Perger Friedhöfe

Die Perger Kalvarienbergkirche teilt die beiden Friedhöfe auf dem Kalvarienberg in 2 Teile
Kreuzwegstation aus 1837, gestiftet vom Kupferschmied und Perger Bürger Franz Paur
Gedenkstein für die begrabenen Sowjetsoldaten

Die Perger Friedhöfe wurden immer wieder zu klein, sodass ihr Standort mehrmals verlagert werden musste. Der heutige Friedhof befindet sich auf dem Kalvarienberg auf einer Seehöhe von ungefähr 290 m ü. A. bei der Perger Kalvarienbergkirche und besteht aus zwei Teilen. Im neueren Teil wurde 2007 eine Abteilung für Urnengräber geschaffen. Im älteren Teil des Friedhofs besteht ein Abteil für die Gräber sowjetische Soldaten aus der Kriegs- und Besatzungszeit.

Der Friedhof der Pfarre Pergkirchen befindet sich bei der Pfarrkirche Pergkirchen.

Inhaltsverzeichnis

Der Friedhof bei der Jakobskapelle

Ein erster Perger Friedhof dürfte schon vor der Errichtung der Pfarre um den vorderen Teil der 1416 errichteten Jakobskapelle bestanden haben. Nach der Auflassung dieses Friedhofs bildeten die freiwerdenden Flächen die Basis für den heute relativ großen Perger Hauptplatz.

Der Friedhof bei der Sebastianikirche und beim Bürgerspital

Friedhof

Der Friedhof bei der Jakobskirche wurde rasch zu klein und daher bereits 1518 an den Standort der heutigen Raiffeisenbank und des Kriegerdenkmals in der heutigen Linzer Straße verlegt, wo er bis zum Ende des 19. Jahrhunderts blieb. Der neue Friedhof wurden 1522 eingeweiht. Nach der 1892 erfolgten Verlegung des Friedhofs auf den Kalvarienberg wurde der alte Friedhof noch bis 1927 noch als Gärtnerei benützt. Gebäudereste einer Wanderherberge, die als Totenkammer (Leichenhalle) fungierte, ein Friedhofsportal mit der eingravierten Jahreszahl 1518 und die Friedhofsmauer wurden anlässlich der Errichtung der Hauptschule im Jahr 1928 entfernt.

Sebastianikirche

Die 1522 von der Bruderschaft des heiligen Sebastian und Dionysius errichtete Sebastianikirche verfügte über drei Altäre (Hochaltar zu Ehren des heiligen Märtyrers Sebastian, des heiligen Märtyrers Dionys und des heiligen Bekenners Rochus, der nördliche Seitenaltar zu Ehren der Jungfrau Maria und der südliche zu Ehren der heiligen Anna und des heiligen Michael). Die Sebastianikirche war bereits 1786 einsturzgefährdet und nicht mehr benützbar, es ist nicht bekannt, wann sie abgerissen wurde. Den damaligen Urkunden ist zu entnehmen, dass Perg damals als oppido berg bezeichnet wurde, wobei oppido kleine(r) befestigte(r) Stadt/Ort/Platz bedeutet.

Bürgerspital

Aus einer Stiftung aus dem Jahr 1554, weiteren Zuwendungen, Erbschaften und Mitteln des Marktes Perg war zunächst in der Linzerstraße 1 und später in der Linzer Straße 14 (ehemalige Spitalgasse) ein ehemaliges Bürgerhaus zu einem Spital adaptiert worden, zum Unterhalt armer, alter Bürger, die sich nicht mehr selbständig erhalten können. Ursprünglich war das Spital für zehn Personen eingerichtet, 1933 und wahrscheinlich ebenso zum Zeitpunkt der Auflösung der Stiftung 1957 hatte es 16 Zimmer, 2 Küchen und eine Totenkammer. Weiters gehörten 21 Joch Äcker, acht Joch Wiesen, eineinhalb Joch Wald und ein Viertel Joch Gärten dazu.

Die Verwaltung des Spitals, Aufnahme der Pfründner und Auszahlung der Unterstützungen oblag der Kommune Perg, die einen eigenen Spitalverwalter ernennt. Bei ansteckenden Krankheiten wurde das Spital als Isolierhaus benützt. Einst soll der Pfarrhof im Bürgerspitalsgebäude gewesen sein. 1938 wurden alle Stiftungen aufgelöst, dadurch kam die Bürgerspitalstiftung an die Marktgemeinde Perg. Nach 1945 wurde die Stiftung wieder errichtet und der Marktgemeinde Perg das Verfügungsrecht übertragen. 1957 wurde Bürgerspitalstiftung endgültig aufgelöst und der ansehnliche Besitz fiel dem Markt Perg zu.

Das zwischenzeitig baufällig gewordene Bürgerspital wurde 1968 anlässlich der Errichtung der Raiffeisenkasse Perg abgerissen.

Zukünftiges Heimathaus für den Bezirk Perg

Während des 2. Weltkrieges war im Bürgerspital die neu angelegte, wertvolle Sammlung für das zukünftige Perger Heimathaus untergebracht, um deren Ausbau sich Dr. Gustav Brachmann sehr bemüht hatte. Das Bürgerspital sollte nach dem Krieg ein Heimathaus für den ganzen Bezirk Perg werden. Durch Plünderungen im Jahr 1945 ging der größte Teil der Sammlung verloren. Der erhalten gebliebene kleine Rest kam in das Heimathaus Freistadt.

Der Friedhof bei der Kalvarienbergkirche

Josef Hauser, Pfarrer von Perg von 1890 bis 1900, hatte nach fast vier Jahrhunderten und fünfzigjähriger Vorbereitung neuerlich die Friedhofsfrage zu lösen. Er setzte sich gegen die Absichten der Marktgemeinde, die an Stelle eines Pfarrfriedhofes einen Gemeindefriedhof errichten wollte, durch. Er erwarb die für den künftigen Friedhof erforderlichen Grundstücke und verlegte 1892 den Friedhof auf den Kalvarienberg. Dort war bereits in den Jahren 1734 bis 1754 eine Kalvarienbergkirche von der Marktkommune Perg errichtet worden und diese Anhöhe wurde schon lange als Platz des künftigen Friedhofs betrachtet.

Josef Hauser ließ mit Unterstützung der Marktgemeinde Perg die Friedhofstraße erbauen und eine Lindenallee pflanzen. Den Weg säumen die 13 Kreuzwegstationen aus Granit, die Franz Paur, Kupferschmied, Bürger des Marktes Perg und Großvater des späteren Perger Bürgermeisters Johann Paur, 1837 gestiftet hatte.

In den Jahren ab 1944 bis 1955 wurden viele Ortsfremde (Flüchtlinge sowie Soldaten der deutschen Wehrmacht und der roten Armee) auf dem Perger Friedhof beigesetzt, sodass dieser vorzeitig voll belegt war.

Konsistorialrat Karl Mayer, Pfarrer von Perg von 1929 bis 1958, hatte vorgesorgt und ein weiteres großes Grundstück auf dem Kalvarienberg erworben, das 1959 von Franz Auzinger, (Pfarrer von Perg von 1958 bis 2001), als weiterer Teil des Perger Friedhofes auf dem Kalvarienberg eingeweiht wurde.

Sowjetischer Soldatenfriedhof innerhalb des Perger Friedhofs

Sowjetischer Soldatenfriedhof in Perg

Innerhalb des Perger Friedhofs auf dem Kalvarienberg befindet sich ein Soldatenfriedhof, auf dem 31 Sowjetsoldaten, darunter mindestens 9 KZ-Häftlinge (Sowjetsoldaten) aus dem KZ Ebensee begraben sind und der von Österreichischen Schwarzen Kreuz betreut wird.[1]

Einzelnachweise

  1. Land Oberösterreich, Landesgeschichte: Soldatenfriedhof in Perg

Literaturangaben

  • Florian Eibensteiner und Konrad Eibensteiner: Das Heimatbuch von Perg, Oberösterreich, Selbstverlag, Linz 1933
  • Stadtgemeinde Perg (Hrsg.): Perg, Festschrift anlässlich der Stadterhebung 1969, Eigenverlag, Linz 1969