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Sigl, Georg #

* 13. 1. 1811, Breitenfurt bei Wien (Niederösterreich)

† 9. 5. 1887, Breitenfurt bei Wien


Erfinder, Industrieller


Georg Sigl. Lithographie von A. Dauthage, 1862, © Christian Brandstätter Verlag, Wien
Georg Sigl. Lithographie von A. Dauthage, 1862
© Christian Brandstätter Verlag, Wien

Georg Sigl war der Sohn armer Eltern, die früh starben. Er wuchs bei seiner Schwester auf und erlernte bei deren Gatten das Schlosserhandwerk. Die Gesellenwanderung führte ihn vier Jahre lang durch Schweiz, Bayern und Württemberg. 1832 nach Wien zurückgekehrt fand er Anstellung bei der renommierten Firma Helbig & Müller, die Buchdruckpressen erzeugte. Bald brachte er eigene Ideen zu den Konstruktionen ein. Der deutsche Maschinenfabrikant Dingler erkannte Georg Sigls Fähigkeiten und berief ihn als Werkmeister in seine Fabrik nach Zweibrücken, wo er beginnen wollte, Schnellpressen zu bauen. Sigl strebte aber Selbständigkeit an, zuerst in Berlin. 1840 eröffnete er eine Werkstätte, der schon nach vier Jahren eine kleine Maschinenfabrik folgte. 1846 kehrte Sigl nach Wien zurück und begann im 9. Bezirk mit dem Bau von Schnellpressen nach eigener Konstruktion, Werkzeugmaschinen, Papiermaschinen, Dampfmaschinen, landwirtschaftlichen Geräten, Dampfkesseln etc. 1850 baute er die erste Steindruck-Schnellpresse mit rollendem Druckzylinder. Eine solche war 40 Jahre hindurch in der österreichischen Staatsdruckerei in Betrieb. Sigl war der erste, der in Österreich-Ungarn Doppelschnellpressen (große einfache Schnellpressen mit Kreisbewegung) und Rotationsdruckmaschinen herstellte. Die ersten Rotationsmaschinen standen bei der "Neuen Freien Presse" in Wien und der Voßschen Zeitung in Berlin. Außerdem lieferte er die ersten mechanischen Einrichtungen für die Rohrpost in Wien, Berlin und München.


Lokomotive 'Johann Adolf' von Georg Sigl, 1868, Sammlung Alfred Wolf
Lokomotive "Johann Adolf" von Georg Sigl, 1868
Sammlung Alfred Wolf

In den 1840er- und 1850er- Jahren stand der Lokomotivbau in Österreich erst in den Anfängen. Der Bedarf, der durch den Ausbau der Eisenbahnlinien entstand, konnte nicht gedeckt werden. Sigl baute auf eigenes Risiko eine Lokomotive, die er "Gutenberg" nannte. Ihre Probefahrt auf der Wien-Gloggniter Bahn überzeugte und brachte ihm ab 1857 Aufträge. Zusätzlich zu seiner eigenen Fabrik in Wien 9, Währinger Straße 59 (später TGM, jetzt WUK) pachtete Georg Sigl 1861 die Wiener Neustädter Lokomotivenfabrik, die er modernisierte und 1867 kaufte. Um preisgünstiger an die Rohstoffe zu kommen, erwarb er den Bergbau in Pitten (Niederösterreich) mit einer Hochofenanlage, ein Bergwerk in Ungarn und beteiligte sich an mehreren Kohlebergwerken im In- und Ausland.


Lokomotiv- und Maschinenfabrik G. Sigl, Wien 9, Sammlung Alfred Wolf
Lokomotiv- und Maschinenfabrik G. Sigl, Wien 9
Sammlung Alfred Wolf

1870 feierte Georg Sigl die Auslieferung der 1000. Lokomotive und der 1000. Schnellpresse. Aus diesem Anlass ernannte ihn die Stadt Wien zum Ehrenbürger. Er selbst widmete 1.000 Gulden für die Armen Wiens und 25.000 Gulden zur Gründung eines Pensionsfonds seiner Arbeiter, deren Zahl bis 1873 auf 5.000 angestiegen war. Der Börsenkrach dieses Jahres nötigte Sigl zur Einschränkung des Betriebs.

Zur 200. Wiederkehr des Geburtstages (2011)veranlasste Ernst Sladek die Herausgabe einer Briefmarke

Quelle#


© TMW
  • Technisches Museum Wien, Archiv (Personenmappe)


Redaktion: hmw