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Hanswurst#

Der Zahnarzt und Schauspieler Josef Anton Stranitzky (1676-1726) erfand um 1610 die derb-komische Figur des "Wiennerischen Hanswurst", der im Kostüm eines Salzburger Bauern auftrat. Ende des 17. Jahrhunderts errichtete Stranitzky auf dem Neuen Markt eine Bretterbude für sein Hanswursttheater. 1712 wurde das zwei Jahre zuvor vom Magistrat erbaute Komödienhaus, das erste öffentliche Theater Wiens, an ihn verpachtet. Aus dieser Bühne entwickelte sich das Kärntertortheater. Die Stegreifspiele mit Hanswurst, die sich italienische Zauberopern zum Vorbild nahmen, begründeten die Altwiener Volkskomödie. Dem Hanswurst folgten auf den Vorstadtbühnen die Figuren des Bernadon, Kasperl und Thadäddl. 

Als Puppenbühne knüpft das Kasperltheater oder Wursteltheater an die Figur des Hanswurst an. Mit dem Kasperl als Hauptfigur zählte es zu den ältesten Unterhaltungen im Prater, der danach Wurstelprater genannt wurde. 1782 gab es dort ein Gasthaus "Zum Hanswurst", als älteste Bühne ist der "Kaiserwurstel" (1834 bis um 1900) belegt. Kasperltheater mit den entsprechenden Figuren waren auch für den Hausgebrauch sehr beliebt. Wenn er dort das Krokodil oder den Teufel besiegte, bestätigte sich der Wiener Wahlspruch "Den Wurstel kann keiner erschlagen." 


Quelle: Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1994. Bd. 2/S. 54, 475, Bd. 5/S. 360]