Photographische Gesellschaft

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Photographische Gesellschaft (Begriffsklärung) aufgeführt.
Mitglieder der Photographischen Gesellschaft
(1877 oder früher)

Die Photographische Gesellschaft (PhG) ist die erste Vereinigung von Fotografen in Österreich und wurde am 22. März 1861 in Wien gegründet. Vorbilder dieser Gesellschaft waren die bereits seit 1852/1853 beziehungsweise 1855 bestehenden Vereinigungen in London und Paris. Zweck dieser Vereinigung waren die Steigerung der Popularität von fotografischen Aufnahmen in der Öffentlichkeit, die Förderung von Versuchen zur Verbesserung der technischen Errungenschaften sowie den Aufbau einer Fachbibliothek zum Thema Fotografie, die heute in Österreich die größte ihrer Art darstellt und deren Wert an den beinahe lückenlos aufliegenden frühen Fachzeitschriften aus aller Welt liegt.

Die Mitglieder der Photographischen Gesellschaft leisteten seit ihrem Bestehen einen wesentlichen Beitrag in der Forschung und Entwicklung der künstlerischen als auch der wissenschaftlichen Fotografie im Dienste der Astronomie, der Mikroskopie und der Röntgenologie.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Laut einem Schreiben von Wilhelm Freiherr von Schwarz-Senborn an Josef Homolatsch vom 14. Juni 1860 teilte Schwarz-Senborn bereits 1858 Anton Schrötter von Kristelli in Paris den Plan zur Gründung einer Photographischen Gesellschaft in Wien mit.[1] Schwarz-Senborn war zeit seines Lebens ein leidenschaftlicher Verfechter der Technik. Im Juli 1860 initiierte Homolatsch ein Komitee zur Gründung dieses Vereines. Am 22. März 1861 wurde die Gründung in einem Saal der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien ausgerufen. Zu den Gründungsmitglieder gehörten August Artaria am Kohlmarkt, F. Paterno am Neuen Markt und Voigtländer & Sohn, Ludwig Angerer, Franz Antoine, Johann Bauer, Ernst Birk, Rudolf Finger, Josef Homolatsch, Emil Hornig, Karl von Jagemann, Karl Josef Kreutzer, Karl Lemann, K. Mahlknecht, Anton Georg Martin, Achilles Melingo von Saginth, Joseph Petzval, Anton Schrötter von Kristelli und Anton Widter.

Geschichte

Für Wissenschaftler, Industrielle, gewerbliche Fotografen und Private wurde die Vereinigung zu einem Zentrum fotografischer Entwicklung. In den Anfangsstatuten waren öffentliche Auftritte als ein besonderes Ziel der Organisationstätigkeit dokumentiert. Bereits im Gründungsjahr hatten Planungen für die Organisation einer „Photographischen Ausstellung“ begonnen.

Der erste Präsident, Anton Georg Martin, wandte sich 1863 erstmal an das Österreichische Justizministerium, um Fragen des Urheberrechtes in der Fotografie rechtlich zu klären. Erst im Jahr 1932 setzte das Bundesministerium für Unterricht ein eigenes Sachverständigenkollegium für die Belange des Urheberrechtes der Fotografie in Österreich ein. Zwischenzeitlich trat um 1865 die Photographische Gesellschaft der Société française de Wothlytypie bei und erhielt von diesem die Lizenz zur Anfertigung von Bildern nach dem neuartigen Wothlytypie-Verfahren.

Von 17. Mai bis Juni 1864 fand im Palais Dreher in der Operngasse in Wien die erste „Photographische Ausstellung“ im deutschsprachigen Raum statt. Gezeigt wurden Porträts von vorwiegend prominenten Persönlichkeiten (Ludwig A. Frankl, „Frl. Schwöder, Mitglied des Carltheaters“, Anastasius Grün, Carl von Rokitansky, Emerich Ranzoni, Christine Hebbel mit Tochter, „Julie Rettich, kk. Hofschauspielerin“) sowie eine Skulptur und einige Visitbilder. Ungefähr 10.000 Besucher besichtigten die 1.100 ausgestellten Fotos. Auch Kaiser Franz Joseph zählte zu den Besuchern.[2]

Die international bekannte Zeitschrift „Photographische Correspondenz“ wurde ebenfalls bereits 1864 vom Verein gegründet, jedoch nach über einhundert Jahren Erscheinen im Jahr 1971 aus betriebswirtschaftlichen Gründen eingestellt. Durch Spenden und staatliche Subventionen konnten 1885 fotografische Apparaturen und Geräte angekauft werden, um ein kleines Fotolabor einzurichten.

Die gewerbliche Fotografie erlebte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die rasche Weiterentwicklung der Reproduktionstechniken und der Autotypie einen rapiden Aufschwung. Der Bedarf an Fachkräften zur Vervielfältigung fotografischer Vorlagen für den Buchdruck wurde größer und die Idee einer staatlichen Ausbildungsstätte kam aus der Ecke der Photographischen Gesellschaft.

