Pressbaum

Pressbaum
Wappen von Pressbaum
Pressbaum (Österreich)
Pressbaum
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Wien-Umgebung
Kfz-Kennzeichen: WU
Fläche: 58,89 km²
Koordinaten: 48° 11′ N, 16° 5′ O48.17888888888916.0775315Koordinaten: 48° 10′ 44″ N, 16° 4′ 39″ O
Höhe: 315 m ü. A.
Einwohner: 7.088 (1. Jän. 2012)
Bevölkerungsdichte: 120,36 Einw. pro km²
Postleitzahl: 3021
Vorwahl: 02233
Gemeindekennziffer: 3 24 15
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 58
3021 Pressbaum
Website: www.pressbaum.net
Politik
Bürgermeister: Josef Schmidl-Haberleitner (ÖVP)
Gemeinderat: (2010)
(29 Mitglieder)
16 ÖVP, 6 SPÖ, 3 FPÖ, 3 Grüne, 1 WIR
Lage der Stadtgemeinde Pressbaum im Bezirk Wien-Umgebung
Ebergassing Fischamend Gablitz Gerasdorf Gramatneusiedl Himberg Klein-Neusiedl Klosterneuburg Lanzendorf Leopoldsdorf (Bezirk Wien-Umgebung) Maria-Lanzendorf Mauerbach Moosbrunn Pressbaum Purkersdorf Rauchenwarth Schwadorf Schwechat Tullnerbach Wolfsgraben Zwölfaxing Wien NiederösterreichLage der Gemeinde Pressbaum im Bezirk Wien-Umgebung (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Blick über das Wiental mit Pressbaum und Tullnerbach / Lawies
Blick über das Wiental mit Pressbaum und Tullnerbach / Lawies
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Pressbaum ist eine Stadtgemeinde mit 7088 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2012) im Bezirk Wien-Umgebung in Niederösterreich.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Pressbaum liegt am Hauptkamm des Wienerwaldes. Im Gemeindegebiet entspringt die Wien, die durch das von ihr gebildete Wiental bis in die Donau nach Wien fließt. Pressbaum selbst liegt zum größten Teil im Wiental und in anschließenden Seitentälern wie der Pfalzau, dem Weidlingbachtal und der Brentenmais. An manchen Abschlüssen der Täler liegen Sättel wie der Rauchengern, der Hengstl oder der Rekawinkler Berg. Höher gelegene Ortsteile sind Dürrwien, Haitzawinkel, in der Bonna, Rekawinkel und Schwabendörfl, wobei letztere beiden direkt am Hauptkamm des Wienerwaldes liegen. Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 58,87 Quadratkilometer. 78,15 Prozent der Fläche sind bewaldet.

Die bekanntesten Erhebungen sind der Pfalzberg, der Bihaberg, der Saubühel und der Karriegel. Der höchste Punkt im Gemeindegebiet ist der Jochgrabenberg mit 645 Meter.

Gemeindegliederung

Geschichte

Altertum und Mittelalter

Das Gebiet dürfte nach Fundstücken (Beilfund) zu schließen möglicherweise schon in der Jungsteinzeit besiedelt gewesen sein. Im Altertum gehörte das Gebiet des heutigen Pressbaum zum keltischen Königreich Noricum, nach dessen Eingliederung ins Römische Reich zur Provinz Noricum und später zur Provinz Pannonia. Mehrere Fundzeugnisse, so ein in Au am Kraking gelegenes Grab, das so genannte „Römergrab“, weisen auf Zivilisationsspuren aus jener Zeit hin, in der dieser Teil des Wienerwaldes sowohl Rückzugsgebiet für die ursprünglich kelto-illyrische Bevölkerung, als auch Neusiedlungsgebiet für altgediente römische Soldaten (Romanes) war. Ein weiteres Grab in diesem Kontext wurde im Zuge des Straßenbaus der Straße von Rekawinkel nach Kogl gefunden, jedoch durch den Straßenbau zerstört. Ob das heutige Gemeindegebiet in der Zeit der Römer von Verkehrslinien, wie Wege oder Straßen berührt wurde, ist nicht klar. Jedenfalls lag die Grenze zwischen den Provinzen Noricum und Pannonien am Hauptkamm des Wienerwaldes (Cetius Mons), der durch das heutige Gemeindegebiet führt. Bis heute hat sich diese Grenze als solche zwischen den Diözesen der katholischen Kirche, Wien, zu der Pressbaum gehört und St. Pölten, die im Westen nach dem pressbaumer Gemeindegebiet, in Eichgraben, beginnt, erhalten

Um 1790 war die Gegend von Preßbaum unter „Tonnering“ beschrieben (Mitte links), südlich davon die damals angenommene Quelle des Wienflusses (Josephinische Landesaufnahme)
Pressbaum um 1880, Ausschnitt aus einer Lithographie nach einem Gemälde von Giovanni Varrone, Privatbesitz. Zu sehen sind das Zentrum mit der alten Kirche, der Volksschule, der damals neu errichteten Westbahn und dem Kloster Sacré Coeur.

Zur Zeit der Völkerwanderung war der Wienerwald und damit auch das Gemeindegebiet des heutigen Pressbaum nach Westen hin Grenze sowohl des Reiches der Awaren als auch der Ungarn. Auf diese Zeit weist noch die Flurbezeichnung „Am Hagen“, anspielend auf eine Verschanzung, hin.

Frühe Neuzeit

Bis 1572 ist die weitere Geschichte der Gegend im Unklaren, war der Wienerwald doch herrschaftlicher Bannwald und damit nicht der Öffentlichkeit zugänglich, was wahrscheinlich auf Grund des Urwaldcharakters auch nicht so leicht möglich war. Kaiser Maximilian II. ordnete 1572 erstmals eine dokumentarische Aufnahme des Gebietes in Form eines Waldbuches an, zuständig war das Kaiserliche Waldamt im Schloss Purkersdorf. In diesem Buch werden auch erstmals auch heute noch bekannte Flurbezeichnungen des Gemeindegebietes genannt. Aus den beiden Ämtern „Anzbacher Amt“ und „Koglinger Amt“ des insgesamt 12 Ämter umfassenden Wienerwaldes entwickelte sich im Laufe der Zeit das Gemeindegebiet von Pressbaum.

Das vermutlich älteste Haus Pressbaums, der heutige Gashof "Lindenhof", ursprünglich im Besitz des Försters Tanner, nach dem dann der Ort auch lange als "Tannerin" oder "Tonnerin" bezeichnet wurde. Das Haus wurde seither sicher mehrmals umgebaut und erweitert. Die Unterstellmöglichkeit für Pferde und Kutschen (rechts) ist heute ein Blumengeschäft.

Es heißt, dass nach der Ersten Wiener Türkenbelagerung aus Wien geflüchtete Bewohner die Ersten waren, die im heutigen Pressbaum ansässig wurden, jedenfalls stammen aus der Zeit danach die ersten datierten Bauwerksteile (Durchzugsbalken von 1609) und die erstmalige Flurbezeichnung „Pressbaum“ findet sich im Jahre 1633. Die Bevölkerung setzte sich vor allem aus Wald- und Forstarbeitern zusammen, die aus den Gebieten Salzburg, Oberösterreich, der Steiermark sowie aus Bayern und Schwaben hier angesiedelt wurden. 1675 wurde Paul Tanner (oder Thonner) Förster des Anzbacher Amtes und ersuchte aus diesem Grund, sich in seinem Arbeitsgebiet ansässig machen zu dürfen. Mit der erhaltenen Genehmigung errichtete er das erste Haus, das „beim Pressbaum“ gelegen war, das heutige Gasthaus Lindenhof, welches damit wahrscheinlich das älteste Haus der heutigen Gemeinde ist. Daher rührt auch die bis ins 19. Jahrhundert geläufige Bezeichnung „Tonnerin“ oder „Tannerin“ für Pressbaum. 1681 übernahm Christian Pezzelberger das Forstamt. Er war es, der das Ersatzheer der Allianz - bestehend aus Truppen aus Österreich, Polen, Bayern und Baden, das sich gegen die Wien belagernde Armee der Osmanen in Tulln sammelte - über den Hauptkamm des Wienerwaldes auf den Kahlenberg zur Schlachtaufstellung führte.

Im Zuge der kriegerischen Handlungen der Zweiten Türkenbelagerung Wiens, vor allem durch umherstreifende Tataren, die Pressbaum von Südwesten aus Hochstraß kommend erreichten, mehr aber noch durch die einige Jahre zuvor wütende Pest, wurde die Bevölkerung Pressbaums schwer in Mitleidenschaft gezogen. So wurden neuerlich Holzarbeiter aus Oberösterreich und der Steiermark angesiedelt, die gegen eine bestimmte Leistung von Rodungsarbeit je nach Größe (1/4, 1/2 und 1 ganze) „Duckhütten“ errichten und mit entsprechendem Grundstück bewirtschaften durften. Diese so genannten Hüttler bildeten den Kern der damaligen Einwohner.

