Hans Leb

Hans Leb (* 7. Februar 1909 in Knappenberg, einem Ortsteil von Hüttenberg, Kärnten; † 19. September 1961 in Villach) war ein Kärntner Architekt, der besonders als Lyriker hervortrat, aber auch als Prosaschriftsteller, Maler und Grafiker künstlerisch Bedeutendes leistete.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Schaffen

Nach der Schulzeit in Villach, wo Leb die damalige „Bundesgewerbeschule“[1], heute die Höhere technische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt, besuchte, folgte 1928 ein Architekturstudium bei Clemens Holzmeister an der Wiener Kunstakademie, der jetzigen Universität für angewandte Kunst, das er 1930-1937 als Gasthörer bei Peter Behrens, Josef Hoffmann, Herbert Boeckl und Anton Kolig erweiterte.

1936 erschien in Berlin sein erster Lyrikband Die Anrufung, für den er mit dem Julius-Reich-Preis für junge Maler und Schriftsteller ausgezeichnet wurde und der Hans Leb in der deutschen Literaturszene mit einem Schlage bekannt machte, so dass der schmale Band eine Gesamtauflage von 12.000 Exemplaren erreichte. Als vielversprechenden Lyriker entdeckt hatten ihn der Literaturhistoriker und Karl Kraus-Biograf Leopold Liegler (1882–1949) und der Dramaturg am Burgtheater Erhard Buschbeck . Der enge Kontakt mit Josef Weinheber schon aus jener Zeit, der Leb wie etwa auch Christine Busta und Franz Tumler persönlich förderte, blieb durch dessen künstlerischen Einfluss in Lebs Schaffen noch lange Zeit spürbar, denn alle drei bezogen durch Weinheber einen wesentlichen Impuls für ihren jeweiligen charakteristischen Schaffensweg.[2]

Als Ehemann und mit zwei Kindern kehrte Leb 1940 in seine Kärntner Heimat zurück, wohnte zunächst im kleinen Föderlach in der Gemeinde Wernberg bei Villach, dann in Zauchen, einem Dorf, das heute einen Stadtteil von Villach bildet, arbeitete als freischaffender Architekt, plante, nahm teil an Architekturwettbewerben und schrieb, malte, zeichnete. Zahlreiche Gedichte fanden ihren Weg in deutsche Zeitungen, doch erst nach Kriegsende erschienen die drei nächsten Gedichtbände im Jahresabstand.[3]Auch auf malerisch-graphischem Gebiet entwickelte er sich weiter, und Anerkennung folgte in Form seiner 1952 akzeptierten Mitgliedschaft in der Wiener Secession und durch öffentliche Galerien, darunter die Albertina in Wien.

1955 erhielt Leb für sein Hörspiel Der Tag Ypsilon den Charlie Chaplin International Award. Er publizierte in verschiedenen angesehenen Zeitungen - dem Schweizer Bund in Bern, der damals noch „Deutschen“ Tagespost, der Zeit, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, den Salzburger Nachrichten - , doch bis zur nächsten Veröffentlichung eines Lyrikbandes vergingen weitere sechs Jahre: Ich binde das Reis, Villach 1961, trug daher auch den Untertitel Gedichte aus zehn Jahren. In dieser Zeit hatte Leb auch seine zweite Frau geehlicht und waren ihm drei weitere Kinder geboren worden. 1961 war aber auch das Geburtsjahr des Bogens, einer einzigartigen Sammlung von „Dokumenten neuer Dichtung“, die mit dem Wort „Zeitschrift“ nur höchst unzulänglich beschrieben werden kann. In Mappen bibliophiler Ausstattung, die der Grafikkünstler Leb einschließlich der Typographie selbst gestaltete, sind Texte von ihm selbst und von einigen Zeitgenossen vereint, „Lyrik zum Mitnehmen - Lyrik in handlichen Mappen“[4]Das Echo im In- und Ausland war beachtlich, und Heimito von Doderer zollte Leb dafür größte Anerkennung: „Den Bogen werde ich jedem Kunstfreund nachdrücklich empfehlen.“[5] Im selben Jahr starb Hans Leb an den Folgen eines ungeklärten Verkehrsunfalls. Sein Grab liegt auf dem Ortsfriedhof von Zauchen.

Von den etwa 1300 Gedichten, die Hans Leb schuf, sind etwa 400 je veröffentlicht worden, von seinen ca. 200 Prosatexten nur 12. Sein Nachlass, der sich zum Teil im Literaturhaus Wien der „IG Autorinnen Autoren“, zum Teil in der Österreichischen Nationalbibliothek befand und mit Erbenbeschluss von 2006 nun in der Nationalbibliothek zusammengeführt worden ist,[6] umfasst auch etwa 300 Grafiken und Bilder auf verschiedenen Materialien in Mischtechnik mit Ölkreide, Lack, Kohle, Wasserfarben.

Gedenken

Zum Gedenken an Hans Leb erinnern regelmäßig an den runden Gedenktagen von Geburtstag und Todestag Gedenklesungen und Gedenkausstellungen (Villach 1971, Hüttenberg 1987, 1999 und 2009,[7] Straßburg im Gurktal 1981, sowie Zeitungsartikel in Österreichs großen Tageszeitungen. 2001 wurde eine Website[8] für ihn eingerichtet, auf der seine Lyrik wieder zugänglich gemacht wird.

