Jedlesee

Jedlesee
Wappen Karte
Wappen von Jedlesee
Jedlesee karte.png

Jedlesee war bis 1894 eine eigenständige Gemeinde und ist heute ein Stadtteil Wiens im 21. Wiener Gemeindebezirk Floridsdorf sowie eine der 89 Wiener Katastralgemeinden.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Plan Jedlesees 1821
Die Gemeinde Jedlesee um das Jahr 1872 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

Jedlesee ist ein Bezirksteil des 21. Wiener Gemeindebezirks Floridsdorf, der bis 1904 zu Niederösterreich gehörte. Ab dem Zeitpunkt der Eingemeindung setzte eine immer schnellere Entwicklung von landwirtschaftlichen Dörfern zum suburbanen Siedlungsraum ein.

Das alte Dorf Jedlesee lag am Südwestende des Marchfeldes. Es entstand an einem Seitenarm der Donau, der „Schwarzen Lacke“, welche heute noch als Wiesenstreifen neben der Kirche erkennbar ist. Dieser Donauarm war öfter ein Grund für die Zerstörung Jedlesees durch die hochwasserführende Donau und Eisstösse. Mit der Donauregulierung wurde die „Schwarze Lacke“ vom Hauptstrom abgetrennt und nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Schutt der zerbombten Wiener Häuser sowie diverse Industrie- und Erdölabfällen bis in die 70er Jahre restlos aufgefüllt.

Die dadurch an Wien herangerückte Schwarze Lackenau nördlich des alten Donauarms bildet eine eigene Katastralgemeinde, die heute jedoch als Teil des Bezirksteils Jedlesee angesehen wird. Die Katastralgemeinden Jedlesee (144,97 ha) und Schwarze Lackenau (518,62 ha) erstrecken sich gemeinsam über eine Fläche von 663,59 ha. 85,97 ha der Schwarzen Lackenau liegen auf dem Gebiet des Gemeindebezirks Döbling, 30 ha auf dem Gebiet des Gemeindebezirks Brigittenau. Bei diesen Anteilen handelt es sich jedoch um Wasserflächen der Donau. Zur Schwarzen Lackenau gehören auch Abschnitte der Donauinsel und des Marchfeldkanals.

Unter dem leicht abgewandelten Namen Schwarzlackenau existiert ein drei Zählsprengel umfassender Zählbezirk der amtlichen Statistik, dessen Grenzverlauf jedoch nicht mit jenem der Katastralgemeinde ident ist. Dies gilt auch für den aus fünf Zählsprengeln bestehenden statistischen Zählbezirk Alt-Jedlesee und den aus vier Zählsprengeln bestehenden statistischen Zählbezirk Neu-Jedlesee.

Jedlesee grenzt im Norden an die niederösterreichischen Gemeinden Klosterneuburg und Langenzersdorf sowie an den Floridsdorfer Bezirksteil Strebersdorf. Im Osten liegen die Floridsdorfer Bezirksteile Großjedlersdorf und Floridsdorf. Im Südosten grenzt Jedlesee – in Fließrichtung der Donau – an die Döblinger Bezirksteile Kahlenbergerdorf und Nußdorf sowie an die Brigittenau.

Geschichte

Die Ortschaft Jedlesee entstand am Landeplatz der Überfuhr vom Marchfeld nach Nußdorf, vermutlich als fränkische Neugründung nach dem Sieg Otto I. über die Magyaren am Lechfeld. Bereits am 5. Juli 1014 wird in einer Schenkungsurkunde des Bistum Passau der Ort „Uotcinessevve“ erwähnt, der Jedlesee zugeschrieben wird. Der deutsche Heinrich II. schenkte der bischöflichen Kirche zu Passau dieses Gebiet neben Besitzungen in Herzogenburg, Krems an der Donau und Tulln zur Errichtung von Kirchen.

Ursprünglich war Jedlesee ein Bauern- und Fischerdorf im Augebiet der Donau. Zahlreiche Donauarme befanden sich im heutigen Siedlungsgebiet – am westlichen Ortsrand die „Schwarze Lacke“, die sich bei Hochwasser in einen reißenden Seitenarm des Stromes verwandelte. Trotz oftmaliger Verwüstung durch Hochwässer und Eisstöße sowie der jeweils durchziehenden Heerscharen auf dem Marsch nach Wien wurde der Ort immer wieder aufgebaut. Die Überschwemmungen wurden erst durch die Donauregulierung (1870-75) beendet.[1] Durch die Gründung einer Überfuhr über den Donaustrom gewann Jedlesee an Bedeutung. Noch heute erinnert die Überfuhrstraße daran.

