Mento Gogreve

Mento Gogreve (* um 1541 in Lippstadt; † nach 1588[1]) war ein deutscher lutherischer Theologe und Pädagoge, der in Österreich und Deutschland wirkte.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Mento oder Mentho Gogreve (Gogrevius, Gogreff, Gogräfe, Gograue)[2] wurde in Lippstadt (latinisiert: Lupfurt, Lüppfurt, Lippfurt[3]) geboren und bezeichnete sich als „Lippiensis“ (= „Lippstädter“[4]) oder „Sicamberus“, d. h., jemand aus der Gegend zwischen Lippe und Ruhr.

Sachsen und Niedersachsen

Mento Gogreve besuchte wahrscheinlich die Lateinschule in Lippstadt. Er war früh verwaist und wurde von Burchard XVIII. (1483–1550)[5] und besonders von dessen Sohn Heinrich X. von Saldern (1532–1588) gefördert[6], die Pfandherren zu Lauenstein bei Hameln waren. Heinrich X. von Saldern hatte in Wittenberg studiert[7] und war Rat in Wolfenbüttel bis zum Regierungsantritt von Herzog Julius von Lüneburg und Braunschweig-Wolfenbüttel (1528–1589, reg. 1568), später Calenberger Rat.[8] Er ermöglichte auch dem in Lippstadt geborenen Peter Hagen (1554–1614)[9] ein juristisches Studium.[10]

Am 30. Juli 1557 immatrikulierte sich Gogreve als „Mento Gogref Lippiensis Westualus“ in Wittenberg. 1560 bezog er als „Mento Gogreffius“ die zwei Jahre zuvor neu gegründete Universität Jena, erwarb dort den Magistergrad und wird 1561 als Pfarrer von Bergkirchen in der Grafschaft Schaumburg erwähnt.[11] 1562 trug sich „M. Gogreff“ in das Stammbuch von Graf Wilhelm I. von Schwarzburg-Frankenhausen (1534–1598) ein. 1563 war er Lehrer der unteren Klassen der Lateinschule in Hameln. Dort verfasste er im Oktober 1563 als „M. Mento Gogreuius Ludi literarij apud Hamelopolitanos moderator“ eine Arbeit über die Hirtengedichte Vergils, die er seinem Mentor Heinrich X. von Saldern widmete.[12]

Von April 1566 bis etwa 1572 war Gogreve gemeinsamer Hofprediger der Brüder Otto VIII. (um 1530–1582), Erich V. (um 1535–1575) und Friedrich III. (um 1540–1570) Grafen von Hoya-Bruchhausen in Nienburg/Weser; er hatte damals Frau und Kinder.

Als jährliches Gehalt erhielt Gogreve „die Hofkleidung, 40 Taler zur Unterhaltung und ferner zur Erhaltung seiner Weib und Kinder jährlich 6 Malter Roggen, 6 Malter Gerste, 4 fette Schweine, 1 fetten hierländischen Ochsen, 6 fette Schafe, für 3 Kühe die Grasweide und des Winters die Fütterung dazu, 30 Herrendienst-Fuder Holz zu Behuf seiner Feuerung.“ Die Grafen wollten ferner „auch jährlich seiner Frau 2 Himten Lein in unserm dazu dienstlichen Acker säen lassen. Zudem sollen ihm auch 8 magere Schweine bei unseren Schweinen geweidet und am Trog erhalten werden“.[13]

1570 nahm Gogreve an einer Abendmahlsdisputation in der Grafschaft Hoya teil, woraufhin er sich im folgenden Jahr in einer Monografie gegen den Vorwurf u. a. des Mag. Friedrich Rusch (1519–1599)[14] verteidigte, calvinistische oder brenz'sche Positionen vertreten zu haben.[15] 1579 und 1583 überarbeitete Gogreve diese Schrift und widmete sie seinen jeweiligen Dienstherren.

