Erich Gierach

Erich Gierach (* 23. November 1881 in Bromberg; † 16. Dezember 1943 in München) war ein deutscher Germanist und Vorkämpfer der völkischen sudetendeutschen Bewegung. Zusammen mit Emil Lehmann war er eine der zentralen Führungspersonen in der „Ostforschung“. Nach einem Aufenthalt in Sibirien verfasste er 1919 einen „Katechismus für das deutsche Volk in Böhmen“.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Aufgewachsen in Reichenberg lehrte er dort an der Handelsakademie von 1906 bis 1921 Sprachen. Dort initiierte, gründete und leitete er die „Anstalt für Sudetendeutsche Heimatforschung“. 1921 erhielt er als Nachfolger von Primus Lessiak die Professur für ältere deutsche Philologie an der deutschen Universität in Prag. Er nutzte diese Position zusammen mit seinem Mitstreiter August Naegles für den Volkstumskampf durch so genannte „Volksbildungsarbeit“ und versammelte einen Kreis völkischer sudetendeutscher Historiker für die Propagandaarbeit. Mit Emil Lehmann organisierte er die „Gesellschaft für deutsche Volksbildung“, die sich 1932 „Goetheheim“ nannte und ein Zentrum der völkischen Bewegung sudetendeutscher „Volksgruppen“ wurde. Zwischen 1925 und 1933 veranstaltete er zusammen mit Lehmann sudetendeutsche „Stammestagungen“, die auch „Kulturwochen“ genannt wurden, in Reichenberg, Troppau, Hohenelbe, Mährisch-Schönberg, Braunau, Gablonz, Neu-Titschein, Ratibor und Jägerndorf. Seit 1935 war er Mitglied der von den Nationalsozialisten unterstützten Sudetendeutschen Partei, die später in der NSDAP aufging. 1936 wechselte er als Professor an die Universität München.

In München wurde Gierach Mitglied des „Sudetendeutschen Freikorps“ und beteiligte sich an der militärischen Besetzung der Tschechoslowakei.

Gierach wurde zu einem der bedeutendsten Germanisten des Nationalsozialismus. 1938 publizierte er anlässlich der Annexion des Sudetenlandes das Buch Germanen in den Sudetenländern.[1] Seit 1939 war Gierach Mitglied der NSDAP.[1] 1941 erschien der Sammelband Wissenschaft im Volkstumskampf, den Kurt Oberdorffer, Bruno Schier und Wilhelm Wostry für ihn als Festschrift zu seinem 60. Geburtstag zusammengestellt hatten.

Rezeption

Auch nach 1945 bis in die 1990er Jahre hinein gelang es Gierachs Anhängern, ihn im sudetendeutschen Milieu als „Erzvater des Sudetendeutschtums“ zu würdigen und jede Kritik an Gierach zu vermeiden. Als typischer Anhänger Gierachs über die Jahre kann Bruno Schier vom Collegium Carolinum gelten, der ihn 1962 in der völkischen und der Vertriebenenideologie nahestehenden Zeitschrift „Bohemia“ mit folgenden Worten feierte: „Während weite Kreise in Ratlosigkeit und Verzweiflung verharrten, sammelte Gierach eine Schar Gleichgesinnter um sich, die eine politische Einigung und Befreiung des Sudetendeutschtums durch die Forderung nach dem versprochenen, aber vorenthaltenen Selbstbestimmungsrecht anstrebten. In diesem Kampf, der nur mit geistigen Waffen geführt werden konnte, verteidigte Gierach in mehreren wissenschaftlichen Flugschriften unerschrocken das Heimatrecht der Sudetendeutschen gegenüber den Ansprüchen des tschechischen Imperialismus.“

In der Sowjetischen Besatzungszone wurde Gierachs Sudetendeutscher Katechismus (1939) und das von ihm zusammen mit Karl Christian von Loesch verfasste Böhmen und Mähren im Deutschen Reich (1939) auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.[2] In der Deutschen Demokratischen Republik folgten auf die Liste der Katechismus für das deutsche Volk in Böhmen (1919) und Aus Böhmens deutscher Vergangenheit (1923)[3] sowie die Festschrift für Gierach.[4]

Preise

Publikationen

  • Der arme Heinrich von Hartmann von Aue: Überlieferung u. Herstellung / hrsg. von Erich Gierach. - 2., verb. Aufl. Heidelberg: Winter, 1925. - XII, 106 S. (Germanische Bibliothek: Abt. 3, Kritische Ausgaben altdeutscher Texte; 3)
  • Das Märterbuch. Die Klosterneuburger Handschrift 713. Hrsg. von Erich Gierach. - Berlin 1928.
  • Sudetendeutsches Wörterbuch Vorarbeiten zusammen mit Ernst Schwarz

Literatur

  • Gierach Erich Clemens. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 1, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1957, S. 438 f. (Direktlinks auf S. 438, S. 439).
  • Bruno Schier: Erich Gierach – zum Gedenken, 23. 11. 1881- 16. 12. 1943, in: Bohemia 3, 1962,
  • Sudetendeutschtum gestern und heute – eine gesamtdeutsche Verpflichtung, hg. v. Heinrich Kuhn, München 1986
  • Gerd Simon: Die hochfliegenden Pläne eines „nichtamtlichen Kulturministers“. Tübingen 1998
  • Volker Lang: Erich Gierachs Veröffentlichungen zum germanisch-slawischen Sprachkontakt als Mittel der Propaganda gegen die Erste Tschechoslowakische Republik 1918-1938

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 183.
  2. http://www.polunbi.de/bibliothek/1946-nslit-g.html
  3. http://www.polunbi.de/bibliothek/1953-nslit-g.html
  4. http://www.polunbi.de/bibliothek/1953-nslit-w.html