Burstyn-Motorgeschütz

Burstyn Motorgeschütz
HGM Modell Burstyn Motorgeschütz.jpg
Allgemeine Eigenschaften
Besatzung 3 Mann (Kommandant/Ladeschütze; Richtschütze; Fahrer)
Länge 3,5 m (ohne Ausleger)
Breite 1,9 m
Höhe 1,9 m
Masse ca. 7 t
Panzerung und Bewaffnung
Panzerung 4 mm (Seite u. Heck) – 8 mm (Front)
Kampfraum zusätzlich 3 mm
Hauptbewaffnung 1 × 37-mm-Schnellfeuerkanone
Sekundärbewaffnung 2 × 7-mm-Maschinengewehre (geplant)
Beweglichkeit
Antrieb LKW-Benzinmotor
45 PS
Höchstgeschwindigkeit errechnet:
  • 29 km/h (Straße)
  • 8 km/h (Gelände)
Leistung/Gewicht 6,4 PS/t

Das Burstyn-Motorgeschütz war der Entwurf eines ersten, modernen Panzers, der bereits vor dem Ersten Weltkrieg entwickelt worden war. Erfinder des Fahrzeuges war im Jahre 1911 der k.u.k. Oberleutnant Günther Burstyn.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Bei der Fahrt auf einem Torpedoboot kam Burstyn im Jahre 1903 auf die Idee, ein "Landtorpedoboot" zu entwerfen. Es sollte schnell und gepanzert sein, sowie eine eigene Kanone mitführen können. Aus dienstlichen Gründen verfolgte er den Gedanken jedoch zunächst nicht weiter.

Am 24. November 1904 wurde der erste „Holt-Traktor“ mit einer "gleislegenden Kette" in Kalifornien eingesetzt und von ihrem Entwickler Holt als „Caterpillar“ bezeichnet. Wenig später setzten auch schon große ungarische landwirtschaftliche Betriebe solche Traktoren ein.

Im Frühjahr 1905 fiel Burstyn auf der ersten Automobilmesse Wiens das gepanzerte Automobil von Daimler auf, er hielt jedoch die Räder am Wagen Daimlers für Fahrten im Gelände ungeeignet. Anstatt der Räder wollte er einen Raupenantrieb (Burstyn nannte es "Gleitband") einsetzen, wie sie bei den Holt-Traktoren verwendet wurden.

Burstyn begann jedoch erst im Jahre 1911 mit den technischen Planungen. Am Ende des gleichen Jahres legte er dem k.u.k. Kriegsministerium seinen Entwurf für ein "Motorgeschütz", dem ersten modernen Panzer der Welt, vor. Das Ministerium lehnte jedoch die Entwürfe ab und verwies darauf, dass der Leiter des Automobilwesens keine Erprobung des Motorgeschützes auf Kosten der Heeresverwaltung durchführen könne. Aus diesem Grund, aber auch aus Desinteresse wurde der Bau eines Prototyps abgelehnt. (Die k.u.k. Militärverwaltung war nicht nur extrem konservativ, sondern auch stets äußerst knapp an Geldmitteln.) Nichtsdestoweniger experimentierte auch die k.u.k Armee ab 1912 mit Holt-Traktoren, um sie etwa als Zugmaschinen für Festungsartillerie einzusetzen.

Burstyn legte seinen Entwurf daraufhin dem deutschen Kriegsministerium vor, das daran allerdings ebenfalls kein Interesse zeigte.

Sowohl in Österreich-Ungarn (k.u.k. Patent 53248, 25. April 1912), als auch im Deutschen Kaiserreich ließ sich Burstyn seine „Vorrichtung für Motorfahrzeuge zum Überschreiten von Hindernissen“, also nur die Ausleger des Motorgeschützes, patentieren.

Beschreibung

Modell des Motorgeschützes von 1911 im HGM

Das Motorgeschütz verfügte bereits über die typischen Merkmale eines modernen Panzers:

  • ein gepanzerter Aufbau
  • Kettenantrieb statt Räder
  • ein schwenkbarer Turm mit einer Kanone.

Die Besonderheit war die Position der Besatzung.

  • der Kommandant bzw. Ladeschütze sollte vorne rechts sitzen
  • der Richtschütze vorne links
  • Unglücklich gewählt war jedoch die Position des Fahrers. Er sollte mit dem Rücken zur Fahrtrichtung sitzen, also entweder durch ein Periskop nach vorne sehen oder nur auf Anweisung des Kommandanten steuern.

