Felix Römer (Schauspieler)

Felix Römer (* 12. Februar 1960 in Wien) ist ein österreichischer Schauspieler und Autor. Seit 2002 ist Römer Ensemblemitglied der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Römer besuchte das Jesuiten-Kollegium-Kalksburg, wo er 1978 die Matura ablegte. Vor seinem Schauspielstudium studierte Römer drei Semester an der Wiener Universität Publizistik, Theaterwissenschaft und Philosophie. Nach einem Schauspieldiplom folgten Engagements ans Schauspielhaus Graz, den Vereinigten Bühnen Krefeld-Mönchengladbach, dem Staatstheater Saarbrücken und dem Staatstheater Kassel.

Seit 2002 lebt Römer in Berlin und ist Ensemblemitglied der Berliner Schaubühne. Er wirkte auch in Aufführungen des alljährlich stattfindenden F.I.N.D. Festivals (Festival internationaler neuer Dramatik) mit.

2003 spielte er in dem sechsteiligen Stückezyklus Suburban Motel 1–6 den Detektiv Donny. Zu Römers Berliner Theaterarbeiten zählen ua. der Hauptmann in Büchners Woyzeck in der Regie von Thomas Ostermeier. Die Aufführung im Papstpalast in Avignon wurde von Arte aufgezeichnet. Unter Ostermeier spielte Römer im "Würgeengel" und in der UA von Christoph Nußbaumeders Stück "Liebe ist nur eine Möglichkeit". In der Aufführung von Ibsens John Gabriel Borkmann war Römer der unglückliche, von seiner Familie verachtete Dichter Wilhelm Foldal. John Gabriel Borkmann wurde von Sepp Bierbichler dargestellt. Die Aufführung war neben der Schaubühne auch im Pariser Théâtre de l' Odeón zu sehen, in Lissabon, an den Münchener Kammerspielen, im finnländischen Tampere, in Modena, Oslo, Ljubliana und zuletzt in Lausanne.

2009 begann die Fortsetzung der am FFT in Düsseldorf (1999 in Arbeitmachtreich) begonnenen Zusammenarbeit mit Volker Lösch. In Alfred Döblins Romanadaption Berlin Alexanderplatz stand Römer als Karl und als Zuhälter Pump neben über 20 Exhäftlingen, in der Inszenierung Lulu – die Nuttenrepublik als Dr. Goll und inzestuöser Schigolch neben über 20 Sexarbeiterinnen auf der Bühne.

Unter der Regie von Simone Blattner gastierte Römer 2006 am Schauspiel Frankfurt in der zum Berliner Theatertreffen nominierten Uraufführung des Heckmanns-Stücks Die Liebe zur Leere als Leo. Im September/Oktober 2011 gastierte Römer am Bregenzer Kosmos Theater. In der Uraufführung MCFAMILY (ein Stück über die Charles Manson-Family) des österreichischen Regisseurs Philipp Preuss, führte Preuss auch Regie.

Im Nov 2012 hatte Römer in Rennes Premiere mit Thomas Manns Novelle "Der Tod in Venedig" mit Sepp Bierbichler als Gustav von Aschenbach. Regie führte Thomas Ostermeier.

Film und Fernsehen (Auswahl)

In der Fernsehserie Familie Merian spielte Felix Römer 36 Folgen lang das schüchterne Nesthäkchen mit Nickelbrille, den dichtenden und geigespielenden Sohn Heini Merian. Das Drehbuch stammte von Jörg Mauthe.