Um den Streit zwischen Gogreve und Rusch zu schlichten, berief Graf Erich den Lutheraner Mag. Johann Becker († um 1571/72)[16] zum Superintendenten, der 1570 von dem reformierten Bürgermeister Daniel von Büren (1512–1593) in Bremen aus der Pfarrstelle „Unser lieben Frauen“ vertriebenen worden war. Nach dem Tod Beckers musste Grogreve jedoch seine Stelle verlassen, obwohl er vom Hoyaischen Kanzler Johann Haken und dessen Sohn, Rat Robert Haken, unterstützt wurde.[17] Möglicherweise musste er die Stelle verlassen, weil seine erste Ehe 1572 geschieden wurde.[18] Frau und Sohn blieben in Nienburg.

Mecklenburg

Im November 1572 immatrikulierte er sich als „Mgr. Mento Gogreuius Lippiensis, Ienae promotus, honoratus“ in Rostock und nahm am 8. Mai 1573 als Lizenziatenprüfung an einer Disputation über die Kennzeichen der „wahren Kirche“ teil. Im Mai und Juni war Gogreve kurzzeitig Diakonus (Kaplan) an der Jakobikirche, weil man seine Eignung für ein Amt in Schwerin prüfen wollte. Im Juli 1573 wurde ihm das Lizenziat der Theologie verliehen, und 1573 bis 1574[19] war er Stiftssuperintendent im Hochstift Schwerin unter dessen Administrator Herzog Ulrich (III.) von Mecklenburg (1527–1603).

Österreich und Oberungarn

Nach über einjährigen Verhandlungen der steirischen Stände mit Maximilian II. (1527–1576) erhielt Gogreve durch Vermittlung von David Chyträus (1530–1600) am 15. August 1573 zusammen mit dem kurbrandenburgischen Hofprediger D. Georg Coelestin (1525–1579) die kaiserliche Bewilligung, nach Österreich zu kommen. Während Coelestin die Berufung als Superintendent letztlich nicht annahm und aus Wien wieder nach Berlin zurückkehrte, war Gogreve 1574 und 1575 Diakonus und Lehrer an der lutherischen Stiftsschule (Protestantisches Gymnasium) der steiermärkischen Landschaft in Graz. Vergeblich bemühte er sich 1574 um eine Stelle in Iglau[20] und 1576 um eine Stelle in Ybbs an der Donau.[21] Er wurde Prediger von Helmhard VIII. Jörger zu Tollet (1530–1594) und schließlich Schlossprediger des kaiserlichen Feldobersten und österreichischen Statthalters in Oberungarn Hans Rueber zu Pixendorf (1529-1584) in Grafenwörth. 1577 besuchte Gogreve kurzzeitig Rostock, etwa seit diesem Jahr hielt er sich dauerhaft bei Rueber in Kaschau (Košice) in Oberungarn auf.

Den Kaschauer Schulrektor Matthias Thoraconymus (um 1550-1591/93) beschuldigte Gogreve des Sakramentalismus, bis dieser im Januar 1579 seine Stelle aufgab. 1580 und 1583 erwartete Gogreve eine bald bevorstehende Doktor-Promotion und nannte sich „Theologiae designatus D.“. In einem Streit Gogreves mit seinem Käsmarker Kollegen Mag. Kaspar Kratzer (1546-nach 1583)[22] musste auf Ersuchen Ruebers die Universität Rostock mit einem „Consilium“ vom 22. Juli 1582 vermitteln.

Kurpfalz und Kurköln

Um 1583 bezeichnet Gogreve sich weiterhin als designierter Doktor der Theologie. Er war von Kurfürst Ludwig VI. von der Pfalz (1539–1583) zum Pastor und Superintendenten in Sinsheim berufen worden.

