Legionslager Albing

Legionslager Albing
Alternativname unbekannt
Limes Noricum
Abschnitt Strecke 1
Datierung (Belegung) antoninisch,
170–205 n. Chr
Typ Legions- und Alenkastell
Einheit a) legio II Italica
b) Ala Antoniniana
Größe 568 × 412 m (23,3 ha)
Bauweise Steinbauweise
Erhaltungszustand quadratische Anlage mit abgerundeten Ecken,
NW-Front von der Donau abgeschwemmt,
drei Toranlagen, einige Zwischentürme und
ein Eckturm wurden archäologisch nachgewiesen,
oberirdisch nicht mehr sichtbar
Ort St. Pantaleon-Erla
Geographische Lage 48° 20′ 0″ N, 15° 43′ 59″ O48.33333333333315.733055555556242Koordinaten: 48° 20′ 0″ N, 15° 43′ 59″ O
Höhe 242 m ü. A.
Vorhergehend Legionslager Lauriacum (westlich)
Anschließend Kastell Wallsee (östlich)
Limes3.png
Areal des Legionslagers, Blick aus Nordost (2010)
Die Donau bei Albing, links oben die Einmündung des Altarms der heute die NW-Front des Lagers überdeckt
Grundrisse der Toranlagen von Albing
Grabungsplan des Legionslagers nach Groller, 1904/1905
Rekonstruktionsversuch der Porta Praetoria des Kastell Pfünz, so ähnlich könnte auch die Porta Principales Dextra (Osttor) des Lagers von Albing ausgesehen haben
Rekonstruktionsversuch des Nordtores von Favianis, so könnte auch die Porta Decumana des Lagers von Albing ausgesehen haben
Konglomerat der Albinger Kastellmauer

Das Legionslager Albing war Stützpunkt einer römischen Legion und einer Reitereinheit am Donaulimes in Österreich, Bundesland Niederösterreich, Bezirk Amstetten, Gemeinde St. Pantaleon-Erla/Ortsteil Albing.

Als Hauptquartier der neu aufgestellten legio II Italica war es für kurze Zeit militärisches und eines der politischen Machtzentren der Provinz Noricum sowie Sitz des legatus Augusti pro praetore provinciae Norici, dem Statthalter und Befehlshaber der Legion. Aufgrund seiner Flächenausdehnung ist es das größte bisher entdeckte römische Kastell in Österreich. Es wurde jedoch schon bald nach seiner Errichtung wieder aufgegeben. Die Legion wurde in das günstiger gelegene Lager Lauriacum beim heutigen Enns verlegt.

Inhaltsverzeichnis

Name und Lage

Der antike Name des Lagers ist bis dato unbekannt geblieben. Die Versuche einer Identifizierung mit Mariniainum, Elegio (evt. von e(x) legio(ne)[1]) (Tabula Peutingeriana Segmentum III/5) oder Claudivium (Claudius Ptolemaeus: II, 13) sind wissenschaftlich nicht beweisbar.[2] Möglicherweise wurde es auch einfach nur als Legio (d.h. bei der Legion) bezeichnet wie auch andere Lager im Imperium wie z.B. León, der Standort der Legio VII Gemina in Spanien.[3] Die heutigen Orts- und Flurnamen wie z.B. Marksee, Moosmühle, lassen auf frühere großflächige Versumpfungen in der Umgebung schließen.[4]

Die Fundstelle liegt ca. 2 km östlich der heutigen Mündung der Enns und befindet sich etwas abseits der Limesstraße auf einer leicht erhöhten Terrasse, die in der mittleren Kaiserzeit von Donauarmen und sumpfigen Niederungen umgeben war. Maximilian von Groller-Mildensee vermerkte Anfang des 20. Jahrhunderts in seinem Grabungsbericht, dass nur wenige hundert Schritte landeinwärts noch Schotterlagen unter dem Humus lagen und verwies auch auf Spuren von - heute verlandeten - Seitenarmen der Donau um das Kastellareal. Diese Beobachtungen veranlassten ihn anzunehmen, dass das Lager in der Antike auf einer Art Schwemmschotterinsel gelegen haben könnte.