In dem 70-minütigen dokumentarischen Filmessay Linz die verborgene Stadt im Rahmen von Linz 2009 – Kulturhauptstadt Europas trat Römer in der Regie von Luk Perceval als Texter und Erzähler auf und interviewte ehemalige Mauthausener KZ-Häftlinge sowie österreichische Historiker oder Zeitzeugen zur Situation in Linz während des dritten Reiches (u.a. die Medienkünstlerin Valie Export).[1]

2010 war Römer in einem Polizeiruf 110 (Regie: Lars Montag) in einer der Hauptrollen in der Folge Die Lücke, die der Teufel läßt zu sehen.[2]

Arbeit als Autor

i=== Theaterstücke ===

Stück Uraufführung Theater Regie
Servus, Mama 1990 Krefeld-Mönchengladbach Gerhard Weber
Bibione 1992 Staatstheater Saarbrücken Eberhard Köhler
Nackt 2001 Theater Dortmund Eberhard Köhler
Romexpress 2007 Theater Dortmund Caroline Mader
Guglhupf 2008 Theater Dortmund Matthias Frank
Im Herbst 2009 Effingertheater Bern Stefan Suske

2012 Kosmostheater Bregenz, ÖEA Augustin Jagg

Mit dem Stück „Servus, Mama“ wurde Römer von Andreas Rossmann als bester Nachwuchsautor im Jahresheft von Theater heute genannt. „Servus, Mama“ wurde 1992 auch als Hörspiel gemeinsam vom ORF mit dem SFB in der Regie von Augustin Jagg mit Brigitte Swoboda und Johannes Krisch koproduziert.

Reiseberichte und Prosatexte

Unter dem Titel Meine liebe Wiener Freundin schrieb Römer mehrere Reiseartikel, von denen einige auf der Reiseseite der FAZ veröffentlicht wurden, über die Insel Hiddensee Oh wie schön ist es auf Hiddensee[3] und über die Insel Sardinien Wasser, nirgendwo smaragdener als hier.[4]

Für die Deutschlandsaga – Fanzine der Berliner Schaubühne im Rahmen der Theaterproduktion Deutschlandsaga 2008 schrieb Römer die Serie „G’schichten aus dem Wiener Wirtshaus“.

Fanzine Serie
Deutschlandsaga – Fanzine – 50er „1 – Wie Figl die Russen unter dem Tisch soff“
Deutschlandsaga – Fanzine – 60er „2 – Armstrong betritt den Mond und ich werde Piccolokellner“
Deutschlandsaga – Fanzine – 70er „3 – Die Medaillenhoffnung Schranz wird in Sapporo disqualifiziert und ich lerne Tanzen“
Deutschlandsaga – Fanzine – 80er „4 – Der Fall Lucona, Frostschutzmittel im Wein, Großvaters Tod und ich gehe nach Deutschland“
Deutschlandsaga – Fanzine – 90er „5 – Nicht viel los in den österreichischen Neunzigern. Zeit für ein paar Privatismen
Deutschlandsaga – Fanzine – 00er „6 – Kehraus mit Natscha Kampusch. Noch eine Letzten. Dann ist Sperrstund’!“

In Naomi Schencks „Archiv verworfener Möglichkeiten“[5] erschien Felix Römers Prosatext „Tote Fische“ u. a. neben Texten von Feridun Zaimoglu, Wilhelm Genazino und Roger Willemsen.

Im Jubiläumsband Geistesblüten – 35 Jahre Berliner Autorenbuchhandlung[6] erschien Felix Römers Prosatext „Hinter Bernhard gehen“ u. a. neben Texten von Günter Grass, Jonathan Franzen und Elfriede Jelinek.

Theaterstücke (Auswahl: Chronologisch)