Pressbaum um 1900, vom Talausgang der Pfalzau aus gesehen. In der oberen Bildhälfte befindet sich heute die Autobahnbrücke der A1 über dem Tal.

18. Jahrhundert

Die weitere Zeit bestimmte vor allem die Holzgewinnung und die Köhlerei das Leben der Region. Das geschlägerte Holz wurde mittels eigens dafür errichteten Anlagen den Wienfluss hinunter getriftet, wo es dann vor allem in Wien weiterverarbeitet wurde.

1713/14 wütete abermals die Pest im Gebiet und die Einwohner durften den Ort aus Quarantänegründen nicht verlassen. Deswegen baten sie um Erlaubnis, eine eigene Kapelle errichten zu dürfen, da der bis dahin wöchentliche Kirchgang nach Purkersdorf nicht möglich war. Der Legende nach trafen sie sich bis dahin immer dazu „beim Pressbaum“, einem nie abgeholten für eine Mostpresse bestimmten hinterlegten geschlägerten Baum. 1723 wurde die daraufhin errichtete Kapelle für öffentlich erklärt und 1730 konnte die diese ersetzende erste Kirche eingeweiht werden.

Franzosengrab, steht auf Privatgrund in der Uferzeile.

Die Durchzüge der französischen Armee unter Napoleon, die 1805 und noch einmal 1809 den kürzesten Weg durch den Wienerwald über Eichgraben nehmend durch Pressbaum zog, waren wiederum einschneidende Erlebnisse für das inzwischen zu einem typischen Wienerwald-Holzfällerdorf angewachsenem Pressbaum. Der Legende nach wurden Josef Schönach und Michael Helm im Tal Pfalzau hingerichtet, wovon das von Rudolf Pleban gestaltete und an jener Stelle errichtete Franzosenkreuz erzählt. Ein weiteres Opfer der Franzosen war der Dorfschullehrer Josef Peschka. Auf heutigem Privatgrund steht ein anderes Denkmal aus jener Zeit, das Franzosengrab, eine kleine Kapelle, bei der 14 Gräber aus jenen Tagen gefunden wurden. In manchen Aufzeichnungen bzw. Beschreibungen wird diese Kapelle auch als Türkenkapelle bezeichnet, was die Zuordnung der gefundenen Gräber in die Zeit der Türkenbelagerungen mit sich bringen würde.

19. Jahrhundert

Erst nach der herrschaftlichen Grundaufhebung von 1848 wurde Pressbaum eine selbstständige Gemeinde, die 1850 dem Bezirk Hietzing zugeordnet wurde. Damals hatte Pressbaum 358 Häuser.

1872 verstarb der Maler Eduard Bitterlich, ein Schüler Ferdinand Waldmüllers und Ausgestalter der Wiener Oper (die Gemälde wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört) in der Pfalzau.

Winterstimmung beim Taleingang in die Pfalzau, mit Aquädukt der II. Wiener Hochquellenwasserleitung und einem alten Forsthaus, einer ehemaligen Duckhütte

1850–1873 gehörte die Gemeinde Tullnerbach, die schon ursprünglich ein Teil Pressbaums war, vorübergehend wieder zu Pressbaum.

Preßbaum im Wiental und südliche Umgebung um 1872 (Aufnahmeblatt der 3. Landesaufnahme)

1858 erfolgte der Bau der Bahnstrecke Wien–Salzburg der k.k. privilegierten Kaiserin Elisabeth-Bahn, benannt nach der Gemahlin Kaiser Franz Josephs. Kaiserin Elisabeth gelangte bei ihren ausgedehnten Wanderungen auch nach Pressbaum, wovon die gefasste Wienflussquelle auf dem Pfalzberg, das „Kaiserbrünndl“ und ein Trinkglas das im ehemaligen Gasthaus „Zur Pfalzau“ aufbewahrt wird, aus dem Elisabeth angeblich Milch getrunken hat, zeugt. Der Überlieferung nach schmeckte Elisabeth das Wasser der Wienflussquelle so gut, dass sie es sich für die Herstellung ihres Kaffees nach Wien bringen ließ.