Im August 1583 wurde er von Ludwig VI. bzw. von dem Administrator der Kurpfalz Johann Kasimir von Pfalz-Simmern (1543–1592) nach Kurköln „ausgeliehen“. Er reiste im September von Heidelberg nach Werl und wurde Feldprediger des protestantischen Kölner Kurfürsten Gebhard I. von Waldburg (1577–1583). Gogreve wurde dem Werler Superintendenten Kaspar Mutz[23] zugewiesen und sollte das südliche Sauerland reformieren. Nach einem halbem Jahr quittierte er im Februar 1584 den Dienst, weil er sich mit Mutz überworfen hatte.[24]

Da die Kurpfalz nach dem Tod Ludwigs VI. im Oktober 1583 unter der Regentschaft von Johann Kasimir wieder zum Calvinismus überging, konnte der Lutheraner Gogreve das Superintendentenamt in Sinsheim nicht weiter ausüben. Von Juli bis November 1584 wirkte „Dr. Menon Gograeff“ als Prediger in der lutherischen Gemeinde in Köln.[25]

Kursachsen

Um Ostern 1586 wurde Gogreve, inzwischen zum Doktor promoviert, unter dem neuen Kurfürsten Christian I. von Sachsen (1560–1591) als Nachfolger von Kaspar Heidenreich (um 1510–1586) zum Superintendenten in Torgau berufen. Es entspann sich jedoch bald ein Streit mit dem Stadtrat, weil Gogreve am 2. Februar 1587 (Maria Lichtmess) die Kerzen vom Altar entfernen ließ. Am 17. September 1587 fand in Torgau ein „Reformationstag“ statt, auf dem die Stände die Änderungen wieder rückgängig machen wollten. 1588 wurde Gogreve abgesetzt oder trat von seinem Amt zurück; angeblich „machte er sich heimlich davon“, weil seine neue Frau, die aus Kunzwerda stammte und die er am 9. August geheiratet hatte, am 18. Oktober 1588 „vorzeitig“ einen Sohn bekam.[26] Sein Nachfolger als Superintendent in Torgau wurde am 8. März 1589 der Dresdner Erste Hofprediger Tobias Beuther (1535–1620).

Bedeutung

Gogreve war humanistisch geprägt, beschäftigte sich literarisch mit Vergil und hatte gute Kenntnisse antiker Autoren. Sein Wahlspruch war „Tandem patientia victrix“ („Zuletzt ist die Geduld immer Siegerin“).[27] Er veröffentlichte verschiedene Streitschriften im sog. „Flacianischen Streit“ und anderen innerevangelischen Auseinandersetzungen. Dabei setzte er sich verschiedentlich gegen den Vorwurf zur Wehr, ein Kryptocalvinist zu sein. Aus Stellen wurde er sowohl als „Lutheraner“ wie als angeblicher „Calvinist“ vertrieben. Gogreve selbst verstand sich als Lutheraner und vertrat trotz zeitbedingter Polemik eine eher gemäßigte Position zwischen „Gnesiolutheranern“ und „Philippisten“.

Gogreve („Mento Gogrenius“) stand auf dem Index Librorum Prohibitorum in der 1. Klasse häretischer Schriftsteller.

Quellen

  • Familienangelegenheiten und Rechtsstreitigkeiten des ehemaligen Pastors zu Bergkirchen Mento Gogreve 1563 bis 1571 (Staatsarchiv Bückeburg, Schaumburger Samtarchiv Nr. 7879)
  • Anspruch des Mento Gogreve auf 18 Morgen Winterkorn und das dem Kanzler Gogreve[28] verkaufte Land vor Stadthagen 1576 (Staatsarchiv Bückeburg, Schaumburger Samtarchiv Nr. 4213)
  • Copia eines Schreiben des David Chytraeus an Mentho Gogrenius à Lypfert der Theologiae Doctor aus Rostock vom 12. März 1581 (Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart, Cod. hist 235, Fol. 721)[29]
  • Brief von Mento Gogrevius an eine unbekannte Person von 1582 aus Grafenwörth (Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, MS 7 Cod. Guelf. Noviss. 2o, Blatt 65r)
  • Gebhard an Bischof Johann von Straßburg (Brief vom 30. Juli 1583 aus Beilstein). In: Friedrich von Bezold: Briefe des Pfalzgrafen Johann Casimir mit verwandten Schriftstücken, Bd. II 1582-1586, München: M. Rieger'sche Universitäts-buchhandlung 1884, S. 149 (Digitalisat der ULB Düsseldorf)
  • Brief von Matthias Thoraconymus, Schulmeister zu Potok, vom 4. November 1583 an Richter und Rat in Kaschau über die Ereignisse von 1578. In: Lajos Kemény: Kassa városa levéltárából [= Aus dem Archiv der Stadt Kaschau]. In: Történelmi Tár. Évnegyedes folyóirat, hrsg. von der Ungarischen Historischen Gesellschaft, Budapest: Magyar Történelmi Társulat tulajdona 1891, S. 164ff, bes. S. 166f
  • Ganze Localvisitacion, so mense septembri et octobri anno 1586 in der Superattandenz Torgau gehalten worden Mentho von Lüppfort D., Supperattandens (Magdeburg, Staatsarchiv, A 51, B. Nr. 73)[30]