Stück Rolle Theater Regie
Frühlings Erwachen Georg Zirschnitz Burgtheater Wien Dieter Giesing
Peer Gynt zahlreiche Rollen Burgtheater Wien Otto Schenk
Die Ratten Dr. Kegel Burgtheater Wien Michael Kehlmann
Der Widerspenstigen Zähmung Bartholomeo Burgtheater Wien Gerhard Klingenberg
Stunde der Liebe Junger Mann Burgtheater Wien Klaus Höring; Horvath UA
Seid nett zu Mr. Sloane Sloane Theater beim Auersperg, Wien Klaus Rott
Amadeus Mozart Schauspielhaus Graz Peter Lotschak
Klassenfeind Pickel Schauspielhaus Graz Christoph Pfeiffer
Spiel von Liebe und Zufall Arlequin Schauspielhaus Graz Peter Lotschak
Martin Luther & Thomas Münzer Karl der Fünfte; Dieter Forte Schauspielhaus Graz W. Forester
Nichts mehr nach Calingasta Franco Schauspielhaus Graz Augusto Boal; UA von Julio Cortazar; Steirischer herbst.
Komödie der Irrungen Dromio v. Syrakus Schauspielhaus Graz Steven Unwin
Frühlings Erwachen Moritz Schauspielhaus Graz Gerhard Weber
Reigen Junger Herr Schauspielhaus Graz Eike Gramss
Totenfloß Itai, Harald Müller Theater Krefeld Hans Peter Cloos
Medea Bote Theater Krefeld Raymund Richter
Servus, Mama Mutter/Sohn Theater Krefeld Gerhard Weber
Der Sturm Ariel Theater Krefeld Eike Gramss
Liebelei Theodor Theater Krefeld Gerhard Weber
Die Stühle Der Alte, Ionesco Theater Krefeld Max K. Hoffmann
Kabale und Liebe Wurm Theater Krefeld Raymund Richter
Servus, Mama Mutter/Sohn Theater Krefeld Alexander Duda
Sommernachtstraum Puck Staatstheater Saarbrücken Gerhard Weber
Rückkehr in die Wüste Eduoard; Bernard-Marie Koltes Theater Krefeld Max K. Hoffmann
Liebe Jelena Sergejewna Volodja Theater Krefeld Matthias Brambeer
Die Geisel Soldat Leslie; Brendan Behan Theater Krefeld Gerhard Weber
Die Beleidigten Robert, Ulrich Hub Theater Krefeld Eberhard Köhler
Die Hose Benjamin Mandelstam; Carl Sternheim Theater Krefeld Gerhard Weber
Hamlet Laertes Theater Krefeld Max K. Hoffmann
Endlich tot endlich keine Luft mehr Rubens Staatstheater Saarbrücken Michael Wallner, UA von Werner Schwab
Komiker Gethin Price; Trevor Griffiths Staatstheater Saarbrücken Eberhard Köhler
Der kleine Horrorladen Seymour Staatstheater Saarbrücken Anna Vaughan
Der Mindersleister Italiener; Peter Turrini Staatstheater Saarbrücken Gerhard Weber
Die drei Schwestern Soljony Staatstheater Saarbrücken Robin Telfer
Oleanna John; David Mamet Staatstheater Saarbrücken Eberhard Köhler
Geschichten aus dem Wienerwald Alfred Staatstheater Saarbrücken Gerhard Weber
Bibione Herr Schwarz; Felix Römer Staatstheater Saarbrücken Eberhard Köhler
Wie es euch gefällt Jacques Staatstheater Saarbrücken Beverly Blankenship
Die Räuber Spiegelberg Staatstheater Saarbrücken Gerhard Weber
Frühlings Erwachen Melchior Staatstheater Kassel Christian Pade
Oleanna John; David Mamet Staatstheater Saarbrücken Eberhard Köhler
Antigone Teiresias Staatstheater Kassel Reinhard Göber
Der Widerspenstigen Zähmung Tranio Staatstheater Kassel Brigitte Landes
Hautnah Dan Staatstheater Kassel Markus Dietz
Im Dickicht der Städte Shlink Staatstheater Kassel Elias Perrig
Der Messias Bernhard; Patrick Barlow Staatstheater Kassel Martin Baum
Eden Mann; Jutta Schubert Staatstheater Kassel Dagrun Hintze
Greek Eddy; Steven Berkoff Staatstheater Kassel Elias Perrig
Erfindung der Liebe (Invention of Love) Alfred Pollard; Tom Stoppard, DEA Staatstheater Kassel Adelheid Müther
Eine Art Hades Ulf; Lars Noren, UA Staatstheater Kassel Adelheid Müther
ARBEITMACHTREICH FFT Düsseldorf Projekt mit Volker Lösch, 1999
Das Leben ein Traum König Basilius, Calderon Theater Dortmund Michael Gruner
Lange Her (Been so long) Gil; Che Walker; DEA Theater Dortmund Heinz Kreidl
Zur schönen Aussicht Emanuel von Stetten Theater Dortmund Heinz Kreidl
Der Sturm Caliban Theater Dortmund Hermann Schmidt-Rahmer
Das Fest Christian, Vinterberg / Rukow Theater Dortmund UA Burkhard Kosminski
Merlin Lamorak, Dorst Schaubühne Merlin Burkhard Kosminski
Woyzeck Hauptmann Schaubühne Berlin Thomas Ostermeier
Gesäubert Rod Schaubühne Berlin Benedict Andrews
Würgeengel Immobilienmakler Schaubühne Berlin Thomas Ostermeier
Walpurgisnacht Irrer Schaubühne Berlin Arpad Schilling
Elektronic City Filmregisseur, Falk Richter Schaubühne Berlin Tom Kühnel
Die Liebe zur Leere Leo Schauspiel Frankfurt Simone Blattner; UA von Martin Heckmanns, 2004
Platonov Triletzky, Cechov Schaubühne Berlin Luk Perceval
Moliere Don Carlos Oronte Schaubühne Berlin/Salzburger Festspiele Luk Perceval
Die Deutschlandsaga Andreas Baader, Axel Springer, Wernher von Braun sechsteilige Serie mit 18 Uraufführungen von Nov. 2007 bis April 2008 in der Regie von Robert Borgmann und Jan-Christoph Gockel mit Stücken von Johanna Kaptein, Rebekka Kricheldorf, Ulrike Syha, John Birke, Jörg Albrecht, Lorenz Langenegger, Philipp Löhle, Andreas Liebmann, Thomas Freier, Nina Ender, Dirk Laucke, Ewald Palmetshofer
John Gabriel Borkmann Foldal Schaubühne Berlin Thomas Ostermeier
Berlin Alexanderplatz Karl, Pumps Schaubühne Berlin Volker Lösch, 2009
Entgrenzung Projekt im Studio der Schaubühne, 20009 Frank Oberhäußer
Lulu die Nuttenrepublik Dr. Goll, Schigolch Schaubühne Berlin Volker Lösch, 2010