Entwicklung und strategische Bedeutung

Die Legio II Italica wurde um 165 n. Chr. von Mark Aurel zur Verstärkung der Donauarmee gegen die Markomannen ausgehoben und war die erste in Noricum stationierte Legion seit Eingliederung der Provinz in das Imperium Romanum unter Claudius. Um 170 n. Chr. wurde sie im Zuge der Markomannenkriege an die norische Donaugrenze verlegt, wo die Soldaten bei Albing alsbald mit dem Bau des Lagers begannen. Möglicherweise stand hier schon seit dem 2. Jahrhundert ein Auxiliarkastell.[5] Dieser Standort wurde wohl deshalb gewählt, da ein großer Teil der markomannischen Invasoren, die durch das Tal der Aist in den Süden vorgedrungen war, hier wahrscheinlich die Donau überschritten hatte.[6] Die dauerhafte Stationierung einer Legion in Noricum hatte für die Provinz einige Veränderungen zufolge. Die einschneidenste war sicher die Übernahme der Agenden eines Statthalters durch den Legionslegaten.

Das Lager konnte allerdings nur wenige Jahre genutzt werden. Als wiederholt verheerende Überschwemmungen auftraten war die Verlegung der Legion nach Lauriacum wohl unumgänglich geworden. Der Grund hierfür dürfte eine ab dem späten 2. Jahrhundert einsetzende Klimaveränderung sein, die zur Zunahme solcher Hochwasserkatastrophen, damit unweigerlich auch zu einem kontinuierlichen Anstieg des Grundwasserspiegels und einem Rückstau der Enns führte.[7] Ob das Albinger Lager aber tatsächlich nur wegen der Hochwassergefahr verlassen wurde, ist von der Forschung noch nicht befriedigend geklärt worden. Auch das Legionslager von Regensburg wurde auf hydrologisch ungünstigen Terrain angelegt und den römischen Ingenieuren jener Zeit standen wirksame technische Möglichkeiten zur Verfügung um das Areal bebaubar zu machen, im Fall von Regensburg durch Aufschüttung einer 1,10 m hohen Kiesschicht. Dennoch könnte es in einer regenreichen Jahreszeit zu einer teilweisen Unterspülung des Uferbereiches gekommen sein, der das Lager zwar noch nicht unmittelbar bedrohte, für die nähere Zukunft bei solchen Ereignissen jedoch nicht gutes erahnen ließ.[8]Den Grabungsberichten Max von Grollers ist zu entnehmen, dass das Lager schon vor Beendigung der Bauarbeiten wieder aufgegeben worden sein könnte:

  • Am Südwest- und am Südosttor konnte keine Straßenschotterung nachgewiesen werden,[9]
  • das Grabensystem und die obligatorische innere Erdrampe (Wehrgang) fehlten,[10]
  • abgesehen von ein paar gestempelten Ziegeln und einer Gürtelschnalle konnten von Groller kaum Kleinfunde geborgen werden und
  • auf den Luftaufnahmen sind zwar Mauern und Türme deutlich erkennbar aber - außer die Reste des Kommandogebäudes - keinerlei Spuren von weiteren Innenbauten.

Hannsjörg Ubl hält es auch für möglich, dass der Befehl zur Errichtung eines Verwaltungszentrums für die Provinz, d.h. also auch einer größeren Zivilsiedlung, erst zu einem späteren Zeitpunkt gegeben wurde, dafür war die Lage Albings in der Ebene am Abfall des Strengberges nicht geeignet. Letztendlich dürften auch das Zusammenlaufen der Straßenverbindungen bei Lauriacum, die Voraussetzungen für die Errichtung eines Donauhafens an der Ennsmündung oder vielleicht auch günstigere religiöse Vorzeichen ausschlaggebend für die neuerliche Verlegung der Legion gewesen sein.[11] In der Aufbauphase konnten die beiden Lager auch einige Zeit nebeneinander existiert haben.

Der Baubeginn des neuen Lagers bei Enns ist für die Jahre um 190 n. Chr. anzusetzen, die II. Italica rückte spätestens nach Fertigstellung der Infrastruktur zwischen 201 und 205 n. Chr. dort ein.[12] Möglicherweise lebte aber Mitte des 4. Jahrhunderts die Bautätigkeit im Albinger Lagerbereich wieder auf da hier u.a. das Vorhandensein einer Ziegelei nachgewiesen werden konnte.[13]Herma Stiglitz glaubt (im Zusammenhang mit aufgefundenen Ziegelstempeln), dass zu dieser Zeit hier auch eine kleinere Befestigung existierte.[14]

Aufgabe der Besatzung war vor allem die Kontrolle von Fernstraßen, die aus dem Tal der Aist Richtung Süden führten und dort auf weitere Ost-West-Verbindungen trafen. Die Nähe zur Traunmündung ermöglichte den Anschluss an weitere wichtige Römerstraßen.

Forschungsgeschichte

Nachdem bereits um 1900 römerzeitliche Mauern und Funde (Münzen, Ziegelstempel) auftraten, berichtete E. Schmidel 1902 (nach Versuchsgrabungen) über die Entdeckung von Resten einer Mauer die sich über 1 km entlang der Straße von Enns nach St.Pantaleon hinzog. Die ersten wissenschaftlichen Ausgrabungen fanden Anfang des 20. Jahrhunderts statt: Oberst von Groller-Mildensee und Maximilian Nistler untersuchten große Teilbereiche der Befestigungen.

1904 bis 1905 wurden, in Verbindung mit den Grabungen in Lauriacum, die Umfassungsmauer, drei Toranlagen und ein paar Türme freigelegt oder angeschnitten sowie deren Lage durch Sondierungen festgestellt. Aufgrund dessen gelang es auch, den Gesamtumfang das Lagers genau zu bestimmen. In den letzten Tagen der Ausgrabung wurde an der Schnittstelle der angenommenen Straßen römerzeitliches Mauerwerk angegraben, aus dessen Schutt Ziegelstempel der legio II Italica geborgen werden konnten.[15]

1985 dokumentierte Erwin M. Ruprechtsberger bei Bauarbeiten Fundamente der Kastellmauer in 1,3 bis 1,5 m Tiefe. Die durch Kalkmörtel verbundenen Geschiebesteine des Mauerwerkes verliefen in südwest-nordöstlicher Richtung und saßen auf einer Lage Kieselsteine auf. Man kam dabei außerdem zu dem Schluss, dass das Lager nie vollendet wurde. Man stieß teilweise nur auf halbfertige Fundamente, das Lager wurde scheinbar noch vor Fertigstellung der Ringmauer aufgegeben. Auch konnten keine Kleinfunde gemacht werden, auf diesen Umstand hatte schon Max von Groller hingewiesen.[16] Jener Teil der Mauer, der durch die Baugrube verlief, wurde geborgen und beim Sportplatz der Hauptschule 1 in Enns aufgestellt.[17]

Auf einem benachbarten Grundstück wurde beim Bau eines Hauses die Mauer wieder in 2,5 m Tiefe beobachtet, genau an der Stelle, wo schon Groller den Verlauf der Mauer zuletzt in einer von ihm als fundleer beurteilten Überschwemmungszone angetroffen hatte. Die Abbruchkante entspricht heute dem Verlauf der Straße, die am Donaukanal entlangführt.

Eine Anrainerin wies die Archäologen 2006 auf einen bewuchsarmen Streifen in den umliegenden Feldern hin (sog. Hitzeriegel), der - wie sich später bei einer Nachgrabung herausstellte - den Verlauf der Kastellmauer und die Position eines Zwischenturmes markierte.[18] Im Rahmen einer Kooperation mit dem Institute of Mediterranean Heritage der Universität Koper und dem Pokrajinski muzej Celje in Slowenien wurde 2008 die gesamte noch unverbaute Fläche des Lagers geophysikalisch mit Magnetiktechnologie und Radar untersucht. Es konnten der gesamte Grundriss der principia, die Befestigungsanlagen sowie die Innenfläche des Lagers dokumentiert werden. Seitdem wurde die (auch für chronologische Fragen) wichtige Anlage kaum mehr angemessen erforscht.

Kastell

Die etwa 2,3 ha große Legionsfestung ist mit der von Locia/Lotschitz im heutigen Slowenien vergleichbar. Albing war somit größer als die Lager von Lauriacum (21,4 ha) und auch Carnuntum (ca. 17 ha).

Bei den Grabungen 1904/1905 konnten nur Teile der Wehrmauer aufgedeckt werden. Die Nordecke und fast die Hälfte der NW-Front des Areals wurde im Lauf der Jahrhunderte vom Strom abgeschwemmt. Der Grundriss des Lagers bildete ein langgestrecktes, mit seiner Prätorialfront nach Südwest-Nordost ausgerichtetes, Rechteck und lag mit seiner Längsseite entgegen der Fließrichtung der Donau. Etwa 40 m nördlich des Haupttores konnte ein heute verlandeter Donauarm nachgewiesen werden, davor stellte man eine Geländekante von 6 bis 8 m fest.

Die Strukturen der Kastellmauer mit ihren zahlreichen Eck- und Zwischentürmen zeichnen sich auch heute noch deutlich in den Feldern ab und sind besonders auf Luftaufnahmen gut zu erkennen. Die nur in einzelnen Abschnitten vorgenommenen Ausgrabungen deckten insgesamt drei Toranlagen und einige der innen angesetzten Zwischentürme, die unterschiedlich weit aus der Mauerflucht zurücktraten, auf. Der Verlauf der Lagerhauptstraße, der via praetoria, konnte auf einer Länge von 80 m verfolgt werden. Die westliche Lagerecke war durch einen trapezförmigen Turm verstärkt; hier hatte die Lagermauer eine Breite von 3,10 m.

Zusammenfassend ergibt die Rekonstruktion ein rechteckiges Lager mit einer Flächenausnutzung von 568 × 412 m sowie vier Toranlagen und bis zu 28 Zwischentürmen. Der Befund zeigt zudem die - für römische Lager dieser Zeit typische - Abrundung (Halbmesser 34 m) an den Ecken (Spielkartenform, westliche und südliche Ecke wurden ergraben).

Kastellmauer

Die auf Rollschotter gesetzte, 1,80 m und 3,15 m dicke, Mauer besteht vor allem aus Bruchsteinen und Flusskieseln, stellenweise fanden sich auch Fragmente von Holzpfählen im Gussmörtelkern. Da sie meist nur mehr etwa 80 cm hoch erhalten war, deutete Groller sie zunächst lediglich als Steinsockelfundamentierung, auf der eine Mauer aus vergänglicherem Baumaterial aufgesetzt war. Die Fundamente wurden abschnittsweise an allen vier Seiten ergraben. Die Dicke der Umfassungsmauern variiert stark, sie waren im Nordosten ca. 3 m, im Südwesten aber nur etwa 1,8 m stark.

  • Die südwestliche Mauer (Decumana) hat ebenfalls eine Stärke von 1,8 m und konnte fast zur Gänze aufgedeckt werden,
  • die nordöstliche, die Prätorialfront, hat eine Stärke von 3,00 - 3,15 m,
  • die südöstliche Mauer ist in ihrer Stärke von bis zu 2,95 m teilweise ergraben worden aber ansonsten nur durch Sondierungen bekannt,
  • der nordwestliche Abschnitt wurde ebenfalls an zwei Stellen nur durch Sondierungen zwischen Häusergruppen erkannt.

Bei Nachgrabungen im Bereich der Lagermauer stellte man zwischen 1985 und 1987 fest, dass sie nie fertiggestellt bzw. erst gar nicht mit dem Aufbau begonnen worden war. Man stieß oft nur auf gestampfte und mit Gußmörtel gebundenen Steinlagen des Fundamentes.[19]

Tore, Türme und Innenbauten

An den Schmalseiten wurden bis zu sechs Zwischentürme beobachtet, jeweils drei an beiden Seiten des Tores, an den Langseiten acht Exemplare, je vier an beiden Seiten der Tore. Sie lagen genau an der Mauerflucht und weisen einen quadratischen Grundriss und eine Seitenlänge von 3,55 m - 3,70 m (Mauerstärke 1,80 m) auf. In allen Fällen kragen sie ganz oder weitgehend nach innen vor. Neben den 18 gesicherten Zwischentürmen wurde im Nordwesten ein trapezförmiger Eckturm mit einer Mauerstärke von ca. 3,1 m ergraben, sein Pendant im Süden wurde durch Sondierungen lokalisiert. Die Fundamente der Türme Nr. IX, X und XII an der südöstlichen Lagermauer wurden auf Piloten errichtet. Letzterer stand auf einer 0,80 m dicken Platte aus ungewöhnlich harten Gussbeton. Auf den Parzellen 884 und 889, in St. Pantaleon, wurde in der Mitte des Grabungsschnittes ebenfalls ein Zwischenturm erfasst. Die Mauern dieses quadratischen Turmes, der nur 0,6 m an der Innenmauer vorsprang, waren 2,1 m stark. Es konnten keine Baufugen beobachtet werden.

Alle drei bisher freigelegten Tore weisen (trotz einiger kleiner Unterschiede) dasselbe Grundrissschema auf. Außer der porta praetoria besaßen die übrigen Tore aber keine geschotterten oder gepflasterten Durchfahrtsstraßen.

Die Porta Praetoria (Haupttor) ist außergewöhnlich breit (37,65 m) und hatte insgesamt drei Durchfahrten. Die Mauerstärken betragen meist um die 3 m, nur die Innenseite der Tortürme ist lediglich 2 m breit. Ihre knapp vorspringenden Tortürme sind fast quadratisch (etwa 10 × 9,50 m), die mittlere Durchfahrt ist 4,50 m, die beiden seitlichen je 3,50 m breit. Das Torhaus war sowohl an der Außenseite als auch an der Innenseite des Tores mit den Flankentürmen bündig. Die mittlere, geschotterte Durchfahrt des Tores konnte noch bis zu 80 m ins Lagerinnere nachverfolgt werden.

Die Porta Decumana (SW-Tor) hatte nur einen einzigen Durchgang und denselben Vorsprung der Flankentürme wie die Porta Principalis Dextra. Ob der Torbogen in der Front der Türme oder zurückgesetzt lag, war nicht mehr zu erkennen. Es wurde auf einer Fläche von 24 m x 16 m untersucht. Seine aufgehenden Mauern waren nur mehr 0,8 m hoch erhalten. Der westliche Torturm (9 m × 8,6 m) und die an ihn anschließende Lagermauer von 2 m bis 2,5 m Stärke wurden ebenfalls freigelegt. In der Durchfahrt (Breite 3,3 m) konnten allerdings keine Spuren einer Schwelle oder einer Straße festgestellt werden, wie sie aus den Befunden der Porta praetoria bekannt sind.[20]

Die doppeltorige Porta Principalis Dextra (SO-Tor) hat zwei quadratische Flankentürme, die um 2,60 m vorspringen, während die Torbögen um knapp 2 m gegenüber der Mauerflucht zurücktreten. Ihre Durchfahrten weisen unterschiedliche Breitenmaße auf: 4,10 bzw 3,90 m. Der Torbau wurde ebenfalls auf Piloten errichtet. Die Pfosten steckten in einer bis zu 80 cm starken Gußmörtelplatte, die unter dem Mauerwerk auf sandigen Boden und einer Schotterschicht auflag. Abdrücke der Piloten zeigten, dass sie aus ungespaltenen Stämmen mit bis zu 15 cm Durchmesser gewonnen wurden, deren Äste vorher nur grob abgehackt worden waren. Die Nähe eines Donauseitenarmes im Südosten des Lagers war wahrscheinlich der Grund für diese aufwendige Fundamentierung.[21]

Die Position der Porta Principalis Sinistra ist nur durch Sondierungen bekannt.

Man nimmt an, dass die Festung - wegen kaum nachweisbarer Spuren einer Innenbebauung - nie zur Gänze fertig gestellt wurde. In der Lagermitte konnten nur einige wenige Gebäudereste beobachtet werden, bei einen handelte es sich vermutlich um eine Mauerecke der Principia.[22]

Garnison

Als Garnisonstruppe sind vor allem die Legio II Italica aber auch eine Reitereinheit, die Ala Antoniniana, bekannt. Im Allgemeinen ist Albing als erster Standort der II. Italica an der Donaugrenze unbestritten. Aufgrund der etwas größeren Fläche des Lagerareals (23,3 ha) im Gegensatz zum Lager bei Enns (21,5 ha) nimmt man an, dass die Reitertruppe zusammen mit den Legionären in Albing kaserniert war. Deren Präfekt besiegte angeblich den Naristenhäuptling Valao in einem Zweikampf. Nach dem Umzug ins Lager Lauriacum scheint die ala entw. aufgelöst oder verlegt worden zu sein.[23]

