Bier#

Bier

Das alkohol- und kohlensäurehaltige Getränk entsteht durch Gärung aus Wasser, Malz und Hopfen. Diese werden vermischt und durch den Stoffwechsel von Hefe in mehreren Stufen biochemisch verändert. Der Alkoholgehalt liegt zwischen 4,5 und 6 Prozent. Weißbier besteht zur Hälfte aus Weizenmalz. Die frühesten Nachweise für Bier gibt es aus dem altmesopotamischen Raum. Die Ägypter ließen halbfertig gebackenes Brot mit Wasser vergären und bekamen so eine Art Bier. Bei den Römern hieß das für sie barbarische Getränk Cervisia, nach der Göttin der Feldfrüchte, Ceres. Die Kelten nannten es Korma. 

Im Mittelalter führten Klöster und die aufstrebenden Städte den geregelten Braubetrieb ein. Die Bierglocke des Stephansdoms läutete zwischen 1330 und 1772 zur Sperrstunde. Bier galt wegen seines hohen Kalorien- und geringen Alkoholgehalts als "flüssiges Brot" und Kindergetränk. Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert war Wien eine Hochburg der Braukunst. Das Bürgerspital, das seit 1432 innerhalb des Burgfriedens dafür das Monopol innehatte, finanzierte sich großteils durch seine Brauerei. Im Spätmittelalter brachte der - zuvor nur in Norddeutschland übliche - Hopfen eine entscheidende Geschmacksverbesserung. Seit dem 16. Jahrhundert stieg der Bierverbrauch, vor allem durch den Konsum der Bürger, Ende des 18. Jahrhundert übertraf er den Weinverbrauch. 

Von 1457 bis 1772 gab die Bierglocke auf dem nördlichen Heidenturm des Stephansdoms, Wien 1, die abendliche Sperrstunde der Bier- und Weinhäuser an. Man nannte sie auch "Gurgelabschneiderin" und das Geläute "nassen Zapfenstreich". Danach durfte niemand ohne Licht auf die Straße gehen. Die Wiener verspotteten die Nachtschwärmer mit ihren Laternen als "Bierkometen". Sie erzählten auch Geschichten vom Bieresel, einem Gespenst, das im Keller rumore. Um es zu besänftigen, musste man ihm ein bestimmtes Maß Bier "opfern".

Ab 1841 brauten Anton Dreher in Schwechat und Adolf Ignaz Mautner in Wien untergäriges Lagerbier. Diese Produktionsmethode verbesserte Lagerfähigkeit und Geschmack. Im 19. Jahrhundert, als in Wien ca. 50 Brauereien bestanden, war Bier das Modegetränk der Studenten und Intellektuellen. Sie trafen sich in Brauhäusern, -gärten und -sälen, die sich zu Orten vereinsmäßiger und politischer Aktivitäten entwickelten. Mitglieder der jungen Arbeiterbewegung versammelten sich in den Gasthäusern. 

Die einzige Großbrauerei Wiens ist die 1838 gegründete Ottakringer, eine der letzten großen unabhängigen Brauereien Österreichs. In jüngster Zeit erfreuen sich kleine Gasthaus-Brauereien hoher Beliebtheit. Mit fast 110 Liter Pro-Kopf-Verbrauch ist Österreich (nach Tschechien) "Vizeweltmeister".


Weiterführendes#

Quellen:
Gerhard Robert Coeckhelberge zu Dützele ("Realis") Curiositäten- und Memorabilien-Lexicon von Wien. Wien 1846. I/199 f.
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd. 1/S. 376, 444
24 Stunden Business 39/2008
Wikipedia: Bier (Abgerufen: 21.9.08)
Ottakringer Brauerei

Bild: Lob des Bieres. Farbpostkarte um 1900. Gemeinfrei


Siehe auch:
-->Biertransport