Stiftsgymnasium St. Paul

Öffentliches Stiftsgymnasium der Benediktiner zu St. Paul
Das Gymnasium von Süden
Schulform Gymnasium
Gründung 1809
Ort Sankt Paul im Lavanttal
Bundesland Kärnten
Staat Österreich
Koordinaten 46° 42′ 8,2″ N, 14° 52′ 14,7″ O46.70227777777814.87075Koordinaten: 46° 42′ 8,2″ N, 14° 52′ 14,7″ O
Website www.stiftsgym-stpaul.at

Das Stiftsgymnasium St. Paul ist eine katholische Privatschule des Benediktinerstiftes St. Paul in Kärnten. Die Schüler werden in 22 Klassen von fünfzig Lehrern unterrichtet. Der offizielle Name der Schule lautet Öffentliches Stiftsgymnasium der Benediktiner zu St. Paul.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Anfänge der Lehrtätigkeit am Stift St. Paul reichen in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Das Stift war bereits bald nach seiner Gründung mit Handschriften ausgestattet worden und bereits unter seinem dritten Abt Wernher (1138–1159) hatte es unter den Adligen der Region einen derart guten Ruf, dass diese ihre Söhne zur Erziehung und Bildung auf das Kloster schickten; zu dieser Zeit unterhielt das Stift bereits eine Schreibschule. Auch wenn die Quellen aus dem Hoch- und Spätmittelalter diesbezüglich wenig berichten, gilt als gesichert, dass in St. Paul stets eine Lateinschule unterhalten hat. In dieser Schule ist der berühmte Arzt und Naturforscher Paracelsus, der mit seiner Familie ab 1502 in Villach übersiedelte, unterrichtet und auf sein Studium vorbereitet worden.

Die Schule in St. Paul wurde 1777 unter der österreichischen Kaiserin Maria Theresia in ein Gymnasium umwandelt. Doch schon wenige Jahre später wurde durch ihren Sohn Joseph II. das Stift und damit auch das dazugehörende Gymnasium 1782 aufgelöst. Nach der Wiederbesiedlung des Stiftes im Jahr 1809 veranlasste Abt Berthold Rottler noch im selben Jahr die Wiedereröffnung der Schule, im Stiftungsdokument von 1809 werden die Erziehung und die Unterhaltung einer Schule ausdrücklich als eine der Hauptaufgaben des Stifts hervorgehoben. Rottler ließ zudem 1812 neue Statuten für die Lehrtätigkeit im Stift und gründete 1817 ein Konvikt. Auch Rottlers Nachfolger waren um das Bildungswesen bemüht, so wurde etwa sein Nachfolger Meinrad Aman 1828 vom Kaiser zum Prüfungskommissär des Gymnasiums in Klagenfurt (dem heutigen Europagymnasium, an das aus den Reihen des St. Pauler Konvikts schon seit 1809 Lehrkräfte entsandt wurden) bestimmt.

Nachdem im Jahr 1871 das Gymnasium in Klagenfurt verstaatlicht worden war, konnte St. Paul seine Lehrtätigkeit auf die klostereigene Schule konzentrieren. 1874 erhielt das Gymnasium das Öffentlichkeitsrecht. 1896 wurde das Untergymnasium in ein Vollgymnasium umgewandelt und im Schuljahr 1897/98 konnte die erste fünfte Klasse eröffnet werden. Gleichzeitig wurde auch der Grundstein für ein neues Schulhaus gelegt, bereits zu Beginn des Schuljahres 1899/1900 konnte das neue Gebäude bezogen werden und im Jahr darauf legten die ersten Studenten ihre Reifeprüfung ab.

