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Silvester#

Silvesterpfad

Papst Silvester I. († 31.12. 335) erlebte die grundlegende Umstellung des römischen Staates zum Christentum. 314 wurde Silvester Bischof von Rom. In seine Amtszeit fällt der erste Bau der Peterskirche ebenso wie das Konzil von Nicäa (325). Eine Legende erzählt, dass er Kaiser Konstantin vom Aussatz geheilt und getauft habe. Er wird im päpstlichen Ornat dargestellt, gilt als Patron der Haustiere und für gute Futterernte. In den Kirchen wird bei der “Silvesterandacht” allerdings nicht der Heilige gefeiert, sondern Rückblick gehalten, für das abgelaufene Jahr gedankt und um Segen für das kommende gebetet. 

Die Silvesternacht ist die lauteste des Jahres. Zu den Bräuchen des Überganges von einem Jahr ins andere zählen Lärm (Neujahrsblasen bzw -schießen) oder Glockengeläute (Pummerin), Licht (Feuerwerke), Orakel, Glückwünsche und -symbole. 2018 veranstaltete die Wiener Wirtschaftskammer eine Umfrage zum Thema Jahreswechsel. Demnach wollten 85 Prozent der Befragten Silvester feiern. Dies sollte dem Handel einen Umsatz von 60 Mio. € (rund 47 € pro Person) bringen. 31 Prozent planten, auf das Läuten der Pummerin zu warten. Laut Schaumweinhersteller Schlumberger stoßen 90 Prozent der ÖsterreicherInnen mit Sekt auf das Neue Jahr an (nach anderen Angaben: 2 Millionen Flaschen, 15 Millionen Gläser Sekt)

Mit Bleigießen versuchte man das kommende Schicksal zu ergründen. In den vergangenen Jahren verwendete man in Wien dafür 14 Tonnen Blei. Eine EU-Richtlinie verbannte erstmals 2018/19 die herkömmlichen Bleigießpackungen aus dem Handel. Für das Schwermetall gilt seit April ein neuer Grenzwert der European Chemicals Agency (ECHA): In Produkten darf nicht mehr als 0,3 Prozent Blei enthalten sein – weit weniger als bei den Figuren zum alljährlichen Bleigießen. Als Alternativen werden Zinn oder Kerzenwachs empfohlen. Der Pyrotechnikhandel erwirtschaftet um Silvester 80 % seines Umsatzes. Etwa 10 Mio. € geben die Österreicher zum Jahreswechsel für Feuerwerke aus. Neuerdings erfreuen sich Silvestermärkte zunehmender Beliebtheit, vor allen wegen der Punschstände.

750.000 BesucherInnen kamen zum 29. Wiener Silvesterpfad, der am 31. Dezember 2018/1.Jänner 2019 von 14 bis 2 Uhr in der Wiener Innenstadt, von 20 bis 2 Uhr im Prater und von 14 bis 0.30 Uhr in der Seestadt Aspern stattfand. Die Stadt verwandelte sich in eine 50.000 m² große Freiluft-Veranstaltungsfläche mit zwölf Bühnen in der Innenstadt sowie je einer im Prater und in der Seestadt Aspern. Neu in der City war die „Straße des Glücks“: In der Teinfaltstraße standen sechs Hütten mit Schwerpunkt Kartenlegen, Wahrsagen und Astrologie. In der Löwelstraße ertönte House- und Soulbeat, Am Hof R&B und Funk, Am Neuen Markt Partyhits samt Tanz- und Akrobatikeinlagen, vor dem Parlament Pop und Disco. Im "größten Ballsaal Europas", rund um den Stephansplatz, konnte man Tanzschulen zusehen und selbst walzen, geschätzt 250.000 Paare hatten dies vor. Vor dem Rathaus und im Prater zündete die Stadt große Feuerwerke. Vor der Staatsoper wurde die "Fledermaus"-Aufführung live via LED-Screen übertragen. 125 Verkaufshütten, davon 70 Gastronomiestände, säumten den Pfad. Die Polizei sorgte mit einem Großaufgebot für Sicherheit. Hunderte Uniformierte und Beamte in Zivil waren im Einsatz. Dazu gab es Rammschutzmaßnahmen und Videoüberwachung. Von 20 bis 1.30 Uhr war die Ringstraße und ab 21.30 Uhr die U-Bahn-Station Stephansplatz aus Sicherheitsgründen gesperrt. Im Ernstfall hätten von dort Verletzte mit einem U-Bahnzug aus der Feierzone ausgefahren werden können. Die Sicherheitsmaßnahmen haben sich bewährt. Es gab weniger als 20 Anzeigen, allerdings Strafen wegen Lärm und Feuerwerken.

Bei der im Frühjahr 2016 durchgeführten IMAS-Umfrage "Traditionen und Bräuche" (Archiv Nr. 016041) gaben 92 % an, Silvester zu kennen und 84 %, selbst zu feiern. Vorgegebene Stichworte: Glücksbringer, Feuerwerk, Walzer tanzen.


Quellen:

Helga Maria Wolf: Das neue BrauchBuch. Wien 2000. S. 308 f.
Silvestermarkt, publiziert 24.12.2017
Silvesterpfad , publiziert 30.12.2018
Bleiverbot
Silvesterpfad, publiziert 31.12.2018
Strafen, publiziert 1.1.2019
Silvesterpfad, publiziert 31.12.2018

Bild:
Silvesterpfad. Foto: Doris Wolf 31.12.2013


Siehe auch:
--> Essay: Anfang, Ende