Das Vorbeiführen der Eisenbahn bedeutete für Pressbaum eine radikale Änderung der Dorfstruktur. Innerhalb weniger Jahre wandelte sich das Holzfällerdorf zum Sommerfrischerefugium der besseren Wiener Gesellschaft der Belle Époque. Die damals von den Baumeistern der Palais der Wiener Ringstraße errichteten Villenbauten prägen auch heute noch Teile der Gemeinde. In dieser Zeit wurden auch die heute das Zentrum bestimmenden Gebäude, die Volksschule (1891 aufgestockt) und die katholische Kirche (1909) errichtet. Die katholische Kirche ist eine der wenigen reinen Jugendstilbauten, die im sakralen Bereich errichtet wurden.

Hauptplatz von Pressbaum mit katholischer Kirche und öffentlicher Volksschule.

1881 verbrachte Johannes Brahms seine Sommerfrische im Pressbaumer Ortsteil Brentenmais und vollendete hier die Nänie (Op. 82) und sein 2. Klavierkonzert (Op. 83). Noch mehr mit Pressbaum verbunden war der Musiker, Operndirektor und Librettist der Strauß-Oper Die Fledermaus, Richard Genée, der in Tullnerbach wohnte, sich aber rege am Gesellschaftsleben in Pressbaum beteiligte, unter anderem im lokalen Gesangsverein, und sogar ein Lied über Pressbaum komponierte.

20. Jahrhundert

Auf dem zwischen 1895 und 1898 von der belgischen Compagnie des Eaux de Vienne, Societé anonyme für das Wientalwasserwerk errichteten Wienerwaldsee, einer Aufstauung des Wienflusses und des in den ersteren mündenden Wolfsgrabenbaches, unternahm der Flugpionier Wilhelm Kress seine Versuche, bei denen er 1901 mit dem von ihm erbauten weltweit ersten Flugzeug mit Benzinmotor verunglückte. 1922 löste sich die Katastralgemeinde Eichgraben von Pressbaum und wurde eine selbständige Gemeinde.

Pressbaum entwickelte sich in diesen Jahren zu einem beliebten Wintersportort, zu dem die Wiener mit Sonderzügen in der Früh hin und am Abend wieder zurück fuhren. Besonders beliebt bei den Skifahrern war der Bihaberg, auf dem es bis nach dem Zweiten Weltkrieg eine eigene Sprungschanze gab. Auch eine Skiproduktion, die „Wienerwaldski“ der Firma Haas gab es in Pressbaum. 1925 wurde der Niederösterreichische Landesskiverband von vier Vereinen gegründet, einer davon war der „Deutsche Turnverein Pressbaum“.

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 wurde der Ort im Gegensatz zum nahen Purkersdorf nicht Groß-Wien angeschlossen, sondern dem Landkreis Sankt Pölten zugeteilt.

Der Vernichtungsideologie der Nazis fielen auch gebürtige Pressbaumer zum Opfer, namentlich bekannt sind Artur Blumel und Adolf Spitz mit seiner Gattin, die in einem Konzentrationslager ums Leben kamen. Der aus Litauen stammende jüdische Bub Jakob Nemencinkis wiederum, der an einer Hasenscharte litt, wurde vom „Spezialkinderheim Pressbaum“ in die Klinik am Spiegelgrund verbracht, wo er an der unmenschlichen Behandlung starb. Mehr Glück hatte der in Pressbaum wohnende Jude Max Arnold, der nach Wien zum Abtransport beordert wurde, sich aber mit seiner Gemahlin Johanna dank der Hilfe einer mutigen Wienerin verstecken konnte, und so überlebte.

Im Bereich der heutigen Siedlungen um die Badgasse befand sich während des Zweiten Weltkrieges ein Barackenlager der paramilitärischen Arbeitstruppe „Organisation Todt“, die, außer mit Fachpersonal, gegen Ende des Krieges auch zunehmend mit Zwangsarbeitern im großen Stil agierte. Das Lager wurde für Arbeiten zum viergleisigen Ausbau der Westbahn errichtet, eine Unternehmung, die mit Ende des Krieges abgebrochen und nie wieder aufgenommen wurde. Flüchtende Menschen in gestreifter Lagerkleidung wurden am Ende des Krieges von der Bevölkerung in der Umgebung angetroffen. Auf der Westbahn selbst dienten Züge als fahrende Kommandostände der deutschen Wehrmacht, die auf der Strecke zwischen Pressbaum und Eichgraben stationiert, im Falle eines Fliegerangriffes in die beiden Tunnels bei Rekawinkel gebracht wurden.