Durch die Erweiterung des Schulbetriebs wurde auch bald das erst 1889 errichtete Konviktsgebäude, das sogenannte Josephinum, zu klein, so dass es zwischen 1907 und 1909 erheblich erweitert wurde und nach seiner Fertigstellung als modernstes Internat Österreichs galt. Prominente Bewohner des Konvikts zur Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie waren Hugo Wolf und Adolf Lorenz, der Vater von Konrad Lorenz, Attila und Paul Hörbiger sowie in den 1930er Jahren, als im Konvikt auch Theateraufführungen stattfanden, Gustav Manker [1].

Im Ersten Weltkrieg starben 126 der 200 Schüler, die in den Krieg zogen. Ab 1917/18 wurden am Gymnasium auch Mädchen unterrichtet. Ab 1908 war der Benediktinermönch, Maler und Holzschneider Switbert Lobisser Kunsterzieher in St. Paul, der im Stift die Wandgemälde in der Kapelle malte. Die Exkursionen, die er mit seinen Schülern unternahm, wurden von Paul Hörbiger in seiner Autobiographie beschrieben. Ab 1914 war Lobisser auch Forstmeister des Stiftes. 1932 trat Lobisser aus dem Orden aus und näherte sich sukzessive der NS-Ideologie an. Eine Gesamtsammlung seiner 673 Holzschnitte befindet sich im Besitz des Stiftes St. Paul. Zum Schuljahr 1933/1934 wurde Englisch zum Pflichtfach.

Nach dem „Anschluss“ an das Dritte Reich 1938 wurde das Gymnasium zunächst verstaatlicht und alle geistlichen Lehrer der Schule verwiesen. Das Stift wurde 1940 aufgehoben und die Schule in eine Nationalsozialistische politische Lehranstalt (NAPOLA) umgewandelt. Bald nach Kriegsende wurde das Stift durch die Mönche wiederbesiedelt und der Lehrbetrieb wieder aufgenommen.

1976/77 wurde das Internat Josephinum geschlossen und stattdessen eine Tagesheimschule geöffnet. Die ersten bis dritten Klassen werden nun in dem ehemaligen Internatsgebäude Josephinum unterrichtet. Die vierten bis achten Klassen werden im Hauptgebäude unterrichtet. Seit dem Schuljahr 2008/09 sind auch die dritten Klassen ins Gymnasium verlegt worden. Von 1992/93 bis zu seinem Tod 2010 war Pater Paulus Kaimbacher Direktor der Schule. In den Jahren 2001 und 2002 wurde das gesamte Schulgebäude anlässlich der Hundertjahrfeier außen wie innen renoviert.[2] Derzeit ist P. Thomas Petutschnig Direktor des Gymnasiums.

Bildungsangebot

  • 1. + 2. Klasse: gleicher Unterricht in allen Klassen, Englisch (1.-8. Klasse), EDV (Pflichtgegenstand)
  • 3. + 4. Klasse: Einteilung in Realgymnasium (Schwerpunkt Naturwissenschaften, Geometrisches Zeichnen) und Gymnasium (Latein (Pflichtfach und Wahlmöglichkeit für die Freigegenstände Italienisch, Französisch und weiterführende Informatik.)
  • 5.–8. Klasse: Realgymnasium (Latein, ab der 7. Klasse Darstellende Geometrie), wahlweise zweite lebende Fremdsprache - F/I bzw. Informatik und Gymnasium (Fortsetzung von Latein, zweite lebende Fremdsprache Französisch oder Italienisch)

Bekannte Altsanktpauler

Bekannte Lehrer

  • P. Thomas Petutschnig (derzeitiger Direktor)
  • Switbert LobisserMaler und Holzschneider
  • Hubert Steppan (Komponist)
  • Richard Strelli (Abt)
  • Arthur Hanzer (Künstler, später Direktor am BORG Wolfsberg)
  • Heinrich Ferenczy (bis 2006 auch Abt des Schottenstiftes in Wien)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Paulus Manker: Spurensuche. Der Theatermann Gustav Manker. Amalthea, Wien 2010, ISBN 978-3-85002-738-0. (abstract)
  2. Geschichte des Stiftsgymnasiums in St. Paul