Orgelbau Breinbauer

Orgelbauanstalt Breinbauer
Rechtsform
Gründung 1830
Auflösung 1920
Sitz Ottensheim (ab 1844, ggr. in Haibach ob der Donau)
Leitung Fam. Breinbauer
Branche Musikinstrumentenbau
Produkte Orgeln

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Die Orgelbauanstalt Breinbauer war in den Jahren 1830 bis 1920 eines der bedeutendsten österreichischen Orgelbauunternehmen. Etwa 300 Orgeln für Kirchen im In- und Ausland wurden in Ottensheim, an der Donau in Oberösterreich, gefertigt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Familie Breinbauer war um das Jahr 1800 Mühlen- und Sägewerksbesitzer in Haibach nahe Passau. Johann und Anna Maria Breinbauer hatten zumindest drei Kinder, Mathias (* 4. April 1803), Anna Maria (* 2. Mai 1804) und Josef (* 17. Februar 1807), wobei Josef Breinbauer das Anwesen übernehmen sollte.

Josef Breinbauer (1807–1882)

Josef interessierte sich jedoch eher für Musik, insbesondere für Kirchenmusik. Besonders fasziniert war er von der großen Orgel im Dom St. Stephan zu Passau, eine der größten Orgeln der Welt. Er war Mitglied des Kirchenchores in der Pfarrei Freinberg. In seiner kargen Freizeit begab er sich immer ins nahe Passau, um den Orgelbauern bei ihrer Arbeit zuzusehen und auch mitzuhelfen. Der Klerus von Passau und Pater Laurenz Haasreiter (1826–1834 Pfarrer in Freinberg) erkannten das Talent Josefs, förderten es und versuchten seinen Vater zu überreden, ihm doch das Handwerk des Orgelbauers erlernen zu lassen. Am 26. März 1830 wurde dann seiner Schwester, Anna Maria und ihrem Bräutigam, Josef Ratzinger (ein Vorfahr in direkter Linie des Papstes Benedikt XVI.) der Besitz überschrieben. Josef Breinbauer bekam 750 Gulden Abfindung. Mit Hilfe dieser baute er 1830–31 seine erste Orgel als Autodidakt, die er nach Bogenhofen bei Braunau für 96 Gulden verkaufte. Darauf begab er sich zwei Jahre auf Wanderschaft, wobei in einem ausgezeichneten Zeugnis von Nikolaus Müller, Orgelbauer in Klagenfurt, seine Fähigkeiten dokumentiert sind.

In Haibach baute er etwa zehn weitere Orgeln. Danach suchte er ein größeres Gebäude und wurde in Ottensheim fündig. Er erwarb vom Stift Wilhering die alte, nicht mehr benutzte Spitalskirche. 1844 übersiedelte er dorthin. So entstanden bis zu seinem Tod (27. April 1882) etwa 70 Orgelwerke für Kirchen im größeren Umkreis von Ottensheim, bis nach Tschechien in Vyšší Brod. Unter anderem die Orgeln von (geordnet nach dem Jahr ihrer Entstehung):
Tragwein, Pregarten, Haibach ob der Donau, Haslach, St. Agatha, Natternbach, Waizenkirchen, Marchtrenk, Niederwaldkirchen, Grieskirchen, Altaussee, Oberplan, Gallspach, Ulrichsberg, Wallern, Oberkappel, Maria Laah, Kleinmünchen, Aschach, Steyregg, Teplitz, Grein, Oftering, Pasching, Schönering, Hörsching und Schardenberg.

Auf Grund seiner Tätigkeit als Orgelbauer gab es regen Kontakt zu Anton Bruckner, der von 14. November 1855 bis 1868 Domorganist in Linz war. In einem Brief an das bischöfliche Ordinariat vom 14. Oktober 1856 schlug Bruckner den Herrn Orgelbauer Preinbauer aus Ottensheim als Orgelbauer für den Umbau und Erweiterung der ursprünglich aus der Stiftskirche Engelszell stammenden und von Franz Xaver Krisman (1726–1795) gebauten Orgel im alten Dom in Linz vor.

