Salzburger Kunstverein

Salzburger Kunstverein
Zweck: Vermittlung von zeitgenössischer Kunst[1](1844: „Die Kunstliebe zu erwecken und den Kunstsinn zu bilden“)
Vorsitz: Elfrid Wimmer-Repp[2]
Gründungsdatum: 1844
Mitgliederzahl: 550 Mitglieder (ca. 350 KünstlerInnen)[1]
Mitarbeiterzahl: ca. 10[3]
Sitz: Salzburg, Künstlerhaus (Hellbrunner Straße 3)
Website: www.salzburger-kunstverein.at

Der Salzburger Kunstverein wurde am 10. März 1844 gegründet. Die Initiative zu seiner Bildung war von Kardinal Fürst Schwarzenberg ausgegangen, erst später beteiligte sich die Bürgerschaft an der Führung des Vereins. Nach den Vereinsstatuten war es Ziel des Vereins „die Kunstliebe zu erwecken und den Kunstsinn zu bilden“.[4] Eine Besonderheit des Salzburger Kunstvereins waren die ganzjährigen Ausstellungen, bei denen nur die ausgestellten Objekte wechselten, und dies zum Zweck der Bildung des Publikums.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Kunstvereine wurden in Österreich gegen die Dominanz der Wiener Akademie der bildenden Künste mit der dort gepflegten Vormachtstellung der Historienmalerei gebildet. Andere Genres, etwa die Landschaftsmalerei, wurden von der Akademie als zweitrangig betrachtet; dies hatte auch Folgen für das Ausstellungswesen, denn in den Ausstellungen der Akademie konnten nur ihre Mitglieder Bilder ausstellen. Zudem hatte es im beginnenden 19. Jahrhundert einen Wandel in der Käuferschicht von Kunst gegeben: Zu den traditionellen Auftraggebern, dem Kaiserhaus, dem Adel und der Geistlichkeit, war das wohlhabende Bürgertum gekommen, das auch andere Themen in der Darstellung bevorzugte. Hinzu kam der Drang der Maler, nach der Natur zu malen und dies führte auch dazu, dass die Salzburger Gegend als Sujet von den Malern entdeckt wurde. Um 1830 hatten sich so bereits bedeutsame Maler in Salzburg niedergelassen, etwa Friedrich Loos, Sebastian Stief, Johann Fischbach oder Georg Pezold. Diese und andere öffentlich bedeutsame Persönlichkeiten lud Fürsterzbischof am 29. Dezember 1842 in die Residenz ein, um mit ihnen seine durch eine Italienreise angeregte Idee der Gründung eines Kunstvereins zu besprechen. Die entworfene Satzung erhielt am 10. März 1844 die offizielle kaiserliche Genehmigung, den Verein als „Kunstverein zu Salzburg“ in das Vereinsregister eintragen zu dürfen.

Gefördert wurde der Verein durch den Verkauf von Aktien bzw. Anteilsscheine. Durch diese erhielt der Eigentümer für sich und seine Familie das Recht, kostenfrei die Ausstellung besuchen zu dürfen, er erhielt ein jährliches Vereinsblatt und konnte an der Verlosung eines Gemäldes teilnehmen. Dies stellte sich als sehr erfolgreiche Geschäftsidee heraus, denn bereits im ersten Jahr kamen so 600 Vereinsmitglieder zusammen, sodass die finanzielle Seite abgedeckt war. Problematischer war die räumliche Unterbringung, wobei die erste Ausstellung im Rittersaal der Winterresidenz stattfand, die weiteren im sogenannten Landschaftssaal im Neugebäude des Kreisamtes Linz und ab 1873 im Stift St. Peter. Für die Bekanntheit des Salzburger Kunstvereins spricht die Tatsache, dass die Kaiserliche Akademie zu Wien ihre Künstler aufforderte, die Salzburger Ausstellung zu beschicken. Ebenso stellten bald Künstler aus München und Regensburg in Salzburg aus.

Am 1. August 1885 wurde dem Kunstverein das neuerbaute Salzburger Künstlerhaus übergeben. Die erste Ausstellung im neuen Haus war eine „Kunst- und Kunstgewerbs-Ausstellung“, die vom Publikumsbesuch äußerst erfolgreich war, stieß bei den Vertretern des Kunstgewerbes allerdings auf Kritik, da der extrem hohe Ausstellungsraum mit den mittelhohen Exponaten nicht übereinstimmte, was dazu führte, dass die Gründung eines eigenen Kunstgewerbevereins beschlossen wurde. Diese Abspaltung wurde teilweise von den Künstlern begrüßt, welche das Kunstgewerbe allenfalls als „Anhängsel der Kunst“ [5] gelten lassen wollten. Aus finanziellen Überlegungen kam man auch von der Konzeption einer Dauerausstellung ab und plante in Zukunft nur mehr eine große Sommerausstellung und kleinere Ausstellungen zu besonderen Anlässen.

Die Idee einer Kunstschule für Salzburg wurde zwar mehrmals ventiliert, konnte aber nie umgesetzt werden. Immerhin hatte durch Anton Faistauer die Idee eines Akademiebetriebes zu einem Bauentwurf des Architekten Hermann Rehrls geführt, der aber nicht umgesetzt wurde. Hingegen hatte man den bereits 1862 angedachten Vorschlag einer eigenen Galerie zumindest ansatzweise umgesetzt. Wegen finanzieller Engpässe musste sich diese zwischen 1914 und 1959 bestehende Einrichtung auf Geschenke ausstellender Künstler beschränken; zwischen 2. bis 14. Mai 1959 wurde der Bestand zugunsten eines Baufonds versteigert, einige Erinnerungsstücke scheinen aber noch vorhanden zu sein. Vom Salzburger Kunstverein gingen einige künstlerische Neuerungen aus, so etwa „der Wassermann“, der zwischen 1919-1922 bestand. Die Anfang der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gegründete „Salzburger Gruppe“ verschrieb sich vorsichtig der modernen Kunst, blieb aber in der Ablehnung des Gegenständlichen stecken. Die Vereinigung der „Salzburger Naiven“ blieb eine kurzfristige Erscheinung, die nicht an das Format eines Henri Rousseau heranreichte. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde auch der Salzburger Kunstverein aufgelöst und unter der Bezeichnung „Genossenschaft bildender Künstler Salzburgs“ der Reichskulturkammer einverleibt. Die Landesleiter der Reichskammer für bildende Künste in Salzburg waren Richard Spitz (bis 1942) und Viktor Kuschel (bis 1945), die sich im Künstlerhauseinquartiert hatten. Bereits am 23. August 1945 trat der provisorische Ausschuss des späteren Kunstvereins im Künstlerhaus zusammen und beriet über die Neugründung des Kunstvereins. Obwohl bereits einige Ausstellungen im Künstlerhaus durchgeführt worden waren, kam es erst am 30. August 1947 zur Wiedergründung des Salzburger Kunstvereins; Rigobert Funke, der Leiter des städtischen Museums wurde dabei zum Präsidenten gewählt. Bemerkenswert sind die Versuche des Kunstvereins, in der Innenstadt Salzburgs Fuß zu fassen. So wurde in der Residenz ein Ausstellungsraum gefunden, auch konnten dort die Künstler Toni Schneider-Manzell, Poldi Wojtek und Karl Schatzer eigene Werkstätten einrichten. Dort fanden auch die Graphische Versuchswerkstätte, die Gesellschaft für moderne Kunst (MOKU) und die Galerie Kunst der Gegenwart eine Unterkunft. Somit verlagerte sich ein wesentlicher Teil der Aktivitäten des Kunstvereins vom Künstlerhaus in die Residenz. Dort fanden auch die erfolgreichsten Veranstaltungen des Kunstvereins statt.

