Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Botschaft geht nur an das Administrator Team. Danke fürs Mitmachen, das zur Verbesserung des Systems oder der Inhalte beitragen kann. Ihre Nachricht (optional mit Ihrer E-Mail):
unbekannter Gast

Weinzierl, Erika #

(geborene Fischer)


* 6. 6. 1925, Wien

† 28. 10. 2014, Wien


Historikerin

Weinzierl, Erika
Erika Weinzierl. Foto, 1990.
© Die Presse/Michaela Seidler.
Erika Weinzierl wurde am 6. Juni 1925 als Erika Fischer in Wien geboren, wo sie auch aufwuchs und die Schulen besuchte.

Während des Krieges begann sie zunächst ein Studium der Medizin, wechselte aber 1945 an die Universität Wien, um Geschichte und Kunstgeschichte zu studieren. Neben dem Studium, das sie nach nur drei Jahren 1948 abschloss, absolvierte sie parallel den Lehrgang des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung an der Universität Wien.

Schon als Studentin hatte sie sich der Widerstandsgruppe rund um den katholischen Geistlichen Karl Strobl angeschlossen. 1949 heiratete sie den Experimentalphysiker Peter Weinzierl, 1950 und 1954 wurden ihre Söhne Michael sowie Ulrich geboren.

Von 1948 bis 1964 war sie als Archivarin am Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien tätig und habilitierte sich 1961 für Österreichische Geschichte an der Universität Wien. Das Thema ihrer Habilitation – die österreichischen Konkordate – ließ sie ein Leben lang nicht mehr los. Sie rüttelte hier an Tabus und räumte in ihren Arbeiten über die katholische Kirche Österreichs und die NS-Zeit mit der Ikone einer Kirche als Hort des Widerstandes auf.

1964 wurde sie nach Salzburg an das Institut für kirchliche Zeitgeschichte am Internationalen Forschungszentrum Salzburg berufen, dessen Vorstand sie bis 1992 blieb. Daneben wurde sie 1967 außerordentliche Universitätsprofessorin und 1969 ordentliche Universitätsprofessorin für 'Österreichische Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte' an der Universität Salzburg. In ihrer Antrittsrede befasste sie sich mit den Beziehungen zwischen Wissenschaft und Politik vor allem in der Zeit der Ersten Republik.

Ab 1977 leitete Erika Weinzierl das Ludwig-Boltzmann-Institut für 'Geschichte der Gesellschaftswissenschaften' (seit 1991 'Institut für Geschichte und Gesellschaft') in Wien und Salzburg. Von 1979 bis zu ihrer Emeritierung 1995 war sie Vorstand am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien und prägte mehr als nur eine Generation von Historikern. Sie wirkte weit über die Universität hinaus - als Pazifistin setzte sie sich gegen die Atomrüstung und für eine humane Asyl- und Migrationspolitik ein.

Erika Weinzierl war langjährige Präsidentin der "Aktion gegen den Antisemitismus" und Mitbegründerin der "Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung" und saß im Kuratorium des Bruno-Kreisky-Archivs.

Erika Weinzierl wurde auch durch ihre öffentlichen Auftritte bekannt - immer wieder äußerte sie sich zu aktuellen politischen Themen: besonders beachtet wurden ihre Forschungen zur österreichischen Zeitgeschichte, vor allem über die Rolle der römisch-katholischen Kirche während der Zeit des Nationalsozialismus. Ihr Buch "Zu wenig Gerechte. Österreicher und die Judenverfolgung 1938 bis 1945" erschien 1969 und war vierzig Jahre lang auf dem Buchmarkt.

Em.Prof.in Dr.in Erika Weinzierl war die Geschichtslehrerin der Nation und ein Vorbild für kritische Wissenschaft und Zivilcourage im Leben; bis 2008 erschien sie noch fast täglich zum Arbeiten an "ihrem" Institut.

Erika Weinzierl – die Doyenne der zeitgeschichtlichen Forschung, wie sie Bundespräsident Heinz Fischer würdigte - verstarb am 28. Oktober 2014 in Wien.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • päpstliche Medaille Bene merenti, 1952
  • Premio Adelaide Ristori vom Centro Culturale Italiano in Rom, 1979
  • Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst I.Kl.asse, 1985
  • Goldenes Ehrenmedaille der Stadt Wien, 1985
  • Silbernes Ehrenzeichen des Landes Salzburg, 1985
  • Österreichischer Staatspreis für Kulturpublizistik, 1988
  • Dr. Hertha Firnberg-Staatspreis für besondere Leistungen im Bereich von Wissenschaft und Forschung, 1992
  • Wissenschaftspreis der Stadt Wien, 1994
  • Bruno-Kreisky Preis "Für das politische Buch" (Sonderpreis für das Lebenswerk), 1995
  • Samuel Bloch-Medaille der Aktion gegen den Antisemitismus, 1996
  • Wilhelm-Hartl-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1998
  • Volksbildungspreis der Stadt Wien, 2000
  • Großes Silbernes Ehrenzeichen der Republik, 2000
  • Donauland-Sachbuchpreis "danubius"(für ihr Lebenswerk), 2003
  • Ehrenpreis des Presseclubs Concordia, 2009
  • Ehrenpräsidentin der Aktion gegen den Antisemitismus

Werke (Auswahl)#

Bücher
  • Die österreichischen Konkordate von 1855 und 1933, 1960
  • Die politische Korrespondenz der Päpste mit den österreichischen Kaisern 1804-1918, 1964 (mit F. Engel-Janosi und R. Blaas)
  • Zur Reform der österreichischen Innenpolitik 1955-65, 2 Bände, 1966/68 (mit R. Marcic, E. Mock und F. M. Schmölz)
  • Österreichische Zeitgeschichte in Bildern, 1975
  • Emanzipation? Österreichische Frauen im 20. Jahrhundert, 1975
  • Zu wenig Gerechte, Österreicher und Judenverfolgung 1938-45, 1997

(Mit-)Herausgeberin

  • Kirche in Österreich, 1952
  • Österreich. Die Zweite Republik, 1972
  • Die österreichischen Bundeskanzler, 1983
  • Österreich 1918-38, 1984
  • Vertreibung und Neubeginn. Israelische Bürger österreichischer Herkunft, 1992
Begründerin und langjährige Herausgeberin der noch immer existierenden Zeitschrift "Zeitgeschichte"

Herausgeberin der Reihe "Veröffentlichungen und Publikationen des Instituts Für Kirchliche Zeitgeschichte

ca. 250 Aufsätze und wissenschaftliche Beiträge

Literatur#

  • M. Ertl (Redaktion), E. Weinzierl. Publikationen und Lehrtätigkeit, 1995

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl