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Privatsphärenschutz#

von Manar Allam; BG/BRG Pestalozzi, 4a; Betreuung: Camhy, Praher; 60 Punkte;

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Buchumschlag
Buch über Amazon bestellbar
Brille
Brille mit eingebauter HD Kamera, Batterie für 30 min, USB Kabelverbindung, siehe

Der Titel des Buches (siehe Bild links) sagt fast alles: Wir haben wohl unsere Privatsphäre mehr oder minder verloren.

Aber dafür ist nicht nur das Internet verantwortlich! Die Verwendung von Kreditkarten und Bonuskarten ("Friends of Merkur", "Billa-Vorteil-Karte", "Frequent Flyer Karte", usw. ) führt dazu, dass viele Details über uns aufgezeichnet werden. Überall gibt es Überwachungskameras und immer mehr auch fliegende Versionen, wie etwa in dem XPERTEN Buch "Kampf dem großen Bruder" dramatisch geschildert wird. Die berühmte Google Brille, die noch vor Ende 2014 erhältlich sein soll (die ersten 1000 Stück wurden bereits an privilegierte Kunden geliefert) ist nicht die erste, die eine Videokamera eingebaut [1] hat. Seit einigen Monaten gibt es Wunderbrillen, wie die rechts gezeigte um unter hundert Euro. So harmlos sie aussieht nimmt sie alles in hoher Qualität (Video und Ton) auf. Das Ergebnis kann dann per USB Stick in jeden Computer übertragen werden, ja auf jedem modernen Fernseher direkt vorgeführt werden. Nirgends ist man also mehr vom Mitgefilmt werden sicher.

Jede große Suchmaschine wie Google sammelt bei der Benutzung viele Informationen (indem der Verlauf der Suchen notiert wird), zunächst betreffen diese Informationen nur einen Computer, nicht den (noch unbekannten) Benutzer, aber wenn man vom selben Computer aus dann z. B. eine Gmail absendet oder etwas bestellt ist der Zusammenhang Computer-Benutzer hergestellt. Nicht umsonst wird Google oft als "Datenkrake" bezeichnet, der alles aufzeichnet, und über uns alle mehr weiß, als wir glauben. Selbst wenn man nie Google verwendet sammelt Google Daten, nämlich über eine Software, die Google Analytics heißt. Diese ist auf über 70% aller Webserver installiert und protokolliert mit, was wann von wem wie lange abgerufen wird. Der gläserne Mensch von George Orwells 1984 ist also trotz unserer Datenschutzgesetze Wirklichkeit geworden, ja wird sogar seit April 2013 gesetzlich unterstützt: Verbindungsdaten über Mails und Telefongespräche werden jetzt in Österreich 6 Monate lang gespeichert (nicht wie bisher, wo eine solche "Überwachung" nur bei begründetem Verdacht richterlich angeordnet werden konnte.) Diese Liste von Aspekten, die zur Auflösung unserer Privatsphäre führen, kann beliebig lange fortgesetzt werden.

Umgekehrt gibt es gerade zur Videoüberwachung klare Einschränkungen. So wurde in einer Aussendung der ARGE Daten am 3.5.2013 festgestellt:

"In der Entscheidung der Datenschutzkommission (DSK) K600.319-005/002-DSV/2012 (http://ftp.freenet.at/privacy/ds-at/DSK-K600.319-005_002-DVR_2012-Bescheid.pdf) wurde die Genehmigung einer Videoüberwachung aus einem fahrenden Privat-Auto heraus, abgelehnt. Geplanter Zweck der Videoüberwachung war Schutz des PKW, sowie die Erfüllung rechtlicher Sorgfaltspflichten (siehe http://www.argedaten.at/php/cms_monitor.php?q=PUB-TEXT-ARGEDATEN&s=75763lea).

Die große Zahl von Anfragen zu diesem Thema zeigte grundlegende Missverständnisse bei den gesetzlichen Regeln zur Videoüberwachung, daher kurz zusammengefasst Mythen und Fakten zur Videoüberwachung. Anders als andere Datenanwendungen, erfassen Videoüberwachungen präventiv, ohne jeglichen Verdacht, sämtliche Personen, die sich im Kamerabereich aufhalten. Und genau dieses "präventive Überwachen" ist nicht gestattet."

Freilich verbleibt auch die Frage: Ist der Verlust der Privatsphäre eigentlich so schlimm, wenn man ein "braver" Bürger ist? Hat es denn vor 150 Jahren in einem kleinen Dorf eine Privatsphäre gegeben, oder wusste da nicht doch jeder über jeden auch "alles"? Solche Argumente klingen zwar plausibel. Übersehen wird aber, dass durch die analytische Macht der Computer das Wissen über uns und wie wir manipuliert werden sehr gefährlich gewachsen ist.

Wir wollen uns nun aber einem Teilthema zuwenden: wenn man das Internet benutzt, was muss man beachten um sich weder strafbar zu machen, noch durch eigene Handlungen Schaden erleiden.

Dazu gibt es eine Anzahl von Punkten, die man unbedingt beachten sollte.

1. Wenn man über andere im Netz berichtet, muss dies fair geschehen, ohne Verleumdungen, Lügen, Unterstellungen, Bildern die die Privatsphäre einer andere Person verletzen, usw. Verstöße dagegen sind strafbar. Natürlich ist es gestattet, eigene Meinungen zu äußeren aber "bbbvk" (beleidigen, beschimpfen, bloßstellen, verletzen und kränken) haben zu unterbleiben.