Von 1778 an war der Leibarzt Maria Theresias, Anton Freiherr von Störck, Besitzer der Herrschaft Jedlesee; unter ihm wurde nicht nur 1779 die Loretto-Kapelle zur Pfarrkirche umgestaltet und 1782 eine eigene Schule errichtet, sondern er erbaute 1787 auch an der Gabelung Prager Straße-Hopfengasse ein Brauhaus (ehemals Gambrinus). Über die Hopfengasse bekam Jedlesee einen näheren Anschluss an den Handelsweg nach Böhmen.

Der Aupark Jedlesee ist nach der Donauregulierung eine der letzten naturnahen Grünoasen in Floridsdorf. Das O'Brien-Denkmal am Eingang des Auparks erinnert an Generalmajor Johann Freiherr von O'Brien, der 1809 mit nur wenigen österreichischen Soldaten die Franzosen zum Rückzug zwingen konnte und damit eine wichtige Voraussetzung für den Sieg von Erzherzog Karl in der Schlacht bei Aspern erreichte.

Mit dem Erholungsgebiet Donauinsel ist Jedlesee durch eine Hängebrücke (Jedleseer Brücke) in der Verlängerung der Überfuhrstraße verbunden. Der Aupark Jedlesee ist durch Grünbrücken über die Donauufer Autobahn (A22) mit der Neuen Donau verbunden. Beethoven genoss die Spaziergänge durch den Auwald, sie waren für ihn eine willkommene Abwechslung zum Stadtleben in Wien. Der Grund seiner häufigen Besuche in Jedlesee war die Gräfin Erdödy, deren kleines Landhaus heute als "Beethovenschlössl" bekannt ist.[2][3]

Wappen

Jungfrau Maria zu Loretto mit Jesuskind

Das Jedleseer Wappen ist die Jungfrau Maria zu Loretto, das Jesuskind im Arm haltend. Völlig in Gold erstrahlt steht die Jungfrau Maria mit dem Jesuskind in der Mitte des silbernen Wappenschildes. Das Gnadenbild zeigt die beiden mit einem goldenen Mantel umhüllt, mit Perlenschnüren und Kronen verziert. Seitlich sind in rot zwei Buchstaben angebracht: M (für Maria) und L (für Loretto). Maria zu Loretto ist die Patronin der Jedleseer Kirche, das Wappen eine Nachbildung der dortigen Wallfahrtsstatue. Maria zu Loretto ist als Statue an der zentralen Kreuzung Anton-Bosch-Gasse Ecke Wiener-/Michtner Gasse zu sehen.[4]

Flugverkehr in Jedlesee

Die am 3. Mai 1923 gegründete „Österreichische Luftverkehrs AG“ (ÖLAG) nahm am 14. Mai ihren Linienbetrieb mit einem Flug von München nach Wien (Kennzeichen D-219, Junkers Chefpilot war Hans Baur) auf und landete die Maschine nach einer Flugzeit von 1:45 Stunden nicht auf dem Flughafen Aspern, sondern auf dem Überschwemmungsgebiet in Jedlesee. 49 % der ÖLAG besaßen die Junkers-Flugzeugwerke, die auftragsgemäß die Flugzeuge einbrachten und die deren „Trans-Europa-Union“ gehörten. Natürlich wurden immer wieder auch Rundflüge durchgeführt. Die ÖLAG arbeitete mit der Münchner Rumpler Luftverkehr, der Schweizer Ad Astra Aero und der Ungarischen Aero-Express zusammen.

Die Linien wurden größtenteils mit Junkers F 13, dem ersten echten Verkehrsflugzeug bedient. Während die Strecke München-Wien-München ab 23. Mai 1923 mit Radfahrwerken bedient wurde, ging es dann ab 16. Juli 1923 jeweils um 12:30 Uhr vom erweiterten Land- und Wasserflugplatz Wien-Jedlesee mittels F-13-Flugzeugen auf Schwimmern nach Budapest weiter, welche auf der Donau ihren Landesteg hatten. Im Gegenzug startete man in Budapest um 10 Uhr. In der Saison 1923 wurde die Strecke täglich, außer Sonntag, bis 30. September beflogen. Für die 218 km lange Strecke benötigte man rund 1:45 h. Die durchschnittliche Auslastung betrug im Schnitt 50 % der Sitzplatzkapazität. Da sich ein Ausbau vom ÖLAG-Flugplatz Wien-Jedlesee wirtschaftlich nicht lohnte übersiedelte die ÖLAG im Mai 1924 endgültig mit ihren Landflugzeugen nach Wien-Aspern, auch das Gebäude wurde nach Wien-Aspern transferiert.

