Philipp von Mansfeld

Philipp Graf von Mansfeld-Vorderort zu Bornstedt (* 1589; † 8. April 1657 in Raab) war Offizier im Dreißigjährigen Krieg. Er kämpfte zunächst auf Seiten der Schweden und Protestanten, wurde gefangen genommen, konvertierte zum Katholizismus und trat in kaiserliche Dienste. Er baute an der Ostsee eine Flotte auf und kämpfte später an verschiedenen Kriegsschauplätzen. Zuletzt stand er im Rang eines Feldmarschalls und war Kommandeur der ungarischen Stadt Győr.

Philipp von Mansfeld

Inhaltsverzeichnis

Familie

Er war der jüngste Sohn des Grafen Bruno II. aus der Linie Mansfeld–Vorderort–Bornstedt. Die Mutter war Christine von Barby und Mühlingen. Einige seiner Brüder wie Wolfgang und Bruno traten später in kaiserliche Dienste. Er selbst heiratete zum ersten Mal 1611 Maria von Mansfeld-Hinterort (* 1567). Diese war die Witwe von Landgraf Ludwig IV. von Hessen-Marburg. Zuvor hatte sie eine Affäre mit dem Hofmeister Philipp Ludwig von Baumbach. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er eine Gräfin Margareta Katherina Popelovna Lobkowitz. Sie war in erster Ehe mit Johann Karl von Schönberg verheiratet gewesen und war Hofdame der Kaiserin Maria Anna. Aus seinen Ehen gingen sechs Kinder hervor.

Leben

Nach dem Tod des Vaters 1615 wurde er zusammen mit seinen Brüdern regierender Graf der Linie Mansfeld–Vorderort–Bornstedt.

Er hatte zunächst bei den Schweden gedient und hat möglicherweise am Ingermanländischen Krieg teilgenommen, der 1617 endete. Auch danach war er noch Inhaber eines schwedischen Infanterieregiments. Im Jahr 1622 kämpfte er auf protestantischer Seite unter seinem entfernten Verwandten Ernst von Mansfeld und geriet während der Schlacht auf der Lorscher Heide in Gefangenschaft. Wahrscheinlich übten seine Brüder in Wien ihren Einfluss aus, um ihn frei zu bekommen. Auch seine Frau dürfte sich in Brüssel, der Hauptstadt der Spanischen Niederlande für seine Freilassung eingesetzt haben. Seine Freilassung zog sich hin und er scheint noch 1624 in Gefangenschaft gewesen zu sein. Nach seiner Freilassung konvertierte er zum Katholizismus und wechselte in das kaiserliche Lager über.

Er war 1628 Kommandant der kaiserlichen Ostseeflotte unter Wallenstein und sammelte zum Aufbau der Flotte Schiffe und Seeleute zusammen. Graf Philipp ließ eine Gießerei bauen, erwarb mehrere große Handelsschiffe und ließ sie zu Kriegszwecken umrüsten. Weitere Schiffe wurden gebaut. Von Danzig kamen 1639 sieben Kriegsschiffe, andere Schiffe sollten aus Dünkirchen kommen. Die Dänen versuchten die in Wismar liegende Flotte durch Angriffe zu zerstören. Beide Seiten kaperten Schiffe des jeweiligen Gegners. Ein größerer dänischer Angriff mit vierzehn Schiffen folgte am 2. April 1629. Der Lübecker Frieden beendete die Kämpfe. Mit den Schweden gab es später nur kleinere Gefechte.

1631 nahm er an der Belagerung von Magdeburg teil und eroberte eines der wichtigen Außenwerke der Stadt. Beim eigentlichen Sturm soll er zögerlich vorgegangen sein. Im selben Jahr wurde er zum Hofrat und kaiserlichen Kämmerer ernannt. Ein Jahr später war Graf Philipp Feldzeugmeister und 1633 Feldmarschall. Als solcher unternahm er Feldzüge nach Schlesien und Polen.

Seit 1633 kämpfte er als „Generalcapo an der Weser“ in Westfalen, in der Wetterau und später in der Landgrafschaft Hessen. Einer seiner wichtigsten Untergebenen war Lothar Dietrich von Bönninghausen, der meist die Kavallerie kommandierte.

Der Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm beklagte sich beim Kaiser über das zügellose Wüten der Soldaten Mansfelds bei Übergriffen in seinem Gebiet. Auch in Hessen gingen seine Soldaten rücksichtlos vor. Er drohte, dass im Nassauischen „kein Schweinestall mehr stehen bleiben“ solle. Tatsächlich kam es zu Übergriffen und Zerstörungen. Bei Dillenburg kam es zu heftigen Gefechten mit den Hessen und die Stadt wurde geplündert.

Später stand er an der Spitze einer im Wesentlichen von den Spaniern übernommenen Armee in Süddeutschland. Er kommandierte im Oktober 1634 etwa 10.000-15.000 Mann. Zusammen mit Gallas und Piccolomini, sollte der als vorsichtig operierender Kommandeur geltende Mansfeld, die Schweden nach deren Niederlage in der Schlacht bei Nördlingen in die Zange nehmen. Aus der Gegend um Köln setzte er sich im November in Richtung der Wetterau in Marsch. Es ging darum das Gebiet zwischen Lahn, Rhein und Main unter kaiserliche Kontrolle zu bringen und katholische Priester zurückzuführen. Gegen ihn formierte sich eine Armee unter Bernhard von Sachsen-Weimar. Mansfeld zog seine Truppen bei Aschaffenburg zusammen und verschanzte sich. Mit verstärkten Truppen rückte Mansfeld bis in die Nähe von Gelnhausen vor. Dort standen sich beide Armeen einige Tage unmittelbar gegenüber, ohne dass es zur Schlacht gekommen wäre. Nachdem die gegnerischen Truppen abgezogen waren, konnte Mansfeld die Kinziggegend unter Kontrolle bekommen.

Danach hielt er sich vor allem in Wien auf. Er wurde 1637 Kommandant der Hartschier-Leibgarde. Nachdem seine Frau Margareta Katherina eine Affäre mit einem ungarischen Oberstleutnant hatte, kam es zu einem Skandal.

Im Jahr 1639 kämpfte er in Schlesien gegen die Schweden. Zuletzt war er 1657 Kommandant der Festung Raab in Ungarn.

Literatur

  • Holger Th. Gräf: Von ungleichen Paaren und gierigen Erben. Maria von Mansfeld (1567–vor1635), die letzte Landgräfin von Hessen-Marburg, und ihre Ehen. Online-Version
  • Ludwig Ferdinand Niemann: Geschichte der Grafen von Mansfeld. Aschersleben, 1834 S. 248–251

Weblinks