Theophil von Hansen

Theophil Hansen, Lithographie von Josef Bauer, 1880
Das Zappeion in Athen
Das Österreichische Parlamentsgebäude an der Wiener Ringstraße
Palais Epstein (Nachbar des Parlamentsgebäudes), Front teils von Alleebäumen verdeckt
Palais Hansen (wird ab 2012 als Luxushotel der Kempinski-Gruppe geführt)
Wiener Börsengebäude (heute Luxus-Bürogebäude, die Börse siedelte 1998 nach Beginn der Privatisierung aus; Foto 2004)
Goldener Saal des Wiener Musikvereins, weltberühmt durch die Neujahrskonzerte
Villa Schloss Nadelburg, bekannt durch die k.k. priv. Nadelburger Messing- und Metallwarenfabrik zu Lichtenwörth.

Theophil Edvard Hansen, ab 1884 in Österreich Freiherr von Hansen (* 13. Juli 1813 in Kopenhagen; † 17. Februar 1891 in Wien) war ein dänisch-österreichischer Baumeister und Architekt des Klassizismus und Historismus.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Theophil Hansen war eines von sechs Kindern des Violinisten und Versicherungsangestellten Rasmus Hansen Braathen (1774-1824) aus Eiker (Buskerud, Norwegen) und der Sophie Elisabeth Jensen aus Nyboder bei Kopenhagen. Sein Bruder war der Architekt Hans Christian Hansen (1803-1883). Mit dem 1756 geborenen, eher römisch inspirierten dänischen Klassizismus-Vorreiter Christian Frederik Hansen waren sie nicht verwandt, lehnten sich jedoch mit ihrem starkem Bezug zu Griechenland an sein Werk an: beide Brüder bauten in Athen, also in Nachbarschaft der originalen Vorbilder auf der Akropolis).

Nach einer Lehrzeit bei Karl Friedrich Schinkel und einem Studium in Wien, zog er 1837 nach Athen, wo er vor allem die byzantinische Baukunst studierte. Hansen hatte begonnen klassizistische Gebäudeentwürfe zu zeichnen, die den Athener Stadtplaner Eduard Schaubert (einem Geschäftspartner seinen Bruders Hans Christian Hansen) überzeugten, ihn für Bauaufgaben zu empfehlen.[1] Die Sternwarte von Athen war sein erster Bauauftrag, es folgten weitere Bauten. Hansen blieb acht Jahre in Athen. Hansens Bauführer in Athen war ab den 1860er Jahren der aus Sachsen stammende Architekt Ernst Ziller, ein Schüler Hansens.

Der griechische-österreichische Bankier Georg Simon von Sina, der Hansens Bauten in Athen schätzte, holte ihn nach Wien,[2] um seine dortigen Bauprojekte in „griechischem Stil“ umzusetzen. Hansen arbeitete in Wien auch als Assistent von Ludwig Förster, dessen Tochter er geheiratet hatte, welche aber nach gerade einmal halbjähriger Ehe verstarb.[3]

In seinen Anfängen, so beim Arsenal in Wien, noch eher auf einen romantischen Stil ausgerichtet, wurde er später zum herausragendsten Vertreter des an der Renaissance orientierten strengen Historismus (Neorenaissance), von ihm auch Wiener Stil genannt. Dieser Stil erstreckte sich bis in die kleinsten Details der Inneneinrichtung und nahm teilweise die Züge eines Gesamtkunstwerkes an.

Hansen war einer der wichtigsten Architekten der Wiener Ringstraße. Sein bekanntestes Werk ist das Reichsratsgebäude (Parlament), das im Stil eines attischen Tempels erbaut ist und so auf die griechischen Anfänge der Demokratie verweist.

Das von ihm erbaute Gebäude des Wiener Musikvereins verfügt mit dem sogenannten Goldenen Saal über einen der besten Konzertsäle der Welt, dessen vielbewunderte Akustik oftmals noch heute bei Konzertbauten nachgeahmt wird.

Das „k.u.k.-Hofwaffenmuseum“ (heute Heeresgeschichtliches Museum) war der erste als solcher geplante Museumsbau in Wien und wurde unter der Leitung Hansens zwischen 1850 und 1856 erbaut. Hansen zog hier als Vorbild ein historisches Bauwerk heran, nämlich das ab dem Jahr 1104 errichtete Arsenal in Venedig. Er übernahm davon die byzantinischen Stilelemente und setzte noch gotisierende hinzu. Weiters wurde bei diesem Werk die Backsteinbauweise übernommen.

Hansen arbeitete bevorzugt mit dem Bildhauer Vincenz Pilz und dem Maler Carl Rahl zusammen, auch der junge Otto Wagner und Hans Wilhelm Auer waren unter seinen Mitarbeitern.

Im Jahr 1863 wurde Hansen Ehrenbürger der Stadt Wien, 1868 Professor an der Akademie bis 1883[4] und 1884 in den österreichischen Freiherrenstand erhoben. Er wurde in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt (Gruppe 14A, Nummer 20). Der Grabstein stammt von George Niemann und wurde nach dem Vorbild jenes von Franz Schubert errichtet. Das Grabdenkmal Schubert stammt von Hansen.[5]

1894 benannte man die Hansenstraße in Wien-Innere Stadt und 1928 die Theophil-Hansen-Gasse in Wien-Liesing nach ihm.

Werke

Literatur

Weblinks

 Commons: Theophil von Hansen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Wolf Seidl: Bayern in Griechenland, S. 237 (über Google-Books)
  2. Einer anderen Quellen nach, wurde Hansen von Förster nach Wien geholt: [1]
  3. (Todesanzeige): Marie Hansen. In: Der Architekt, Jahrgang 1895, S. 20, unten. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/arc
  4. Rücktritt, Centralblatt der Bauverwaltung, 27. Januar 1883, S. .38., abgerufen am 16. Dezember 2012
  5. Das Grabdenkmal Theophil Hansens auf dem Centralfriedhofe. In: Der Architekt, Jahrgang 1895, S. 39, oben links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/arc.