Wohnbauten und Siedlungen

Sehenswürdigkeiten

Beethoven-Gedenkstätte

In dem 1795 erbauten Erdődy-Landgut, Landhaus des gräflichen Ehepaares Peter und Anna-Maria Erdődy in der damaligen Augasse (heute Jeneweingasse) hat Ludwig van Beethoven wiederholt als Gast geweilt. Mehrmalige Aufenthalte Beethovens auf Einladung der Gräfin sind insbesondere für 1815/16 verbürgt; ebenso die Veranstaltung von Hausmusikabenden unter Beethovens Leitung. Der kunstsinnigen Gräfin war es zu verdanken, dass Beethoven von adeligen Mäzenen jene wirtschaftlichen Mittel zur Verfügung gestellt wurden, die es ihm erlaubten, in Wien seine Wahlheimat zu finden.

Die Freundschaft zwischen Beethoven und der Gräfin Erdödy fand auch im Werk des Komponisten ihren Ausdruck: Der Tondichter widmete Anna Maria Erdödy mehrere Werke, darunter die beiden Klaviertrios Opus 70 (1808), sowie die Sonaten für Violoncello und Klavier Opus 102 (1817) sowie den Kanon Glück, Glück zum neuen Jahr WoO 176 (1819).

1863 brannte das Landgut teilweise ab, der untere Teil mit dem alten Treppenhaus blieb jedoch erhalten. Seit 1973 ist es über Initiative des von Prof. Dr. Leopold Wech gegründeten „Vereines der Freunde der Beethoven-Gedenkstätte in Floridsdorf“ ein kulturelles Zentrum, wo Kammermusik, Haus- und Volksmusik gepflegt sowie Autorenabende und Vorträge abgehalten werden. Eine Gedenktafel zeigt die Wasserhöhe der großen Donauüberschwemmung des Jahres 1830 an. Rechts außen befindet sich eine Florian-Statue mit Helm, Panzer und Sagum bekleidet, im linken Arm eine Fahne, mit der Rechten die Flammen löschend, die aus den Fenstern eines Hauses schlagen. In der Gartenanlage der Gedenkstätte steht eine Statue des heiligen Johannes von Nepomuk, die vom Bildhauer Würtinger nach dem im 2. Weltkrieg zerstörten Original neu geschaffen wurde.

Das ehemalige Landgut der Gräfin Erdödy in Jedlesee ist die einzige Wiener Beethoven-Gedenkstätte jenseits der Donau.[5]

Beethovenweg

Skulptur bei der Maria-Loretto-Kirche

Ludwig van Beethoven, der Anfang des 19. Jahrhunderts regelmäßig die Stadt Wien verließ und in den Vororten der Stadt die warmen Sommertage verbrachte, hatte in Nußdorf und Grinzing verschiedene Wohnstätten gefunden. Durch seine Bekanntschaft mit Gräfin Erdödy erhielt er die Einladung auf ihr neu erworbenes „Landgut zu Jedlersee“ zu kommen. Beethoven wollte von Nussdorf nicht den weiten Umweg über die Donaubrücke über den Prater nehmen und entschied sich für die kürzeste Strecke, für die Überfuhr zwischen Jedlesee und Nußdorf.

Zur Erinnerung an Beethovens Spaziergänge in Jedlersee wurde am 12. Mai 2007 der „Beethovenweg“ eröffnet. Entlang des Weges wurden vom Künstler Manfred Satke entworfene und von Josef Frantsits hergestellte vier Meter hohe Skulpturen aufgestellt, welche die Form von abgebrochenen Stimmgabeln aufweisen (Hinweis auf die Schwerhörigkeit Beethovens).[6]

Die Stationen des Beethovenweges:

Maria-Theresien-Schlössl

Das Vorgebäude des Jedleseer Herrschaftshauses wurde 1683 bei der Zweiten Wiener Türkenbelagerung zerstört. Von 1778 bis 1789 gehörte das Herrschaftshaus dem Arzt Freiherr Anton von Störck, der Leibarzt von Maria Theresia von Österreich war. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Maria-Theresien-Schlössl als Ersatzquartier für den durch Bomben zerstörten Pfarrhof der Maria-Loretto-Kirche, dann folgte bis 2003 die Nutzung durch einen Tennisclub. Die notwendige Restaurierung und weitere Nutzung ist derzeit ungeklärt.