Werke

  • Bvcolicorvm Virgilii simplex et dilvcida metaphrasis cui in scholasticae pubis gratiam et vsum, ordo (quem vocant) constructionis, cum singularum Eclogarum Argumentis, acceßit, avtore M. Mento Gogrevio a L[ippfurt], Wittenberg: Georg Rhau 1564 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek, abgerufen am 21. August 2012)
    • 2. Aufl. Wittenberg: Georg Rhau 1566)
    • 3. Aufl. Wittenberg 1581 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek, abgerufen am 21. August 2012
  • Mento Grogreff / Andreas Freyhub: Demonstratio de praesentia Christi in coena / Doctrina ecclesiae de Deo, essentia uno in perfonis trino, Leipzig 1569[31]
  • M. Mentonis Gogrevii a L[ippfurt]. Grafflichen Höyeschen Hoffpredigers Bekentniß vnd Lehre, Von wahrer, wesentlicher gegenwertigkeit, Exhibition, vnd empfahung des Leibs vnd Bluts Christi im Abendtmal. Mit einer Christlichen Vorrede D. Nicolai Selnecceri, sampt einer Predig D. Seln. iu Dreßden geschehen, vnd vorwarnung, das man sich vor den Sacramentschwermern wölle trewlich fürsehen vnd hüten, Wolfenbüttel-Heinrichstadt: Konrad Horn 1571
    • [2. Aufl.: Mentonis Gograevii Bekenntniß ... cum praefatione Selnecceri wider die Sakramentirer, Rostock 1571[32]?]
    • 2. Aufl.: Mentonis Gogrevii von Lupfurt, der H. Schrifft designierten D. Glaube, Bekentnus und Lehre von wahrer wesentlicher Gegenwertigkeit, Exhibition und Empfahung des wahren Leibs und Bluts Christi im h. Abendmal... zugeeignet ... Johann Rueber zu Pyxendorf und Grawenwerd ... sammt seiner Frauen Juditha einer gebohrenen Behemin von Friedrichsheim[33] und andern, Bartfeld (Bártfa): David Guttgesell 1579
    • 3. Aufl.: Menthonis Gogräuen von Lüppfurt, H. Schrifft designierten D., Chur F. Vnter Pfaltz Pastorn vnd Superintendentis zu Süntzheim. Auch ChurF. Cöllnischen ordentlich beruffenẽ und daher auff ein zeit bestaltẽ dieners am Wort des HErrn Christliche widerholte Bekäntnuß, Glaub vñ Lehre von wahrer wesentlicher Gegenwertigkeit, Exhibition vñ Empfahung des wahren Leibs vnd Bluts Christi im H. Abendmal. Mit sãmt einer Vorrede, darauß unter andern zuersehẽ, mit wz vngrũd vñ wie so gar vngütlich Ertzbischoff vñ Churfürst zu Cölln &c. Herr Gebhard &c. S.Churf. G. võ derẽ Feindẽ vñ Widerwertigẽ bey hohes vñ niderstandes Personẽ in bösen vnchristlichen Verdacht vñ argwan gezogen ... mit der angedichtẽ Calvinischen Religion..., o. O. [Dortmund?] o. J. [1583]
  • (Mitarbeit in:) Simon Pauli / Mento Gogreve / Erasmus Marbach[34] / Philipp Marbach[35]: Propositiones De Vera Dei Ecclesia Et Notis, Sev Signis Proprijs monstantibus cœtum veræ Ecclesiæ hic in terris. De quibus præside D. Simone Pavli, pro gradu Licentiatorvm in Theologia disputabunt, M. Mento Gogrevivs. M. Erasmvs Marbachivs. M. Philippvs Marbachivs, Rostock: Lucius 1573
  • Oratio De Filii Dei Et Hominis, Domini Et Redemptoris nostri Jesu Christi, praesentia in Ecclesia sua, & Ministerio Sacramentorum ... Habita in inclyta urbis Rosarum Academia ... A Mentone Gogrefen à Luppfurt, Sicambro, o. O. o. J. [1573]
  • Carmen In Natalem Servatoris Nostri Iesv Christi, o. O. o. J. [1576]
  • Simplex, pia, brevis et nvda explicatio praecipuorum Momentorum, perplexe controuersiae, & spinosae meritoq[ue] inuisae disceptationis Flacianae de Peccato originis, iam olim conscripta, & nunc certo, bono, & pio consilio repetita ... per Mentonem Gogrefen a Lvppfvrt, Theologiae designatum D., Illustri D[omi]ni. Iohanni Ruebero &c. à Concionibus sacris, Bartfeld: David Guttgesell 1580
  • Kurtzer Bericht, vnd Notwendige Erinnerung: Was, vnd welches, auff, vnd nach Gottes Worte, auß den Schrifften der Propheten vnd Apostel, das Corpus Doctrinae ... sey, die man billich ... an vñ auffnemẽ ... müsse vñ solle. Dabej zugleich ... Angezeigt wirdet welcher der ... Wahre ... verstand Augspurgischer Confession derẽ Apologi sey ... Mentho Gograeff von Lueppfurt, H. Schrifft designierter D., Pastor vnd Superintendens in der ChurFuerstlichen VnternPfaltz zu Suentzheim auch ChurFuerstlicher Coellnischer beruffener vñ auff ein zeit geliehener Diener am Euangelio CHristi, o. O. 1583

Literatur

Einzelnachweise

  1. Vgl. die Dresdener Monatsschrift Historische Alte und Neue Curiosa Saxonica (1744), S. 269.
  2. In der Sekundärliteratur wird hinter der latinisierten Form teilweise auch ein deutsches „Mento Hohgräfe“ oder „Mentor Hogrefe“ vermutet. Verlesen findet sich auch „Gongrevius“, „Gogrenius“, „Gongref“ u. ä.
  3. Gogreve bezieht sich offenbar auf das bei Claudius Ptolemäus (Geographike Hyphegesis II,11) erwähnte „Lupfurdum, Lupphurdum“, griechisch Λούπφουρδον, dessen tatsächliche Lokalisierung sehr unsicher ist (zur Deutung als „Furt an der Lippe“ vgl. Rudolf E. Keller / Karl-Heinz Mulagk: Die deutsche Sprache und ihre historische Entwicklung, Hamburg: Buske 1995, S. 68). Er identifiziert damit seine Heimatstadt an der Lippefurt. Bei Tacitus (Annales I,60, editio princeps 1515) u. a. ist „Lupia“ (griechisch Λουπίας) der Fluss „Lippe“.
  4. Bis ins 17. Jh. hieß „Lippstadt“ noch „Stadt zur Lippe“, niederdeutsch: „Stadt tor Lippe“ oder einfach „Stadt Lippe“.
  5. Hauptakteur der Hildesheimer Stiftsfehde (1519–1523), führte 1540 die Reformation im Amt Lauenstein ein; zu seinem Todesjahr, das auch 1551 oder 1556 angesetzt wurde, vgl. Epistola dedicatoria. In: Bvcolicorvm Virgilii (a. a. O.).
  6. Vgl. Epistola dedicatoria (a. a. O.): „Tu enim primùm me orphanum, & ab omnibus destitutum, summis … es beneficiis complexus“ - „Du hast mir nämlich zuerst als Waise und von allen verlassen … höchste Wohltaten erwiesen“.
  7. Heinricus a Saldern“ wurde am 14. Oktober 1549 in Wittenberg zusammen mit „Burcardus a Saldern“ (1534–1595) auf Equord, seit 1590 Drost in Peine, und „Henningus Cabusius Hildesianus“ aus Hildesheim immatrikuliert. Vgl. Melchior Neofanius: Epicedion De Immatvro Obitv Nobilis & Magnifici Viri D: Bvrcharti à Salder, Productis Principum Holsatiæ, & Satrapæ in arce Peyna, Dioeesis Hildesheimensis …, o. O. 1595 (Online-Ressource, abgerufen am 24. Oktober 2012).
  8. Vgl. Melchior Neofanius: Elegia consolatoria de obitu … viri D. Henrici a Salder, qui ex hac vita decessit Anno 1588. die 2. Decembris, Braunschweig: Daniel Büring 1589.
  9. Schulen in Lippstadt, Braunschweig und Hannover, Schulmeister und Hausleher in Lauenstein, 1577 bis 1590 Studium in Rostock und Marburg, Dr. jur. utr., 1596 bischöflicher Rat in Hildesheim, 1598 bis 1604 gefangengesetzt, weil er am Reichskammergericht für die Familie Saldern Prozesse gegen Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel (1564–1613) geführt hatte, danach in Speyer, 1609 Syndikus in Lübeck.