Burstyns Entwurf war gut durchdacht, sowie statisch und dynamisch weitestgehend berechnet worden. Er besaß einige Merkmale, die in der damaligen Zeit einzigartig waren:

Beweglichkeit

Das Motorgeschütz wäre aufgrund seiner geringen Größe und seiner Manövrierfähigkeit den meisten Fahrzeugen, die im Ersten Weltkrieg eingesetzt wurden, überlegen gewesen: Auf der Straße und im Gelände wäre es schneller gewesen als die Typen der Alliierten und konnte sogar eingeschränkt in Karst- und Alpengebieten eingesetzt werden. Nur in Waldstücken wäre die Manövrierfähigkeit aufgrund der Ausleger begrenzt gewesen. Die Räderpaare und die Ausleger des Motorgeschützes waren für die damalige Zeit allerdings sehr komplizierte Konstruktionen. Der Entwurf an sich war aber auch ohne Ausleger und Räder äußerst fortschrittlich. Ein weiterer Vorteil war die relativ hohe Beweglichkeit und die geringe Größe des Fahrzeuges.

Raupenantrieb

Burstyn übernahm nicht das Fahrgestell eines Holt-Traktors, wie es französische Panzerbauer später im Ersten Weltkrieg taten. Er konstruierte seinen eigenen Raupenantrieb, den er bis zur Einbringung des deutschen Patentes mehrmals verbesserte.

Heb- und Senkbare Räder

Das Motorgeschütz sollte zusätzlich zwei vertikal bewegliche Räderpaare besitzen, die sowohl eine schnelle Fahrt auf der Straße, als auch im geeigneten Gelände ermöglicht hätten. Dabei sollte das vordere Räderpaar steuerbar sein, während der Antrieb über das hintere Räderpaar erfolgen sollte. Da diese Räder auf keiner Zeichnung vorhanden sind, ist die vorgesehene Anbringung - innerhalb oder außerhalb des Fahrzeuges unklar. Bei einer späteren Umsetzung des Fahrzeugs durch Austro-Daimler und Saurer wurden diese Räder außerhalb angebracht.

Vorrichtung für Motorfahrzeuge zum Überschreiten von Hindernissen

Diese durchdachte Vorrichtung ließ sich Burstyn in Österreich-Ungarn und Deutschland durch Patent schützen. Mittels eines Nebenabtriebs vom Motor sollte jeder der mit einer mechanischen Kupplung versehenen Ausleger angehoben - bzw. abgesenkt werden. Somit hätte das Motorgeschütz Schützengräben, als auch Stacheldrahtverhaue und andere Hindernisse überwinden können. Gleichzeitig wäre es mit diesem ständig präsenten Wagenheber möglich gewesen, Reparaturen an der Kette oder dem Laufwerk auf offenem Felde durchzuführen. Ähnliche Vorrichtungen tauchen später auch bei anderen Fahrzeugen auf; von der britischen Firma Vickers-Armstrong wurde 1929 ein fast identisches Konzept patentiert.

Bewaffnung

Die Schnellfeuerkanone in einem beweglichen Turm ermöglichte die Bekämpfung von Artilleriestellungen und anderen Panzerfahrzeugen (die Erfolge deutscher Panzerabwehrgeschütze zeigten später, dass eine 37-mm-Kanone auch gegen britische und französische Panzerfahrzeuge genügend Durchschlagskraft besaß). Hinzu kam eine hohe Feuergeschwindigkeit. Der Platzbedarf für die kleinkalibrige Munition hätte einen hohen Munitionsvorrat möglich gemacht. Das Fahrzeug war zwar nur schwach gepanzert, schützte aber gegen Infanteriewaffen und Splitterwirkung.

Das Motorgeschütz sollte mit einer 37-mm-Schnellfeuerkanone in einem drehbaren Geschützturm ausgestattet werden. Außerdem kann von einer Sekundärbewaffnung in Form von zwei 7-mm-Maschinengewehren ausgegangen werden, obwohl diese auf den Zeichnungen nicht vorhanden sind.

Patent

„Panzerkraftwagen, geeignet, sich mit motorischer Eigenkraft nicht nur auf Straßen, sondern auch auf unwegsamen Gelände fortzubewegen, gekennzeichnet durch gefederte Raupenketten zur Fortbewegung, durch heb- und senkbare Räder zur Fahrt auf Straßen sowie durch Ausleger, die den Wagen befähigen, auch breite Gräben zu überschreiten.“

– Patentschrift 252.815[1]

Unter der Nr. 53248 wurde in Österreich-Ungarn für das gleiche System ebenfalls ein Patent erteilt.

Fazit

Es handelte sich um ein sehr fortgeschrittenes Konzept, das seiner Zeit weit voraus war. Eine konsequente Umsetzung des Konzepts hätte zweifellos auf den Kriegsverlauf Auswirkungen gehabt.

Die Dimensionen und Leistungen hätten in etwa dem späteren Renault FT-17, einem der besten Panzer des Ersten Weltkrieges, entsprochen.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. doppeladler.com Abschnitt: das Motorgeschütz im Detail.