Fotohof

Innenansicht der Fotohof Galerie / Ausstellungsansicht: Dirk Braeckman, 2012

Der Fotohof ist eine nicht-kommerziell geführte Galerie und Verlag für zeitgenössische künstlerische Fotografie in Salzburg. Träger ist der 1981 gegründete "Verein zur Förderung der Autorenfotografie"[1]

Inhaltsverzeichnis

Galerie

Die Galerie des Fotohof in Salzburg zeigt circa 10 Ausstellungen pro Jahr[2] - insgesamt rund 300 Ausstellungen mit mehr als 600 beteiligten Künstlern in 30 Jahren Ausstellungsbetrieb zwischen 1981 und 2011[3]. Über die Programmgestaltung entscheidet der Verein in Vorstandssitzungen. Durch die relativ große Anzahl an Personen, die in den Entscheidungsprozeß eingebunden sind, wird ein eher breites Spektrum abgedeckt und "konzeptionelle und experimentelle Arbeiten stehen ziemlich gleichrangig neben der 'klassischen' Fotografie' ".[4] Programmatisch strebt man einen "Mix aus den wichtigsten, monografischen Positionen Österreichs – teils auch historisch – und internationalen Positionen, die gerade am Beginn einer größeren Karriere stehen"[5] an. Seit Mitte der 90er wird jährlich eine Gastkuratorin oder -kurator zu einer Kooperation eingeladen, die oder der bei der Gestaltung eine Carte Blanche bekommt[6], ebenso finden regelmäßig Ausstellungen mit speziellem Länder-Schwerpunkt statt: wie Slowenien (1992), Polen (2002), Slowakei (2004), Kroatien (2007) oder Litauen (1985, 2010).[7].

Neben den Ausstellungen am Galeriestandort in Salzburg kuratiert und organisiert der Fotohof Wanderausstellungen internationaler Fotografen, wie beispielsweise von Inge Morath, Stefan Kruckenhauser, Harald Lechenperg, Gerti Deutsch und anderen.[8]

Verlag

Die publizistische Tätigkeit begann 1982 mit der Herausgabe des vierteljährlichen Mitteilungsblatts Fotohof-Info. Es erschien 1988 zum letzten Mal, da externe Medien dessen Aufgabengebiet, die eigenen Aktivitäten zu begleiten und Ausstellungen anzukündigen, immer mehr übernahmen.[9]

Seit 1990 gibt Kurt Kaindl die "Edition Fotohof im Otto Müller Verlag"[10], in Kooperation mit dem Salzburger Verlagshaus, heraus. In dieser Reihe erschienen ca. 30 Bände [11] mit Schwerpunkt auf Künstlermonografie[12] sowie Geschichte der Fotografie und des Fotojournalismus: u.a. Bücher von Inge Morath, Reinhart Mlineritsch, Erich Hartmann oder Otmar Thormann erschienen.

Seit 1999 existiert die "FOTOHOF edition" als eigenständiger Fotobuch-Verlag, herausgegeben von Rainer Iglar und Michael Mauracher. Es erscheinen in etwa 10-15 Titel pro Jahr, die international vertrieben werden[13], und insgesamt wurden bis 2011 etwa 150 Titel von österreichischen und internationalen Fotokünstlern veröffentlicht; darunter Publikationen von Margherita Spiluttini, Manfred Willmann, Paul Albert Leitner, Katharina Sieverding, Annegret Soltau, Hans-Christian Schink, Ricarda Roggan, Seiichi Furuya oder Stéphane Couturier.

Der Schwerpunkt des Verlags liegt auf aktuellen, jungen fotografischen Positionen und es wird nicht nur ausstellungsbegleitend gearbeitet, sondern Wert darauf gelegt, ein vom Ausstellungsbetrieb unabhängiges Verlagsprogramm zu präsentieren[14]. Neben monografischen Künstlerbüchern werden auch Sammelbände – z.B. der biennal erscheinende Katalog des Monats der Fotografie: Wien - und Bücher zur Fototheorie herausgegeben.

