brunner's heißt es auch: „Wenn
Sie aber (Herr Dechant) schon einer Ver»
anlassung und eines Anstoßes von außeir
nothwendig haben und einer „hohen
Aufforderung" bedürfen, um ihre „hohe
Begeisterung" in vollen Schwung zu
bringen und mit „wahrem Trost und
schönen Hoffnungen" erfüllt zu werden*),
so wäre bei Gott eine bessere Gelegenheit
dazu gewesen, als einige Geistliche sich
offen von ihren Eiden gegen die katho-
tische Kirche lossagten, von denen einer
(Füster) im vergangenen Jahre jene
Lehrerftelle an der Universität bekam,
welche der d urch Wissenschaft und
Wandel ausgezeichnete Oi. Zuk-
*) Die mit Gänsefüßchen bezeichneten
Stellen sind wörtlich aus der Denunciation
des Probstdorfer Dechanten. riegl ein Jahr lang rühmlichst
versehen, hat. Zuk r ieg t mußte
auswandern und ist gegenwartig
auf den Zehrstühlen der Philo«
fophie und Theologie zu Tübin-
gen eine Zierde der dortigen
Universität und steht würdig
neben einem K ü h n , Hefe le ,
Welte, Fichte u. s. w., was auch
etwas gesagt haben wi l l . Da
wäre nun Gelegenheit gewesen, eine Kr-
gebenheitsadreffe bezüglich des abgefal»
lenen Professors Füster und eine Be-
mitleidungsaoresse betreffs des Dr. Zuk-
riegl zu machen, indem man von Seite
der kirchlichen Behörde damals aus Ver-
sehen kein Wort aussprach, um die 3ehr<
kanzel dem verdienstvollen Zukriegt
zuzuwenden und die Folgen dieses kleinen
Mißgriffes eben für das Ordinariat keine
geringen sind. Das wäre, wenn schon
einmal eine Veranlassung sein muß, doch
eine würdige und dringende gewesen.
Da hätten auch die Worte vom „un»
kirchlichen Treiben" und von „Ver-
worfenheit" mit Recht plahgreisen kön.
nen." Nachdem wir nun die bisher wenig
bekannte Ursache von Z u k r i e ss l's
Uebersiedlung aus Oesterreich ins Reich
kennen gelernt, bleibt uns nur übrig,
seiner Werke zu gedenken. Diese sind:
„MssenschMiche Kechtfertigung drr Lrinitütz-
lehre mit besonderer Rücksicht guk Strau 52"
(Wien 4846, 80.); — ,Neber die Noth-
mnckigk.eit nner OffenbanmgzNllrlll" iTübin«
gen 1849, 8".); — «Nothwendigkeit der
christlichen GssenbarnnHSmoral null ihr philasn-
Mcher stMpnnkt" (ebd. t830, s".); —
„Nritische Untersuchung über des Wesen der
vernünftigen Geistseele und der MsiZchrn Aeib-
lichkeit des Menschen" (Negensburg 1834,
86.); — ^Snr Signatur der modernsten thtlllll-
zischen Tnionsbestrebungln«. I n der Tüb in -
ger theologischen Quartalschrift
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Zichy-Zyka, Band 60
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Zichy-Zyka
- Band
- 60
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1891
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 430
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon