Lise Meitner

Lise Meitner und Otto Hahn im Labor, KWI für Chemie, 1913

Lise Meitner (* 7. November 1878[1] in Wien; † 27. Oktober 1968 in Cambridge, Vereinigtes Königreich), eigentlich Elise Meitner,[1] war eine österreichisch-schwedische Kernphysikerin. Unter anderem lieferte sie im Januar 1939 zusammen mit Otto Frisch die erste physikalisch-theoretische Erklärung der Kernspaltung, die ihr Kollege Otto Hahn und dessen Assistent Fritz Straßmann am 17. Dezember 1938 entdeckt und mit radiochemischen Methoden nachgewiesen hatten.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Arbeit

Ausbildung und Studium

Geburtshaus und Gedenktafel in Wien Leopoldstadt

Meitner wurde am 7. November 1878[1] in Wien Leopoldstadt (2. Wiener Gemeindebezirk) mit dem Geburtsnamen „Elise“ geboren, später dann wurde der Vorname offiziell auf „Lise“ gekürzt. Sie war die dritte Tochter des aus der Gegend von Mährisch Weißkirchen stammenden jüdischen Rechtsanwaltes Philipp Meitner (1838–1910) und seiner Frau Hedwig Meitner-Skovran, die 1875 geheiratet hatten. Ihre Eltern wohnten damals in der Kaiser-Joseph-Straße, der heutigen Heinestraße, auf Nr. 27. Ihr Vater betrieb dort, bevor die Familie an „bessere Adressen“ übersiedelte, seine Kanzlei als Hof- und Gerichtsadvokat. Aufgrund eines Fehlers wurde der 17. November als Geburtstag in der Geburtsurkunde eingetragen. Lise Meitner selbst gab jedoch immer den 7. November als Geburtsdatum an, der deshalb auch in vielen ihrer Veröffentlichungen so zu lesen ist.[1]

Wie zur damaligen Zeit in höheren jüdischen Bürgerkreisen üblich, wurde sie nicht nach jüdischem, sondern nach evangelischem Glauben erzogen. Ihre Schullaufbahn absolvierte sie auf einer Bürgerschule, da an den Gymnasien Mädchen nicht zugelassen wurden. Nach dem Schulabschluss legte Lise Meitner das Lehrerinnen-Examen in Französisch ab. Außerdem bereitete sie sich im Selbststudium auf die Matura vor und legte die Reifeprüfung 1901 im Alter von 22 Jahren am Akademischen Gymnasium Wien ab.

Durch ihr Abschlusszeugnis berechtigt, begann Lise Meitner 1901 ihr Studium der Physik, Mathematik und Philosophie an der Universität Wien. Ihr wichtigster akademischer Lehrer dort wurde Ludwig Boltzmann. Bereits in den ersten Jahren beschäftigte sie sich mit Fragestellungen der Radioaktivität. Sie wurde 1906 als zweite Frau an der Wiener Universität im Hauptfach Physik über Wärmeleitung in inhomogenen Stoffen bei Ludwig Boltzmann und Franz-Serafin Exner[2] promoviert. Anschließend bewarb sie sich bei Marie Curie in Paris, allerdings erfolglos. Das erste Jahr nach ihrer Promotion arbeitete sie am Institut für Theoretische Physik in Wien.

Forschung in Berlin

Lise Meitners Wirkungsstätte: Das Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie in Berlin (heute: Institut für Biochemie der Freien Universität Berlin)

Im Jahr 1907 ging sie zur weiteren wissenschaftlichen Ausbildung nach Berlin, wo sie vor allem Vorlesungen bei Max Planck hören wollte. Dort traf sie erstmals auf den jungen Chemiker Otto Hahn, mit dem sie die folgenden 30 Jahre zusammenarbeiten sollte. Sie arbeitete mit Hahn – wie er auch – als „unbezahlter Gast“ in dessen Arbeitsraum, einer ehemaligen „Holzwerkstatt“, im Chemischen Institut der Berliner Universität in der Hessischen Straße. Da im damaligen Preußen Frauen noch nicht studieren durften, musste sie das Gebäude immer durch den Hintereingang betreten und durfte die Vorlesungsräume und Experimentierräume der Studenten nicht betreten. Dieses Verbot fiel erst 1909, nachdem das Frauenstudium in Preußen offiziell eingeführt worden war. 1908 trat sie der evangelischen Kirche bei.

Otto Hahn entdeckte 1909 den radioaktiven Rückstoß und mit der sich daran anschließenden „Rückstoßmethode“ fanden Hahn und Lise Meitner in den Folgejahren auch diverse radioaktive Nuklide. Durch diese Erfolge machte Lise Meitner sich in der Physik einen Namen und lernte unter anderem Albert Einstein und Marie Curie persönlich kennen. Von 1912 bis 1915 war sie inoffizielle Assistentin bei Max Planck. 1912 verbesserten sich die Arbeitsbedingungen von Hahn und Meitner deutlich, als sie ihre Forschungen in der von Hahn aufgebauten radioaktiven Abteilung des neu gegründeten Instituts für Chemie der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft in Berlin-Dahlem (heutiger Hahn-Meitner-Bau an der Thielallee, Institut der Freien Universität Berlin) fortsetzen konnten. Meitner arbeitete zunächst unentgeltlich weiter, wurde jedoch 1913 wissenschaftliches Mitglied des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Chemie. Während des Ersten Weltkriegs diente Lise Meitner als Röntgenschwester der österreichischen Armee in einem Lazarett an der Ostfront, während Otto Hahn von Fritz Haber an Projekten zur Herstellung von Giftgas beteiligt wurde.

Von 1917 an arbeitete Lise Meitner erneut gemeinsam mit Otto Hahn. Sie entdeckten im selben Jahr das chemische Isotop Protactinium 231, die langlebige Form des Elements Nr. 91, das mit dem schon 1913 von Kasimir Fajans und Oswald Helmuth Göhring entdeckten kurzlebigen Pa-Isotop Brevium in Konkurrenz stand. (Im Jahre 1949 wurde das neue Element Nr. 91 von der IUPAC endgültig Protactinium genannt und Hahn und Meitner als alleinige Entdecker bestätigt). 1918 erhielt Lise Meitner erstmals eine eigene radiophysikalische Abteilung mit angemessenem Gehalt und wurde Leiterin der physikalisch-radioaktiven Abteilung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Chemie. 1922 habilitierte sie sich und bekam dadurch das Recht, als Dozentin zu arbeiten. 1926 wurde sie außerordentliche Professorin für experimentelle Kernphysik an der Berliner Universität, Deutschlands erste weibliche Professur für Physik.[3]

Vertreibung und Entdeckung der Kernspaltung

Versuchsapparaturen, mit denen Otto Hahn, Lise Meitner und Fritz Straßmann von 1935 bis 1938 nach Transuranen suchten, und Otto Hahn und sein Assistent Fritz Straßmann am 17. Dezember 1938 die Kernspaltung entdeckten. (Deutsches Museum, München)
Hauptartikel: Entdeckung der Kernspaltung
Otto Stern und Lise Meitner

1933 wurde Lise Meitner die Lehrbefugnis aufgrund ihrer jüdischen Abstammung entzogen, sie konnte aber ihre Arbeit am (nicht staatlichen) Kaiser-Wilhelm-Institut mit Otto Hahn an Bestrahlungsexperimenten mit Neutronen fortsetzen. 1938, als Deutschland Österreich annektierte, wurde Lise Meitner deutsche Staatsbürgerin und war dadurch als gebürtige Jüdin in besonderer Weise gefährdet. Otto Hahn hatte große Sorge um ihre Sicherheit und bereitete daher zusammen mit dem niederländischen Chemiker Dirk Coster ihre Flucht vor, die am 13. Juli gelang. Über die Niederlande und Dänemark kam sie nach Schweden, wo sie ihre Forschungen bis 1946 am Nobel-Institut fortsetzte. Hahn und Meitner korrespondierten weiter miteinander. Ende Dezember 1938 schrieb ihr Otto Hahn von einem Vorgang, den er, zusammen mit seinem Assistenten Fritz Straßmann, aufgrund äußerst sorgfältiger radiochemischer Methoden entdeckt hatte und den er als „Zerplatzen“ des Urankerns bezeichnete. Er fragte sie in dem Brief:[4]

„Wäre es möglich, dass das Uran 239 zerplatzt in ein Ba und ein Ma? Es würde mich natürlich sehr interessieren, Dein Urteil zu hören. Eventuell könntest du etwas ausrechnen und publizieren.“

Durch Otto Hahn weiterhin über alle in Berlin vollzogenen Versuche auf dem Laufenden gehalten (er hatte Lise Meitner als einzige über alle Experimente und Ergebnisse brieflich unterrichtet), konnte Lise Meitner im Februar 1939 mit ihrem Neffen, dem Kernphysiker Otto Frisch, in dem Aufsatz „Disintegration of Uranium by Neutrons: a New Type of Nuclear Reaction“[5] eine erste physikalisch-theoretische Deutung (siehe auch Ida Noddack-Tacke) für das von Otto Hahn formulierte „Zerplatzen“ des Uran-Atomkerns geben. Otto Frisch prägte dabei den Begriff „nuclear fission“ (Kernspaltung), der in der Folgezeit international anerkannt wurde.

Die beiden Bruchstücke (Atomkerne), die bei der Spaltung entstehen, haben zusammen eine geringere Masse als der ursprüngliche Uranatomkern. Aus dieser Massendifferenz errechneten Lise Meitner und Otto Frisch mit Einsteins Formel E=mc² die bei der Spaltung freiwerdende Energie von etwa 200 Millionen Elektronenvolt pro gespaltenem Atomkern.

Nach 1945

Lise Meitner um 1946

Als überzeugte Pazifistin weigerte sich Meitner, Forschungsaufträge für den Bau einer Atombombe anzunehmen, obwohl sie von den USA immer wieder dazu aufgefordert wurde. Sie zog es vor, während des Zweiten Weltkrieges in Schweden zu bleiben.

Für die Entdeckung und den radiochemischen Nachweis der Kernspaltung wurde Otto Hahn 1945 der Nobelpreis für Chemie für das Jahr 1944 verliehen (überreicht wurde er erst 1946). Lise Meitner und Otto Frisch wurden dabei nicht berücksichtigt, und auch in den darauf folgenden Jahren sollte ihnen diese Ehrung nicht zuteil werden, obwohl sie von mehreren Physikern – auch von Otto Hahn selbst – für den Physik-Nobelpreis vorgeschlagen wurden. Der niederländische Chemiker Dirk Coster, der Lise Meitner im Juli 1938 auf ihrer Flucht begleitet hatte, schrieb ihr anlässlich der Nobelpreis-Verleihung:

„Otto Hahn, der Nobelpreis! Er hat ihn sicher verdient. Es ist aber schade, dass ich Sie 1938 aus Berlin entführt habe […] Sonst wären Sie auch dabei gewesen. Was sicher gerechter gewesen wäre.“

Lise Meitner, die das „Zerplatzen“ des Urankerns aus erster Hand erfahren hatte und die chemischen Leistungen Otto Hahns wohl am besten beurteilen konnte, sah jedenfalls die Nobelpreis-Verleihung ganz sachlich. An ihre Freundin Eva von Bahr-Bergius schrieb sie Ende 1945:

„Hahn hat sicher den Nobelpreis für Chemie voll verdient, da ist wirklich kein Zweifel. Aber ich glaube, dass Frisch und ich etwas nicht Unwesentliches zur Aufklärung des Uranspaltungsprozesses beigetragen haben – wie er zustande kommt und dass er mit einer so großen Energieentwicklung verbunden ist, lag Hahn ganz fern.“

Und Otto Frisch ergänzte im Jahre 1955:

„Das ist auch nach meiner Meinung ganz richtig. Die Entdeckung der Uranspaltung […] war die entscheidende Beobachtung, aus der sich alles weitere sehr rasch entwickeln mußte.“

Dennoch wird die Ansicht vertreten, Otto Hahn habe den Nobelpreis nicht oder nicht allein verdient, habe Lise Meitner sogar bewusst ausgebootet, um ihn nicht mit ihr teilen zu müssen. Auch habe er sich ihr gegenüber in der Nachkriegszeit charakterlos verhalten. Dieses wird in der Literatur allerdings sehr kontrovers diskutiert. Zum Beispiel bezeichnete Ernst Peter Fischer, Physiker und Wissenschaftshistoriker der Universität Konstanz, die Tatsache, dass Lise Meitner keinen Nobelpreis erhielt, sogar drastisch als „Dummheit der schwedischen Akademie“.[6]

Als „Mutter der Atombombe“ und „Frau des Jahres“ wurde Lise Meitner 1946 bei einer Vorlesungsreise in den USA gefeiert, ein Jahr nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki. Ab 1947 leitete Lise Meitner die kernphysikalische Abteilung des Physikalischen Instituts der Königlich Technischen Hochschule Stockholm und hatte diverse Gastprofessuren an US-amerikanischen Universitäten inne.

In der Nachkriegszeit erhielt Lise Meitner zahlreiche Ehrungen in aller Welt, in besonderer Weise in der Bundesrepublik Deutschland, so beispielsweise 1955 den ersten „Otto-Hahn-Preis für Chemie und Physik“ und 1957 den Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste. Für beide Ehrungen hatte Otto Hahn sie vorgeschlagen. 1959 wurde in Berlin – in Anwesenheit beider Namensgeber – das „Hahn-Meitner-Institut für Kernforschung“ (HMI) offiziell eingeweiht. 1960 siedelte Lise Meitner zu ihrem Neffen Otto Frisch nach Cambridge über, wo sie die letzten acht Jahre ihres Lebens verbringen sollte. Bis zu ihrem Tod mit 89 Jahren machte sie sich für eine friedliche Nutzung der Kernspaltung stark. Lise Meitner starb am 27. Oktober 1968, im selben Jahr wie Otto Hahn und wenige Monate nach ihm.

Bedeutung und Verdienste

Lise Meitners Werk wird sehr häufig auf die erste, zusammen mit Otto Frisch formulierte, physikalisch-theoretische Deutung der Kernspaltung reduziert. Diese war zweifellos von großer Bedeutung für die Entwicklung der militärischen und friedlichen Nutzung der Kernenergie, wurde aber später durch eine umfassende Theorie der Kernspaltung von Niels Bohr und John Archibald Wheeler ersetzt. Lise Meitner selbst beobachtete die Nutzbarmachung der Kernenergie für Waffensysteme äußerst kritisch. Sie ähnelte darin ihrem langjährigen Partner Otto Hahn und anderen Pionieren der Kernphysik wie etwa Albert Einstein (der jedoch, auf Vorschlag von Leó Szilárd, Präsident Roosevelt dringend zum Bau der US-Atombombe aufforderte). Meitner selbst hat allerdings nie irgendeinen Appell für die Öffentlichkeit unterzeichnet und sich mit persönlichen Äußerungen zu diesem Thema zurückgehalten.

Neben den allgemein bekannten Arbeiten erweiterte Lise Meitner vor allem die Kenntnis über das Wesen der Radioaktivität. Die meisten ihrer Arbeiten waren Untersuchungen der Radioaktivität, insbesondere der Alpha- und Betastrahlung. Dabei konzentrierte sie sich auf die Wirkung dieser Strahlen auf verschiedene Materialien. Sie entdeckte gemeinsam mit Otto Hahn eine Reihe radioaktiver Isotope, darunter Protactinium 231, Actinium C und Thorium D.

Wesentliche Beiträge lieferte Lise Meitner auch zum Verständnis des Aufbaus der Atomkerne sowie der Energiefreisetzung beim radioaktiven Zerfall. Gemeinsam mit Otto Frisch veröffentlichte sie eine Reihe von Werken, die die physikalischen Grundlagen der Kernphysik erklärten und beleuchteten. Besonders in den Jahren nach 1945 konzentrierte sie sich daneben zunehmend auf gesellschaftliche Fragen der Atomphysik und stellte die Entwicklung der Kernwaffen und die Nutzung der Kernenergie in Frage.

