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Silvester#

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Silvesterpfad. Foto: Doris Wolf 31.12.2013
Silvesterpfad. Foto: Doris Wolf 31.12.2013

Papst Silvester I. († 31.12. 335) erlebte die grundlegende Umstellung des römischen Staates zum Christentum. 314 wurde Silvester Bischof von Rom. In seine Amtszeit fällt der erste Bau der Peterskirche ebenso wie das Konzil von Nicäa (325). Eine Legende erzählt, dass er Kaiser Konstantin vom Aussatz geheilt und getauft habe. Er wird im päpstlichen Ornat dargestellt, gilt als Patron der Haustiere und für gute Futterernte. In den Kirchen wird bei der “Silvesterandacht” allerdings nicht der Heilige gefeiert, sondern Rückblick gehalten, für das abgelaufene Jahr gedankt und um Segen für das kommende gebetet. 

Die Silvesternacht ist die lauteste des Jahres. Zu den Bräuchen des Überganges von einem Jahr ins andere zählen Lärm (Neujahrsblasen bzw -schießen) oder Glockengeläute (Pummerin), Licht (Feuerwerke), Orakel, Glückwünsche und -symbole. Mit Bleigießen sucht man das Schicksal des kommenden Jahres zu ergründen. Der Pyrotechnikhandel erwirtschaftet um Silvester 80 % seines Umsatzes.

2015 brachte "oe24" eine Zusammenschau über die Gewohnheiten zu Silvester. Demnach feiern die meisten Österreicher/innen um Mitternacht zu Hause, im Kreis der Familie oder mit Freunden. Als bevorzugtes Essen wurden Raclette (18,6 %), Fondue (15,6 %), Brötchen (10,7 %) oder Aufschnitt (6,3 %) genannt, den Sektverbrauch schätzt man auf zwei Millionen Flaschen. Jede/r Fünfte feiert auswärts. Insgesamt geben die Österreicher rund um Silvester 105 Millionen Euro für Trinken, Essen, Raketen und Glücksbringer aus, allein für die Feuerwerkskörper 10 Millionen Euro. Um Mitternacht versenden sie 63 Millionen SMS, dazu Selfies, Fotos, Videos und Social-Media-Anwendungen - insgesamt 1,8 Milliarden Megabyte Daten.

Der 26. Wiener Silvesterpfad, am 31. Dezember 2015, war von einer Terrorwarnung überschattet. Dennoch feierten 600.000 Menschen in der Innenstadt, 500 Polizisten waren im Einsatz. Es gab jedoch nur die üblichen Zwischenfälle. Das Partyvolk konnte an 13 Standorten in der City bzw. im Prater und der Seestadt Aspern den Jahreswechsel begehen. Privatpersonen waren pyrotechnische Artikel verboten, auf dem Rathausplatz und im Prater gab es "städtische Feuerwerke". Um Mitternacht gelang der Weltrekordversuch eines „digitalen Handyfeuerwerks“. Mittels einer speziellen App auf dem Smartphone zeigte das Display ein Feuerwerk. Die Teilnehmer streckten ihre Handys mit dem Bild in die Höhe. Ab 2.00 Uhr war ein 146 Mann starker Putztrupp der MA 48 mit 14 Kehrmaschinen, einem Multilift, drei Müllwägen sowie 18 Pritschen und Kleinladegeräten im Einsatz, um die Spuren der Silvesternacht zu beseitigen. Am Vormittag wurde das Neujahrskonzert auf den Rathausplatz übertraen. Vor der Staatsoper konnte man auf Riesenbildschirmen am Silvester- und am Neujahrsabend die Vorstellung der "Fledermaus" mitverfolgen.

Bei der im Frühjahr 2016 durchgeführten IMAS-Umfrage "Traditionen und Bräuche" (Archiv Nr. 016041) gaben 92 % an, Silvester zu kennen und 84 %, selbst zu feiern. Vorgegebene Stichworte: Glücksbringer, Feuerwerk, Walzer tanzen.


Quellen:
Helga Maria Wolf: Das neue BrauchBuch. Wien 2000. S. 308 f.
Presse-Informationen 2014 von Wien-event
2015
oe 24/2015