Josef Breinbauer war auch maßgebend an dem Zustandekommen der 1. Ottensheimer Drahtseilbrücke 1871 beteiligt.

1858 heiratete er Anna Maria Ortner aus Aschach. Diese schenkte ihm zwei Söhne, wovon Leopold Breinbauer (* 15. Jänner 1859) nach dem Tod seines Vaters die Orgelbauwerkstätte übernahm.

Leopold Breinbauer sen. (1859–1920)

Orgel des bürgl. Orgelbaumeister Leop. Breinbauer, 1892, Klosterkirche Vyšší Brod, linker Teil
Geschäftskarte des Leopold Breinbauer
Goldene Medaille, Oberösterreichische Landes-Handwerker-Ausstellung Linz 1909

Nun begann die Hochblüte der Orgelbaukunst in Ottensheim. Fruchtbringend wirkte sich auch die Tätigkeit des Tonkünstlers Josef Calafanz Waldeck aus. Er war ein Bruder von Karl Borromäus Waldeck, der Domorganist, Domkapellmeister, Komponist und ein Schüler Anton Bruckners war. Josef Waldeck war ein Freund der Familie und als Oberlehrer und Chorregens in Ottensheim tätig. Leopold wurde stark von ihm beeinflusst.

Leopold Breinbauer war auch für die Ortskommune aktiv tätig. So war er unter anderem 1892 Mitinitiator der 1. Märktischen Wasserleitung von Ottensheim. Als erstes großes Werk vollendete er 1884 die Orgel in der Stiftskirche Wilhering. 1888 erbauter er die Orgel in seinem Heimatort Ottensheim. Wie bei vielen seiner Werke so wurden auch bei dieser Orgel die Schnitzereien von der in Ottensheim ansässigen Altarbauwerkstätte Kepplinger gestaltet. Eine der größten Orgeln, die Breinbauers Werkstätte verließ, ist die 1892 erbaute Hauptorgel der Klosterkirche von Hohenfurth in Südböhmen. Um 1905 lieferte Leopold noch eine pneumatische Chororgel für diese Klosterkirche. Beide Orgeln sind noch im Originalzustand erhalten und immer noch sehr gut spielbar, was von einer gediegenen handwerkliche Qualität spricht.

Der Großbrand von Ottensheim am 7. Juni 1899 war auch für die Firma Breinbauer eine sehr schwere finanzielle Belastung. Durch die Hitze des Brandes stürzte das Hauptgewölbe der Spitalskirche ein und begrub eine bereits fertig gestellte, zusammengebaute Orgel (Stiftsorgel für Schlierbach) und zwei halbfertige Orgelwerke unter sich. Ebenfalls wurden der ganze Holzvorrat und der Großteil der Maschinen, Werkzeuge und Schablonen vernichtet. Auch das Wohnhaus fiel dem Feuer zum Opfer. Mit vereinten Kräften wurde alles wieder instand gesetzt und der Betrieb fortgeführt.

In seine Schaffensperiode fiel die Technisierung der Orgeln. Die konventionell rein mechanischen Kegelladen wurden um 1900 auf pneumatische und später elektropneumatische Steuerungen umgestellt. Die erste mit pneumatischer Steuerung gebaute und zugleich eine der größten von ihm gebauten Orgeln war jene für Freistadt. Im Jahre 1909 wurde Breinbauer mit der Goldenen Medaille der Öberösterreichischen Landes Handwerker- und Industrieausstellung ausgezeichnet.

