Pfarrkirche Pergkirchen

Pfarrkirche Pergkirchen

Die Pfarrkirche Pergkirchen befindet sich in der ehemaligen Gemeinde und heutigen Ortschaft und Katastralgemeinde Pergkirchen der Stadtgemeinde Perg im oberösterreichischen Mühlviertel.

Sie wurde 1088 dem Hl. Martin geweiht, steht auf dem Ortsplatz und ist auf drei Seiten vom Friedhof umgeben.

1142 gilt als das Jahr, in dem die römisch-katholische Pfarre durch Abtrennung von der Altpfarre Naarn entstanden ist.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Lage der Pfarre Pergkirchen im Dekanat Perg

Das Kirchengebäude ist die Pfarrkirche der Pfarre Pergkirchen, einer römisch-katholischen Pfarre im Dekanat Perg in der Region Mühlviertel in der für das Bundesland Oberösterreich zuständigen österreichischen Diözese Linz in der Kirchenprovinz Wien.

Diese wird innerhalb der kirchlichen Verwaltung mit der Pfarrnummer 4282 geführt und hat 1.128 Katholiken,[1] die sich mit Ausnahme der zur Pfarre Perg gehörenden Ortschaft Karlingberg im Wesentlichen auf das Gebiet der Katastralgemeinde und ehemaligen Ortsgemeinde Pergkirchen verteilen.[2]

Der Pfarre obliegt die Verwaltung des Pergkirchner Orts- und Pfarrfriedhofs.

Zur Pfarre gehören die Ortschaften Auhof, Dörfl, Lehenbrunn, Mitterberg, Pergkirchen, Thurnhof und Tobra[3]

Die Pfarre ist Teil des Seelsorgsraumes Perg, dem die Pfarren Allerheiligen, Münzbach, Pergkirchen, Perg und Windhaag angehören.

Nachbarpfarren sind Arbing, Mitterkirchen, Münzbach, Naarn, Perg und Windhaag im Dekanat Perg.

Geschichte

Pfarrgeschichte

Geschichte der römisch-katholischen Pfarre
Grabplatte der Burgkirchenanlage von Pergkirchen

Am 25. März 1142 stattete der Paussauer Bischof Reginbert auf Bitte von Adelram I. von Perg die Kirche von Pergkirchen mit dem Begräbnis- und Taufrecht aus, wobei damit die endgültige Abtrennung von der Pfarre Naarn verbunden war. Das Pfarrgebiet von Pergkirchen umfasste damals das Gebiet zwischen Naarnfluss und Tobrabach.

Die Grenzen der Pfarre und der späteren Katastralgemeinde Pergkirchen haben sich seit der damaligen Zeit kaum verändert.

Mit dem Tod von Friedrich II. von Perg am 15. Juli 1191 in Palästina gingen die Vogtei- und Patronatsrechte an das Stift Melk über und blieben bei diesem bis 1530. In diesem Jahr verkaufte das Stift Melk die Pfarre Pergkirchen an die Rosenburgen in Niederösterreich, von denen sie an die Schallenberger von Luftenberg und von diesen an die Prager zu Windhaag verkauft wurde.

In dem von Andreas von Prag, Freiherr zu Windhaag, angelegten Pfarrurbar vom Jahre 1553 ist der Pfarrbesitz von Pergkirchen genau aufgezeichnet worden.

Es ist anzunehmen, dass er zu dieser Zeit die Vogtei- und Lehenschaft über die Pfarre Pergkirchen (neben der Pfarre Altenburg, die er 1492 und der Pfarre Münzbach, die er 1530 erworben hatte), bereits besaß. Die drei Pfarren wurden später die drei Windhaagerischen Pfarren genannt.

Der Pfarrbesitz von Pergkirchen umfasste damals den Pfarrhof, die Gründe zum Pfarrhof samt Gärten und Obstbäumen, Wiesen, Äcker, Weiden und Hölzer, Pfarrholden (6 Güter), Dienste, Zehente sowie Einkünfte von Weingärten, Gütern und Wiesen. Der Grundbesitz der Pfarre und Kirche Pergkirchen ist von 1627 an derselbe geblieben und wird beispielsweise im Realschematismus der Pfarren der Diözese Linz vom Jahre 1913 folgendermaßen angegeben:

Der Kirchengrund erstreckte sich auf 7 ha 62 a 89 m² Wald und 4 ha 45 a 55 m² Äcker und Wiesen. Der Pfarrhofgrund (die Pfarrpfründe) umfassten 4 ha 47 a 88 m² Wald, 18 ha 10 a 8 m² Äcker, 10 ha 27 a 7 m² Wiesen und 1 ha 41 a 43 m² Gärten.

