USIA

Dieser Artikel befasst sich mit dem sowjetischen Firmenverbund in Österreich von 1946 bis 1955. Für weitere Bedeutungen siehe Usia.
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Der USIA-Konzern (УСИА, Abk. von russisch Управление советским имуществом в Австрии, Verwaltung des sowjetischen Eigentums in Österreich) bestand aus mehr als 300 Unternehmen, die von der Sowjetunion in der sowjetischen Besatzungszone in Österreich als Eigentum des Deutschen Reiches beschlagnahmt wurden. Die Grundlage für dieses Vorgehen boten die Potsdamer Beschlüsse, welche es den Besatzungsmächten erlaubten, in der ihnen zugeteilten Zone Reparationen einzuheben.

Inhaltsverzeichnis

Gründung

Trattnerhof in Wien

Der USIA-Konzern wurde 1946 als USIWA gegründet. Ab November 1947 wurde der Begriff восточной (vostočnoy, „östlichen“) weggelassen.

Die USIA wurde vom Wiener Trattnerhof aus geleitet, während am Schwarzenbergplatz das Kaufmännische Zentralbüro der USIA für den Geschäftsbetrieb mit dritten Parteien eingerichtet war. Die USIA hatte sich grundsätzlich nach Moskauer Plänen zu richten, wurde ansonsten aber durchaus nach marktwirtschaftlichen Grundsätzen geführt.

Umfang des USIA-Konzerns

Zu diesen Betrieben zählten unter anderen:

Letztlich waren erhebliche Teile der Schlüsselindustrien Ostösterreichs davon betroffen. Diese Firmen wurden dadurch dem staatlichen Einfluss entzogen und wurden ausschließlich von der sowjetischen Besatzungsmacht kontrolliert, welche Außenstehenden keinerlei Einblick gestattete, sodass erst 1955 wieder ein klares Bild von diesem regelrechten Konzern mit praktisch extraterritorialem Status gewonnen werden konnte. Beschäftigt waren bei USIA-Betrieben über 53.000 Personen.

Andererseits zahlte die USIA ihre Angestellten gut und kam Betriebsräten oft weit entgegen. Ferner waren die USIA-Betriebe beliebte Anlaufpunkte für die österreichische Bevölkerung, da die Preise vieler Bedarfsgüter des täglichen Lebens in den USIA-Läden erheblich unter dem Preis lagen, der am Freien Markt verlangt wurde.

An Standorten der USIA-Betriebe war ferner die KPÖ überdurchschnittlich präsent. Vor allem, nachdem in Folge der Oktoberstreiks 1950 hunderte Kommunisten in ihren Betrieben entlassen wurden, konnten diese meist nur mehr in den USIA-Betrieben Arbeit finden.

Ein typisches Merkmal von Orten mit USIA-Betrieben war außerdem - und zwar noch lange nach Abzug der sowjetischen Truppen - das Vorhandensein von Betriebskindergärten zu Zeiten, als Kindergärten in Österreich noch dünn gesät waren.

Ziele der sowjetischen Besatzungsmacht

Die Behandlung der USIA-Betriebe lief im Ergebnis darauf hinaus, möglichst viel Kapital aus den in der USIA zusammengefassten Betrieben zu erzielen. Nicht wenige der in der USIA-Leitung eingesetzten sowjetischen Manager sahen sich in einem ständigen Zwiespalt zwischen den finanziellen und Sachforderungen ihrer Vorgesetzten einerseits und der drohenden Insolvenz andererseits. Ferner mangelte es an Reinvestitionen in die Betriebe sowie an Rationalisierungen und Modernisierungen, da die Gewinne durch die Sowjetische Militärbank kassiert wurden, welche an die einzelnen Betriebe wiederum Darlehen zu immensen Zinssätzen (bis zu 20 %) vergab. Schließlich zahlten die USIA-Betriebe wie jeder andere Betrieb Steuern nach österreichischen Steuersätzen - allerdings an die sowjetische Verwaltung, nicht an den österreichischen Staat. Aus diesen und aus weiteren Gründen lagen die USIA-Betriebe bei der Rückgabe in österreichische Hände 1955 durch vorsätzliches, auf rücksichtslose Gewinnmaximierung ausgelegtes Missmanagement teils insolvenzreif hinter der übrigen österreichischen Wirtschaft zurück.

Mit den Dumpingpreisen der USIA-Läden griff die Sowjetunion erheblich in das österreichische Wirtschaftsgefüge ein, da diese Läden die Einzelhandelsläden der Freien Wirtschaft schwer unter Wettbewerbsdruck setzte. Die Schädigung der freien österreichischen Wirtschaft wurde von der Sowjetunion aktiv gefördert, mindestens aber billigend in Kauf genommen, da eine große Marktmacht der USIA-Läden ihrer eigenen Gewinnmaximierung diente. Die niedrigen Preise wurden dadurch ermöglicht, dass sich die USIA-Läden an österreichische Vorschriften, von der Gewerbeordnung bis zur Ladenschlusszeitenregelung, nicht gebunden zu fühlen brauchten und außerdem weder Zoll noch Umsatzsteuer oder Verbrauchsteuern auf die angebotenen Waren abzuführen hatten. Zu Schleuderpreisen wurden in den USIA-Läden in den fünfziger Jahren außerdem selbst relative Luxusgüter wie Nylonstrümpfe und Schweizer Uhren angeboten, was weitere Einzelhandelsbranchen der österreichischen Industrie belastete.[1]