Über das Privatleben von Lise Meitner ist wenig bekannt, einigen Aufschluss darüber erhält man immerhin aus den veröffentlichten Briefen an bzw. von Elisabeth Schiemann, Otto Hahn und Max von Laue. Nach Aussagen von Otto Hahn und Max Planck war sie extrem zielgerichtet bei ihren Untersuchungen und arbeitete sehr hart, um Lösungen zu finden und Ergebnisse zu bekommen. Sie liebte die Natur und zog sich zum Nachdenken über theoretische Probleme gerne in den Wald zurück. Neben ihrer Forschung galt ihr persönliches, aber doch sehr zurückhaltendes Engagement vor allem dem Einsatz für den Frieden, die bedachte Nutzung der Kernenergie sowie der Gleichberechtigung der Frauen in den Wissenschaften. Sie selbst sagte einmal:

„Ich liebe Physik, ich kann sie mir schwer aus meinem Leben wegdenken. Es ist so eine Art persönlicher Liebe, wie gegen einen Menschen, dem man sehr viel verdankt. Und ich, die ich so sehr an schlechtem Gewissen leide, bin Physikerin ohne jedes böse Gewissen.“

Ehrungen

Gedenktafel an Lise Meitners ehemaliger Wirkungsstätte in Berlin (Thielallee 63; seit 1948: Otto-Hahn-Bau, seit 2010 Hahn-Meitner-Bau der FU Berlin)
Lise Meitner auf einer deutschen Briefmarke (1988) der Dauerserie Frauen der deutschen Geschichte

Bis zu ihrem Tod erhielt Lise Meitner 21 wissenschaftliche (darunter 5-mal Dr. h. c., 12-mal Mitglied verschiedener Akademien) und öffentliche Auszeichnungen für ihr Werk und ihr Leben. 1947 erhielt sie den Ehrenpreis der Stadt Wien für Wissenschaft. Sie war das erste weibliche Mitglied der naturwissenschaftlichen Klasse der österreichischen Akademie der Wissenschaften. 1949 erhielt sie gemeinsam mit Otto Hahn die Max-Planck-Medaille, 1955 den Otto-Hahn-Preis für Chemie und Physik. 1966 wurde sie zusammen mit Otto Hahn und Fritz Straßmann mit dem Enrico-Fermi-Preis ausgezeichnet. Das chemische Element Meitnerium wurde 1997 nach ihr benannt, und zusammen mit Otto Hahn ist sie Namensgeberin für das Hahn-Meitner-Institut in Berlin. Auch weitere öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Straßen wurden in zahlreichen Städten nach ihr benannt. Die Internationale Astronomische Union ehrte sie durch die Benennung des Kleinplaneten Meitner (6999)[7] und eines Kraters auf dem Erdmond und auf der Venus. 2008 wurde der ABC-Abwehrschule des Österreichischen Bundesheeres der Traditionsname „Lise Meitner“ verliehen.

Obwohl Lise Meitner drei Mal dafür nominiert wurde, blieb ihr der Nobelpreis für Physik versagt. 1945 wurde Otto Hahn für die Entdeckung und den radiochemischen Nachweis der Kernspaltung mit dem Nobelpreis für Chemie für das Jahr 1944 geehrt.

Im Jahr 1960 erhielt sie die Wilhelm-Exner-Medaille und 1967 das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Lise Meitner veröffentlichte 169 Arbeiten[8], eine kleine Auswahl davon soll hier vorgestellt werden:

  •  L. Meitner: Wärmeleitung in inhomogenen Körpern. 1906 (Dissertation).
  •  L. Meitner: Über die Absorption der α- und β-Strahlen. In: Phys. Z.. 7, 1906, S. 588–590.
  •  O. Hahn, L. Meitner: Die Muttersubstanz des Actiniums, ein Neues Radioaktives Element von Langer Lebensdauer. In: Phys. Z. 19, 1918, S. 208–218.
  •  O. Hahn, L. Meitner: Über das Protactinium und die Frage nach der Möglichkeit seiner Herstellung als chemisches Element. In: Die Naturwissenschaften. 7, Nr. 33, 1919, S. 611–612, doi:10.1007/BF01498184.
  •  L. Meitner: Über die b-Strahl-Spektra und ihren Zusammenhang mit der g-Strahlung. In: Zeitschrift für Physik. 11, 1922, S. 35–54.
  •  L. Meitner: Über den Aufbau des Atominnern. In: Die Naturwissenschaften. 15, Nr. 16, 1927, S. 369–378, doi:10.1007/BF01504760.
  •  L. Meitner, M. Delbrück: Der Aufbau der Atomkerne: natürliche und künstliche Kernumwandlungen. Berlin 1935.
  •  L. Meitner, O.R. Frisch: Disintegration of Uranium by Neutrons: a New Type of Nuclear Reaction. In: Nature. 143, 1939, S. 239–240, doi:10.1038/143239a0.
  •  L. Meitner, O. Hahn: Atomenergie und Frieden. In: Schriftenreihe der Österr. UNESCO-Kommission. Frick, Wien 1954.
  •  L. Meitner: The status of women in the professions. In: Physics Today. 13, Nr. 8, 1960, S. 16–21.
  •  L. Meitner: Wege und Irrwege zur Kernenergie. In: Naturwissenschaftliche Rundschau. 16, 1963, S. 167–169.

Literatur

  • Maria Osiezki: Meitner, Lise. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 16, Duncker & Humblot, Berlin 1990, S. 731–734 (Digitalisat).
  • Lise Meitner: Erinnerungen an Otto Hahn. Hrsg. von Dietrich Hahn. S. Hirzel, Stuttgart 2005, ISBN 3-7776-1380-0.
  • Thea Derado: Im Wirbel der Atome. Lise Meitner – Eine Frau geht ihren Weg. Kaufmann Verlag, 2007, ISBN 978-3-7806-3059-9.
  • Otto Hahn: Vom Radiothor zur Uranspaltung. 1966
  • Sabine Ernst (Hrsg.): Lise Meitner an Otto Hahn. Briefe aus den Jahren 1912 bis 1924. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1993, ISBN 3-8047-1254-1.
  • Jost Lemmerich (Hrsg.): Lise Meitner - Max von Laue: Briefwechsel 1938 - 1948. ERS-Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-928577-32-8
  • Jost Lemmerich (Hrsg.): Bande der Freundschaft: Lise Meitner - Elisabeth Schiemann; kommentierter Briefwechsel 1911 - 1947. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2010, ISBN 978-3-7001-6847-8.
  • Charlotte Kerner: Lise, Atomphysikerin. Beltz, Weinheim 1998, ISBN 3-407-80742-2.
  • Patricia Rife: Lise Meitner and the Dawn of the Nuclear Age. Birkhäuser, Berlin 1999, ISBN 0-8176-3732-X.
  • Lore Sexl, Anne Hardy: Lise Meitner. Rowohlt, Reinbek 2002, ISBN 3-499-50439-1.
  •  Ruth Lewin Sime: Lise Meitner. Ein Leben für die Physik. Insel, Frankfurt, Leipzig 2001.

Audiovisuelle Quellen

Weblinks

 Commons: Lise Meitner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d Sime 2001: S. 17 f. Genaue Angaben zu den Geburtsdaten: am 7. November 1878 geboren, in der Geburtsurkunde fälschlicherweise als „17. November 1878“ eingetragen. Geburtsname: Elise, der später auf „Lise“ gekürzt wurde.
  2. Lise Meitner Mathematics Genealogy Project, (zugriff=16. April 2010).
  3. "Klaglos im Keller", Der Spiegel (20. Mai 1996)
  4.  Manfred Schroeder: Lise Meitner – Zur 125. Wiederkehr ihres Geburtstages. (physik3.gwdg.de, abgerufen am 11. Februar 2008).
  5.  Lise Meitner, Otto Robert Frisch: Disintegration of uranium by neutrons: a new type of nuclear reaction. In: Nature. 143, 1939, S. 239.
  6. Aliki Nassoufis: Erklärung aus dem schwedischen Exil. In: Märkische Oderzeitung, 19. Dezember 2008, Blickpunkt S. 3, moz.de.
  7. JPL Small-Body Database Browser 6999 Meitner (4379 T-3) abgerufen 10. Dez. 2009.
  8. Zusammenstellung (unvollständig) von Arbeiten als Haupt- oder Nebenautor (PDF)
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