Heutige Konzeption

Der Kunstverein sollte ein breites Forum sämtlicher Mitglieder und damit fast aller Salzburger Künstler sein. Das Künstlerhaus sollte zu einem Kulturzentrum verwandelt werden, was durch interdisziplinäre Veranstaltungen (Lesungen, Musikaufführungen, szenische Interpretation von Installationen) realisiert wurde. Dass die Erfolge der Veranstaltungen nur mäßig sind, kann daran liegen, dass der Veranstaltungsort (das Salzburger Künstlerhaus) nicht im Zentrum Salzburgs liegt, und an der Konkurrenz durch andere Museen, die publikumswirksamere Ausstellungen anbieten: die Stadt Salzburg weist Ende 2011 immerhin 30 Museen auf, zu nennen sind u.a. das Salzburg Museum, die Galerie Rupertinum oder das Museum der Moderne auf dem Mönchsberg.
2008 wurde der Kunstverein aber „für seine hervorragende Ausstellungspraxis und Vermittlungstätigkeit“ mit dem ADKV-ART COLOGNE Preis ausgezeichnet (zusammen mit dem Westfälischen Kunstverein Münster).[1]

ARTgenossen - Verein für Kulturvermittlung
Zweck: Kunstvermittlung
Vorsitz: Doris Oberholzer
Gründungsdatum: 2001
Sitz: Salzburg, Künstlerhaus (Hellbrunner Straße 3)
Website: www.artgenossen.cc

Für die Kunstvermittlung wurde 2001 der Verein ARTgenossen - Verein für Kulturvermittlung gegründet, der die Jugend- und Erwachsenenbildung betreibt.[3]

Jüngere und aktuelle Veranstaltungen

Ausstellungen und Veranstaltungen seit 1998 (unter jährlich wechselnden Schwerpunktthemen).[1]

1998 Architektur, Stadtplanung und Urbanismus
1999 Lebensbedingungen
2000 inner space / outer space
2001 Kollaborationen
2002 Narrationen
2003 Schwerpunkt Osteuropa
2004 Anthropologische Aspekte des Alltagslebens
2005 Phantastische BIlderwelten
2006 Stimmungen
2008 Bildpolitiken
2009 Performing the East
2010 Partizipation
2011 Sense and Sensibility

Weiteres:

  • Offene Bibliothek von Clegg & Guttmann beim Künstlerhaus Salzburg (15. Juli–31. Dezember 2011): Im Garten des Künstlerhauses waren Regale mit Büchern (gefertigt aus ehemaligen Müllcontainern) platziert. Jeder konnte sich ohne Aufseher oder Bibliothekare eine begrenzte Anzahl von Büchern für eine begrenzte Zeit ausleihen.

Literatur

  • Gottfried Goiginger: Toleranz als Programm. Der Salzburger Kunstverein nach 1945. In: 150 Jahre Salzburger Kunstverein (Hrsg.), Kunst und Öffentlichkeit 1844-1994. Salzburg 1994, S. 171-199.
  • Roman Höllbacher: Das Künstlerhaus als Denkmal des Kunstvereins. In: 150 Jahre Salzburger Kunstverein (Hrsg.), Kunst und Öffentlichkeit 1844-1994. Salzburg 1994, S. 47-77.
  • Christa Svoboda: Zur Geschichte des Salzburger Kunstvereins. In: 150 Jahre Salzburger Kunstverein (Hrsg.), Kunst und Öffentlichkeit 1844-1994. Salzburg 1994, S. 9-46.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c d Programmatik, salzburger-kunstverein.at
  2. Vorstand, salzburger-kunstverein.at
  3. a b Mitarbeiter, salzburger-kunstverein.at
  4. Christa Svoboda, 1994, S. 16.
  5. Christa Svoboda, 1994, S. 32.