Donauinsel-Kirschenhain

Donauinsel-Kirschenhain

Der Kirschenhain wurde im Frühling 2002 von der japanischen Künstlergruppe „to the woods“ in Zusammenarbeit mit der Magistratsabteilung 49 der Stadt Wien gestaltet. Die Kirschbäume sind ein Teil der 1000 japanischen Kirschbäume, die der Stadt Wien, anlässlich des 1000-Jahr Jubiläums von Österreich, als Geschenk übergeben wurden.[7]

Pfarren und Friedhöfe

Pfarrkirche Maria-Loretto

Pfarrkirche Maria-Loretto

Hauptartikel: Maria-Loretto-Kirche (Jedlesee)

Bereits im 11. Jahrhundert stand hier eine kleine, dem hl. Nikolaus geweihte Kapelle, der in späterer Zeit andere Kapellen folgten; sie waren dem hl. Sebastian, dem hl. Johannes von Nepomuk und den hl. drei Königen geweiht.[8]

Kirche Hl. Blut Christi

Pfarrkirche Gartenstadt

Hauptartikel: Pfarrkirche Gartenstadt

Für den Jedleseer Exerzierplatz und das Militärbarackenlager bestand nach dem 1. Weltkrieg keine Verwendung mehr. Auf diesem Areal errichtete Prälat Dr. Josef Gorbach in einem der leer stehenden Objekte – im Zuge eines mehrere Wiener Bezirke umfassenden Programms (1935/36) – eine Notkirche (damals Moltkegasse, heute Dunantgasse 4-6), deren Betreuung er selbst übernahm. Nach Kriegsschäden wurde die Notkirche 1947-49 renoviert, 1962-64 jedoch durch einen nach Plänen des deutschen Architekten und Städteplaners Alfons Leitl an anderer Stelle errichteten Neubau (Pfarrstation mit Kirche „Hl. Blut Christi“, später Pfarrkirche Gartenstadt) ersetzt.

St.-Antonius-von-Padua-Kirche

Hauptartikel: St.-Antonius-von-Padua-Kirche (Schwarzlackenau)

Der auch Pfarrkirche Schwarzlackenau genannte Bau wurde 1937 als Holzbaracke errichtet.

Jedleseer Friedhof

Hauptartikel: Jedleseer Friedhof

Der Jedleseer Friedhof befindet sich in der Audorfgasse 47 und beherbergt 8.448 Grabstellen auf einer Fläche von rund 55.994 m². Er wurde 1873 angelegt und wird heute im Auftrag der Friedhöfe Wien GmbH von Friedhofsmeister Karl Rzihauschek verwaltet.

Sport

Literatur

  • Felix Czeike: Wien XXI. Floridsdorf. Wiener Bezirksführer. J&V, Wien 1979, ISBN 3-7141-6221-6.
  • Raimund Hinkel: Wien XXI. Floridsdorf. Das Heimat-Buch. Jedlesee, Schwarzlackenau, Strebersdorf, Jedlersdorf, Leopoldau, Stammersdorf, Zwischenbrücken, Donaufeld, Floridsdorf, Jedlersdorf am Spitz. Brandstätter, Wien 1994. ISBN 3-85447-528-4

Einzelnachweise

  1. [1] Hochwasserkatastrophen in Wien 1200-1500
  2. [2] Geschichte vom Ortsteil Jedlesee
  3. [3] Die Freundschaft Beehovens mit Anna Maria von Erdödy
  4. [4] Geschichte vom Ortsteil Jedlesee
  5. Onlineauftritt der Beethovengedenkstätte
  6. Die Route des Beethovenwegs PDF 502KB
  7. Onlineauftritt Künstlergruppe to the woods Kirschenhain bei der Jedleseer Brücke auf der Donauinsel
  8. Onlineauftritt der Pfarre Jedlesee

Weblinks

 Commons: Jedlesee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.26777777777816.386388888889Koordinaten: 48° 16′ N, 16° 23′ O