Militärziegelei

Ziegelstempel der Legio II Italica aus Albing
Ziegelstempel vom Ziegelfeld, gefunden 1964, Kombinationsaufdruck LEGIIITALSAB

1964 wurde in der Gemeinde Sankt Pantaleon-Erla, Ortsteil Ziegelfeld, ein römischer Ziegelbrennofen ausgegraben. Schon in früheren Jahren wurden an der Erla antike Ziegel gefunden. Auch der Name der Flur, "Ziegelfeld", geht auf diese Funde zurück. Bei Regulierungsarbeiten wurde einige Meter über dem Flusslauf, an der westlichen Uferböschung, die Reste des Ziegelofens angeschnitten und dem Archäologen Gustav Melzer gemeldet.

Die anschließend durchgeführte Grabung wurde von Gustav Melzer und Herma Stiglitz geleitet und dokumentiert. Der Befund war durch die Baggerarbeiten schon weitgehend zerstört, vorhanden war nur noch der Unterbau mit dem Gewölbeansatz der Feuerung. Die Ofenwände bestanden aus Bruchsteinen, Lehmmaterial und Ziegeln. Die 7 m lange und 2,6 – 6,5 m breite Anlage war nach N-S orientiert, wobei die Bechickungsöffnung talwärts gegen Norden ausgerichtet war. Die ursprüngliche Höhe wurde auf 1,3 m geschätzt.[24] Gut erkennbar war noch die Y-förmige Brennkammer (Systematik II 3c nach Ronald Risy) die direkt in den anstehenden Lehmboden gesetzt worden war, der im Umkreis auch noch deutliche Hitzespuren aufwies.[25]

Die vor Ort aufgefundenen Ziegel trugen Stempel einer privaten Ziegelei, der Figlina Sabiniana, als auch Ziegelstempel der Legio II Italica. Auch Kombinationen beider Stempeltypen (LEG II ITAL SAB) wurden geborgen. Vermutlich wurde die zunächst zivile Ziegelei später von der Legion in Lauriacum übernommen.

Hinweis

Das 1892 gegründete Museum Lauriacum ist im Alten Rathaus am Hauptplatz von Enns untergebracht. Die umfangreiche Sammlung römerzeitlicher Fundstücke wird in mehreren Schauräumen präsentiert, beginnend mit den Funden aus den beiden Legionslagern. Hinter der Hauptschule 1 in Enns ist ein Konglomerat aus der Albinger Kastellmauer aufgestellt und so der Öffentlichkeit zugänglich.

Denkmalschutz

Die Anlagen sind Bodendenkmäler im Sinne des Denkmalschutzgesetzes.[26] Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden ohne Genehmigung des Bundesdenkmalamtes stellen eine strafbare Handlung dar. Zufällige Funde archäologischer Objekte (Keramik, Metall, Knochen etc.) sowie alle in den Boden eingreifenden Maßnahmen sind dem Bundesdenkmalamt (Abteilung für Bodendenkmale) zu melden.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Hans Petrovitsch: 2006, S. 306
  2. Kurt Genser: 1986, S. 168
  3. Gerhard Winkler, 2003, S. 133
  4. Max v. Groller: 1906 Sp. 46
  5. R. Harreither, 2003, S. 128
  6. Gerhard Winkler, 1982, S. 137
  7. Johann Offenberger, 1983, S. 152–154.
  8. Hans Petrovitsch: 2006, S. 306
  9. Hannsjörg Ubl: pers. Mitteilung v. Juli 1998
  10. Max v.Groller: 1907, Sp. 44
  11. Hannsjörg Ubl: 1983, S 20
  12. Thomas Fischer: 2002, vgl. Bauinschriften aus Lauriacum, S. 41
  13. Hermann Vetters: 1965, S. 16 und 1975, S. 20
  14. Herma Stiglitz: Handbuch der hist. Stätten Österreichs, Band I, Stuttgart 1970, S. 517
  15. Groller: Die Grabungen im Kastell Albing. In: Der römische Limes in Österreich 8, Wien 1907, S. 157–172.
  16. Ruprechtsberger: Fundbeobachtungen im Legionslager von Albing,/St. Pantaleon/NÖ. In: Pro Austria Romana, Band Nr. 35, 1985, S. 13.
  17. Ruprechtsberger: Die Legionslager in Albing und Lauriacum, in: Ausstellungskatalog Oberösterreich - Grenzland des römischen Reiches (Kataloge des OÖ. Landesmuseums), 1986, S. 71-78.
  18. Fundberichte aus Österreich, Band 45, 2006, S. 33.
  19. Erwin Ruprechtsberger: 1985, S. 13-15 und 1987. S 73 bzw. Abb. 1-4
  20. Groller: Das Legionslager Lauriacum, in: Der römische Limes in Österreich 7, 1906, S. 5-46.
  21. Groller 1907, 168f.
  22. Hans Petrovisch: 2006, S. 305
  23. Kurt Genser: 1986, S. 174
  24. Herma Stiglitz: 1969, S. 69-74
  25. Ronald Risy: 1994, S. 133
  26. Denkmalschutzgesetz auf der Seite des Bundesdenkmalamtes