Friedhof für gefallene sowjetische Soldaten

1945 rückte die Rote Armee, im Begriff Wien einzukesseln, vom Südosten nach Pressbaum vor. Bei den Gefechten wurden drei Häuser zerstört, 17 Pressbaumer Bürger begingen im Angesicht des „Endes des 1000-jährigen Reiches“ Selbstmord. Die bei den Kampfhandlungen gefallenen sowjetischen Soldaten sind auf einem eigenen Soldatenfriedhof mit Denkmal neben dem Pressbaumer Friedhof begraben. Auch aus entfernteren Orten mussten einheimische Pressbaumer verstorbene Sowjetsoldaten zur Beerdigung nach Pressbaum bringen.

Das Sanatorium in Rekawinkel diente als Lazarett der Sowjetarmee und musste von der einheimischen Bevölkerung mit Nahrung und anderem versorgt werden.

1956 kam Pressbaum vom Verwaltungsbezirk St. Pölten zum Bezirk Wien-Umgebung.

1961 erhielt Pressbaum Anschluss an die Westautobahn A1, die 1966 bis Wien fertiggestellt wurde und durch das Pressbaumer Gemeindegebiet führt, der Bihaberg wurde dadurch geteilt. Was damals als Zeichen des Fortschrittes und der Technisierung erwünscht war, erweist sich heute als Quelle von Lärm und Abgasen. Der Bau der Westautobahn machte außerdem den Bau des Bihabergstollens notwendig, um weiterhin einen reibungslosen Betrieb der II. Wiener Hochquellenwasserleitung in diesem Bereich zu sichern.

Abgesehen vom Autobahnbau brachte die Nachkriegszeit für Pressbaum entscheidende architektonische Neuerungen. Einige davon, wie das Gemeindeamt oder die Hauptschule, wurden inzwischen umgebaut und erneuert bzw. erweitert. Merkbar verändert hat sich jedenfalls das Ortsbild, das heute vom Baustil der 1960/70er Jahre, Supermärkten sowie mehr und mehr Wohnungsbauten und Reihenhäusern geprägt ist, und in dem sich auch das für diese Jahrzehnte typische und bis heute anhaltende und daher auch von den Einwohnern und in den lokalen Medien immer wieder thematisierte mangelnde Bewusstsein für eine harmonische Ortsbildgestaltung widerspiegelt. 2003 wurde eines der ältesten Häuser Pressbaums, die ehemalige Forstverwaltung, abgerissen und an ihrer Stelle ein Supermarkt errichtet. Das sich durch seine Höhe von den anderen Bauten entscheidend abhebende einzige Hochhaus Pressbaums, das in den 1970er Jahren errichtete Niederösterreichische Landespflegeheim Wienerwaldheim wurde aufgelassen, und 2008 mit angefügten neuen Reihenhäusern als Wohnpark neueröffnet. Die Täler des Gemeindegebietes sind heute mehr und mehr besiedelt, wobei sich jeweils Wald und Siedlung direkt berühren. Um die ausufernde Einzel- und Reihenhausbautätigkeit zu stoppen, wird seit einigen Jahren ein Baustopp und ein strukturierter Bebauungsplan diskutiert.

1964 wurde Pressbaum zur Marktgemeinde erhoben. Seit 2005 ist Pressbaum ein Teil des Biosphärenpark Wienerwald, wobei sich eine Kernzone desselben in der Pfalzau auf Pressbaumer Gemeindegebiet befindet. Seit 2007 ist Pressbaum Mitgliedsgemeinde des Klima-Bündnisses Österreich. Im Jahr 2012 gab es, vor allem von Seiten Bürgermeister Schmidl-Haberleitners, Bestrebungen, Pressbaum zur Stadt erheben zu lassen, was vor allem mit der wachsenen Einwohnerzahl und der Bedeutung als Schulstandort begründet wurde.[1] Am 20. November 2012 wurde Pressbaum zur Stadt erhoben.

Politik

Bürgermeister der Marktgemeinde ist seit dem 11. Oktober 2007 Josef Schmidl-Haberleitner (ÖVP), davor bis 30. September 2007 Heinz Kraus (SPÖ), welcher aber aus gesundheitlichen Gründen zurücklegte. Vizebürgermeister Peter Samec (die Grünen) und Amtsleiter Mag. Thomas Hager. Im Marktgemeinderat gibt es seit 14. März 2010 bei insgesamt 29 Sitzen folgende Mandatsverteilung: Liste ÖVP 16, SPÖ 6, FPÖ 3, Liste GRÜNE 3, WIR 1, andere Parteien haben keine Sitze.

