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Silvester#

Silvesterpfad

Papst Silvester I. († 31.12. 335) erlebte die grundlegende Umstellung des römischen Staates zum Christentum. 314 wurde Silvester Bischof von Rom. In seine Amtszeit fällt der erste Bau der Peterskirche ebenso wie das Konzil von Nicäa (325). Eine Legende erzählt, dass er Kaiser Konstantin vom Aussatz geheilt und getauft habe. Er wird im päpstlichen Ornat dargestellt, gilt als Patron der Haustiere und für gute Futterernte. In den Kirchen wird bei der “Silvesterandacht” allerdings nicht der Heilige gefeiert, sondern Rückblick gehalten, für das abgelaufene Jahr gedankt und um Segen für das kommende gebetet. 

Die Silvesternacht ist die lauteste des Jahres. Zu den Bräuchen des Überganges von einem Jahr ins andere zählen Lärm (Neujahrsblasen bzw -schießen) oder Glockengeläute (Pummerin), Licht (Feuerwerke), Orakel, Glückwünsche und -symbole. Mit Bleigießen sucht man das Schicksal des kommenden Jahres zu ergründen. Der Pyrotechnikhandel erwirtschaftet um Silvester 80 % seines Umsatzes. Etwa 10 Mio. € geben die Österreicher zum Jahreswechsel für Feuerwerke aus. Die durch Silvesterraketen hervorgerufene Feinstaubbelastung entspricht einem Sechstel der jährlichen Menge. Bei den - in Wien verkauften 2 Millionen - Glückssymbolen waren 2017/18 Elefanten besonders beliebt. Für das Bleigießen haben sich 350.000 Wiener mit 14 Tonnen Blei eingedeckt. Ab dem folgenden Jahr dürfen solche Figuren nicht mehr verkauft werden: Die EU hat den Brauch als gesundheitsgefährlich einstuft, weil giftige Dämpfe eingeatmet werden und Kinder an Bleifiguren lutschen könnten.

Der Silvesterpfad zählt zu den winterlichen Hauptattraktionen Wiens. Der 28. fand von 31. Dezember 2017, 14 Uhr bis 1. Jänner 2018, 2 Uhr statt und wurde von 700.000 Personen besucht.Es gab elf Stationen, davon neun in der City. Rathausplatz: Hitparty und Riesenfeuerwerk - Freyung: Kinder-Silvester-Party, Schlager und Austropop - Am Hof: Soul, R&B, Funk und Rock & Roll - Graben: Der größte Ballsaal Wiens - Stephansplatz: Walzer und Big Bands - Kärntner Straße: Hit-Mix - Neuer Markt: Party- & Clubsounds - Herbert von Karajan-Platz / Wiener Staatsoper: Liveübertragung: "Die Fledermaus" - Haus der Musik: Dirigent für einen Abend - Prater/Riesenradplatz: Party mit Musikfeuerwerk - Aspern Seestadt: Familien-Silvester und Wiener Kultbands. In Wien wurden 2,5 Mio. Gläser Sekt getrunken. 250.000 Paare tanzten Walzer. Die Polizei registrierte mit mehr als 4200 Einsätzen ein verstärktes Einsatzaufkommen, die Feuerwehr wurde 260 mal (sonst durchschnittlich 100 mal) und Rettung 470 mal statt 300 mal gerufen. Es gab jedoch keine dramatischen Zwischenfälle.

Neuerdings erfreuen sich Silvestermärkte zunehmender Beliebtheit, vor allen wegen der Punschstände. Oft werden die Hütten der Weihnachtsmärkte umdekoriert. Silvestermärkte sind Anlassmärkte mit mindestens zehn Ständen, von denen nicht mehr als ein Drittel Gastronomie sein darf. Sie befanden sich 2017 in der Wiener Mahlerstraße, am Maria-Theresien-Platz, am Michaelerplatz, vor der Kirche Mariahilf, in der Fußgängerzone Favoriten, vor dem Schloss Schönbrunn und am Franz-Jonas-Platz.

Bei der im Frühjahr 2016 durchgeführten IMAS-Umfrage "Traditionen und Bräuche" (Archiv Nr. 016041) gaben 92 % an, Silvester zu kennen und 84 %, selbst zu feiern. Vorgegebene Stichworte: Glücksbringer, Feuerwerk, Walzer tanzen.


Quellen:
Helga Maria Wolf: Das neue BrauchBuch. Wien 2000. S. 308 f.
2016
"Österreich", 27.12.2016
Silvestermarkt
"Österreich", 28.12.2017
"Kurier", 30.12.2017
2017/18 EU-Verbot: Kurier,3.1.2018

Bild:
Silvesterpfad. Foto: Doris Wolf 31.12.2013


Siehe auch:
--> Essay: Anfang, Ende