Zu den Orten, in denen Orgeln von Leopold Breinbauer gebaut oder erneuert wurden, gehören etwa Aigen, Alkoven, Altenmarkt/Yspertal, Altmünster, Amstetten, Ansfelden, Attnang-Puchheim (Basilika Maria Puchheim), Bach bei Schwanenstadt[1] , Braunau, Ebensee, Eferding, Eidenberg, Ernsthofen, Esternberg, Feldkirchen, Gallneukirchen, Goldwörth, Gramastetten, Grieskirchen, Gutau, Haag, Haslach, Herzogsdorf, Kirchberg, Klaus, Königswiesen, Maria Laah, Leonding, Leonfelden, Mattighofen, Neufelden, Niederkappel, Oberneukirchen, Pabneukirchen, Pasching, Peilstein, Perg, Peuerbach, Pfarrkirchen, Pregarten, Puchenau, Reichenau, Rohrbach, Sarleinsbach, Suben, St. Agatha, St. Georgen, St. Martin, St. Peter, St. Valentin, Schärding, Maria Scharten, Schönau, Steyr (Christkindl), Traun, Traunkirchen, Waizenkirchen, Weibern, Ysper oder Zwettel.

Auch für das nahe gelegene Böhmen wurden etwa 30 Orgeln gebaut. Durch seinen guten Ruf konnte er sogar Werke in der Steiermark (nach Gamlitz, Landl und Leoben), in Wien und Stammersdorf bei Wien errichten. Auch im Ausland waren seine Orgeln begehrt. So gab es Aufträge aus Göttingen, Luzern, Triest, Odessa und Saloniki.

Am 25. Februar 1884 heiratete Leopold Breinbauer Sen. Franziska Moser (* 27. Dezember 1859; † 13. September 1950). Aus dieser Ehe gingen acht Kinder hervor, sechs Mädchen und zwei Buben. Die zwei Söhne sollten danach die Orgelbauerei weiterführen.

Leopold Breinbauer jun. (1886–1920) und Rudolf Breinbauer (1888–1973)

Leopold (* 9. November 1886) war der Musiker in der Familie. Er besuchte die Staatsgewerbeschule in Linz. Anschließend belegte er elektrotechnische Studien in Mittweida bei Chemnitz. Er besaß das so genannte Absolute Gehör, was bei der Abstimmung der Orgelpfeifen von großem Vorteil war. Er war ein begnadeter Organist und Pianist. Leopold Breinbauer erlernte das Orgelbauhandwerk nicht nur bei seinem Vater, sondern auch bei anderen namhaften Orgelbauwekstätten in Luzern und in der Schweiz. Die letzte und zugleich einzige unter Leopold jun. gebaute Orgel, war jene im Jahr 1920 schon mit elektropneumatischen System, für die Staat- Lehrer u. Lehrerinnenbildungsanstalt in Linz.

Der zweite Sohn Rudolf (* 13. April 1888) war der Künstler der Familie Breinbauer. Er besuchte daher die Staatsgewerbeschule (für bildende Kunst) in Linz, die Bildhauerschule in Hallstatt, und ging auf Wanderschaft. Dann war er im elterlichen Betrieb und auch eigenständig als Bildhauer tätig.

Erster Weltkrieg und Folgejahre

Im Jahre 1914 wurden Leopold jun. und Rudolf zum Kriegsdienst an die Südfront eingezogen. Der Orgelbau wurde eingestellt. Vater Leopold musste von vielen Orgelbauwerken die aus Zinn bestehenden Orgelpfeifen ausbauen und für die Kriegsmaschinerie abliefern. Gegen Ende des Krieges kamen beide Söhne in italienische Gefangenschaft. Erst 1919 wurden sie freigelassen. Rudolf kam Oktober 1919 wieder zurück nach Ottensheim. Leopold erreichte seine Heimat bereits sehr geschwächt und krank. Im Oktober 1919 kündigt sich seine schwere Erkrankung (Blutkrankheit mit Milzanschwellung) an. Am 9. Jänner 1920 starb Leopold Breinbauer jun. an den Spätfolgen der Strapazen des Ersten Weltkrieges.

Auch der Vater Leopold Breinbauer war schon krank und fühlte sich nicht in der Lage, am Begräbnis seines Sohnes teilzunehmen. Bald darauf kam er in das Spital der Barmherzigen Schwestern nach Linz. Mit der Diagnose Magenkrebs wurde er am 10. April 1920 nach Hause geschickt und starb am 18. Mai 1920.

