Evidenzbüro

Das Evidenzbüro oder Evidenzbureau war der militärische Nachrichtendienst Österreich-Ungarns.

Inhaltsverzeichnis

Tätigkeit

Das Evidenzbüro war eine Stabsstelle des k.u.k. Kriegsministeriums und hatte seinen Sitz im Gebäude des Kriegsministeriums in Wien. Es sammelte die aus den verschiedensten Quellen stammenden Meldungen militärischer Relevanz, die täglich dem Generalstabschef und einmal wöchentlich dem Kaiser Franz Joseph (bis 1913 handschriftlich) vorgelegt werden mussten.

Dafür standen in der Zentrale 15 Offiziere der Gemeinsamen Armee zur Verfügung (1907), dazu kamen die Offiziere der überall in der Monarchie eingerichteten „Kundschaftsstellen“, „Hauptkundschaftstellen“ und die Militärattachés. Dies war ein Bruchteil dessen, worüber der deutsche, geschweige denn der russische Generalstab verfügte. Dieser Personal- und Geldmangel beruhte vor allem auf der Tatsache, dass das Evidenzbüro einen Großteil seines Budgets aus dem Außenministerium bezog, wo man auf die Nachrichtenbeschaffung im eigenen Kompetenzbereich setzte. Hinzu kommt, dass das Außenministerium als k.u.k. Ministerium von der ungarischen Reichshälfte mitfinanziert wurde und Ungarn gemeinsamen Institutionen grundsätzlich nur die geringstmöglichen Mittel zubilligte.

Das Wort Evidenz bzw. Evidenzbüro bezeichnet Akten und Aktenablage bzw. Registratur, im Amtsgebrauch hält man diese in Österreich bis heute aktuell. (Zum Beispiel die Dokumentationsstelle des österreichischen Verfassungsgerichtshofes heißt Evidenzbüro.) Andere nachrichtendienstliche „Bureaus“ der k.u.k. Monarchie waren beispielsweise mit dem Öffnen und Lesen der Post der Wiener Botschaften beschäftigt, eine damals übliche Vorgehensweise.

Geschichte

Mit dem Evidenzbureau wurde 1850 der erste ständige militärische Geheimdienst geschaffen und im Sardinischen Krieg von 1859 und im Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866 eingesetzt, allerdings mit geringem Erfolg. Bereits mehr als 100 Jahre vorher war man in Österreich überzeugt gewesen, dass ein solcher Dienst notwendig sei.

Am Ende des 19. Jahrhunderts verschärfte sich die Konkurrenz der großen Mächte Europas, was auch zu einem verstärkten Einsatz der Geheimdienste gegeneinander führte. Der politischen Interessenlage der österreichischen Monarchie entsprechend, richtete sich die Aufmerksamkeit ihrer Spione von Anfang an vor allem nach Süden und Osten, daher nach Italien, auf den Balkan und nach Russland. Umgekehrt wandte sich die Aufmerksamkeit der Russen naturgemäß dem westlichen Nachbarn Österreich-Ungarn zu. Russland gelang es, den Generalstabsoffizier und stellvertretenden Leiter des Evidenzbüros Alfred Redl anzuwerben. Seine Enttarnung (1913) führte zu einer schweren politischen und militärischen Krise in der Donaumonarchie.

Während des Ersten Weltkriegs erlangte das Evidenzbüro größere Bedeutung. Zu den bisherigen Aufgaben kam nun auch die Aufklärung gegnerischer Funksprüche. Im letzten Kriegsjahr sollen Evidenzbüro unter Maximilian Ronge und der für das Inland zuständige Geheimdienst, die Staatspolizei (StaPo), insgesamt 300 Offiziere, 50 Beamte, 400 Polizeiagenten, 600 Soldaten und 600 Spitzel beschäftigt haben.

Auflösung

Noch im November 1918 beschloss die Regierung der jungen Republik, das Evidenzbüro aufzulösen. Stabsstellenleiter Ronge wurde beauftragt, alle Unterlagen an den neu gegründeten, dem Innenministerium unterstellten Geheimdienst (Abteilung 1/N) zu übergeben und den Apparat aufzulösen. Am 12. Juli 1919 stellte das „liquidierende“ Evidenzbüro seine Arbeit ein.

Chefs des Evidenzbüros

Stellvertretender Chef von 1908-1912:

Siehe auch

Literatur