Bis 1558 und nach 1626 waren die Pfarrer von Pergkirchen katholisch, von 1558 bis 1624 protestantisch. In der Zeit von 1606 bis 1624 (protestantische Pfarrer) gehörten die Katholiken der Pfarre der Pfarre Naarn an. Die Pergkirchner wurden von da an wieder katholisch gemacht. Die Vogteiherrschaft über die drei Windhaager Pfarren wurde den protestantischen Herren entzogen und dem Kloster Baumgartenberg einverleibt. Zahlreiche Urkunden wurden nach Baumgartenberg gebracht, wo sie anlässlich der Aufhebung des Klosters im Jahre 1784 vernichtet wurden.

Von 1624 bis 1804 wirkten wieder katholische Priester und Zisterzienser-Patres des Klosters Baumgartenberg in Pergkirchen, Pater Robert Startzer, Pfarrer von Pergkirchen von 1779 bis 1804, war der letzte von ihnen.

Seither ist die Pfarre Pergkirchen eine Pfarre mit freier bischöflicher Verleihung und gehört zu der 1784 gegründeten Diözese Linz.

1823 gehörte die Pfarre Bergkirchen (=Pergkirchen) zum Dekanat Pabneukirchen. Zeitweilig kam der Dechant aus der Pfarre und der Dekanat wurde daher fallweise als Bergkirchen bezeichnet. Das Dorf Pergkirchen hatte zu dieser Zeit 9 Häuser und 43 Einwohner. Zur Pfarre gehörten aber auch noch die Ortschaften Auhof (13 Häuser und 71 Einwohner), Tobra, Dörfel, Lehenbrunn und Thurnhof(12 Häuser und 50 Einwohner). Die Gesamthäuser- und Einwohneranzahl ist nicht näher ausgeführt.

Auf Grund eines Vertrages mit dem bischöflichen Ordinatiat von 1971 übernahmen die Franziskaner (als Filiale von Enns) von 1972 bis 1987 die Pfarre Pergkirchen. Damit war auch der Religionsunterricht am Gymnasium in Perg verbunden.[4]

Protestantische Pfarrer in Pergkirchen

Da der Vogtherr von Pergkirchen, Friedrich von Prag, Freiherr von Windhaag,Protestant war, bestellte er in seinen drei Pfarren, also auch in Pergkirchen möglicherweise schon 1558 mit Daniel Schmuckzell, jedenfalls mit dem 1574 eingesetzten Pfarrer, Abraham Hardel (auch Haggl), abgesetzter Abt des Benediktinerstiftes Gleink, protestantische Pfarrer ein. Ab 1599 wirkte Magister Samuel Übelmann, Professor an der protestantischen Landschaftsschule, in Pergkirchen und blieb bis 1618. Nachfolger wurde Magister Johannes Meier, der bereits 1619 starb und dem Magister Johannes Urlsperger nachfolgte.

Da in dieser Zeit nicht mehr so viele protestantische Pfarren im Mühlviertel waren, als die vielen Protestanten benötigt hätten, kamen sie von nah und fern zu den drei Windhaagerischen Pfarreien, weil dort die protestantischen Pastoren ihr Amt verrichten konnten. Es kamen protestantische Kommunikanten, Täuflinge wurden herbeigetragen und selbst die Toten wurden in diese Pfarren gebracht. 1624 mussten alle protestantischen Prediger und Schulmeister abdanken und sich außer Landes begeben und Magister Urlsperger musste Pergkirchen verlassen.

Gegenreformation Joachim Enzmilner

Mit Kaufbrief vom 19. August 1636 erwarb Joachim Enzmilner die Herrschaft Windhaag einschließlich der Vogteien und Lehenschaften über die drei Pfarren Münzbach, Altenburg und Pergkirchen.

Er führte deshalb lange Zeit einen Streit mit dem Kloster Baumgartenberg, der erst 1652 beigelegt werden konnte, als die Vogtei der Herrschaft Windhaag und das Lehen dem Kloster Baumgartenberg zugesprochen wurde. Nach dem Tod Joachim Enzmilners übergab dessen Tochter Eva Maria 1682 Teile der Vogtei über die Pfarre Pergkirchen wieder dem Kloster Baumgartenberg.

Geschichte der Martinskirche

Burgkirchenanlage in Pergkirchen, Modell ausgestellt im Heimathaus-Stadtmuseum Perg
Wappen Herren von Perg
Mittelalter

Die Weihe einer Kirche in Pergkirchen wurde erstmals 1088 urkundlich erwähnt. Am 24. April jenes Jahres weihte Bischof Altmann eine Kirche dem Hl. Martin und vertraute sie dem Stift Melk an, das damals in ein Benediktinerkloster umgewandelt wurde. Bischof Altmann hat anlässlich einer Reise von Passau nach Melk zahlreiche weitere Kirchen geweiht.

Der Name der Kirche wird vom Begriff Bero abgeleitet, was in diesem Zusammenhang einerseits ein seltener althochdeutscher Vorname mit der Bedeutung der Braune/Bär oder eine altgermanische Bezeichnung für den Sippenältesten sein kann. Schreibweisen des Namens Pergkirchen in Urkunden waren beispielsweise Pen(ge)nkirchen (1114), Pergenkirchen (1142), perchirchen (1227), Perinkyrchen (1239), Perchirchen (1320), Perkirchen (1325), Pernkirchen (1351), Perichirchen (1358, Perchirchen (1358 und 1364), Pergkirchen (1376), perkhircher pharr (1508 und 1533), Bekhirchen (1569).

Es ist wahrscheinlich, dass sich der Name der Herren von Perge und des Ortes Perg auf gleiche Weise herleiten lassen.

Bei der Kirche in Pergkirchen dürfte es sich um eine Eigenkirche der dort ansässigen hochfreien Herren von Perge gehandelt haben, die an Stelle einer zuvor dort befindlichen Holzkirche errichtet wurde, wahrscheinlich zur Burganlage gehörte, und von ihren Besitzern sowie zahlreichen weiteren Freien entsprechend ausgestattet wurde. Die Vogtei- und Patronatsrechte an der Kirche und der Pfarre lagen im Zeitraum von 1088 bis 1191 bei den Herren von Perg und Machland, das Stift Melk wurde in den Urkunden mehrfach gar nicht erwähnt.

Die Bestiftungsurkunde berichtet über zahlreiche Schenkungen, darunter jene von Rudolf I. von Perg und seiner Gattin Gysela und des ersten Priesters der neuen Kirche, Wolfoldus. Später kamen weitere Schenkungen dazu, darunter jene von Walchun II. und seiner Gattin Adelheid sowie von weiteren Angehörigen der Stifterfamilie. Außer dem Herrengeschlecht beteiligten sich zahlreiche Freie an der standesgemäßen Ausstattung der neuen Kirche, darunter Rudolf, Heinrich, Reginbert, Otpolt, Behewin, Oze und Pilizi, Meginhart, Hazacha, Ratpurch, Otwin und der Konverse Meginhart.

Das Stiftungsgut der Herrenfamilie bestand unter anderem aus Höfen, Grundstücken, Hufen, Wald, Weingärten, Mühlen und Leibeigenen samt deren Familien und den von ihnen bewirtschafteten Gütern. Das Stiftungsgut der Freien bestand unter anderem meist aus Grundstücken, Zehenten und Leibeigenen. Zusammengefasst und von Bischof Udalrich von Passau dem Stift Melk bestätigt, summieren sich diese Schenkungen im Zeitraum zwischen den Jahren 1088 und 1114, abgesehen von den erwähnten Leibeigenen, auf 1 Wald, 1 Zehent, 6 Höfe, 2 Mühlen, 10 Grundstücke und Hufen und 2 Weingärten. Weitere Kirchenstiftungen sind erst wieder im 16. Jahrhundert beurkundet.

Als erster Priester von Pergkirchen ist Wolfhold (um 1080) erwähnt, die Namen weiterer, jedoch nicht aller Priester, Pfarrer, Aushilfspriester, Kapläne und Provisoren sind bekannt.

Neuzeit
Motiv "Martinskirche in Pergkirchen" (Turmdach vor Renovierung!) auf einem Notgeldschein der Gemeinde Pergkirchen
Der neue Altar (seit 2009)

Erst im 16. Jahrhundert erfolgt anlässlich der Errichtung der Margarethenkapelle bei der Pfarrkirche Pergkirchen erstmals eine Erwähnung des ursprünglich einschiffigen Kirchengebäudes (Langhaus mit romanischen Bauteilen, z.B. wuchtige Quader an der Nordseite, Rundbogenfenster über der westlichen Kapelle, Strebepfeiler an der Nordwestecke).

Die Kirche wurde mehrmals umgebaut, der 1480 errichtete Chor ist zweijochig mit 5/8-Schluss und netzrippengewölbt, sowie zum Langhaus aus der Achse verschoben. Der östliche Teil des südlichen Seitenschiffes wurde um 1400, der westliche im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts errichtet. 1527 ließen die Prandtner vom Thurnhof östlich einen rechtsschiffigen, gotischen zweijochigen kreuzrippengewölbten Kapellenanbau errichten, die Margarethenkapelle. Dort hatte der Kaplan der Prandtners das Recht, Messe zu lesen. Sie stifteten dazu noch eine 2 Tagwerk große Wiese, die später Opferwiese genannt wurde. Im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts entstand die Langhauswölbung.

Insgesamt handelt es sich um ein gotisches Kirchengebäude. Ab 1682 wurde vom Kloster Baumgartenberg die Renovierung der Pfarrkirche Pergkirchen veranlasst und 1685 im nördlichen Chorwinkel Karner und ein neuer Kirchturm erbaut. Dieser hat seit ungefähr 1800 einen niederen, geschwungenen Helm. Die Turmhöhe beträgt 19 m, die Kuppel war sechs Meter und das Kreuz zwei Meter hoch. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts erhielt der Turm ein Spitzgiebeldach.

1917 mussten die drei Glocken mit einem Gesamtgewicht von 1008 kg abgeliefert werden, die 28 kg schwere Sterbeglocke mit 39 cm Durchmesser aus dem Jahr 1844 blieb zurück. 1923 und 1936 wurden Glocken mit einem Gesamtgewicht von 1561 kg angeschafft. Im Zweiten Weltkrieg mussten die neu angeschafften Glocken wiederum abgeliefert werden, sodass 1953 die Anschaffung eines neues Geläute, bestehend aus vier Glocken, bei der Glockengießerei St. Florian erforderlich war.

Die Kirche verfügt heute über einen barocken Hochaltar aus dem 17. Jahrhundert, im Übrigen ist sieneugotisch eingerichtet. In der Kirche befindet sich weiters ein barockes Allerheiligenbild von Clemens Beutler (1665) und ein mit Figuren versehener Renaissance-Grabstein ausMarmor für den hier beigesetzten Hack von Pornimb (1575) aus dem Schloss Aussenstein.

Der Innenraum der Kirche wurde 2009 gründlich renoviert. Dabei wurde unter anderem die Grabplatte der alten Burgkirchenanlage entfernt.

Literatur

  • Georg Grüll: Pergkirchen, Beiträge zur Geschichte eines Dorfes, in: Heimatgaue, Zeitschrift für oberösterreichische Geschichte, Landes- und Volkskunde, Herausgeber: Adalbert Depiny, 11. Jahrgang, 3. und 4. Heft, Linz 1930
  • Hansgeorg Löw-Baselli: Romanische Grabplatte von Pergkirchen, in: Oberösterreichische Heimatblätter, 46. Jahrgang, Heft 2, Herausgeber: Institut für Volkskultur, S 268-271, Linz 1992

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Pfarren-Finder Pfarre 4282 abgefragt am 6. November 2011
  2. Pfarre Pergkirchen im Kulturatlas Doris - Land Oberösterreich, Abfragethema Pfarren (auf der Karte Grenzen der Gemeinden und Katastralgemeinden dazuschalten)
  3. Statistik Austria: Ortsverzeichnis Oberösterreich 2001, Wien 2005, Bezirk Perg, S 205ff PDF abgefragt am 6. November 2011
  4. Neues Archiv für die Geschichte der Diözese Linz, S 84

48.24491666666714.675194444444Koordinaten: 48° 14′ 42″ N, 14° 40′ 31″ O