Literatur

  • Max v. Groller: Übersicht der im Jahre 1904 ausgeführten Grabungen. In: Der römische Limes in Österreich, Band 7, Wien 1906, S. 1ff., hier S. 41ff,
  • Max v. Groller: Die Grabung im Kastell Albing. In: Der römische Limes in Österreich, Band 8, Wien 1907, S. 157ff,
  • Thomas Aumüller: Die Porta Praetoria und die Befestigung des Legionslagers in Regensburg, Unveröffentlichte Dissertation, Technische Universität München, 2002, S.239f,
  • Manfred Kandler und Hermann Vetters (Hrsg.): Der römische Limes in Österreich. Ein Führer, Wien 1989,
  • Erwin M. Ruprechtsberger: Lauriacum unter römischer Herrschaft. In: Willibald Katzinger, Johannes Ebner und Erwin M. Ruprechtsberger: Geschichte von Enns, 1996, S. 11-62,
  • Gerhard Winkler: Legio II Italica, das „Hausregiment“ von Lauriacum. In: Jutta Leskovar, Christine Schwanzar und Gerhard Winkler (Hrsg.): Worauf wir stehen, Archäologie in Oberösterreich, 2003, Kataloge des Oberösterreichischen Landesmuseums, Neue Folge; 195, S. 131-136,
  • Gerhard Winkler: Lorch zur Römerzeit. In: Land Oberösterreich, Amt der oö Landesregierung (Hrsg.): Severin. Zwischen Römerzeit und Völkerwanderung. Linz 1982, S. 135-146,
  • Thomas Fischer: Noricum. Zabern, Mainz 2002, ISBN 3-8053-2829-X (Orbis Provinciarum/Zaberns Bildbände zur Archäologie), S. 41,
  • Kurt Genser: Der österreichische Donaulimes in der Römerzeit, Ein Forschungsbericht. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1986 (Der römische Limes in Österreich, 33), S. 166-176,
  • Hans Petrovitsch: Legio II Italica, Forschungen in Lauriacum 13, Linz 2006, S. 303-307, ISBN 3-902299-04-5,
  • Erwin Ruprechtsberger: Fundbeobachtungen im Legionslager von Albing, Gemeinde St. Pantaleon/NÖ, in: Pro Austria Romana 35, 1985, S. 13-15,
  • Erwin Ruprechtsberger: Die Legionslager Albing/NÖ und Lauriacum/Lorch-Enns, in: OÖ-Grenzland des Römischen Reiches, Linz 1987, S. 71-78,
  • Hannsjörg Ubl: Legio II Italica. Geschichte der Lauriacenser Garnisonstruppe, in: MMV Lauriacum 21, 1983, S. 16-23.
  • Herma Stiglitz: Ein Ziegelofen an der Erla, Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereines, Band 114/I, 1969.
  • Ronald Andreas Risy: Römerzeitliche Brennöfen in Noricum. Diplomarbeit der Universität Wien, 1994.

Weblinks