2. Dies gilt das auch für die Schule: LehrerInnen/SchülerInnen dürfen im Internet nicht über bloßstellende Fotos oder Videos aus dem Schulunterricht in peinlichen Situationen dargestellt werden. Abgesehen vom Strafrecht ist es auch insofern unfair, als betroffene Personen oft erst viel später erfahren, dass ihre Fotos einem weltweiten Publikum zur Belustigung gezeigt werden. "Cyber Mobbing" kann zu schweren psychische Störungen führen und hat- wie in den Medien berichtet- schon mehrmals zu Selbstmord geführt. 3. Um sich selbst zu schützen muss man mit Passworten und Codes vorsichtig umgehen: Wenn sie in falsche Hände geraten besteht Missbrauchsgefahr – das kann vom Plündern des Bankkontos, über das Einkaufen mitfremdem Namen bis hin zu verfälschten Community-Profilen reichen. Aus diesem Grund sollte man stets ein sicheres Passwort verwenden, mit mindest acht Buchstaben, wo bei Groß- und Kleinschreibung, Zahlen und Sonderzeichen verwendet werden sollen. Natürlich sollte man auch ein Passwort so wählen, dass man es sich merken kann (oft ein Widerspruch zur Sicherheit!).

Besonders beachten sollte man:
--- Passwort nicht als Passwort bezeichnen
--- Das Passwort keinesfalls direkt am Handy oder Computer aufbewahren
--- Das Passwort regelmäßig ändern!

4. Man sollte sich bewusst sein, dass es "Phishing-Attacken" gibt: Das ist eine besondere Form des Online- Betrugs, bei dem Betrüger versuchen, unter einem Vorwand an Passwort oder Kontonummer etc heranzukommen. Banken, Online Shops, Auktionshäuser, usw. fragen sensible Daten ihrer Kunden niemals via E-Mail ab, wir müssen daher solche Nachrichten ignorieren, eventuell telefonisch nachfragen.

5. Wichtig ist es, Computer und Internetzugang zu schützen. Anwendungsprogramme und Betriebssysteme weisen immer wieder Sicherheitslücken auf, die erst mit der Zeit ausfindig gemacht werden. Deshalb ist es wichtig, dass wir die automatischen Software-Updates aktivieren und regelmäßig durchführen lassen. Zusätzlichen Schutz bietet eine so genannte Firewall ("Feuermauer"), die gefährliche Zugriffe aus dem Internet auf unsere Computer verhindert. Moderne Betriebssysteme haben von Haus aus eine Firewall eingebaut, die möglicherweise aber noch aktiviert werden muss. Zusätzlich soll man unbedingt ein Anti-Viren-Programm verwenden. Ein solches Programm schützt den Computer aber nur, wenn es regelmäßig (mindestens einmal pro Tag) aktualisiert wird. Alle Virenschutzprogramme bieten eine automatische Aktualisierung an, die unbedingt benutzt werden sollte. Dabei werden die neuesten Informationen über bekannte Schadprogramme vom Server des Anti-Viren-Programm-Herstellers heruntergeladen.

6. Es ist sinnvoll, immer wieder die "Spuren" die man durch das Arbeiten im Internet hinterlässt zu löschen. Diese Spuren entstehen auf vielfältige Weise. Am bekanntesten ist dabei die Verwendung von "Cookies", das sind kleine Dateien auf dem Computer, die sich beim Besuch bestimmter Websites z.B. merken, welche Registrierdaten eingegeben wurden. In anderen Dateien wird oft der Verlauf (alles URLs von Seiten, die man besucht hat) gespeichert, aber sogar ganze Seiten werden oft lokal aufbewahrt. Alle diese Mechanismen sind angenehm, weil damit vieles schneller und einfacher geht, nur wird man als Benutzer damit immer transparenter. Ferner ist es auch wichtig zu verstehen, dass bei der Benutzung des Computers durch mehrere Personen eine nachfolgende Person leicht feststellen kann, welche Internetseiten vorher besucht wurden. Daher sollte man Cookies, den "Verlauf" (die Liste der URLs) und den "Cache" (die am Computer gespeicherten früher abgerufenen Seiten regelmäßig löschen!


[1] Aber die Google Brille ist die erste, die auch potentiell Verbindung zum Internet hat: man könnte einen Clip mehr oder minder sofort, ja während er gefilmt wird, als YouTube Video hochladen. Freilich hat Google vor diesem unglaublichen Eingriff in unsere Privatsphäre auch Bedenken und will "manches, wie Gesichtserkennung" nicht unterstützen, wie in einer Aussendung berichtet wurde!

Recherche zum Thema Privatsphärenschutz#


  • Quelle 2: Petra Heubach, Heubach und Erdmann Jürgen, Düsseldorf Satz: Internet für Dummies, Verlag GMBH& Co.KGAa Auflage 2010, S.38-53

  • Quelle 3: Michael Schenk, Julia Niemann, Gabi Reinmann und Alexander Roßnagel: Digitale Privatsphäre- Heranwachsende und Datenschutz auf Sozialen Netzwerkplattformen; Vistas Verlag 2012

  • Quelle 4: Christian Schertz und Dominik Höch: Privat war gestern- Wie Medien und Internet unsere Werte zerstören; Ullstein Verlag 2011