Josef Maria Eder, Mitglied der Photographischen Gesellschaft, präsentierte seine Idee einer staatlichen Lehranstalt im „Museum für Kunst und Industrie“ (heute Museum für angewandte Kunst) und trieb die Durchführung voran. Am 1. März 1888 eröffnete die „k.k. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren in Wien“ in Neubau ihre Pforten, unter der Leitung von Eder. Dies war weltweit die erste staatliche Ausbildungsstätte dieser Art. Folgende Sparten waren vertreten: eine Ausbildung für Porträt-, Landschafts- und Reproduktionsfotografie, sämtliche Bereiche der damals betriebenen mechanischen Drucktechniken, eine wissenschaftliche Versuchsanstalt und eine Abteilung für Buch- und Illustrationsgewerbe. Sie wird heute als Höhere Graphische Bundes- Lehr- und Versuchsanstalt mit angepasstem Lernstoff geführt. Eder setzte Hans Lenhard (1853–1920) als ersten Lehrer für Fotografie und Retusche ein. Lenhard war zuvor jahrelang in dem großen Wiener Atelier Josef Löwy als künstlerischer Leiter tätig. Ab 1910 wurde der ehemalige Schüler Karel Novák (1875–1950) als Lehrer eingesetzt. Rudolf Koppitz, wiederum Schüler von Novák, war ebenfalls Lehrer.

Einblick in die Ausstellung der Photographischen Gesellschaft im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie (1904)

Anlässlich dem 40-jährigem Jubiläum im Jahr 1901 entschied man sich für die Ausrichtung einer Jubiläumsausstellung, um die Entwicklung der Fotografie in den vorangegangenen vierzig Jahren und den Anteil der Gesellschaft an den vollbrachten erfolgreichen Leistungen einem breiten Publikum vorzustellen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Gesellschaft bereits eine große Sammlung zur fotografischen Geschichte angelegt, die teilweise als Exponate ausgestellt wurden und diese Ausstellung zu einer einzigartigen Schau über die Geschichte der Fotografie von 1840 bis 1901 machten. Gleichzeitig zeigte diese Ausstellung erstmals auf, welch wertvollen Beitrag Österreich in der Geschichte der Fotografie leistete.

War die Ausstellungspolitik der Gesellschaft im späten 18. Jahrhundert noch geprägt von wenigen kleineren Expositionen, so nahm sie doch an zahlreichen Ausstellungen im Ausland teil. Ab Beginn des 19. Jahrhunderts gelang es der Gesellschaft regelmäßige Ausstellungen internationalen Charakters in Wien auszurichten, die der Popularität der Fotografie zusätzlich von Nutzen waren. 1906 erhielt die Gesellschaft den k.k.-Titel von Kaiser Franz Joseph I. verliehen und nannte sich bis 1918 „K.k. Photographische Gesellschaft in Wien“.

Historische Sammlung

Die Sammlung der Photographischen Gesellschaft umfasste fotografische Literatur, Auszüge der fotomechanischen Druckverfahren, wie auch fotografische Apparate und optische Geräte. Der Bestand ging um 1930 als Schenkung an die heutige Höhere Graphische Bundes- Lehr- und Versuchsanstalt. Diese zählt heute mit 70.000 Bilder, 35.000 Bücher, zahlreiche Kameras und anderes fotografisches Zubehör zur größten österreichischen Fachsammlung Österreichs.[3]

Diese Sammlung, inklusive aller Bücher bis 1930, wurde im Jahr 2000 der Albertina in Wien als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Vergebene Preise und Ehrungen

Im Jahr 1868 übergibt Friedrich von Voigtländer der Gesellschaft 5400 Florentiner Gulden. Aus den Zinsen sollen hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Photographie ausgezeichnet werden. Aus diesem Anlass vergibt die Gesellschaft die Voigtländer-Medaille in Gold, Silber oder Bronze. Die erste Voigtländer-Medaille in Gold erhält 1873 J. B. Obernetter für ein Verfahren zur Negativvervielfältigung. Die Medaille wird an Mitglieder der Gesellschaft verliehen.

1876 wird die Gesellschaftsmedaille der Photographischen Gesellschaft eingeführt, die ebenfalls in Gold, Silber und Bronze vergeben wird. Auch Nichtmitglieder können mit der Gesellschaftsmedaille geehrt werden.

1895 kommt die Jubiläumsmedaille hinzu. Die Jubiläumsmedaille ist kein Preis, sondern eine Auszeichnung für 25- oder 50-jährige Mitgliedschaft in der Photographischen Gesellschaft.[4]

Gegenwart

Gemäß den aktuellen Statuten der Photographischen Gesellschaft ist der Vereinszweck die „Förderung der Kunst und Wissenschaft der Fotografie und des Kommunikationswesens im weitesten Sinne des Wortes und aller mit diesen verwandten oder in Beziehung stehenden Disziplinen und Techniken, so insbesondere auch der Reproduktions- und Druckverfahren“.[5]

Werner Sobotka ist seit 2004 Präsident der Gesellschaft und löste damit Anselm F. Wunderer ab.[6]

Literatur

  • Michael Ponstingl (Hrsg.): Die Explosion der Bilderwelt. Die Photographische Gesellschaft in Wien 1861–1945. Verlag Christian Brandstätter, Wien 2011. (= Beiträge zur Geschichte der Fotografie in Österreich, Bd. 6)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Biobibliografische Datenbank der Albertina
  2. Die missglückte Wiener Fotoausstellung auf Wien Web abgerufen am 3. März 2009
  3. albertina.at
  4. Internetpräsenz der Photographischen Gesellschaft, Seite History, abgerufen am 8. September 2011
  5. Neue Aufgaben und Ziele der Photographischen Gesellschaft (PhG). In: Die Entstehung der Photographischen Gesellschaft. auf den Seiten von stereoskopie.at (abgerufen 31. März 2009)
  6. Beitrag Hauptversammlung der Photographischen Gesellschaft vom 3. Mai 2004 auf westlicht.com