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Akademie der Wissenschaften, Österreichische#

Akademie der Wissenschaften, Wien 1.
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Foto: P. Diem

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ist die größte Einrichtung für außeruniversitäre und anwendungsoffene Grundlagenforschung in Österreich. 1847 als Gelehrtengesellschaft gegründet, vereint sie heute Gelehrtengesellschaft, Forschungsprogrammträger und Nachwuchsfördereinrichtung.


Die ÖAW pflegt die Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Institutionen des In- und Auslands und nimmt für das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW) die Abwicklung von Forschungsprogrammen und internationalen Mitgliedschaften wahr.


Die ÖAW betrachtet die Förderung der Wissenschaften als ihre oberste Aufgabe. Neben der wissenschaftlich fundierten Gesellschafts- und Politikberatung und der Grundlagenforschung ist sie in der Förderung exzellenter Nachwuchswissenschaftler aktiv. Mit Anton Zeilinger, dem gegenwärtigen Präsidenten, ist sie im "European Network of Government Science Advisers" vertreten.

Die Österreichische Akadmie der Wissenschaften ist eine selbständige Körperschaft, großteils vom Bund, aber auch durch Stiftungen und Subventionen finanziert, und ist eine der führenden Forschungsinstitutionen in Österreich. Sie verfügt über eine bedeutende wissenschaftliche Bibliothek und seit 1973 über einen eigenen Verlag.

Die ÖAW gliedert sich in eine mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse (Mathematik, Naturwissenschaften, Medizin, Technische Wissenschaften) und eine philosophisch-historische Klasse (Geistes-, Rechts-, Staats-, Wirtschaftswissenschaften) und hat derzeit insgesamt mehr als 750 Mitglieder.

Die Akademie betreibt derzeit 29 Forschungsinstitute (mit ca. 1.300 MitarbeiterInnen): die Institute arbeiten auf den Gebieten der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften (Archäologie und Altertumswissenschaften, Asienwissenschaften und Sozialanthropologie, Geschichtswissenschaften, Kulturforschungen, Sozialwissenschaften) und der Mathematik, Natur- und Technikwissenschaften (Life Sciences, Mathematik, Physik, Weltraumforschung und Materialwissenschaften); darüber hinaus gibt es noch weitere Forschungseinrichtungen wie das Institut für Technikfolgen-Abschätzung oder das Phonogrammarchiv.

Der Sitz der Akademie der Wissenschaften ist seit 1857 die Aula, ein 1755 (für die Alte Wiener Universität) erbautes Universitätsgebäude.



Geschichtliches

Die zahlreichen Anregungen zur Errichtung einer Akademie der Wissenschaften in Wien (etwa durch G. W. Leibniz, J. C. Gottsched usw.) wurden lange Zeit von den jeweiligen Herrschern hauptsächlich aus Rücksicht auf den Staatshaushalt nicht verwirklicht, erst eine Bittschrift von 12 namhaften österreichischen Gelehrten (J. von Hammer-Purgstall, A. von Arneth, N. J. von Jacquin, J. J. von Littrow, J. J. von Prechtl u.a.) im Jahr 1837 führte unter Mitwirkung Metternichs zum Gründungspatent.

Am 14. Mai 1847 erfolgte die Gründung der "Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien" durch ein Patent Kaiser Ferdinands I. Der von ihm eingesetzte Kurator Erzherzog Johann verankerte in den Statuten ausdrücklich die Freiheit der Rede und Schrift der Mitglieder der Akademie – und setzte so die Zensur des Vormärz außer Kraft.

Von Anfang an verschrieb sich die Akademie ambitionierten und hochaktuellen Forschungsaufgaben aus den Geistes- und Naturwissenschaften. Egal ob international Aufsehen erregende Ausgrabungen in (Ephesos, Limes etc., Maßstäbe setzende sprachwissenschaftliche Publikationen zum Balkan, Meilensteine in der Meteorologie und Physik, die Gründung des ersten Instituts für Radiumforschung in Europa oder die Weltumsegelung der "Novara"" - die Akademie und ihre weit reisenden Mitglieder ließen geistige wie politische Grenzen hinter sich.

So ließ sie das "Archiv für österreichische Geschichte" (ab Jahrgang 34, vorher "Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen") und die Quellenedition "Fontes rerum Austriacarum" (ab 1849) erscheinen, unterstützte die Herausgabe des "Biographischen Lexicon des Kaisertums Österreich" von C. Wurzbach, veranlasste 1851 die Gründung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, gründete 1899 das erste Phonogrammarchiv Europas, gab seit 1875 gemeinsam mit den Akademien von München und Berlin die "Monumenta Germaniae Historica" heraus und führte zahlreiche langfristige Publikations- und Editionsvorhaben durch (Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, Die Habsburgermonarchie 1848-1918, Österreichisches Städtebuch, Schnitzler-Tagebuch usw.).


Die "Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien" verstand sich als Gelehrtengesellschaft und Hort wissenschaftlicher Freiheit. Auch in der Ersten Republik wurde die Akademie der Wissenschaften per Bundesgesetz 1921 als "Akademie der Wissenschaften in Wien" rechtlich und finanziell abgesichert. Der "Anschluss" Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich im März 1938 bedeutete eine tiefgreifende Zäsur - die Leitungsstellen wurden mit Parteigängern des Nationalsozialismus besetzt.

Nach dem Krieg wurde 1947 die ÖAW als "Österreichische Akademie der Wissenschaften" neuerlich in ihrer Aufgabe bestätigt, die Wissenschaft "in jeder Hinsicht zu fördern".

Die Forschungsschwerpunkte der Akademie der Wissenschaften in der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse lagen im 20. Jahrhundert verstärkt bei den physikalischen, biologischen, medizinischen und umweltbezogenen Wissenschaften.

Durch die Intensivierung der internationalen Zusammenarbeit und neue Forschungsgebiete von den "digitalen Geisteswissenschaften" über die "Life Sciences" bis hin zur Experimentalphysik, spielt die ÖAW heute wieder eine wesentliche Rolle in der globalen Spitzenforschung


Präsidenten der Akademie der Wissenschaften

(ph. = philosophisch-historische Klasse, m. = mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse):

Publikationen#

  • Almanach (seit 1951), Denkschriften, Sitzungsberichte, Anzeiger
  • Arbeiten der einzelnen Kommissionen und Institute sowie Einzelwerke und Reihen

Literatur:#

  • R. Meister, Geschichte der Akademie der Wissenschaften in Wien 1847-1947, 1947
  • Österreich Akademie der Wissenschaften (Hg.), Die Österreichische Akademie der Wissenschaften, 1994

Weiterführendes#