Ortsbild und Lebensart heute

Die Stelle an der die Straße in die Pfalzau von der Hauptstraße in Pressbaum abzweigt, ist eine der letzten Stellen, wo sich der ursprüngliche Wienerwalddorfcharakter des Ortes ein wenig erhalten hat. Links im Hintergrund das „Gasthaus Lindenhof“, vermutlich das älteste Haus von Pressbaum.

Die Umwandlung Pressbaums vom „Holzfällerdorf“, über die „Sommerfrischengegend des gutsituierten Bürgertums“ bis zum „Eigenheimort im Grünen“ von Heute veränderte auch die Infrastruktur und damit das Ortsbild von Pressbaum. Supermärkte verdrängten eine große Zahl an kleinen Geschäften und Gewerbebetrieben, die einst die Hauptstraße zu beiden Seiten säumten. In den 1990er Jahren schloss das letzte von drei Kinos in der Region, von denen sich zwei in Pressbaum befanden. Dafür ist die Zahl der Sport- und Freizeitvereine stark angestiegen. Die zahlreichen Wirtshäuser und Schutzhütten im Ort und auf den umliegenden Anhöhen, die nicht zuletzt von den Wochenendausflüglern aus Wien lebten, sind heute meist geschlossen. Dafür gibt es in Pressbaum ein florierendes Hotel und ein paar, der Zeit angepasste modernere Restaurants - Gasthäuser, die auch vom Städtetourismus nach Wien per Autobus profitieren und weitere Gastronomiebetriebe.

Schigebiet ist Pressbaum heute (Stand 2008) keines mehr, auch die jahrelang gut besuchte „Europa“-Langlaufloipe am Pfalzberg wird wegen Differenzen mit den Österreichischen Bundesforsten nicht mehr gespurt.

Die Mehrheit der Pressbaumer Einwohner sind heute typische Arbeitspendler, die ihr Arbeitsleben hauptsächlich im nahen Wien verbringen und Pressbaum selbst als privaten Rückzugsbereich nutzen, möglichst im eigenen Haus mit Garten. Durch die Änderungen in der Bevölkerungsstruktur hat sich die noch vor zwei Jahrzehnten vorhanden gewesene dörfliche Struktur der Einwohnerschaft weitestgehend aufgehört und ist einer Privatheit und Anonymität immer mehr schätzenden typischen Großstadt - Umland Bevölkerungsstruktur gewichen. Die Einwohner Pressbaums haben pro Familie überdurchschnittlich viele Kinder, was wiederum zu einem recht breiten, oft familienorientierten Angebot an Freizeitaktivitäten führt.

Religionen

Die Mehrheit der Pressbaumer Bürger ist römisch-katholisch. Die heutige katholische Kirche wurde zum 60-jährigen Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph I. 1908 errichtet. Sie ist im Jugendstil erbaut. Ein weiteres Gebäude der katholischen Kirche ist das Kloster Sacré Coeur (1891), das heute seinen klösterlichen Charakter zu Gunsten der dort beheimateten Schulen der Erzdiözese Wien verloren hat.

Die katholische Pfarrkirche „hl. Theresia vom Kinde Jesu“ in Rekawinkel ist ein freistehender Kleinkirchenbau mit südlichem Chorwinkelturm. Der Hochaltar zeigt ein Gnadenbild Maria mit Kind im Strahlenkranz.[2] Sie wurde ursprünglich zu Ehren des Kardinals Piffl vom Architekten Alfred Keller geplant und schließlich 1934 im Gedenken an den ermordeten Bundeskanzler Dollfuß als „Dollfuß-Gedächtniskirche“ geweiht. [3] Der spätere Bundeskanzler und Außenminister zur Zeit des Staatsvertrages, Leopold Figl, stiftete ein Glasfenster und wurde deshalb bereits vor dem Zweiten Weltkrieg zum Ehrenbürger von Pressbaum ernannt.

Die evangelische Gemeinde A.B. von Pressbaum besitzt seit 1933 eine eigene Kirche.

Ein eigenes Gotteshaus, einen so genannten „Königreichsaal“ besitzen die Zeugen Jehovas. Wohl gibt es eine zahlenmäßig kleine muslimische Bevölkerung in Pressbaum, jedoch keine eigene Moschee oder ein islamisches Gemeindezentrum.