Das Unternehmen wurde anfangs von Rudolf Breinbauer fortgeführt, er führte noch offene Restarbeiten aus, 1921 übernahm aber die Orgelbauanstalt Wilhelm Zika (1872–1955) – und in weiterer Folge Helmut Kögler – den Betrieb. Damit war das Ende der Orgelbauanstalt unter dem Namen Breinbauer gekommen. Rudolf Breinbauer machte sich später aber als Bootsbauer einen Namen.

Durch Angehörige der Familie Breinbauer errichtete Orgeln (Auswahl)

Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Bemerkungen
1864 Ansfelden Pfarrkirche zum hl. Valentin
Ansfelden Breinbauer Orgel.JPG
I/P 11 Von Josef Breinbauer als mechanische Schleifladenorgel mit kurzer Oktav erbaut. Da Anton Bruckner in Ansfelden geboren wurde und Bezug zur Pfarrkirche hatte, wird das Instrument gern „Kleine Brucknerorgel“ genannt. 2009 wurde die fast vollständig erhaltene Orgel von der Firma Kögler restauriert.
1878 Steinakirchen am Forst Pfarrkirche Steinakirchen am Forst - Kirche, Orgel.JPG II/P 21 1878/79 von Josef Breinbauer, nach einem dramatischen Unfall auf der Donau beim Linz, bei dem Orgelteile ins Wasser fielen, geliefert. 1929, anlässlich des 950-jährigen Pfarrjubiläums, baute die Firma Gebrüder Mauracher eine neue Orgel mit etwa 1450 Pfeifen in das Breinbauer-Gehäuse ein[2][3].
1912 Eisgarn Stiftskirche Hauptorgel Eisgarn 01.jpg II/P 13 Disposition

Die Breinbauer-Orgel ist Teil der aus drei Orgeln bestehenden Orgel der Stiftskirche Eisgarn und sowohl vom Generalspieltisch als auch von ihrem eigenen aus spielbar.

Literatur

  • OÖ Männergestalten aus dem letzten Jahrhundert. Ausgabe 1926
  • Landes-Chronik Oberösterreich
  •  Rainer Kreslehner: Die Familie Breinbauer (1807-1973). Orgelbauer, Bildhauer, Bootbauer in Ottensheim. In: Ottensheimer Gemeindenachrichten. :: Josef Breinbauer (1807-1882). 1. Teil. April/Mai, Nr. Nr. 314, Ottensheim 2004, S. 22 (pdf).
 Leopold Breinbauer (1859-1920). 2. Teil. Juni/Juli, Nr. Nr. 315, 2004, S. 19 (pdf).
 Rudolf Breinbauer 1888-1973 u. Leopold Breinbauer 1896-1920. 3. Teil. Aug./Sept, Nr. Nr. 316, 2004, S. 18 (pdf).. (pdf alle root.riskommunal.net).
  •  Hans Weinzinger (jun.): Von der Orgel zum Kajak. Ergänzung zu Kreslehner 2004. In: Ottensheimer Gemeindenachrichten. Okt./Nov, Nr. Nr. 319, 2004, S. 14–15 (pdf, root.riskommunal.net).

Quellen:

  •  Helga Hochhauser, Franz Scharf, Oberösterreichisches Landesarchiv (OÖLA) (Hrsg.): Orgelbauanstalt Breinbauer. Index der Archivalien. Linz 1996 (pdf).

Weblinks

 Commons: Orgelbau Breinbauer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Diözese Linz/Katholische Kirche in OÖ: Historische Leopold Breinbauer-Orgel in der Expositurkirche Bach wird restauriert. Abgerufen am 5. Juni 2009
  2. Bundesdenkmalamt (Hg.): Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Topographisches Denkmälerinventar. Niederösterreich südlich der Donau, Teil 2, M bis Z. Verlag Berger, Horn/Wien 2003. ISBN 3-85028-365-8. Seiten 2277.
  3. Friedrich Schragl:Geschichte der Pfarre und ihrer Orte; S. 76 und 83