Neben Büchern produziert und vertreibt der Fotohof Verlag Fotokunst-Editionen in Form von Portfolios und Einzelarbeiten in kleineren Auflagen. Diese erscheinen als Spezialausgaben begleitend zu Buchpublikationen oder als eigenständige Werke. Unter diesen Veröffentlichungen sind Editionen von VALIE EXPORT, Joachim Brohm, Ilse Haider, Eva Schlegel, Lewis Baltz oder Heinz Cibulka.

Bibliothek / Artothek

Bibliotheksansicht Fotohof

Ein wichtiger Teil der Aktivitäten ist auch der Betrieb einer öffentlich zugänglichen Präsenzbibliothek mit derzeit (2011) etwa 10.000 Titel zur österreichischen und internationalen Fotogeschichte. Der Gesamtbestand der Bibliothek, inklusive einer Auswahl von 26 internationalen Fotozeitschriften, ist komplett über die Bibliothekssuche der Homepage erschlossen.

In der Artothek werden Werke internationaler und österreichischer Fotokünstler gegen Gebühr verliehen.

Kunstvermittlung

Gemäß seinem Vereinsziel bietet der Fotohof auch ein didaktisches Programm, in Form von Workshops – für Schulklassen, Bildungseinrichtungen und Privatpersonen – an [15]. Es finden Schulungen für Kunstwahrnehmung, fotografischen Bildaufbau, analoges und digitales Fotografieren und fotografische Kunsttheorien statt. Parallel dazu existiert noch eine Reihe von Diskussionsveranstaltungen mit dem Namen "Gespräche zur Fotografie". Unter diesem Namen werden abendliche Veranstaltungen organisiert, bei denen – teilweise begleitend zum Ausstellungsprogramm der Galerie – Fotokünstler und Fototheoretiker zu aktuellen Fragestellungen des Fachgebiets referieren und diskutieren. [16].

Verein

Grundlage des Fotohof ist der gemeinnützige „Verein zur Förderung der Autorenfotografie“, der 1981 mit der Vermittlung von künstlerischer Fotografie als Vereinsziel gegründet wurde. Die Finanzierung des Vereins und seiner Aktivitäten erfolgt durch Eigenerträge und aus der Kulturförderung des Bundes in Wien sowie Beiträgen von Stadt und Land Salzburg.

Großen Einfluss auf den Verein und dessen Gründung hatte das bis Mitte der 1980er Jahre in der Fotografenausbildung aktive "Salzburg College". Das Besondere an dieser privaten Einrichtung war, dass viele hochrangige Fotografen Workshops veranstalteten und durch den regen Austausch mit der amerikanischen Fotografiekultur, die Fotografie als Kunstwerk ernstgenommen wurde[17]. Der Name Fotohof leitet sich von den ersten Galerieräumen ab, die 1981 vom Verein angemietet wurden und in einem Innenhof in der Salzburger Innenstadt gelegen waren[18].

Prinzip des Vereins ist seine "flache Hierarchie"[19] und basisdemokratische Organisation: "Alle Mitglieder sind gleichermaßen stimm- und diskussionsberechtigt", es wird prinzipiell nicht abgestimmt, sondern immer nur im Konsens gehandelt.[20]. Derzeit sind ca. 15 Personen regelmäßig im Fotohof tätig [21], Obmann ist seit 1988 Rainer Iglar[22]. Verantwortlich für die Programmgestaltung ist der Vereinsvorstand, der aus Brigitte Blüml, Rainer Iglar, Kurt Kaindl, Jon Kutolowski, Michael Mauracher, Karin Peyker, Andrew Phelps, Birgit Sattlecker, Herman Seidl und Gabi Wagner besteht [23].

