Pfarrkirche Bad Zell

Pfarrkirche Bad Zell

Die römisch-katholische Pfarrkirche Bad Zell ist dem Heiligen Johannes dem Täufer geweiht und steht in Bad Zell in Oberösterreich.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Pfarre

Es ist schwierig zu sagen, wann in Zell die 1. Kirche entstanden ist. Wahrscheinlich war es eine kleine Holzkapelle (Celle), die beim Hof am oberen Ende des Marktplatzes stand. Relativ bald dürfte aber der heutige Standort als Bauplatz für eine (Stein)Kirche gewählt worden sein, da der Marktplatz selbst planmäßig angelegt wurde. Urkundliche Erwähnung findet man zwischen 1261/78 als Zell der Ur- und Mutterpfarre Naarn unterstellt gewesen ist. Die (urkundliche) Pfarrerhebung folgte erst 1366, wobei man damit rechnen muss, dass Zell bereits früher eine eigenständige Pfarre gewesen ist (zu große Distanz zur Kirche von Naarn!). Zwischen 1550 und 1624 wirkten in Zell ausnahmslos protestantische Geistliche, was durch die Grundherrschaft der Jörger von Tollet vorangetrieben wurde. Zell wurde eine Hochburg des Protestantismus. In der Zeit der Rekatholisierung blieb der Ort vier Jahre lang (1624-1628) ohne Pfarrer; erst später wurden wieder katholische Geistliche eingesetzt. Zwischen 1740 und 1784 entstand ein bedeutender Marienwallfahrtsort. Diese Tatsache ist auf einen (bis heute nicht erklärbaren) Umstand zurückzuführen, dass um 1740 in Zell jährlich bis zu 1/5 der Bevölkerung starb (Seuche? Missernten?). Rasch entwickelte sich beim Marienaltar der Zeller Kirche eine Wallfahrt, die große Ausmaße annahm. Man konnte es sich leisten, die Kirche, bzw. den Altarraum barockisieren zu lassen und auch noch weitere Gegenstände anzuwerben. Durch Kaiser Joseph II. wurde die Wallfahrt jedoch verboten. Der Kirche blieb ihre wunderschöne barocke Ausstattung erhalten, die sich harmonisch mit der alten gotischen Bausubstanz verbindet.

Ortsansicht mit Pfarrkirche
Hochaltar
Blick nach Westen (Gewölberippen, Orgel, Westempore
Pfarrkirche Bad Zell innen

Baugeschichte

Die Kirche liegt im südöstlichen Teil des Marktes, über einem nach drei Seiten steil abfallenden Gelände.

Sie ist ein bedeutender Bau aus unterschiedlichen mittelalterlichen Bauetappen mit bemerkenswerter barocker Altarlösung und 45 Meter hohem Kirchturm.

Ursprünglich ein war es ein schlichter, romanischer Bau, der im ausgehenden 15. Jahrhundert bedeutend erweitert und umgestaltet wurde, sodass romanische Elemente (mit Ausnahme der Westwand) gänzlich verschwanden. Heute zeigt sich die Kirche als eine dreischiffige, gestaffelte Anlage mit bemerkenswerten Gewölberippenformationen (Schlingrippen, Netzrippen) aus ca. 1470-1510 (Freistädter Bauhütte unter Mathes Klayndl; siehe auch Pfarrkirche Königswiesen). Weitere Bauteile, wie Turm, Altarraum, Gruftkapelle, Südportal und Westempore stammen aus der gleichen Epoche.

Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu einer teilweisen Regotisierungen der Kirche (Fenstermaßwerke, Seitenaltäre, Turm, etc.).

Inneneinrichtung

Die Barockisierung des Altarraumes erfolgte 1746, im Zuge der Marienwallfahrt nach Zell. Bis heute ist der bemerkenswerte Hochaltaraufbau erhalten, der den gesamten Chor einbezieht. Eine Stuckmarmor- und Säulenarchitektur von Franz Ludwig Grimm. Das Altarbild stellt die Taufe Christi dar. In der Halbkuppel befindet sich ein Fresko „Gottvater mit den Engeln“ von Bartolomeo Altomonte und Scheinarchitektur von Johann Georg Dollicher. Lebensgroße, allegorische Stuckmarmorstatuen zieren die Fensternischen in der Apsisin: Eucharistia (hl. Joachim?), Offizium (hl. Elisabeth von Thüringen), Oratio (hl. Anna?), Poenitentia (hl. Hedwig von Andechs, mit Wanderstab und Schuhen). Umgeben wird der Hochaltar von einem prächtigen blauen Stuckvorhang mit Engeln. Die stuckmarmorne Kanzel stammt ebenfalls aus dieser Zeit. Die beiden neugotische Seitenaltäre stammen von Ludwig Linzinger 1893/94: Marienaltar (mit barocker Statue) in der ehemaligen Gruftkapelle, Florianialtar im südlichen Seitenschiff. Der Kreuzweg (vollplastische Firguren) stammt ebenfalls von Ludwig Linzinger.

