k.u.k. Militär-Automobilwesen

Der erste Lkw im Jahre 1898

Das k.u.k. Militär-Automobilwesen war eine Institution der Österreichisch-Ungarischen Landstreitkräfte.

Übergeordnete Dienststelle war die „k.u.k. Automobilabteilung“ mit Sitz in der Pionierkaserne in Klosterneuburg. Sie war 1902 aufgestellt worden und unterstand der k.u.k. Verkehrstruppenbrigade. Die Automobilabteilung war für die Ausbildung der Fahrmannschaft[1] und die Verwaltung der ärarischen Kraftfahrzeuge verantwortlich. Kommandant im Juli 1914 war der Hauptmann Maximilian Bulla vom Sappeurbataillon 14

Inhaltsverzeichnis

Anfänge

Schon früh hatte man in der k.u.k. Militärführung erkannt, dass der Nachschub in einem zukünftigen Krieg nicht allein mit der Bahn und mit Pferdefuhrwerken zu bewältigen sein würde. Der Aufschwung, den das Automobilwesen in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts genommen hatte, veranlasste die österreichisch-ungarische Militärverwaltung bereits im Jahre 1898, einen Lastkraftwagen anzuschaffen. (Es war dies der erste mit Benzinmotor ausgestattete LKW beim Militär der Großmächte überhaupt, er befand sich bei Kriegsausbruch 1914 noch im Dienst.) Die mit diesem ersten Fahrzeug gemachten Erfahrungen, besonders die im Anhängerbetrieb gegenüber dem Pferdefuhrwerk eminent gesteigerten Transportkapazitäten, veranlassten die Militärverwaltung zur Aufstellung einer Automobilabteilung als Kaderverband.

7 Tonnen Anhängerzug

Es wurden zwei Typen von Lastkraftwagen eingeführt:

  • Typ 3,5 t Tragfähigkeit (2,5 t auf der Zugmaschine, 1 t auf dem einachsigen Anhänger – Anhängekarren genannt.) Der Motor verfügte über eine Leistung von 35 PS, die durchschnittliche Höchstgeschwindigkeit lag bei 20 km/h
  • Typ 7 t Tragfähigkeit (4 t auf der Zugmaschine, 3 t auf dem zweiachsigen Anhänger – Anhängewagen genannt.) Der Motor verfügte über eine Leistung von 40 PS, die durchschnittliche Höchstgeschwindigkeit lag bei 16 km/h

Nach umfangreichen Versuchen durch die Automobilversuchsabteilung wurden die Lastwagen auch als Zugfahrzeuge für z.B. Geschütze oder als Militär-Beleuchtungswagen mit einem angehängten Scheinwerferkarren eingesetzt.

Da es der Militärverwaltung aus Kosten- und auch aus Platzgründen nicht möglich war, alle für den Mobilmachungsfall benötigten Lastkraftwagen vorzuhalten, wurde das System der Subventionierung angewandt. Dazu wurde, gegen Antrag, einer Privatfirma die sich eins oder mehrere der 3,5 t Fahrzeugtypen anschaffen wollte, die beantragten Fahrzeuge komplett ausgestattet von der Militärverwaltung übergeben. Die neuen Besitzer mussten dazu einen Teil des Kaufpreises als Ratenzahlung aufbringen – und zwar im ersten bis dritten Jahr der Nutzung je 3000 Kronen und im vierten bis achten Jahr der Nutzung je 2200 Kronen. Danach ging das Fahrzeug endgültig in das Eigentum des Nutzers über.

Für das größere Modell wurde von der Militärverwaltung ein Kaufpreis von 26.500 Kronen aufgebracht, die Fahrzeuge wurden an die zivilen Nutzer für 16.500 Kronen abgegeben und gingen sofort in deren Eigentum über.

Als Gegenleistung mussten die kleineren Lastkraftwagen für acht, die größeren für sechs Jahre kriegsbereit gehalten und einmalig für eine zwölftägige Friedensübung zur Verfügung gestellt werden. Im Mobilmachungsfall würden die Fahrzeuge entschädigungslos eingezogen.

Elektrischer Train

Nachdem man feststellen musste, dass eine Erhöhung der Motorleistung zum Ziehen schwerer und schwerster Lasten allein nicht maßgebend war, wurden umfangreich Versuche unternommen, um diesem Mangel abzuhelfen. Als Ergebnis schlugen der Allrad- und der Vielradantrieb zu Buche. Bei letzterem wurde jedes Rad (ausgenommen die Vorderachse des Motorwagens) über einen elektrischen Radnabenmotor einzeln angetrieben. Der Elektrische Train bestand aus dem Motorwagen mit einem 150 PS starken Benzinmotor mit angehängtem Generator und fünf, über die Zuggabel und Kabel mit dem Motorwagen verbundenen Anhängern. Die zu transportierende Nutzlast betrug insgesamt 30 Tonnen. Entwickelt wurde dieses Fahrzeug von Ferdinand Porsche.

Beleuchtungswagen

Automobilversuchsabteilung

Die Automobilversuchsabteilung beobachtete alle auf dem Automobilsektor auftretenden Neuerungen und überprüfte sie auf ihre militärische Verwertbarkeit. Sie führte dazu die notwendigen Versuche durch, für die die stattfindenden Manöver genutzt wurden. Sie hatte ihren Sitz in Wien (VI. Bez.) Gumpendorfer Straße 1 (Techn.Militärkomitee-Gebäude).

Freiwillige Motorkorps

Auch Personenkraftwagen wurden, insbesondere von den höheren Kommanden in begrenzter Zahl eingesetzt.[2]Da diese im Mobilmachungsfall ebenfalls nicht ausreichen würden, wurden 1908 die „Freiwilligen Motorkorps“ aufgestellt. Sie bestanden aus dem:

  • k.k. österreichischen Automobilkorps
  • k. ungarischen Automobilkorps
  • k.k. Motorfahrerkorps[3]

Die Mitglieder dieser Korps stellten eine Art Miliz dar[4] und verpflichteten sich, bei Manövern und im Kriegsfall mit ihren Privatfahrzeugen Verbindungs- und Meldedienste zu übernehmen.

Literatur

  • Siegmund Bergmann (Hrsg.): Das k.u.k. Militär-Automobilwesen. In: Moderne Illustrierte Zeitung. Doppelnummer 10/11, Wien 1. Juni 1914.
  • k.u.k. Kriegsministerium: Dislokation und Einteilung des k.u.k Heeres, der k.u.k. Kriegsmarine, der k.k. Landwehr und der k.u. Landwehr. In: Seidels kleines Armeeschema. Seidel & Sohn, Wien 1914.

Bemerkungen

  1. Militär-Kraftfahrer
  2. Kaiser Franz Josef I. weigerte sich bis zu seinem Tode, in ein „Kraftautomobil“ einzusteigen, er benutzte stes die Kutsche oder die Bahn.
  3. Motorradkorps
  4. sie verfügten über eigene Uniformen