Werke (Auswahl)

  • Die Anrufung, Gedichte. Poeschel & Trepte, Leipzig 1938 (Auswahl aus Warneck 1939)
  • Die Schande, Novelle. in: Westermanns Monatshefte 1938
  • Die Anrufung, Gedichte. Martin Warneck, Berlin 1939
  • Die Mutter, Novelle. Martin Warneck, Berlin 1943 und Eigenverlag, Villach 1943
  • Ein Duft von Brot zieht durch das Haus, Gedichte. Martin Warneck, Berlin 1944
  • Gesang überm Brot, Gedichte. Berlin 1945, unveröffentlicht
  • Die Landschaft Kärnten In: Heinrich Hermann: Zwölf Bilder aus den Joseph Wagnerschen Ansichten aus Kärnten vom Jahre 1844, hg. von Hans Leb mit Vor- bzw. Schlusswort. Chwala, Wien 1944
  • Der unsterbliche Tag, Gedichte. Ferdinand v. Kleinmayr, Klagenfurt 1946
  • Gast unter Sternen, Gedichte. C. Schmeidel, Wien 1947
  • Die Enthüllung, Gedichte. Ausfahrt, Genf 1948
  • Herzschlag der Erde, Roman. 1948
  • Porträt eines alten Mannes, Große Landschaft im März, Die Schlummernde. In: Kärntner Almanach 1948 hg.v. Kulturamt der Kärntner Landesregierung, Eduard Kaiser-Verlag, Klagenfurt 1948
  • Gast unter Sternen, Gedichte. Villach 1949
  • Albin Egger-Lienz. Profil einer Deutung. Hans Leb Presse, Villach 1949, Neuauflage: Verleger: Gruppe 508 - Gesellschaft zur Förderung neuer Kunst, Villach 1962
  • Der irdene Krug. Ein Kalender auf das Jahr 1949. [Illustr.] Hans Leb-Presse, Villach 1949
  • Der Tag Ypsilon, Hörspiel. 1955
  • In der Flamme schlafen, Betrachtungen. In: Henz ,Rudolf (Hrsg): Wort in der Zeit, österreichische Literaturzeitschrift, 7.Jg., Heft 11, Stiasny Verlag, Graz, Nov. 1961
  • Ich binde das Reis. Gedichte aus zehn Jahren (1950-1960), Hg. von Franz Schneeweiß im Eigenverlag der Gesellschaft zur Förderung neuer Kunst, Villach 1961
  • Das Kinderfest, Manuskript u. Zeichnungen. o.O., o.J.
  • Hmynus auf das neue Jahr, Manuskript. o.O., o.J.
  • Hg.: Der Bogen. Dokumente neuer Dichtung. Eigenverlag, Villach 1961, Nr. 1-4; fortgeführt von Heinz Pototschnig, Kleinmayr-Verlag, Klagenfurt 1961-1965, ISSN 0523-8269
  • Zahlreiche Graphiken, z.B ein Zyklus leben für eine Ausstellung in der Wiener Sezession 1953 ("Liebespaar", "Mutter", "Das Alter" etc.)
  • Zahlreiche Gemälde in Mischtechnik

Preise

Über Hans Leb

  • Tilly, Heimo: Thematik der Lyrik bei Hans Leb, Diss. Graz 1951
  • Fackelmann, Christoph: Die Sprachkunst Josef Weinhebers und ihre Leser: Annäherungen an die Werkgestalt in wirkungsgeschichtlicher Perspektive, rev. Fassung der Diss. Wien 2004, LIT Verlag, Berlin-Hamburg-Münster 2005 , S. 833-836, 877-885, 1025-1033; ISBN 3-8258-8620-4
  • Elke Fertschey: Kühner Flügelschlag im weltweiten Netz, Kleine Zeitung, Klagenfurt, vom 19.September 2001
  • Galerie Modena Art, Wien: Hans Leb 1909 - 1961. Das Wort hiess Liebe. Liebe hiess das Wort, Katalog der Weihnachts-Gedenkausstellung, Wien 1982
  • Karner, Stefan, Andreas Moritsch, Peter Fritz: Kärnten und die nationale Frage, Heyn, Klagenfurt 2005, S. 320-325
  • Kindermann, Heinz :Wegweiser durch die moderne Literatur in Österreich, Österr. Verlagsanstalt, Innsbruck 1954, S. 109
  • Lattmann, Dieter et al.: Kindlers Literaturgeschichte der Gegenwart: Autoren, Werke, Themen, Tendenzen seit 1945, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 1980, S. 104
  • Nussbaumer, Erich : Geistiges Kärnten, Ferdinand Kleinmayr, Klagenfurt 1956, S. 553-557
  • Schmidt, Adalbert: Dichtung und Dichter Österreichs im 19. und 20. Jahrhundert, Bergland-Buch, Salzburg 1964, S. 44ff.
  • Spiel, Hilde:Die Zeitgenössische Literatur Österreichs, Kindler, 1976
  • Teichl, Robert : Österreicher der Gegenwart: Lexikon schöpferischer und schaffender Zeitgenossen, Österreich-Institut, Verlag der Österr. Staatsdruckerei, Wien 1951, S. 173
  • von Wilpert, Gero : Deutsches Dichterlexikon: biographisch-bibliographisches Handwörterbuch zur deutschen Literaturgeschichte, Alfred Kröner, Stuttgart 1963

Einzelnachweise

  1. Website seiner Schule
  2. Christoph Fackelmann: Josef Weinheber – Eine Einführung. Weinheber-Gesellschaft sowie Weinheber-Gesellschaft
  3. Der unsterbliche Tag, (Klagenfurt 1946), Gast unter Sternen (Wien 1947),Die Enthüllung(Genf 1948)
  4. Der Bogen. Dokumente neuer Dichtung. Lyrik zum Mitnehmen. Eigenverlag Hans Leb, Villach 1961ff.
  5. zitiert nach Hans-Leb-Website
  6. Literaturhaus: Hans Leb
  7. ORF-Bericht über die Lesung in Hüttenberg durch Lebs Enkelin Gudrun Maria Leb
  8. Hans-Leb-Website

Weblinks