Dazu kam noch der Handel auf dem Schwarzmarkt, welcher USIA-Wirtschaftsgüter wie Spirituosen und Tabakwaren auf dunklen Kanälen in LKWs mit sowjetischem Kennzeichen (die zu kontrollieren österreichischen Behörden untersagt war) auf den Freien Markt brachte. Hier konnte die sowjetische Verwaltung nochmals eine beachtliche Gewinnspanne einstreichen. Dazu bediente sich die sowjetische Verwaltung des Reimports von im kommunistischen Ausland umdeklarierter Ware. Dies alles trug dazu bei, ein Milieu zu schaffen, welches das Wien der späten vierziger und frühen fünfziger Jahre zu Buch- und Filmehren kommen ließ („Der dritte Mann“ von Graham Greene).

Die Machenschaften der USIA richteten sich nicht alleine gegen die Wirtschaft, sondern indirekt auch gegen das westlich orientierte Gesellschaftssystem in Österreich, da sie eine Anzahl Ansatzpunkte für sowjetische Propaganda bot. So wurde die Preispolitik der USIA als freundschaftliche Aktion der Sowjetunion für das österreichische Volk hingestellt, das den angeblich überteuerten Preisen des kapitalistischen Freien Markts nun nicht mehr ausgeliefert sei. Die durch die USIA-Läden herbeigeführte Belastung der freien Wirtschaft und erst der doch teils selbst organisierte Schmuggel wurden als Symptome des verrotteten westlichen Systems hingestellt. Auch auf die großzügige Lohnpolitik der USIA vergaß die Sowjetunion nicht hinzuweisen.

Im Rahmen des Oktoberstreiks 1950 waren die USIA-Betriebe Zentren des Streiks, jedoch kam es hier auch zu Konflikten mit der Betriebsleitung, da sich die Ausstände negativ auf das Betriebsergebnis auswirkten.

Andere sowjetisch kontrollierte Betriebe in Österreich

Ebenfalls unter sowjetische Kontrolle - jedoch nicht im Rahmen der USIA - kamen durch den so genannten Befehl Nr. 17 von Generaloberst Wladimir Kurassow:

Das Ende der USIA

Nach dem österreichischen Staatsvertrag zählte man bei der USIA etwa 25.000 Arbeiter und 4.000 Angestellte, was über ein Viertel der niederösterreichischen Industriearbeitsplätze darstellte. DIe wichtigsten Sektoren waren Maschinen-, Stahl- und Eisenbau, Giesserei, Bergbau, Eisenerzeugenden Industrie, Lederverarbeitung, Glas- und Metallindustrie.[3]

Sie wurden gegen Zahlung von 150 Millionen Dollar innerhalb von sechs Jahren an Österreich zurückgegeben. Diese Reparationen konnten auch in Form von Warenlieferungen erfolgen. Außerdem musste Österreich allein für die Rückgabe der Erdöl- und Erdgasfelder 200 Millionen Dollar in Form von Erdöllieferungen an die damalige UdSSR bezahlen.

Literatur

  • Gerhard Baumgartner: Die USIA-Betriebe im Burgenland. In: Felix Tobler (Hrsg.): Befreien - besetzen - bestehen. Das Burgenland von 1945 - 1955. Tagungsband des Symposions des Burgenländischen Landesarchivs vom 7. - 8. April 2005. Amt der Burgenländischen Landesregierung, Abt. 7: Kultur, Wissenschaft und Archiv, Hauptreferat Landesarchiv und Landesbibliothek, Eisenstadt 2005, ISBN 3-901517-49-9, (Burgenländische Forschungen 90), S. 161–176.
  • Otto Klambauer, Ernst Bezemek: Die USIA-Betriebe in Niederösterreich. Geschichte, Organisation, Dokumentation. Selbstverlag des NÖ Instituts für Landeskunde, Wien, 1983, (Studien und Forschungen aus dem Niederösterreichischen Instituts für Landeskunde 5).
  • Hubert Steiner: Die USIA-Betriebe, ihre Gründung, Organisation und Rückgabe in die österreichische Hoheitsverwaltung. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 43, 1993, ISSN 0078-3676, S. 206–220.
  • Ernst Trost: Figl von Österreich, Molden-Taschenbuch-Verlag, Wien u. a. 1972.
  • Walter M. Iber: Die versteckten Reparationen. Zur wirtschaftlichen Ausbeutung Österreichs durch die Sowjetunion 1945-1955/63. in: Wolfram Dornik/Johannes Gießauf/Walter M.Iber (Hg.): Krieg und Wirtschaft. Von der Antike bis ins 21. Jahrhundert. Studien Verlag, Innsbruck-Wien-Bozen 2010 ISBN 978-3-7065-4949-3 S. 555-574.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. http://www.ooegeschichte.at/USIA-Geschaefte.855.0.html
  2. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44415409.html
  3. Werdegang der Industrie in Niederösterreich abgerufen am 11. Dezember 2010

Weblinks