Einwohnerentwicklung

Nach dem Ergebnis der Volkszählung 2001 gab es 5834 Einwohner. 1991 hatte die Marktgemeinde 5421 Einwohner, 1981 4899 und im Jahr 1971 4264 Einwohner.

Wirtschaft und Infrastruktur

Westliches Pressbaum

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 301, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 45. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 2511. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 44,77 Prozent.

Eisenbahn

Bahnhof Rekawinkel, links hinten das Tunnelportal unter dem Wienerwald- Alpenhauptkamm

Pressbaum liegt an der Westbahn mit den Haltestellen Tullnerbach - Pressbaum, Pressbaum, Dürrwien und Rekawinkel. Voraussichtlich ab Dez. 2012 wird ein Großteil des Fernverkehrs durch den neu errichteten Wienerwaldtunnel abgeleitet, wovon der Regionalverkehr auf der bisherigen Strecke profitieren soll.

Historische Wald- und Feldbahnen

Zur Unterstützung der Forstarbeit gab es einige Eisenbahnen, so genannte Waldbahnen, deren Reste man heute zum Teil noch sehen kann. Eine führte vom Bahnhof Rekawinkel zum Hagen, eine andere in den Fellinggraben, weitere entlang des Saubaches, auf den Karriegel (zwecks Siedlungsbaues), und entlang der Trasse der Hochquellenwasserleitung (zwecks deren Errichtung, mit einer markanten Holzbrückenkonstruktion nahe der Bahnstation Dürrwien).

Straße

Lange Zeit war Pressbaum auch das Ende der Westautobahn vom Westen kommend, bis diese Richtung Wien weitergebaut wurde. Grund war unter anderem der Talübergang beim Wienerwaldsee. Lokale Bedeutung haben die Bundesstraße 44, die durch Pressbaum führt sowie die Straßen nach Klausenleopoldsdorf–Alland sowie nach Sieghartskirchen–Tulln.

Rohrleitungen

Unscheinbar und doch sehr wichtig führt durch das Gemeindegebiet von Pressbaum die II. Wiener Hochquellenwasserleitung.

Öffentliche Einrichtungen

Schulzentrum Sacré Coeur der Erzdiözese Wien, ehemaliges Nonnenkloster, im Mittelgrund Villen aus der Jahrhundertwende 19./20. Jahrhundert. Im Hintergrund der Wienerwaldhauptkamm und der „Rauchengern“.

Polizeiposten, Postamt, Straßenmeisterei, 2 Feuerwehren, Außenstelle des Roten Kreuzes mit Stationierung einer Hundestaffel, Kindergärten und -gruppen, Volksschule, Hauptschule, private Schulen mit Öffentlichkeitsrecht: 2 Volksschulen, Hauptschule, Gymnasium, Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik, Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe; Lungenheilstätte für Strafgefangene; Pflegeheim (privat), Hilfswerk, „Zukunftswerkstatt“ für suchtkranke Jugendliche (privat).

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kaiserbrünndl, offizielle Wienflussquelle, Ursprung der „Dürren Wien“

Theater

  • Wientalbühne Pressbaum[4]

Museen

  • Heimatmuseum, geöffnet jeden 1. Sonntag im Monat von 10 - 12 Uhr

Musik

  • Wohnort einiger bekannter Musiker und daher immer wieder Veranstaltungen mit unterschiedlichen Musikrichtungen.
  • Öffentliche Musikschule

Bauwerke

katholische Pfarrkirche in Rekawinkel
  • Römisch Katholische Pfarrkirche, 1908 im Jugendstil mit Neugotikanklängen erbaut
  • Kirche im Schulzentrum Sacré Coeur, ehemaliges Schwesternkloster, fertig gestellt 1891 errichtet im neugotischen Stil
  • Römisch-katholische Pfarrkirche Rekawinkel, erbaut 1935
  • Zwei Aquädukte der II. Wiener Hochquellenwasserleitung, fertiggestellt 1911, über die Täler Brentenmais (mit 142 Meter Länge und 24 Meter Höhe der höchste der gesamten Wasserleitung[5]) und Pfalzau
  • Jahrhundertwende Villen (im Zusammenhang mit jenen in Tullnerbach)
  • Bahnhof Rekawinkel und anschließendes Tunnelportal, Bahnhof im Stil der Errichtungszeit renoviert und unter Denkmalschutz, höchster Punkt der Westbahn zwischen Wien und Linz. Die Bahnhofsanlage inklusive den Nebengebäuden und der Fußgängerbrücke befindet sich bis heute weitgehend im Originalzustand aus dem Jahr 1858 und gilt als die am besten erhaltene Anlage in der ursprünglichen Bahnhofsarchitektur der Westbahn.[6]
  • Hotel Rekawinkel: Die unmittelbar an den Bahnhof Rekawinkel anschließende ehemalige „HÔTEL und CAFFÊ RESTAURATION Franz Kühnel“ (Schreibweise laut Inschrift am Gebäude) verfällt jedoch zunehmend.

