unbekannter Gast

Wanderhändler, Kroatische#

'Kroat mit Leinwand' aus dem Brandschen Kaufruf. Wien 1775
"Kroat mit Leinwand" aus dem Brandschen Kaufruf. Wien 1775

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts siedelten westungarische und österreichische Adelige in den durch Kriege und Seuchen entvölkerten Regionen des heutigen Burgenlands (z.B. Oslip) und Niederösterreichs (Marchfeld) Kroaten an, die aufgrund der ständigen Bedrohung durch die Türken nach Norden geflohen waren. Die Siedler kamen aus verschiedenen Teilen Kroatiens, von der dalmatinischen Küste bis Slawonien. 

In der österreichisch-ungarischen Monarchie machten die Wiener nicht viel Unterschied zwischen burgenländischen und anderen Kroaten oder Slowaken. Sie siedelten zunächst auf dem Spittelberg und mussten, nachdem dort Ende des 17. Jahrhunderts Bürgerhäuser errichtet wurden, in das "Krowotendörfel" in der Alservorstadt übersiedeln. Als man nach 1848 auch dieses verbaute, wechselten sie nach Favoriten. Die Gudrunstraße hieß auch Kroatenstraße. Ein Kupferstich des Brand'schen Kaufrufs zeigt eine "Kroatinn mit Zwiebel" in pelzbesetzter Tracht. Die junge Frau sitzt, an einen großen Sack mit ihrer Ware gelehnt, auf dem Boden und hält einen Zopf Knoblauch in der Hand. Andere „Zwiebel-Krowoten“ stellten die Knollen in einem Korb zur Schau. Sie boten diese von Haus zu Haus oder am Rand der Märkte an. 

"Mausfallen! Blasbälge!“ war der Ruf der „Kochlöffelkrowoten“, die Küchenwerkzeug, Gegenstände des täglichen Bedarfs und hölzernes Spielzeug vertrieben. Die Industrialisierung ging in Kroatien nur langsam vor sich, noch um 1900 war die Analphabetenrate hoch, die Landwirtschaft als Erwerbszweig der Mehrheit der Bevölkerung nicht modern organisiert. Daher war der Wanderhandel eine notwendige Ergänzung. Nachdem Kaiserin Maria Theresia (1717-1780) im Erbfolgekrieg (1740-1748) Schlesien an Preussen verloren hatte, musste auch Ersatz für die sprichwörtliche "schlesische Leinwand" gefunden werden. Sie förderte den Flachsanbau, befreite die Weberei von zünftischen Beschränkungen und forcierte die Hausindustrie. Ambulante Leinwandhändler besorgten den Vertrieb, so auch der "Kroat mit Leinwand", den der Brand'sche Kaufruf zeigt.


Quellen:
Otto Krammer: Wiener Volkstypen. Wien 1983. S. 151
Josip Sersic: Kroaten in Wien, in: Wir. Zur Geschichte und Gegegnwart der Zuwanderung nach Wien. Wien 1996. S. 70 f.
Helga Maria Wolf: Die Märkte Alt-Wiens. Wien 2006. S. 48, 55, 56, 111 f.