  10. Vgl. Daniel Eberhard Baring: Descriptio Salae principatus Calenbergici locorumque adiacentium. Oder Beschreibung der Saala im Amt Lauenstein, Bd. I, Lemgo: Johann Heinrich Meyer 1744, S. 153-155.
  11. Vgl. auch Familienangelegenheiten und Rechtsstreitigkeiten des ehemaligen Pastors zu Bergkirchen Mento Gogreve (1563–1571); Staatsarchiv Bückeburg (Schaumburger Samtarchiv, Nr. 7879).
  12. Vgl. Epistola dedicatoria (a. a. O.).
  13. Vgl. Wilhelm von Hodenberg: Hoyer Urkundenbuch I. Hoyer Hausarchiv, Hannover: Jänecke, 1855, S. 875 [sprachlich modernisiert].
  14. Auch Rus, Rusius, Russius oder Rauch; Superintendent in Nienburg, verfasste 1581 eine Kirchenordnung.
  15. Vgl. Inge Mager: Die Konkordienformel im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Entstehungsbeitrag, Rezeption, Geltung (Studien zur Kirchengeschichte Niedersachsens 33), Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1986, S. 129.165.
  16. Auch Ioannes Pistoris; 1541 in Braunschweig, Pfarrer an der St. Ulrici-Brüderkirche, 1566 des Calvinismus verdächtigt und vertrieben, 1567 in Bremen, Schwiegervater von Mag. Andreas Ditmarus (um 1539-1610).
  17. Vgl. Hamelmann: a. a. O..
  18. Vgl. Verein für Pfarrerinnen und Pfarrer in der Ev. Kirche der Kirchenprovinz Sachsen (Hrsg.): Pfarrerbuch der Kirchenprovinz Sachsen, Bd. III Biogramme Fe-Ha, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2005, S. 390.
  19. Der erste bekannte Nachfolger ist 1576 Mag. Franz Stüler; vgl. Franz Schildt: Das Bisthum Schwerin in der evangelischen Zeit II. Die innere Geschichte des Bisthums. In: Jahrbücher des Vereins für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde 49 (1884), S. 145–279, 254.
  20. Vgl. Ferdinand Schenner: Beiträge zur Geschichte der Reformation in Iglau IV. Die Hauptpastoren seit Kaspar Cruciger. In: Zeitschrift des deutschen Vereins für die Geschichte Mährens und Schlesiens 17 (1913), S. 114-159, bes. S. 125f.
  21. Vgl. Thomas Wallnig: Gasthaus und Gelehrsamkeit: Studien zu Herkunft und Bildungsweg von Bernhard Pez OSB vor 1709 (Veröffentlichungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 48), Wien: Oldenbourg 2007, S. 31.
  22. Aus Ulm, 1570 Jesuit in Prag, Regens und Professor am Jesuitenkolleg, im Februar 1578 in Wien von Bischof Johann Caspar Neubeck (1545–1594) zum Diakon geweiht, im Oktober 1578 immatrikuliert in Tübingen („Casparus Kratzer Vlmensis Jesuita“), heiratete dort, 1579 auf Empfehlung von Jacob Heerbrand (1521–1600) als Prorektor an die Landschaftsschule in Graz berufen, 1580 dort als „abtrünniger Jesuit“ von Erzherzog Karl II. von Innerösterreich (1540–1590) vertrieben, in Wien aus der Haft entflohen, Hofprediger von Hans Rueber zu Pixendorf in Käsmark.