Denkmäler

  • Römergrab in Au am Kraking
  • Grenzsteine des Wienerwaldes aus dem 16. Jahrhundert (Ortskenntnis nötig)
  • Denkmal Kaiser Josephs II., typischer Massenguss aus Böhmen
Denkmal Kaiser Joseph II. am Hauptplatz vor der Volksschule
  • Denkmal für den dort 1894 bei einem Ausflug verstorbenen Bürgermeister von Wien, Johann Prix, in Rekawinkel
  • Schöffelstein
  • Wilhelm-Kress-Denkmal am Wienerwaldsee (schon Gemeinde Tullnerbach)
  • Schubertstein und Linde
  • Wienflussquelle Kaiserbrünndl am Pfalzberg und Kaiserbrunnberg
  • Strandbad im Stil der 1950er Jahre
  • Franzosenkreuz, in der Pfalzau in Erinnerung an die Hinrichtung zweier Pressbaumer im Jahr 1805 durch die französische Armee, von Rudolf Pleban 1962 errichtet
  • Kapelle Franzosengrab auf Privatgrund in der Uferzeile bei Gräbern aus den Franzosenkriegen
Ab dem Zusammenfluss von „Kalter“ (links) und „Dürrer Wien“ (rechts) spricht man vom Wienfluss, der sowohl dem Wiental als auch der österreichischen Hauptstadt als Namensgeber diente.

Parks

Wienerwaldsee und darum gelegenes Freizeitgelände (Weg für Radfahrer und Fußgänger mit Rastplätzen sowie Skating- und Spielplatz auf dem Gemeindegebiet von Tullnerbach)

Naturdenkmäler

  • 3 Sommerlinden, Katastralgemeinde Rekawinkel
  • 2 Föhren, Katastralgemeinde Pfalzau
  • 1 Winterlinde, Katastralgemeinde Pressbaum
  • 2 Rotföhren, Katastralgemeinde Pressbaum
  • 1 Weymoutskiefer, Katastralgemeinde Pressbaum

Sport

Neben dem Fußballclub SV Pressbaum und dem ASV Pressbaum mit mehreren Sektionen (u.a. Fußball, Badminton, Basketball,...) sind ein Jiu-Jitsu-Verein, ein Kickboxverein, ein Radsportverein, ein Laufverein und der Skisprungverein „Wienerwaldadler“ in der Gemeinde aktiv. Weiters gibt es einige Reitställe, ein Freibad und Tennisplätze. Als Freizeitinfrastruktur werden ausgeschilderte Reitwege, markierte Wanderwege und ausgeschilderte Mountainbikestrecken angeboten. Der ASV Pressbaum gewann 1994 die österreichische Badminton Staatsliga. In der Saison 2011/2012 konnte der ASV Pressbaum-Badminton die erste österreichischen Badminton-Bundesliga erneut gewinnen. Eine weitere Paradesportart in Pressbaum ist Jiu Jitsu. Athleten aus Pressbaum holen regelmäßig Medaillen bei WMs, EMs und internationalen Turnieren.

Persönlichkeiten

Weblinks

 Commons: Pressbaum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. http://www.noen.at/lokales/noe-uebersicht/purkersdorf/aktuell/Stadtrecht-fuer-Pressbaum;art2669,375785
  2. Dehio-Handbuch Die Kunstdenkmäler Österreichs, Niederösterreich südlich der Donau, S. 1746
  3. Die Kirchen Pressbaums abgerufen am 22. Jänner 2011
  4. Webpräsenz der Wienerwaldbühne Pressbaum. Abgerufen am 1. Dezember 2012.
  5. Ferdinand Lettmayer: Wien um die Mitte des XX. Jahrhunderts. Ein Querschnitt durch Landschaft, Geschichte, soziale und technische Einrichtungen, wirtschaftliche und politische Stellung und durch das kulturelle Leben. Jugend und Volk, Wien 1958, S. 582.
  6. Rekawinkler Dorf-Gemeinschaft