Filmografie (Auswahl)

Zeit Film Rolle Ausstrahlung Regie
1981–1985, 1995 Familie Merian Heini Merian ORF Walter Davy
1982 Tarabas Soldat ORF Michael Kehlmann
1983 Tatort – Wir werden ihn Mischa nennen Student ORF Kurt Junek
1994 Gustav Regler Ministerialbeamter Kinoproduktion Peter Patzak
2003 Der Wald so kalt Sohn Abschlussfilm Dffb Anne Pütz
2008 Eschede Wagenradspezialist Dokufiction ARD Raymund Ley
2009 Linz, die verborgene Stadt Erzähler 90-minütiger Dokufictionfilm im Rahmen von „Linz 2009 – Kulturhauptstadt Europas“ Luk Perceval
2010 Polizeiruf 110 John F. Bavaria Lars Montag
2010 Dreileben – Eine Minute Dunkel Helmer Christoph Hochhäusler
2010 Schmidt & Schwarz Traugott Schimmel ZDF Jan Ruzicka

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ronald Pohl, Der Standard Wien; 17. August 2009
  2. Der Freitag; 12. April 2010
  3. FAZ. 5. März 2007
  4. FAZ. 21. Juni 2007
  5. Archiv verworfener Möglichkeiten. Belleville Verlag, 2010; ISBN 978-3-936298-14-7
  6. Geistesblüten, Herbst 2011