  23. Auch Caspar Mothäus, Motheus oder Mothesau aus Schmalkalden, zunächst Mönch, später Superintendent in Werl.
  24. Vgl. G. Kleinsorgen: a. a. O.
  25. Vgl. Rudolf Löhr (Bearb.): Protokolle der lutherischen Gemeinde in Köln von 1661-1765 (Inventare nichtstaatlicher Archive 14), Köln: Rheinland-Verlag 1972, S. viii.
  26. Johann Bernhard Krey: Andenken an die rostockschen Gelehrten aus den drei letzten jahrhunderten, Bd. IV., Rostock: Adlers Erben 1814, S. 9; vgl. M. Grulich: a. a. O., S. 24.
  27. Johann Samuel Klein: Nachrichten von den Lebensumständen und Schriften Evangelischer Prediger in allen Gemeinden des Königsreichs Ungarn, Bd. II, Leipzig / Ofen: Diepold und Lindauer 1789, S. 190f.
  28. Mag. Johann Gogreve († 1573), schaumburgischer Kanzler, ließ 1563 das noch erhaltene Fachwerkhaus in Stadthagen, Echternstraße 29 erbauen, Grabmal in der Stadthagener St.-Martini-Kirche.
  29. Vgl. Joseph Chmel: Literarische Nachrichten 11. Auszug aus den Handschriften-Verzeichnissen der Bibliotheken zu Stuttgart und Basel. In: Notizenblatt. Beilage zum Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen 3 (1853), S. 201–212, bes. S. 204.
  30. Vgl. Karl Pallas: Die Registraturen der Kirchenvisitationen im ehemals sächsischen Kurkreise (1528–1672) Bd. IV Die Ephorien Torgau und Belgern (Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und des Freistaates Anhalt 41), Halle: O. Hendel, 1911, S. 226.
  31. Vgl. Die Pfarrer der Superintendentur Torgau (Ministri verbi Divini in dioecesi Torgaviensi): De Torgaviensibvs antistibvs data epistola [Festschrift für Martin Grulich], Wittenberg: Ephraim Gottlob Eichsfeld 1744, S. 23f.
  32. Vgl. Julius Wiggers: Kirchengeschichte Mecklenburgs, Parchim / Ludwigslust: Hinstorff 1840, S. 153f; vermutlich ist aber hier die Ausgabe Wolfenbüttel-Heinrichstadt unrichtig wiedergegeben.
  33. Fälschlich für „von Friedesheim“.
  34. Sohn von Johannes Marbach (1521–1581), * 1548 in Straßburg, 1571 immatrikuliert in Tübingen, 1572 immatrikuliert in Rostock, 1573 dort Lizenziat, 1576 Professor in Straßburg, dort † um 1593.
  35. Ebenfalls Sohn von Johannes Marbach, * 1550 in Straßburg, Studium in Straßburg, 1570 in Basel, 1571 immatrikuliert in Tübingen, dann in Frankfurt, 1572 immatrikuliert in Rostock, dort 1573 Lizenziat, Rektor der Landschaftsschule in Graz, 1579 Professor in Heidelberg, Rektor in Klagenfurt, nach 1593 Professor in Straßburg, dort † 1611.