Neuer Standort: Stadtwerk Salzburg

Am 24. Februar 2012 eröffnete der Fotohof mit einer Präsentation der Werke des belgischen Fotografen Dirk Braeckman die neuen Räume im Stadtwerke Salzburg Areal, an der Adresse Inge-Morath-Platz 1-3. Der neue Standort bietet, im Gegensatz zu den angestammten Räumen in Salzburg- Nonntal, etwas mehr Ausstellungsfläche und viel mehr Platz für die Bibliothek, einen Shop, Büros, Artothek und insbesondere das didaktische Angebot. Dadurch wurde auch die Einführung einer neuen Ausstellungsreihe möglich, in der - parallel zu jeder Ausstellung im Hauptraum - ein herausragendes Fotobuch umfangreich präsentiert wird: den Anfang machten "Zwischenspiel" von Peter Dressler und "Fiesta in Pamplona" von Inge Morath. [24].

Mit den Architekten Paul Rajakovics und Barbara Holub vom Architekturbüro "transparadiso" wurde speziell ein Raumkonzept entwickelt[25], das die Bedürfnisse des Fotohof erfüllt und gleichzeitig die Galerie mit Einblicken in alle Arbeitsbereiche transparent und offen in das Erdgeschoß der ebenfalls neu errichteten Wohnsiedlung im Salzburger Stadtteil Lehen einpasst. "Dieses Konzept spiegelt die Offenheit einer Informationsgalerie, in der nicht der Verkauf hochpreisiger Kunst an erster Stelle steht, sondern in der es keine Hemmschwellen gegenüber zeitgenössischer Kunst geben soll."[26][27]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Haselsteiner-Scharner, Jasmin: "Fotohof 1981- 2006". In: Eikon 54/ 2006. S. 64.
  2. http://www.fotohof.at/content.php?id=92
  3. Stein, Claudia: Interview. Photography now. Nr. 2/ 2011. S. 1.
  4. Starl, Timm: "Europäische Fotoinstitutionen: Galerie Fotohof, Salzburg". In: Photonews Nr.6 (2001). S.18
  5. Stein, Claudia: Interview. Photography now. Nr. 2/ 2011. S. 5.
  6. Stein, Claudia: Interview. Photography now. Nr. 2/ 2011. S. 5.
  7. Jothady, Manisha: FOTOHOF 1981 – 2006. In: Camera Austria 94/ 2006. S.90.
  8. Wanderausstellungen Liste und Beschreibung der Wanderausstellungen des Fotohof
  9. Starl, Timm: "Europäische Fotoinstitutionen: Galerie Fotohof, Salzburg". In: Photonews Nr.6 (2001). S.18
  10. http://www.omvs.at/db.php?serie=2
  11. Jothady, Manisha: FOTOHOF 1981 – 2006. In: Camera Austria 94/ 2006. S.90.
  12. Guggenberger, Ulrike: "25 Jahre Fotohof. Bewegung in der Fotografie.". In: Parnass 02/ 2006. S. 166.
  13. Stein, Claudia: Interview. Photography now. Nr. 2/ 2011. S. 8.
  14. Stein, Claudia: Interview. Photography now. Nr. 2/ 2011. S. 8.
  15. [ http://www.fotohof.at/content.php?id=42 Didaktik Info auf der Fotohof Seite]
  16. http://www.fotohof.at/content.php?id=45
  17. Stein, Claudia: Interview. Photography now. Nr. 2/ 2011. S. 2.
  18. Stein, Claudia: Interview. Photography now. Nr. 2/ 2011. S. 3.
  19. Rainer Iglar zitiert nach: Guggenberger, Ulrike: "25 Jahre Fotohof. Bewegung in der Fotografie.". In: Parnass 02/ 2006. S. 166.
  20. Stein, Claudia: Interview. Photography now. Nr. 2/ 2011. S. 5.
  21. Stein, Claudia: Interview. Photography now. Nr. 2/ 2011. S. 5.
  22. Starl, Timm: "Europäische Fotoinstitutionen: Galerie Fotohof, Salzburg". In: Photonews Nr.6 (2001). S.18
  23. http://www.fotohof.at/content.php?id=92
  24. Artikel von artmagazine.cc
  25. Fotohof-Projekt auf der Seite des Architekturbüros
  26. Artikel auf der Seite Drehpunkt Kultur
  27. Presseinfo zur Neueröffnung