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Buchdruck#

1482 arbeitete der erste Drucker in Wien (S. Koblinger oder Koglinger); 1559-65 hatten auch die Jesuiten in Wien eine eigene Druckerei, 1555 wurden die ersten Punzen und der erste Schriftenguss in Wien angefertigt. Einer der ältesten Musikdrucke Österreichs wurde 1509 von J. Winterburger hergestellt. Die erste auf Musikdruck spezialisierte Druckerei in Wien wurde 1791 eröffnet. In der Reformationszeit hatten die niederösterreichischen Landstände eigene Druckereien (1570 im so genannten Scheibenhof bei Stein und 1580-1618 im Landhaus in Wien). Die steirischen Landstände schlossen mit einem Buchdrucker in Graz einen Vertrag ab. G. Widmanstetter richtete 1585 in Graz eine bedeutende Druckerei ein, die 1806 an Andreas Leykam überging.

Die Buchdruckerkunst gehörte zu den freien Künsten; die Buchdrucker unterstanden dem Kaiser und - bis 1767 - der Universität und waren meist auch Buchhändler (Buchhandel).

Die bedeutendsten Buchdrucker Österreichs im 17. und 18. Jahrhundert waren M. Cosmerovius, J. van Ghelen, J. Gerold und Johann Thomas von Trattner; dieser beherrschte beinahe 50 Jahre lang das österreichische Buchwesen. Er eröffnete Filialdruckereien und -buchhandlungen in allen größeren Städten der Monarchie, in Wien auch eine eigene Schriftgießerei. Im 19. und 20. Jahrhundert haben viele österreichische Drucker wesentliche Beiträge zur technischen Verbesserung des Buchdrucks geleistet.

Der Vorarlberger L. Müller (1799-1844) wurde Bahnbrecher des maschinellen Buchdrucks, er vollendete 1833 die erste Schnelldruckpresse Österreichs und gründete die erste Druckmaschinenfabrik Österreichs, das zweite derartige Unternehmen auf dem europäischen Festland. A. Strauß (1775-1827) verbesserte Stempelschnitt und Schriftgießerei, führte schon um 1800 mehrere Versuche im Stereotypendruck nach Didots Manier durch und erfand 1815 eine Schnellpresse. F. Raffelsberger stellte erstmals in Österreich 1835/36 mehrfärbige Landkarten auf der Buchdruckerpresse her. Carl Gerold führte 1816 die Lithographie in die österreichische Druckpraxis ein. Carl Angerer erfand den so genannten Wiener Ätzprozess, führte die Kreide- und Schabmanier ein und erfand 1882 gleichzeitig mit G. Meisenbach in München die Autotypie. A. Angerer entwickelte das Farbreproduktionsverfahren. A. Hübl erfand das Dunkelkammer- und das drehbare Atelier, er führte auch Neuerungen und Verbesserungen des galvanoplastischen Verfahrens ein. E. Tschulik baute für die Staatsdruckerei eine Setzmaschine. J. Löwy erfand die Erzeugung vielfärbiger Bilder durch Kombination von Stein- und Lichtdruck und die Gelatine-Emulsionsplatte und errichtete 1872 die erste Anstalt für Lichtdrucke in Wien. C. Reißer verwendete 1866 statt des unmittelbaren Typendrucks den Druck von Stereotypplatten nach Papiermatrizen, 1873 ließ er erstmals auf einer Rotationsmaschine drucken, die er gemeinsam mit G. Sigl konstruiert hatte. Josef Vinzenz Degen, der erste Direktor der Österreichischen Staatsdruckerei, erfand das Mehrfarbendruckverfahren (seit 1821) und den Druck von mit Guillochen versehenen mehrfärbigen Geldzeichen, der für viele Staaten die Grundlage des Banknoten- und Wertpapierdrucks wurde. Weltruf verschaffte der Staatsdruckerei dann Alois von Auer-Welsbach mit zahlreichen typographischen Erfindungen. Österreich hatte bis zum Beginn des 1. Weltkriegs in der Herstellung von Guillochiermaschinen eine Weltstellung. Besondere Verdienste um den Ruf des österreichischen Buchdrucks erwarb sich auch das Militärgeographische Institut in Wien, vor allem in der Herstellung von Kartenwerken. Führend ist Österreich auch in der Erzeugung von Spielkarten.

Intensiv wurde seit jeher der Druck fremdsprachiger, besonders orientalischer Werke in Österreich betrieben, so zum Beispiel in der Österreichischen Staatsdruckerei und der Druckerei der Mechitaristen. 1675 wurde die erste arabische Druckerei in Wien eingerichtet.

Bis zu Alois Senefelders Erfindung der Lithographie (vor 1800) behaupteten Holzschnitt und (besonders seit Mitte des 16. Jahrhunderts) Kupferstich das Feld der Buchillustration (Graphik).

An Buchbinderarbeiten sind in Österreich zu Anfang des 19. Jahrhunderts Leistungen im Empirestil hervorzuheben. Anfang des 20. Jahrhunderts machten sich Künstler aus der Wiener Werkstätte, besonders Josef Hoffmann und Koloman Moser, durch ihre künstlerischen Einbandentwürfe einen Namen.

Bis zum Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts beherrschten der Handsatz und die Bleisetzmaschinen (Linotype, Monotype) die Satzherstellung. Anfang der 70er Jahre begannen der Fotosatz und die EDV ihren Siegeszug im Satz, sodass heute Bleisatz nur noch als Liebhaberei existiert. Ein Jahrzehnt später setzte sich die Elektronik auch in den einstufigen Reproduktionsbetrieben durch. Die Reproduktionstechnik mit Kameras und Farbauszugsgeräten wurde durch Trommelscanner und elektronische Bildverarbeitungssysteme abgelöst. Ab Mitte der 90er Jahre begannen durch leistungsfähige Personalcomputer Satz- und Bildverarbeitung zu verschmelzen. Durch die PC-Anwendung hat sich die Texterfassung aus den Setzereien zu den Autoren und Verlagen verschoben. Mit dem Siegeszug des Fotosatzes, des Computer-Publishings und der elektronischen Reproduktion wurde der Hochdruck durch den Offsetdruck (Flachdruck) abgelöst. Neueste Entwicklungen auf der Grundlage digitaler Datenverarbeitung sind Digitaldruck (für "Drucken nach Bedarf"), Druckplattenherstellung direkt vom Datenträger (ohne Belichtung von Offsetfilmen) und Cross-Media-Publishing (Produktion von Büchern und elektronischen Medien aus einer gemeinsamen Datenquelle).


--> Historische Bilder zu Buchdruck (IMAGNO)

Literatur#

  • M. Denis, Wiens Buchdruckergeschichte bis 1560, 1782-93
  • A. Mayer, Wiens Buchdruckergeschichte 1482-1822, 1883-87
  • Bibliographie der österreichischen Drucke des 15./16. Jahrhunderts, 1913
  • G. Fritz, Geschichte der Wiener Schriftgießereien, 1924
  • A. Durstmüller, 500 Jahre Druck in Österreich, 3 Bände, 1982