TIWAG

Tiroler Wasserkraft AG
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1924
Sitz Innsbruck, Österreich

Leitung

  • Bruno Wallnöfer
  • Alfred Fraidl
Mitarbeiter 1249 [1]
Umsatz 1121,5 Mio. EUR (2009)[1]
Branche Stromerzeugung, Stromhandel, Stromvertrieb
Produkte Strom
Website www.tiroler-wasserkraft.at

Die Tiroler Wasserkraft AG (TIWAG) ist die Stromerzeugungs- und Vertriebsgesellschaft des Bundeslandes Tirol und Mitglied im österreichischen Stromverbund. Im Jahr 2005 erzielte der Konzern erstmals einen Umsatz von 1 Milliarde €.

Die TIWAG produziert ihren Strom überwiegend durch Wasserkraft. Neben Laufkraftwerken verfügt die TIWAG über ein Pumpspeicherkraftwerk, das zur Abdeckung des Strombedarfs in Stoßzeiten verwendet wird. Der Spitzenstrom wird ca. im Verhältnis 1:2 mit Stromgesellschaften in Bayern ausgetauscht.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die TIWAG wurde 1924 gegründet. Das erste Kraftwerk war das Speicherkraftwerk Achensee mit einer Leistung von 79 MW. Im Jahr 1934 kam es zur Fusion mit der Zillertaler Kraftwerk AG.[2] Von 1938 bis 1945 ging die Tiwag als Teil der deutschen Alpenelektrokraft AG auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Laufkraftwerk Kirchbichl und später der Speicher Gerlos errichtet, welches nach 1947 an die Tauernkraftwerke AG abgetreten werden musste.

Im Laufe der Jahre wurden die Anlagen in Imst, im Kaunertal und dann in Sellrain-Silz. Später kamen an der Drau das Kraftwerk Strassen-Amlach und am Inn das Laufkraftwerk Langkampfen hinzu.

Wichtige Kraftwerke

Kraftwerk Silz

Projekte

Derzeit plant die TIWAG vier neue Wasserkraftwerksprojekte umzusetzen. Dabei handelt es sich um den Ausbau der bestehenden Anlagen Kaunertal und Sellrain-Silz sowie die Neubauten Malfon und Raneburg-Matrei. Basis für diese Pläne bilden der einstimmige Beschluss der Tiroler Landesregierung und die positive Entschließung des Tiroler Landtages im Juli 2006[3]. Laut Umfragen sind die Tirolerinnern und Tiroler überwiegend für den Ausbau der Wasserkraft und den Ausbau der vier konkreten Projekte[4]. Allerdings stoßen die Projekte regional auf Widerstand. Die Bevölkerung der betroffenen Gemeinden ist überwiegend gegen einen Ausbau[5][6].

Bei den Ausbauprojekten der TIWAG handelt es sich um Pumpspeicherkraftwerke. Hierbei wird Wasser aus tiefergelegenen Gewässern in Zeiten geringen Stromverbrauchs in höher gelegene Speicher gepumpt. Tirol eignet sich aufgrund seiner vielen Berge besonders für diesen Kraftwerkstyp. Dieser ist besonders für die Ökonomie interessant, da es die effizienteste Methode zur Speicherung von Energie umsetzt. Die dafür nötige Energie kann dabei durchaus von Kraftwerken kommen, die nicht so leicht vom Netz genommen werden können, wie beispielsweise Dampfkraftwerke, Atom-, Kohle- oder Gaskraftwerke.

Im Zuge des deutschen Atomausstieges, den die Kanzlerin Merkel unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 verkündete, werden die Ausbaupläne nun von forciert und Pumpspeicherkraftwerk als notwendige Speicher der alternativen Energien wie der Windenergie angesehen. Allerdings wäre dazu eine massiver Ausbau der Stromleitungen von Norddeutschland nach Süden nötig, der derzeit fehlt, aber bereits diskutiert wird.

Kritik

Die TIWAG sieht sich immer wieder Kritik durch die Bevölkerung, Bürgerinitiativen und Oppostionspolitikern an ihrer Vorgehensweise bezüglich des Atomstromhandels ausgesetzt. So meinte etwa die Grüne Bundessprecherin und Nationalratsabgeordnete Eva Glawischnig-Piesczek dazu: „Insgesamt wird in Tirol mehr Strom erzeugt als verbraucht. Bei den schmutzigen Atomgeschäften geht es nicht um Versorgungssicherheit, sondern darum, Profite zu machen.“ [7]. Auch die Tatsache, dass die TIWAG manche ihrer Kraftwerke an ausländische Finanzgesellschaften verkauft hat, und rechtlich lediglich als Mieter der vermeintlich eigenen Kraftwerke auftritt (Cross-Border-Leasing), bietet besorgten Bürgern, allen voran der Umweltaktivist Markus Wilhelm, Anlass zur Kritik. Cross-Border-Leasing ermöglicht es der TIWAG, teure Projekte durch den Verkauf an Investoren finanzieren zu können, und die Kraftwerke danach zur Nutzung zurückzumieten. Für ausländische Investoren bringen solche Investitionen in manchen Ländern, etwa den USA, steuerliche Vorteile. Zu Bedingungen solcher Verträge gehört jedoch auch das Stillschweigen beider Vertragspartner, weshalb öffentlich meist wenig oder gar nichts über solche Projekte bekannt wird. Die Vereinigten Staaten verschärften zudem in den letzten Jahren Gesetze für solche „Schein-Geschäfte“, wodurch die Geheimhaltung noch höheren Stellenwert erhielt.[8]