Orgel

Die Orgel stammt aus dem Jahr 1902. Im neugotischen Gehäuse befindet sich ein Werk vom Ottensheimer Orgelbauer Leopold Breinbauer (2 Manual, 14 Register).

Glocken

Wie in anderen Pfarren des Landes musste auch die Pfarre Zell bei beiden Weltkriegen Glocken abliefern (1917, 1942). Bemerkenswert ist aber, dass man nach beiden Kriegen lange wartete um neue Glocken gießen zu lassen (1936, 1956). Ein Glück ist sicherlich, dass zwei historisch wertvolle Glocken beide Weltkriege heil überstehen konnten: Die größere der Beiden (die heutige Glocke 2; 840 kg) ist der Gottesmutter gewidmet und stammt aus dem Jahr 1524. Die Inschrift besagt: „Iesus Nasarenus Rex Judeorum. Cordula (!) hais ich. Benedict Reicher Pixenmaister zu Lincz gos mich 1524“. Die älteste Glocke im Kirchturm und somit eine der ältesten Glocken im Land ist die ehemalige Zwölferin (die heutige Glocke 4; 280 kg). Sie stammt aus der Erbauungszeit des Kirchturmes, also aus dem 14. Jahrhundert. Sie ist völlig schmucklos und hat als Inschrift nur die Namen der 4 Evangelisten. 1956 wurde das Geläute durch drei Glocken der Gießerei St. Florian ergänzt: Christkönigsglocke (963 kg), Tauf- Wandlungsglocke (400 kg) und Sterbeglocke (146 kg). Das Geläute der Pfarrkirche besteht somit aus fünf Glocken (f, g, b, cis, dis), mit einem Gesamtgewicht von ca 2 630 kg.

Pfarrer von Bad Zell

Marienaltar in der Gruftkapelle der Pfarrkirche
  • Bis 1497 Wilhelm
  • 1536 Sigmund Froschauer

Protestantische Geistliche

  • 1550 Hans Hengelin (war verheiratet)
  • 1581-1601 Johann Georg Eder (verheiratet)
  • 1604 David Tabertus
  • 1611-1620 Daniel Füringer (verheiratet)
  • 1620-1624 Johann Wider (musste mit seiner Familie auswandern)
  • 1624-1628 Zell ohne Pfarrer

Katholische Geistliche

  • 1628-1634 Bartholomäus Sonse
  • 1634-1638 Joachim Luderer
  • 1638-1639 Jakob Maurer (war Prämonstratenser des Klosters Allerheiligen in Bayern)
  • 1639-1640 Johannes Storlin (aus Enningen in Württemberg)
  • 1640-1649 Jörg Ziegler (war immer im Streit mit der Bevölkerung. Lebte im öffentlichen Konkubinat, machte auf der Kanzel geistliche und weltliche Behörden lächerlich und eröffnete im Pfarrhof eine Weinschenke. Wurde daher 1649 abgesetzt)
  • 1649-1654 Balthasar Schnappinger
  • 1654-1656 Georg Strobl
  • 1656-1665 Erasmus Ammon Mayr
  • 1665-1667 Johann Georg Mitterdorfer
  • 1667-1671 Heinrich de Heistern
  • 1672-1700 Johann Christof May
  • 1700-1729 Pankratius Bayer
  • 1729-1733 Franz Xaver Andreas Lackerbauer
  • 1733-1734 Sebastian Valentin Hugel (wurde später Stadtpfarrer von Grein)
  • 1734-1738 Kaspar Stadler (wurde später Pfarrer von Pierbach)
  • 1738-1775 Josef Adam Kipelli (Wallfahrtsseelsorger in Zell. Bauherr der barocken Umgestaltungen)
  • 1775-1789 Jakob Aufreiter (Wallfahrtsseelsorger, wurde später Pfarrer von Kreuzen)
  • 1789-1814 Franz Seraph Schmid
  • 1814-1822 Placidus Pertsch
  • 1823-1847 Johann Michael Blomann
  • 1847-1861 Johann Christlbauer
  • 1862-1881 Michael Gruber
  • 1882-1891 Ignaz Sicher
  • 1891-1935 Kons. Rat Dechant Josef Moser
  • 1935-1957 Kons. Rat Maximilian Kelischek
  • 1957-1986 Kons. Rat Dechant Florian Strobl
  • 1986-1992 GR Boleslaw Walaszek
  • 1992-2001 Kons. Rat Dechant Ludwig Höllinger
  • 2001- Mag. Johann Resch

Siehe auch

Literatur

  • Bundesdenkmalamt Österreich (Hrsg.): Dehio - Oberösterreich Mühlviertel. Verlag Berger, Horn/Wien 2003, ISBN 978-3-85028-362-5.
  • Lambert Stelzmüller und Alois Schmid: Heimatbuch der Marktgemeinde Bad Zell, Linz 1985.
  • Lambert Stelzmüller: Pfarrkirche und Hedwigsbründl, in: Geschichtsblätter aus Zell bei Zellhof, Linz 1928

Weblinks

 Commons: Sankt Johannes der Täufer (Bad Zell) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.34916666666714.669722222222Koordinaten: 48° 20′ 57″ N, 14° 40′ 11″ O