Palais Ephrussi

Das Palais Ephrussi mit seiner Seitenfront an der Schottengasse, im Hintergrund die Votivkirche; dazwischen verläuft die Ringstraße, an der sich die Hauptfront des Palais befindet

Das Palais Ephrussi ist ein Ringstraßenpalais in Wien am Universitätsring 14; die ursprüngliche Adresse lautete Franzensring 24, 1934–2012 Dr.-Karl-Lueger-Ring 14.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Palais wurde von Theophil von Hansen für den aus Odessa stammenden Bankier Ignaz von Ephrussi in den Jahren 1872/73 gebaut. Von diesem Architekten stammen auch einige andere bedeutende Bauwerke des Historismus im Bereich der Wiener Ringstraße, wie das Parlamentsgebäude, der Wiener Musikverein, die Börse, das Palais Epstein oder der Heinrichshof. Im Gegensatz zum Heinrichshof plante Hansen dieses Gebäude aber nicht als Wohnhof, sondern als Palais. Dies bezeugen das prächtige Vestibül, die Prunkstiege und die herrschaftlichen Wohnräume. Im glasüberdachten Innenhof befindet sich ein Brunnen mit einer Terrakottafigur des Apollo.

Das Palais war Wohnsitz des Wiener Zweigs der Familie Ephrussi, zuletzt von Viktor (von) Ephrussi (1860–1945) und seiner Ehefrau Emmy, geborene Schey von Koromla († 1938). Es wurde nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 „arisiert“, da die Familie Ephrussi jüdischer Abstammung war. Der Wiener Zweig der Familie musste fliehen und wurde finanziell ruiniert; das NS-Regime benützte das Palais als Bürohaus. Nach dem Krieg wurde das Palais vorerst von Dienststellen der amerikanischen Besatzungsarmee benützt. 1950 wurde es an die englische Rechtsanwältin Elisabeth de Waal, geb. Ephrussi (1899–1991) restituiert, konnte im Wien der Besatzungszeit aber nur zu einem geringen Preis verkauft werden. Fast das gesamte Inventar wie Möbel und kostbare Kunstwerke wurde geraubt, – bis auf eine Sammlung von 264 Netsuke, Hochzeitsgeschenk der Pariser Verwandten für Viktor und Emmy von Ephrussi, die sich heute im Besitz eines Ururenkels der Familie, Edmund de Waal, befinden. Die Netsuke wurden in der NS-Zeit von der loyalen Hausangestellten Anna in ihrer Matratze versteckt und Elisabeth de Waal im Dezember 1945 ausgefolgt, als sie ihr ehemaliges Elternhaus besuchte.[1]

Von 1969 bis 2009[2] befand sich in dem Palais der Firmensitz der Casinos Austria.

Das Palais erhielt seit 2010 Aufmerksamkeit, als Edmund de Waal in London und New York sein Werk The Hare with the Amber Eyes: a Hidden Inheritance (deutsch: Der Hase mit den Bernsteinaugen – Das verborgene Erbe der Familie Ephrussi, übersetzt von Brigitte Hirzensauer, Zsolnay, Wien 2011, ISBN 978-3-552-05556-8) herausbrachte. In der Familiengeschichte wird auch der Wiener Zweig der Ephrussis und ihr Palais beschrieben. Der Titel des Buches bezieht sich auf ein Stück aus der Netsukesammlung.

Literatur

  • Edmund de Waal: Der Hase mit den Bernsteinaugen. Das verborgene Erbe der Familie Ephrussi. Übersetzung aus dem Englischen von Brigitte Hilzensauer. Zsolnay, Wien 2011, ISBN 978-3-552-05556-8.

Einzelnachweise

  1. Vom unsichtbaren Wert der Dinge in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 21. August 2011, Seite 22
  2. WirtschaftsBlatt Gestörter Hausfrieden bei Casinos Austria, 26. April 2009

Weblinks

 Commons: Palais Ephrussi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.21361111111116.362222222222Koordinaten: 48° 12′ 49″ N, 16° 21′ 44″ O