Die Brisanz dieses Themas wird am Beispiel einer Bürgerinitiative erkennbar, die dieses Vorgehen am Beispiel der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz öffentlich bekannt machte, und daraufhin von der TIWAG wegen Rufschädigung geklagt wurde. Die TIWAG spekulierte damit, dass die sich anbahnenden Prozesskosten bis zur letzten Instanz die Bürgerinitiative abschrecken würde. Die Klage der TIWAG, den „Zugang zur Intemetseite www.dietiwag.org zu sperren sowie Internetseiten unter anderen Domains, auf denen die zuletzt zitierten kreditschädigenden Äußerungen laut der Internetseite www.dietiwag.org abrufbar sind, zu entfernen“, insbesondere „Informationen und Unterlagen über das Cross-Border-Leasing betreffend das Kraftwerk Sellrain-Silz“, wurde jedoch abgewiesen.[9] Dennoch wird weiterhin versucht, keine Einzelheiten ans Tageslicht kommen zu lassen. Ein Sendemanuskript zum Beitrag der ORF-Nachrichtensendung Report mit dem Titel „Kraftwerkspläne und Widerstand im Ötztal“ vom 3. Mai 2005, das auf der Webseite einer TIWAG-kritischen Bürgerinitiative nachzulesen war, musste nach Intervention des Tiroler Landeshauptmanns Herwig van Staa durch eine ORF-Aufforderung von der Webseite genommen werden.[10]

In Zusammenhang mit den obigen Kritikpunkten werden auch die geplanten Kraftwerksneubauten der TIWAG besonders kritisiert, da zum einen nicht unberührte Landschaft für Staudämme und Stauseen hergegeben werden sollen, und zum anderen schon gar nicht für ausländische Finanzgesellschaften und zum Handel mit Atomstrom. Für zukünftige Kraftwerksprojekte versucht die TIWAG fortwährend Gebirgsflüsse und -bäche unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Nutzung durch die Bevölkerung würde dadurch weitgehend ausgeschlossen, sobald die Grundstücke mit Bachläufen darauf in Unternehmensbesitz wären.[11] In Tirol formierten sich in den letzten Jahren zahlreiche Bürgerinitiativen die gegen den Ausverkauf der Landschaft und des Wassers an die Energiewirtschaft teils mit öffentlichen Protestaktionen Stellung bezogen – etwa das Aktionsbündnis Ötztal, die Bürgerinitiative Lebensraum Matrei und das Netzwerk Wasser Osttirol. Unterstützt werden sie unter anderem von Tourismusverbänden, vom österreichischen Alpenverein und einige Gemeinden.

Für den angeblichen Versuch, einen Kritiker mundtot zu machen[12] (gemeint war Markus Wilhelm) wurde der TIWAG-Vorstandsvorsitzende mit dem Big Brother Award 2008 in der Kategorie Business und Finanzen ausgezeichnet.

Wird der technische Aspekt der Notwendigkeit solcher Pumpspeicherkraftwerke als Ergänzung zu unflexiblen Stromlieferanten wie beispielsweise Atomkraftwerken ausgeblendet, bleibt Kritik an der Stromwirtschaft der TIWAG übrig. So wird dem Unternehmen negativ zur Last gelegt, dass bereits ein Teil der bestehenden Pumpspeicherkapazität der TIWAG genutzt wird, um günstigen Nachtstrom aus deutschen Atomkraftwerken zu speichern und dann den Strom aus „Wasserkraft“ zu Spitzenzeiten gewinnbringend wieder nach Deutschland zu transferieren. Die geplanten zusätzlichen Pumpspeicher-Projekte sollen demzufolge vollständig dem Ausbau dieses Stromkarussels dienen.

Quellennachweise

  1. a b [1]
  2. Unternehmensgeschichte,www.tiroler-wasserkraft.at
  3. TIWAG legt Masterplan für Kraftwerksprojekte vor: vier neue Kraftwerksprojekte für Tirol
  4. 60 % Zustimmung: Tiroler stehen voll zur Wasserkraft
  5. TVB Stubai will Bürgerinitiative gegen Wasserableitungen formieren
  6. Bürgerinitiative WildeWasser zum Projekt „Speicherkraftwerk Kühtai“
  7. Glawischnig fordert Stopp der TIWAG-Zahlungen an Atomkonzern, www.report.at, 16. Mai 2005
  8. ‚Mafiaähnliche Geheimwirtschaft‘ – Interview mit dem ‚Cross-Border-Leasing‘-Experten Werner Rügemer, www.dietiwag.at
  9. Beschluss des Oberlandesgerichts Innsbruck als Rekursgericht, www.dietiwag.at
  10. ‚Widerstand im Ötztal‘ ist ‚unverzüglich zu unterlassen‘, www.dietiwag.at
  11. Es geht ums Wasser!, www.dietiwag.at
  12. http://www.bigbrotherawards.at/2008/Preistraeger

Weblinks

47.26355555555611.395666666667Koordinaten: 47° 15′ 49″ N, 11° 23′ 44″ O